Trainer Lars Olsen"Auch auf den Färöer-Inseln wird über den Trainer gemeckert"

Lars Olsen trainiert eine Elf von Schäfern und Walfängern. Im Interview erzählt er vom Nationaltrainer-Job auf den Färöer Inseln – und wagt einen Barcelona-Vergleich. von 

Lars Christian Olsen: "Die Färinger sind Dänen, aber etwas härtere Dänen als wir auf dem Festland."

Lars Christian Olsen: "Die Färinger sind Dänen, aber etwas härtere Dänen als wir auf dem Festland."  |  © Georgi Licovski/dpa

ZEIT ONLINE : Herr Olsen, was fasziniert Sie daran, Trainer des Färöer Teams zu sein?

Lars Christian Olsen : Ich liebe meinen Job, bin gerne mit den Jungs zusammen, will sie besser machen. Ich bin gespannt, wie sich die Dinge hier entwickeln, ich bin ja erst seit zehn Monaten hier. Aber ich spüre schon, auch hier ist Fußball Fußball. Es hat für Menschen Bedeutung, was wir tun.

Anzeige

ZEIT ONLINE : Ihr Gegenüber Joachim Löw steht nach dem EM-Aus gegen Italien unter Druck der Öffentlichkeit und der Medien. Denkbar, dass es Ihnen auch einmal so ergehen wird?

Olsen : Nein, wir sind in jedem Spiel Außenseiter. Nehmen wir das Spiel gegen Deutschland   (Hinweis: Freitag, 20.45 Uhr im ZDF und dem Live-Ticker von ZEIT ONLINE ) . Niemand erwartet etwas von uns. Aber auch auf den Färöer-Inseln wird über den Trainer gemeckert.

Lars Christian Olsen

Seit 2011 trainiert der Däne Lars Christian Olsen die Fußballauswahl der Färöer-Inseln. Der heute 52-Jährige spielte in seiner aktiven Zeit unter anderem für Brondby IF, Trabzonspor und den FC Basel. 1992 wurde er mit Dänemark Europameister – im Finale gegen Deutschland.

ZEIT ONLINE : Bis zu welchem Ergebnis wäre eine Niederlage noch ein Erfolg?

Olsen : Das kann ich nicht sagen, für unsere junge Mannschaft geht es in erster Linie darum, Erfahrung zu sammeln.

ZEIT ONLINE : Haben Sie andere Maßstäbe für Erfolg als Siege?

Olsen : Wenn wir uns nach dem Abpfiff alle in die Augen schauen und sagen, wir haben das gegeben, was wir können, dann war unser Ausflug nach Deutschland ein Erfolg. Erst dann schauen wir auf das Resultat.

ZEIT ONLINE : Empfinden Sie solche Fragen, die sich nur um die Höhe der Niederlage drehen, als respektlos?

Olsen : Nein. Wir wissen, dass wir gegen eine der zwei, drei oder vier besten Mannschaften der Welt spielen. Und wir wissen, dass wir auf Rang 154 der Weltrangliste stehen, zwischen den Salomon- und den Fidschi-Inseln .

ZEIT ONLINE : Ihre Spieler sind zum Teil Amateure, studieren oder arbeiten als Walfänger oder Schäfer.

Olsen : Davon müssen wir wegkommen. Ich sage jungen Spielern immer, dass sie ins Ausland gehen sollen, Profis werden in England , Frankreich , Deutschland, meinetwegen auch in der Vierten Liga. Das ist gut für ihre Entwicklung.

ZEIT ONLINE : Wo steht der Fußball Färöers?

Olsen : Etwa dort, wo zum Beispiel der dänische vor dreißig Jahren stand. Damals begannen die Dänen, den Fußball zu professionalisieren. An dieser Schwelle steht nun Färöer. Wir haben einen langen Weg zu gehen.

Fußball auf den Färöer

Fußball gilt auf den Färöer-Inseln als Nationalsport. Rund 400 Fußballteams spielen dort, damit gibt es pro 50 männliche Einwohner eine Mannschaft. Zu den Spielen der Nationalelf pilgern bis zu 6.000 Zuschauer – ein Viertel der Einwohnerzahl der Färöer-Inseln.

Die Effodeildin ist die Erste färöische Liga, benannt nach dem Energiekonzern Effo. Zehn Mannschaften spielen dreimal gegen jede andere um den Meistertitel. Rekordmeister mit 21 Titeln ist der HB Tórshavn, aktueller Meister ist deren Stadtrivale B36 Tórshavn. Steigende Fernseh- und Sponsoreneinnahmen haben eine stetige Professionalisierung des Spielbetriebs zur Folge.

Der Färöische Fußballverband trat 1988 in die Fifa und 1990 in die Uefa ein. Seitdem nimmt das Land an der Qualifikation zu Welt- und Europameisterschaften teil. In 144 Spielen gelangen dem Nationalteam 18 Siege und 15 Unentschieden bei 111 Niederlagen. Der Inselstaat befindet sich aktuell auf Rang 154 der Fifa-Weltrangliste, vor Indien, Pakistan und Andorra.

Österreich

Das erste Pflichtspiel der färöischen Länderspielgeschichte war zugleich das erinnerungswürdigste: Gegen die österreichische Mannschaft um den Stürmer Toni Polster gewannen sie am 12. September 1990 sensationell mit 1:0. Es folgten zwei Tage andauernde Jubelfeiern auf der Insel. Der Torschütze Torkil Nielsen und der Torwart Martin Knudsen, der jedes Spiel mit einer Pudelmütze bestritt, waren über Nacht in ganz Europa bekannt.


 

Deutschland

Die Färöer-Inseln spielten bisher zwei Mal gegen Deutschland. Während der Qualifikation zur Europameisterschaft 2004 biss sich das Team von Rudi Völler die Zähne an dem Fußballzwerg aus. Das Hinspiel gewann Deutschland mit 2:1, der damals 18-jährige Färinger Stürmer Hjalgrim Elttör (noch aktiv) traf kurz vor dem Abpfiff den Pfosten. Im Rückspiel stand es bis zur 89. Minute 0:0, ehe Miroslav Klose und Fredi Bobic das DFB-Team vor einer Blamage retteten.

Kurioses

Jahrhundertelang waren die Färöer-Inseln frei von Wespen, mittlerweile haben die Inseln mit einer nicht allzu kleinen Population zu kämpfen. Angeblich haben sich diese auf einem Schiff versteckt, das Baumaterial für ein Fußballstadion auf die Färöer-Inseln brachte. Nicht einmal der starke Wind auf den Inseln scheint die Insekten zu stören. Dieser verursacht im Übrigen ein regeltechnisches Kuriosum: Auf den Färöer-Inseln darf der Ball bei einem Elfmeter von einem Kollegen festgehalten werden, damit dieser nicht vom Wind weggeweht wird.

ZEIT ONLINE : Definieren Sie Ihre Rolle als Nationaltrainer in diesem kleinen Verband besonders?

Olsen : Ja, das ist schon ein bisschen speziell. Ich fühle mich als Antreiber. Ich will Mut machen, auch damit Fußball mehr gespielt wird. Die Spieler sollen sich nicht mehr nur am eigenen Strafraum eingraben, sondern müssen auch mal angreifen. Dazu muss aber auch in der Ausbildung mehr Wert auf die Technik gelegt werden.

ZEIT ONLINE : Was für ein Menschenschlag ist der Färinger?

Olsen : Es sind Dänen, aber härtere Dänen als wir auf dem Festland. Das liegt am Wetter, das auf den Färöer wirklich übel sein kann: Regen, Kälte, Wind.

ZEIT ONLINE : Stimmt das, dass auf den Färöer ein Spieler beim Elfmeter den Ball festhalten darf, damit ihn der Wind nicht wegweht?

Olsen : Ja, deswegen haben wir im Rückspiel in Torshavn auch bessere Chancen. Am Dienstag mussten wir sogar ein Training wegen Sturm absagen. Sonst war meine Vorbereitung auf das Spiel aber gut. Wir freuen uns alle riesig. Manche meiner Jungs werden sicher aufgeregt sein, vor so vielen Leuten zu spielen. Ich werde ihnen sagen, dass auf dem Feld auf jeder Seite elf Männer stehen.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Artikel Auf einer Seite lesen
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Joachim Löw | ZDF | Rückspiel | Wetter | Dänemark | Elfmeter
    Service