Olympia 2012: "Ich bin nicht wie die anderen"
Jamaikas Sprintstar Usain Bolt will seine Karriere bei den Olympischen Spielen in London krönen. Er ist davon überzeugt, dass er Zeiten für die Ewigkeit laufen kann.
© Kai Pfaffenbach/ Reuters

Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt kurz vor dem ersten Vorlauf
Der Wettkampf beginnt mit – einem Stolperer. Usain Bolt trifft die Bahn nicht richtig, er kommt nicht in Tritt und für ein paar Meter wirkt der Jamaikaner einmal wie ein gewöhnlicher Weltklasseläufer neben all den anderen im Stratford Stadium von London. Nach vierzig Metern löst er sich dann jedoch heraus und schlüpft wieder in seine Rolle, 80.000 Zuschauer jubeln, nicht schwer vorzustellen, dass sie vor allem ihn sehen wollten, selbst wenn es nur der Vorlauf ist.
Als Bolt dem Ziel näher kommt, haben seine Schritte wieder die Geschmeidigkeit, die seinen Laufstil auszeichnet. 10,09 Sekunden zeigt die Uhr an, eine Zahl zum Vergessen.
In der nächsten Runde wird alles wieder bei null anfangen und entscheidend ist für Bolt ohnehin nur, ob sein Körper derjenige sein wird, der an diesem Sonntag um kurz vor 23 Uhr deutscher Zeit als Erster über die Linie fliegt. Bolt hat etwas zu gewinnen, eine Goldmedaille wie jeder seiner Konkurrenten. Aber dazu noch einen Status. "Ich will eine Legende werden", hat er als Karriereziel formuliert, und dafür möchte er seinen drei Olympiasiegen von Peking und seinen Weltrekorden noch mehr olympisches Gold hinzufügen.
Bolt läuft nicht nur für sich, er läuft auch für Jamaika. Mit seinem gelb-grünen Shirt trägt er die Farben seines Landes, das am Montag den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit feiert und schon jetzt in fiebriger Erwartung auf das Duell zwischen ihm und seinem heimischen Herausforderer Yohan Blake blickt, in rauschender Geschwindigkeit spazieren.
- London 2012
Vom 27. Juli bis zum 12. August 2012 richtet London die größte Sportveranstaltung der Welt aus. Bei den Sommerspielen der 30. Olympiade wird es in 26 Sportarten 302 Entscheidungen geben. Insgesamt werden mehr als 10.000 Sportler aus mehr als 200 Ländern in England erwartet. Außerdem werden ungefähr 30.000 Journalisten aus aller Welt aus London von den Spielen berichten. Insgesamt stehen 6,6 Millionen Tickets zum Verkauf.
- Olympia auf ZEIT ONLINE
In unserem Ticker verpassen Sie keinen olympischen Wettkampf, keine Medaille und keinen Termin der Sommerspiele in London. Den an jedem Olympiatag spannendsten Wettkampf stellen wir in der Serie "Mein Olympia" vor. Alle Interviews, Reportagen und Essays der Redaktion finden Sie auf der Olympia-Seite. Die englische Hauptstadt London ist nach 1908 und 1948 die erste Metropole, die zum dritten Mal Gastgeber der Spiele ist. Für ZEIT ONLINE berichten Christian Spiller und Christof Siemes aus London. Im Blog der Sportredaktion lesen Sie die Erfahrungen der Olympiareporter.
Er tut das mit Stolz, wie er gerne mal erzählt: "Ich wusste, dass ich berühmt werden würde. In meiner Heimat hatten die Menschen mich schon vorher gefeiert." Bolt berichtet, dass er auf den heimischen Straßen zuweilen mit Sprechchören empfangen wurde. Als er dann weltweit bekannt wurde, mit seinen Wunderläufen bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin, merkte er, dass die Verehrung für ihn nicht nur zu Hause überbordet. Was er dabei dachte, erzählte er etwa der britischen Sky-Journalisten Claire Bloomfield in einem Interview. Und was dachten Sie, Usain Bolt, als neuer Weltstar? "Oh, mein Gott, was ist jetzt los?"
Als Schuljunge schwänzte er das Training
Der Superstar, der in zwei Wochen 26 Jahre alt wird, gibt sich inzwischen reifer, aber manchmal, das gibt er in seltenen Momenten öffentlicher Offenheit zu, manchmal wolle er nur noch alleine sein. Nicht nur für Bolt gilt das Gesetz der Superstars: Mit der eigenen Popularität umzugehen, ist der härteste und zeitintensivste Teil des Jobs, ja, des Lebens. Als Schuljunge schwänzte er das Training schon mal und vertrieb sich die Zeit mit Videospielen. Aber heute gestatten ihm Trainer und Öffentlichkeit das nicht mehr. Aber wenn er sich in Form fühlt, nimmt er sich einen Tag und daddelt. Oder er geht aus und gibt sein Geld aus, "zumal ich heute auch viel davon verdiene". Aber auch dabei, so versichert er zumindest in einem seiner seltenen Interviews, achtet er auf sich: "Es kommt eben auf die Balance an."
Früher hatte er auch mal drei oder vier Tage am Stück frei. Aber diesem Früher, das er in nachdenklichen Momenten vermisst, ist er zu schnell davongerannt. Bolt hat sich verändert, zumindest kann man das denken, wenn man ihn in London unten auf der Bahn sieht. Vor dem Start belässt er es bei einigen für seine Verhältnisse sparsamen Gesten, einige Fingerzeige in den Himmel und nach vorne ins Ziel und er fährt mit seinen Händen durchs raspelkurze Haar. Das kann noch lustiger werden. Für die ganz großen Faxen ist die Zeit noch nicht gekommen.
Es ist beobachtet worden, dass Bolt ein bisschen weniger lächelt. Warum auch immer. Für Bolt, der nicht nur wegen seiner Sprints, sondern auch wegen seiner Show bewundert wird, scheint es ein eigenes Spaßbarometer zu geben. Der Jamaikaner sagt, er sei bei "95 Prozent" seiner Fähigkeiten. Wenn er gewinnen sollte, dann sind entweder auch 95 Prozent Bolt gut genug für den spektakulärsten Titel der Olympischen Spiele. Oder er hätte sich noch einmal gesteigert, die fehlenden Prozente herausgeholt, als es wirklich darauf ankam.
Nach seinem Vorlauf sagt er ein paar Sätze: "Es war ein schlechter Start. Meine Reaktion war gut, aber ich bin gestolpert. Aber meine Beine haben sich gut angefühlt." Dass der Start nicht seine Spezialität ist, weiß er selbst am besten. "Ich war nie ein großer Starter, und ich werde nie ein großer Starter sein. Ich hole das einfach im Rennen raus."






das schöne am Sport und der Olympiade!
Und die Aussage" Ich bin nicht wie die anderen!" erinnert doch irgendwie an die Toten Hosen: "Freunde":
"Wir sind nicht so wie die anderen, auch wenn es keine anderen gibt".
Ist hier im Plural: beim Sprinten ist eben jeder allein mit der Ziellinie.
Man fragt sich immer, woran es liegt. Aber so ein Typ ist einfach so cool, da kommen die anderen Speedys nicht mit. Seltsam, dass die Deutschen immer irgendwelche Geräte brauchen, um zu siegen (siehe auch Zipperts Glosse in der Wams von heute).
Lass sie stehen, Usain! Du bist der Größte!
er doch dopt? Viele Nationen können nicht im Training kontrolliert werden, sondern nur nach dem Kampf in London. Wie ist das mit Jamaika?
er doch dopt? Viele Nationen können nicht im Training kontrolliert werden, sondern nur nach dem Kampf in London. Wie ist das mit Jamaika?
er doch dopt? Viele Nationen können nicht im Training kontrolliert werden, sondern nur nach dem Kampf in London. Wie ist das mit Jamaika?
nicht kontrolliert wird....dann weiß ich auch nicht...
nicht kontrolliert wird....dann weiß ich auch nicht...
nicht kontrolliert wird....dann weiß ich auch nicht...
das werden wir nicht erfahren, weil man ja durchaus so dopen kann, dass es nicht nachweisbar ist. Bedenklich finde ich, dass Leute mitlaufen im Finale, die schon des Dopings überführt wurden, wie Mr. Gatlin. Der läuft jetzt wieder so schnell, wie zu den Zeiten, als er bis unter die Haarspitzen mit Drugs vollgepumpt war. Ich vermute, dass alle die weit unter 10 Sekunden laufen nur gedopt sein können.
Nichts gegen Herrn Bolt, aber eine Biographie ist per Definition ein detaillierter Bericht über das Leben eines Menschen. Hat Bolt vor in Kürze zu sterben?
Nach dem Karriereende ist eine Grauzone, aber diese ganzen Biographien von Menschen, die noch nicht einmal die Hälfte ihres Lebens umhaben, sind doch absolut unnötig ...
..für mich ist Usain Bolt nicht mal wie ein einziger Anderer: Jesse Owens nämlich.
Der gewann in Berlin 1936 4x Gold (100m, 200m, Weitsprung, 4x100m-Staffel) , blieb aber bescheiden auf dem Teppich, redete danach weder was von Biographie, noch was von "für die Ewigkeit", hielt aber seinen 100m-Olympia-Rekord immerhin bis Armin Harry 1960 in Rom.
Dafür gibt's aber als bleibendes ehrendes Angedenken in Berlin immer noch eine Jesse Owens-Straße.
Kann mir nicht vorstellen, daß die Londoner das auch bei Bolt tun werden.
..für mich ist Usain Bolt nicht mal wie ein einziger Anderer: Jesse Owens nämlich.
Der gewann in Berlin 1936 4x Gold (100m, 200m, Weitsprung, 4x100m-Staffel) , blieb aber bescheiden auf dem Teppich, redete danach weder was von Biographie, noch was von "für die Ewigkeit", hielt aber seinen 100m-Olympia-Rekord immerhin bis Armin Harry 1960 in Rom.
Dafür gibt's aber als bleibendes ehrendes Angedenken in Berlin immer noch eine Jesse Owens-Straße.
Kann mir nicht vorstellen, daß die Londoner das auch bei Bolt tun werden.
Vor einigen Jahren gab es mal wissenschaftl. Untersuchungen, die versucht haben herauszufinden, wo die absoluten Leistungsgrenzen für Sprinter geben könnte ... und da waren so Typen wie Bolt mit optimalen Körpermassen dabei, wahrscheinlich sogar noch optimaler ... das Ergebnis lag so bei maximal 9,7 Sekunden. Wäre interessant diese Leute mal zu befragen, was sie zu den derzeitigen Ergebnissen sagen. Nur so ein Gedanke.
..für mich ist Usain Bolt nicht mal wie ein einziger Anderer: Jesse Owens nämlich.
Der gewann in Berlin 1936 4x Gold (100m, 200m, Weitsprung, 4x100m-Staffel) , blieb aber bescheiden auf dem Teppich, redete danach weder was von Biographie, noch was von "für die Ewigkeit", hielt aber seinen 100m-Olympia-Rekord immerhin bis Armin Harry 1960 in Rom.
Dafür gibt's aber als bleibendes ehrendes Angedenken in Berlin immer noch eine Jesse Owens-Straße.
Kann mir nicht vorstellen, daß die Londoner das auch bei Bolt tun werden.
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