Marcel Nguyen, Robert Harting und Philipp Boy zählen zu den diesjährigen Olympiaathleten, die ihre Karriere der Sportförderung durch die Bundeswehr verdanken. Gerne weist das Verteidigungsministerium darauf hin, wie erfolgreich die sogenannten Sportsoldatinnen und -soldaten sind. Doch die Förderung deutscher Athleten in der Bundeswehr schade dem Sport mehr, als sie nütze, sagt Wolfgang Maennig, Olympiasieger von 1988 im Ruder-Achter und Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Hamburg .

Maennig kritisiert, die meisten Bundeswehr-Athleten würden immer noch keiner geregelten Ausbildung oder einem Studium nachgehen und die Bundeswehr würde nicht genügend Druck aufbauen und Hilfestellung geben, damit die jungen Soldaten sich auch um ihre weitere berufliche Zukunft kümmern.

Den rund 800 verbeamteten und von der Bundeswehr voll bezahlten Sportsoldatinnen und -soldaten war es lange verboten, während ihres Dienstes auch einer Ausbildung oder einem Studium nachzugehen. Das Verteidigungsministerium habe zwar vor Kurzem reagiert und diese Regel abgeschafft. Dennoch habe sich nicht viel verändert in der Praxis.

"Die jungen Leute fühlen sich sicher in ihrer beamteten Stelle mit den rund 1.500 Euro. Sie ahnen nicht, dass mit 32 das Ende da ist. Ihnen wird Sicherheit vorgegaukelt, die es nicht gibt", sagt Maennig. Diese Athleten gehörten in jungen Jahren zu den Talentiertesten und seien später gar nicht so erfolgreich, wie das Verteidigungsminister de Maiziére nach den Spielen in London wieder einmal dargestellt hat. Die Medaillen-Zahlen (siehe Infobox) sind für Maennig eher alarmierend: "Das Sportsoldatentum ist langweilig; was sich auf die Trainingshaltung überträgt. Durch die eindimensionale Verengung des Sportleralltags können Medaillen verloren gehen."

Tatsächlich gibt es bei der Bundeswehr schon seit Längerem Überlegungen, die Sportsoldatenstellen abzuschaffen. Experten haben bestätigt, dass das Leben als Sportsoldat zum Rumhängen verleitet – auch nach der sportlichen Karriere. Die Athleten bestätigen das hinter vorgehaltener Hand, sagt Maennig. "Sie werden ihnen offiziell nichts sagen, aber ich habe in London mit Sportlern gesprochen. Sie bereuen, dass sie diesen Weg gewählt haben. Sagen, es sei ein Riesenfehler gewesen, Sportsoldat zu werden."

Auch innerhalb der Bundeswehr stünden die Sportsoldaten-Stellen in der Kritik. "Ich habe ganz deutliche Töne aus der Bundeswehr gehört: Unsere Jungs und Mädels kämpfen in Afghanistan und müssen mit ansehen, wie andere in kurzen Hosen rumsitzen und das gleiche Gehalt bekommen", sagt Maennig. Er fordert daher ein Umdenken: Entweder sollte man die Ausbildung bei der Bundeswehr deutlich verbessern, oder aber ganz abschaffen und die Förderung beim Deutschen Olympischen Sportbund ansiedeln.