Für den heutigen Dienstag haben der Österreichische Fußball-Bund und die Botschaft der Föderativen Republik Brasilien in Wien zu einem Pressegespräch an den Wiener Heldenplatz geladen. Das Thema ist ambitioniert gewählt, nämlich der Stand der Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014. Klingt beinahe so, als hätten die Österreicher gerade ihre Flüge gebucht und würden nun verkünden, welche Spieler die Reise antreten würden ins Land der ewigen Samba. Nur ist da noch die Kleinigkeit von zwölf Spielen in der Qualifikationsgruppe C.

Zum Auftakt kommt heute der Lieblingsfeind aus Deutschland ( 20:30 Uhr live im Live-Blog und in der ARD ) in den Wiener Prater. Das 47.500 Zuschauer fassende Ernst-Happel-Stadion ist seit Wochen ausverkauft. 46.000 rot-weiß-rote Fahnen sind unters Volk gebracht worden. Der im Alltag für Schalke 04 verteidigende Christian Fuchs spricht von „Vorfreude pur“ und davon, wie gern er doch mal „die Deutschen auf die Schaufel nehmen würde“.

Selten hat sich eine österreichische Nationalmannschaft so zuversichtlich gegeben wie in diesen Tagen vor dem Start in die Qualifikation für Brasilien 2014. Das ist auch Joachim Löw nicht verborgen geblieben. Auf dem Flug von Hannover nach Wien hat der Bundestrainer ein wenig in den österreichischen Zeitungen geblättert und dabei festgestellt, „dass die Österreicher doch sehr selbstbewusste Aussagen machen“.

Woher dieses neue Selbstwertgefühl kommt, ist nicht so leicht zu verorten. Löw sagt, der neue Trainer Marcel Koller habe der Mannschaft ein anderes Verständnis von Organisation vermittelt, „sie sind in der Defensive sehr schwer auszuspielen“. Außerdem habe er „mehr Direktheit zum gegnerischen Tor“ festgestellt, „das sind keine Zufallsaktionen mehr, das ist gut durchdachtes Kombinationsspiel“. Interpretiert von Solisten, die sich fern der kaum konkurrenzfähigen österreichischen Liga einen Namen gemacht haben. Spieler wie der Schalker Fuchs, die Bremer Sebastian Prödl und Marko Arnautovic, der Stuttgarter Martin Harnik oder Veli Kavlak bei Besiktas Istanbul . Wahrscheinlich wird der Schweizer Koller heute im Prater eine Startformation mit elf Legionären aufbieten, allein neun von ihnen könnten aus der Bundesliga kommen.

„Früher haben die Österreicher bei ausländischen Klubs kaum gespielt“, sagt Joachim Löw. „Aber jetzt sind das alle Stammspieler und Leistungsträger.“ Hat also die österreichische Mannschaft eine realistische Siegchance gegen die Deutschen? Löws Antwort fällt so aus: „Die Österreicher haben die Qualität, jeden Gegner in dieser Gruppe zu besiegen. Ich erwarte in Wien ein Spiel auf Augenhöhe. Aber wir sind in fast jedem Spiel der Favorit und natürlich wird es auch in Wien unsere Ausrichtung sein, auf Sieg zu spielen.“