Die Wasserballarena in London schaut von außen aus wie ein zu groß geratenes Waschbrett . Das muss man nicht schön finden, es passt aber ganz gut zu dem Sport, der in ihr ausgetragen wird. Weil jeder Wasserballspieler, der was auf sich hält, neben seiner Badekappe und Ohrenschützern auch ein Waschbrett dabei haben sollte. Es braucht starke Männer, der Sport ist hart. Sehr hart.

Draško Brguljan bestätigt das. Nach dem Spiel steht er da, immer noch im Badehöschen. Wäre der Mann aus Montenegro vor ein paar Tausend Jahren geboren, er hätte wohl sein Leben damit verbringen müssen, den Bildhauern Modell zu stehen. Dazu ist er freundlich, klopft einem auf die Schultern, wenn man eine Frage stellt, die ihm gefällt, bis er irgendwann fast beiläufig erzählt, dass er seinen Gegnern unter Wasser in die Weichteile greift. Was? "Ja, das ist normal, dieses Spiel ist ein Kampf", sagt Brguljan und schaut dabei so, als würde er zu Hause seinen Müll trennen.

Wasserball ist wohl der härteste Sport der Olympischen Spiele. Einige nennen es Rugby unter Wasser. Das werden die Wasserballer nicht gerne hören. Im Vergleich mit ihnen sind Rugbyspieler Memmen. Es gibt nur wenige Wasserballer, die ein Turnier ohne blaue Flecken oder Prellungen überstehen. Es wird getreten, geschlagen, gekratzt, gewürgt und gezerrt. Fast jeder hatte schon einmal die Nase gebrochen oder den Kiefer, ein paar ausgeschlagene Zähne und fiese Narben im Gesicht.

Ein amerikanischer Spieler hat noch immer den Gebissabdruck eines früheren Gegners auf der Schulter, es waren starke, gesunde Zähne. In den Niederlanden mussten sich sogar einmal zwei Schwestern wegen versuchten Totschlags verantworten . Sie sollen versucht haben, ihre Gegnerin zu ertränken – weil sie ein Tor erzielt hatte.

Und dann spielt auch noch Serbien gegen Montenegro. Die Auslosung wollte es so. Beim Tischtennis-Einzel spielte ein Nordkoreaner gegen einen Südkoreaner , das Ganze wird sich im Teamwettbewerb wiederholen. Beim Hockey der Männer trafen die Engländer auf Argentinien , es ging aber nicht um die Falklandinseln, sondern nur um Vorrunden-Punkte. Nach beiden Begegnungen hieß es stets: Das hier ist Sport, keine Politik.

Genau das sagt auch der Eierkneifer Draško Brguljan. "Das ist keine Politik." Doch so einfach ist das nicht. Politik steckt überall, auch im Sport. Und natürlich werden sich die Nordkoreaner über ihren Sieg gegen den politischen Rivalen ein wenig mehr gefreut haben, als hätten sie gegen Dänemark gespielt. Ebenso die Briten über ihren Hockeyerfolg.

Serbien und Montenegro waren zwar nie im Krieg miteinander. Aber es gab heftige Spannungen. Nach dem Zerfall Jugoslawiens bildeten beide Länder zunächst die "Bundesrepubik Jugoslawien", aus der später der Staat "Serbien und Montenegro" wurde, der unter diesem Namen auch 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen startete. 2006 erklärte Montenegro nach einem Referendum seine Unabhängigkeit, weil sie sich von den Serben bevormundet fühlten.

Früher waren sie ein Team. Heute spielen Gocić, Udovičić und Filipović für Serbien, während Zloković, Gojković und Jokić für Montenegro schwimmen. "Seit unserer Teilung ist es jedes Mal eines der emotionalsten Spiele", sagt der Serbe Filip Filipović, die Augen ganz rot, vom vielen Chlor. "Bis gestern waren wir sozusagen im gleichen Boot und jetzt geht es darum, wer besser ist."