Lars Christian Olsen: "Die Färinger sind Dänen, aber etwas härtere Dänen als wir auf dem Festland." ©  Georgi Licovski/dpa

ZEIT ONLINE : Herr Olsen, was fasziniert Sie daran, Trainer des Färöer Teams zu sein?

Lars Christian Olsen : Ich liebe meinen Job, bin gerne mit den Jungs zusammen, will sie besser machen. Ich bin gespannt, wie sich die Dinge hier entwickeln, ich bin ja erst seit zehn Monaten hier. Aber ich spüre schon, auch hier ist Fußball Fußball. Es hat für Menschen Bedeutung, was wir tun.

ZEIT ONLINE : Ihr Gegenüber Joachim Löw steht nach dem EM-Aus gegen Italien unter Druck der Öffentlichkeit und der Medien. Denkbar, dass es Ihnen auch einmal so ergehen wird?

Olsen : Nein, wir sind in jedem Spiel Außenseiter. Nehmen wir das Spiel gegen Deutschland   (Hinweis: Freitag, 20.45 Uhr im ZDF und dem Live-Ticker von ZEIT ONLINE ) . Niemand erwartet etwas von uns. Aber auch auf den Färöer-Inseln wird über den Trainer gemeckert.

ZEIT ONLINE : Bis zu welchem Ergebnis wäre eine Niederlage noch ein Erfolg?

Olsen : Das kann ich nicht sagen, für unsere junge Mannschaft geht es in erster Linie darum, Erfahrung zu sammeln.

ZEIT ONLINE : Haben Sie andere Maßstäbe für Erfolg als Siege?

Olsen : Wenn wir uns nach dem Abpfiff alle in die Augen schauen und sagen, wir haben das gegeben, was wir können, dann war unser Ausflug nach Deutschland ein Erfolg. Erst dann schauen wir auf das Resultat.

ZEIT ONLINE : Empfinden Sie solche Fragen, die sich nur um die Höhe der Niederlage drehen, als respektlos?

Olsen : Nein. Wir wissen, dass wir gegen eine der zwei, drei oder vier besten Mannschaften der Welt spielen. Und wir wissen, dass wir auf Rang 154 der Weltrangliste stehen, zwischen den Salomon- und den Fidschi-Inseln .

Fussball - Eindrücke vom Training der Färöer Training der Mannschaft von Lars Olsen kurz vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland.

ZEIT ONLINE : Ihre Spieler sind zum Teil Amateure, studieren oder arbeiten als Walfänger oder Schäfer.

Olsen : Davon müssen wir wegkommen. Ich sage jungen Spielern immer, dass sie ins Ausland gehen sollen, Profis werden in England , Frankreich , Deutschland, meinetwegen auch in der Vierten Liga. Das ist gut für ihre Entwicklung.

ZEIT ONLINE : Wo steht der Fußball Färöers?

Olsen : Etwa dort, wo zum Beispiel der dänische vor dreißig Jahren stand. Damals begannen die Dänen, den Fußball zu professionalisieren. An dieser Schwelle steht nun Färöer. Wir haben einen langen Weg zu gehen.

ZEIT ONLINE : Definieren Sie Ihre Rolle als Nationaltrainer in diesem kleinen Verband besonders?

Olsen : Ja, das ist schon ein bisschen speziell. Ich fühle mich als Antreiber. Ich will Mut machen, auch damit Fußball mehr gespielt wird. Die Spieler sollen sich nicht mehr nur am eigenen Strafraum eingraben, sondern müssen auch mal angreifen. Dazu muss aber auch in der Ausbildung mehr Wert auf die Technik gelegt werden.

ZEIT ONLINE : Was für ein Menschenschlag ist der Färinger?

Olsen : Es sind Dänen, aber härtere Dänen als wir auf dem Festland. Das liegt am Wetter, das auf den Färöer wirklich übel sein kann: Regen, Kälte, Wind.

ZEIT ONLINE : Stimmt das, dass auf den Färöer ein Spieler beim Elfmeter den Ball festhalten darf, damit ihn der Wind nicht wegweht?

Olsen : Ja, deswegen haben wir im Rückspiel in Torshavn auch bessere Chancen. Am Dienstag mussten wir sogar ein Training wegen Sturm absagen. Sonst war meine Vorbereitung auf das Spiel aber gut. Wir freuen uns alle riesig. Manche meiner Jungs werden sicher aufgeregt sein, vor so vielen Leuten zu spielen. Ich werde ihnen sagen, dass auf dem Feld auf jeder Seite elf Männer stehen.