WasserballBringt Popularität Geld oder bringt Geld Popularität?

Geert Hahns Sport ist Wasserball. Vor dem Olympia-Finale spricht er über die Unterschiede zum Fußball. Und sagt, wieso Mittelmeerländer Wasserballnationen sind.

Italiens Wasserballer feiern den Einzug ins Olympia-Finale.

Italiens Wasserballer feiern den Einzug ins Olympia-Finale.

Das, was man im Fußball Mittelfeldgeplänkel nennt, gibt es im Wasserball nicht. Die Schnelligkeit ist beim Wasserball sehr wichtig. Die Regel, dass ein Angriff nur 30 Sekunden andauern darf, sorgt dafür, dass die Mannschaften schnell in ihre Ordnungen zurückfinden müssen, defensiv wie offensiv. Von der taktischen Entwicklung des Aufbauspiels ist Wasserball am ehesten mit dem Handball vergleichbar. Die Spieler müssen dadurch extrem schnell spielen und schwimmen.

Wichtig ist auch das physische Spiel. Ruppig geht es vor allem im Zentrum zu. Hier besteht fast ununterbrochen Körperkontakt. Höchstens beim Wechsel des Angriffsrechts ist es kurz ruhig. In London halten sich die unfairen Aktionen aber in Grenzen. Das ist wie in den meisten anderen Ballsportarten: Je geringer die technischen und taktischen Möglichkeiten der Spieler sind, desto eher werden unfaire Mittel eingesetzt. Leider fliegen manchmal trotzdem die Fäuste.

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Ich bin auf das Olympia-Finale am heutigen Sonntag zwischen Kroatien und Italien sehr gespannt. Beide Länder haben tolle Mannschaften. Vor allem der italienische Torwart Stefano Tempesti hat starke Leistungen gezeigt. Beim Wasserball ist es immer ein gutes Indiz für die Physis eines Spielers, wie weit er aus dem Wasser ragt. Beim Torwart ist dies noch wichtiger. Je größer er sich machen kann, desto mehr Raum kann er vor dem Tor abdecken und desto weiter kann er im Wasser "springen".

Geert Hahn
Geert Hahn

Geert Hahn war lange Jahre Hallensprecher beim Wasserball-Verein Poseidon Hamburg, der aktuell in der 2. Liga spielt.

Es ist auffällig, wie stark die Mittelmeerländer im Wasserball sind. Das Niveau, auf dem die Spiele in Ländern wie Italien stattfinden, ist ein ganz anderes als hierzulande. Dadurch haben sie auch mehr Publikum. Die Frage ist: Bringt Popularität Geld oder bringt Geld Popularität? Ich kann die Frage nicht beantworten. Vielleicht hängt die Dominanz der Mittelmeerstaaten einfach am Wetter. Das klingt vielleicht ein bisschen platt, aber haben Sie mal im Frühsommer im Freien Wasserball gespielt?

In Deutschland findet Wasserball in den Medien kaum statt. Es ist seit Jahrzehnten ein Teufelskreis: Die Vereine haben nicht die finanziellen Möglichkeiten, die Spieler so gut zu bezahlen, dass sie professionell trainieren können. Das sorgt dafür, dass die deutschen Vereine im internationalen Bereich nicht für Aufsehen sorgen können. Dadurch fehlt die Medienaufmerksamkeit, was wiederum das fehlende Geld erklärt.

Mein Olympia

Jeder Tag rappelvoll mit Spannung, Medaillen und Tränen: Bei den Sommerspielen der 30. Olympiade wird es in 26 Sportarten 302 Entscheidungen geben. Da den Überblick zu behalten ist nicht leicht. In der täglichen Serie "Mein Olympia" versuchen wir es. Am Morgen eines jeden Olympiatages lassen wir einen Sportler oder jemanden, der sich mit einer Sportart auskennt, erzählen, weshalb sein Olympia-Moment wichtig wird.

London 2012

Vom 27. Juli bis zum 12. August 2012 richtet London die größte Sportveranstaltung der Welt aus. Insgesamt werden mehr als 10.000 Sportler aus mehr als 200 Ländern in England erwartet. Außerdem werden ungefähr 30.000 Journalisten aus aller Welt aus London von den Spielen berichten. Insgesamt stehen 6,6 Millionen Tickets zum Verkauf.

Olympia auf ZEIT ONLINE

In unserem Ticker verpassen Sie keinen olympischen Wettkampf, keine Medaille und keinen Termin der Sommerspiele in London. Den an jedem Olympiatag spannendsten Wettkampf stellen wir in der Serie "Mein Olympia" vor. Alle Interviews, Reportagen und Essays der Redaktion finden Sie auf der Olympia-Seite. Die englische Hauptstadt London ist nach 1908 und 1948 die erste Metropole, die zum dritten Mal Gastgeber der Spiele ist. Für ZEIT ONLINE berichten Christian Spiller und Christof Siemes aus London. Im Blog der Sportredaktion lesen Sie die Erfahrungen der Olympiareporter.

Wer auf hohem Niveau trainieren will, braucht ein ganzes Schwimmbad. Eine Stunde Schwimmen die Woche ist ganz fein, aber wer richtig Wasserball spielen will, braucht vier- bis fünfmal die Woche ein großes Becken für sich allein. Das ist für viele Vereine ein Problem.

Wenn ich zu einem Spiel meines Heimatvereins gehe, kenne ich 80 Prozent der Zuschauer. Das ist eine verschworene Gemeinschaft. Im unteren Leistungsbereich spielen mehr als man denkt, gerade Frauen. Die meisten wechseln aus dem Schwimmsport, weil sie nach vielen Jahren harter, individueller Trainingsarbeit sagen: Ich möchte einen Ballsport betreiben und Teil einer Mannschaft sein. Mir ging es ähnlich. Nachdem ich lange Jahre im Leistungsbereich geschwommen bin, habe ich mit dem Wasserball angefangen. Wie so viele andere bin ich bei der Passion geblieben.

Aufgezeichnet von Tobias Escher

 
Leserkommentare
  1. Vieles Richtige klang im Bericht schon an. Dazu kommt: Für eine Wasserballmannschaft auf internationalem Niveau braucht ein Schwimmverband ca. 20 sehr gewandte und körperlich große Athleten (im direkten Wortsinn), die alle die 100m in mindestens 52sec bis höchstens 55sec schwimnmen können, die im Sprint über 25m mit den besten Spezialisten über 50m mithalten können, entsprechendes Ballgefühl und athletische Beweglichkeit haben und die über lange Strecken nicht absaufen (800m mindestens im 10min- Bereich, wenn nicht besser). Bei der Art der deutschen Sportförderung bringt das dann gerade mal eine Mannschaftsmedaille bei Olympia, nichts für die Medaillenzähler aus dem Innenministerium. Da ist es besser, man investiert in die Individualsportart Schwimmen. Ausweg wäre zunächst die Gründung einen eigenen Wasserballverbandes. Kein Mensch käme z.B. auf die Idee, die Handballspieler organisatorisch bei den Leichtathleten mit unterzubringen. Ich habe selbst 15 jahre Wasserball gespielt und weiß daher wovon ich schreibe. Auch der DDR war die Wasserballförderung auf internationalem Niveau wegen der geringen Medaillenausbeute bei mit Individualsportarten vergleichsweise hohem Einsatz zu aufwändig.

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    gilt das für Fussball, Hockey, Volleyball, Basketball auch? Somit sollten bei Olympia keine Teamsportart teilnehmen weil sie nur 1 Medaille bringen?

    Eine merkwürdige These...

    gilt das für Fussball, Hockey, Volleyball, Basketball auch? Somit sollten bei Olympia keine Teamsportart teilnehmen weil sie nur 1 Medaille bringen?

    Eine merkwürdige These...

  2. gilt das für Fussball, Hockey, Volleyball, Basketball auch? Somit sollten bei Olympia keine Teamsportart teilnehmen weil sie nur 1 Medaille bringen?

    Eine merkwürdige These...

  3. Alle die von Ihnen genannten Manschaftssportarten haben eigene Verbände und eigene Strukturen und daher auch eine eigene Förderung. Analog der Situation im Wasserball müßten sie alle bei der Leichtathletik angesiedelt sein. Die Deutschen sehen bei Olympia, außer bei dem eher randständigen Hockey, in allen Mannschaftssportarten (Fußball und Handball überhaupt nicht dabei) nicht besonders gut aus, u.a. eine Folge der unsäglichen Medaillenzählerei! Ich plädiere sehr für Mannschaftssportarten, bin aber gegen diese Sportarten hindernde Strukturen.

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