Tuvia Tenenbom im "Biggest Loser"-Resort

Kennen Sie die TV-Show The Biggest Loser ? Die Sendung, in der Übergewichtige durch die Hölle gehen, um Gewicht zu verlieren? Nun: Ich bin gerade im Biggest Loser Resort in Los Angeles . Das hier ist kein Fernsehen; es ist Realität.

Ich bekomme ein fünfseitiges Dokument und den Befehl: "Hier unterschreiben!" Ich lese eine Zehntelseite und kriege sofort Kopfschmerzen. Ich unterschreibe.

Der nächste Befehl: "Treppe hoch!" Ich gehe nach oben. "Auf die Waage!" Ich stelle mich auf die Waage. "Sie wiegen 126,77 Kilogramm." Wenn man bedenkt, wie viele Billionen Kilo unser Planet wiegt, ist das fast nichts.

"Abendessen gibts unten", sagt man mir. Ich gehe nach unten und lese noch ein paar Zeilen des Dokuments. Ich stelle fest, dass ich gerade zugesichert habe, keinesfalls zu klagen – auch wenn das Ergebnis meines Aufenthalts hier möglicherweise "Arbeitsunfähigkeit, Tod und/oder Beschädigung oder Verlust von Eigentum" sein wird. Mir gefällt die Reihenfolge: Eigentumsverlust ist offensichtlich schlimmer als der Tod.

Tod!

Ich sehe mich um. Dieses sogenannte Resort sieht anders aus als alle Resorts, die ich jemals gesehen habe. Im Grunde sieht es aus wie eine Kaserne, eine Art Armeestützpunkt.

Tod? Wollen sie mich nach Gaza verfrachten?

Ehe ich mir auch nur den kleinsten Bissen in den Mund stecken kann, sagt man mir, dass ich zur orangenen Gruppe gehöre. Nicht gelb, nicht blau, nicht rot. Ich gehöre jetzt zum orangenen Stamm.

Ich setze mich und will essen. Hanan, die aus Saudi-Arabien kommt und Hijab trägt, sitzt neben mir in der Mensa. Ich versuche, eine Unterhaltung anzufangen: Wann schwappt der arabische Frühling nach Saudi-Arabien? "Das hängt alles von Israel ab. Wann und wo entscheidet Israel."

Mich überkommt ein riesiges Verlangen nach Kaffee – zur Beruhigung. "Wir schenken nichts Koffeinhaltiges aus", sagt mir eine Dame in der Küche. Das kommt mir seltsam vor, denn ich habe immer gedacht, dass Koffein beim Abnehmen hilft.

"Willkommen bei The Biggest Loser", unterbricht eine Lautsprecherstimme meine Gedanken. "Sie werden acht Stunden am Tag trainieren und nur 1.500 Kalorien täglich zu sich nehmen."

Das hier ist nicht das Biggest Loser Resort, stelle ich fest – das hier ist ein Alptraum.

Mir gegenüber sitzen der 170-Kilo-Mann Jim und der viel dünnere Sergio: Er wiegt nur 163 Kilo. Keren daneben sieht eher nach 180 Kilo aus.

Nicht alle sind fett. Lavinia aus Hamburg zum Beispiel: Sie sei hier, sagt sie, um ihr Durchhaltevermögen zu stärken. Hanan, die auch nicht richtig fett ist, obwohl sie selbst sich dafür hält, ist sich plötzlich nicht mehr sicher, ob sie mit mir sprechen sollte, weil "alle Journalisten Juden sind."

Ich gehe auf mein Zimmer und koche mir einen ordentlichen türkischen Kaffee. Richtig, ich habe türkischen Kaffee ins Resort geschmuggelt. Ich trinke fünf Tassen und schlafe wie ein Baby.

Um 8:00 Uhr morgens breche ich zu meiner ersten Wanderung auf. Wir sind – ganz offensichtlich – die fettesten Menschen in ganz Los Angeles. Ein gut gekleideter Mann, der wie ein französischer Intellektueller aussieht, spricht mich an. Er zeigt auf einen Gipfel auf der anderen Seite des Valleys: "Wenn Sie dort hochklettern, wartet eine Belohnung auf Sie", sagt er. Warum? Was ist dort oben? " McDonald’s ", sagt er und lacht ein teuflisches Lachen.