Nach dem Abpfiff der Partie Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund lief eine seltsame Agenturmeldung über den Ticker. Der Aufsteiger aus Frankfurt hatte gerade gegen den deutschen Meister einen 0:2-Rückstand zu einem 3:3 gedreht , und die dpa titelte: "BVB stoppt Frankfurt."

Diese Meldung mag komisch klingen, doch falsch ist sie nicht. Die Dortmunder waren das erste Team in dieser Saison, das nicht gegen Frankfurt verlor. 13 Punkte holte die Eintracht aus den ersten fünf Spielen, noch nie ist ein Aufsteiger derart stark in die Saison gestartet.

Es sind aber nicht die Erfolge, welche die Fans verzücken, es ist das attraktive Spiel der Frankfurter. In Partien mit der Eintracht sehen die Zuschauer mehr Torchancen als in allen anderen Begegnungen. Die Frankfurter erzielten in fünf Spielen 14 Tore , nur die Bayern schossen mehr. Nirgendwo sonst bekommt der Zuschauer so viel Spektakel für sein Geld.

Hauptverantwortlich für die neue, offensive Spielkultur ist der Trainer Armin Veh . Er verfolgt ein Leitmotiv, das im Fußballgeschäft nur noch selten zu finden ist: Risiko. Dies fing bereits vor der Saison an, als er einen Kader, mit dem er immerhin souverän in die Bundesliga aufstieg, gründlich ausmistete. Altstars wie Mohamadou Idrissou verließen den Klub, die Eintracht ersetzte sie mit jungen Talenten.

Die Einkaufsliste des Klubs liest sich dabei wie ein "Best of 2. Bundesliga": Stefan Aigner, der vergangene Saison für die starke Rückrunde der Münchener Löwen mitverantwortlich war. Carlos Zambrano, der St. Paulis Defensive zusammenhielt. Oliver Occéan, der Greuther Fürth zum Aufstieg schoss. Und Takashi Inui, mit dessen Dribblings die Bochumer Verantwortlichen nicht warm wurden. Fünf Millionen Euro gab die Eintracht für diese Spieler aus, die zusammen auf nicht einmal 50 Bundesliga-Einsätze kommen.

Vehs Mut zum Risiko hörte nicht bei der Einkaufspolitik auf. Im Normalfall redet ein Trainer nach einem Aufstieg davon, seine Mannschaft müsse nun lernen, als Außenseiter kompakt zu verteidigen. Nicht so Armin Veh: Er kündigte an, auch in Liga Eins frech nach vorne zu spielen . Und er hielt sein Versprechen.

Eintracht Frankfurts Strategie ist es, viele Anspielstationen zu kreieren. Die Sechser Pirmin Schwegler und Sebastian Rode lassen sich abwechselnd fallen, um aus der Verteidigung das Spiel der Frankfurter aufzuziehen. Von dort aus versucht das Team, mit wenig Kontakten und kurzen Pässen, Torchancen zu kombinieren. Stets befinden sich sechs bis sieben Angreifer vor dem ballführenden Spieler, speziell die Außenverteidiger postieren sich weit vorne.

Dadurch, dass die Frankfurter derart risikoreich aufrücken, können sie schneller und gefährlicher in die Tiefe spielen als vorsichtiger agierende Teams. In guten Momenten erinnert Vehs Team mit seinem schnellen Kurzpassspiel an Arsenal unter Arsène Wenger . Diese Strategie hat aber auch den enormen Nachteil, dass die Frankfurter anfällig sind für Konter, sobald einer ihrer Pässe im Fuß des Gegners landet. Sie erspielen sich damit zwar viele Chancen, lassen aber auch überdurchschnittlich viele zu.