Eintracht Frankfurt: Armin Veh, der mutigste Trainer der Bundesliga
Eintracht Frankfurt ist die Überraschung der noch jungen Saison. Nicht ihre Erfolge machen sie so besonders, sondern ihr offensiver Spielstil. Von Tobias Escher
© Joern Pollex/Bongarts/Getty Images

Verantwortlich für den Frankfurter Höhenflug: Trainer Armin Veh
Nach dem Abpfiff der Partie Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund lief eine seltsame Agenturmeldung über den Ticker. Der Aufsteiger aus Frankfurt hatte gerade gegen den deutschen Meister einen 0:2-Rückstand zu einem 3:3 gedreht, und die dpa titelte: "BVB stoppt Frankfurt."
Diese Meldung mag komisch klingen, doch falsch ist sie nicht. Die Dortmunder waren das erste Team in dieser Saison, das nicht gegen Frankfurt verlor. 13 Punkte holte die Eintracht aus den ersten fünf Spielen, noch nie ist ein Aufsteiger derart stark in die Saison gestartet.
Es sind aber nicht die Erfolge, welche die Fans verzücken, es ist das attraktive Spiel der Frankfurter. In Partien mit der Eintracht sehen die Zuschauer mehr Torchancen als in allen anderen Begegnungen. Die Frankfurter erzielten in fünf Spielen 14 Tore, nur die Bayern schossen mehr. Nirgendwo sonst bekommt der Zuschauer so viel Spektakel für sein Geld.
Hauptverantwortlich für die neue, offensive Spielkultur ist der Trainer Armin Veh. Er verfolgt ein Leitmotiv, das im Fußballgeschäft nur noch selten zu finden ist: Risiko. Dies fing bereits vor der Saison an, als er einen Kader, mit dem er immerhin souverän in die Bundesliga aufstieg, gründlich ausmistete. Altstars wie Mohamadou Idrissou verließen den Klub, die Eintracht ersetzte sie mit jungen Talenten.
Die Einkaufsliste des Klubs liest sich dabei wie ein "Best of 2. Bundesliga": Stefan Aigner, der vergangene Saison für die starke Rückrunde der Münchener Löwen mitverantwortlich war. Carlos Zambrano, der St. Paulis Defensive zusammenhielt. Oliver Occéan, der Greuther Fürth zum Aufstieg schoss. Und Takashi Inui, mit dessen Dribblings die Bochumer Verantwortlichen nicht warm wurden. Fünf Millionen Euro gab die Eintracht für diese Spieler aus, die zusammen auf nicht einmal 50 Bundesliga-Einsätze kommen.
Vehs Mut zum Risiko hörte nicht bei der Einkaufspolitik auf. Im Normalfall redet ein Trainer nach einem Aufstieg davon, seine Mannschaft müsse nun lernen, als Außenseiter kompakt zu verteidigen. Nicht so Armin Veh: Er kündigte an, auch in Liga Eins frech nach vorne zu spielen. Und er hielt sein Versprechen.
Eintracht Frankfurts Strategie ist es, viele Anspielstationen zu kreieren. Die Sechser Pirmin Schwegler und Sebastian Rode lassen sich abwechselnd fallen, um aus der Verteidigung das Spiel der Frankfurter aufzuziehen. Von dort aus versucht das Team, mit wenig Kontakten und kurzen Pässen, Torchancen zu kombinieren. Stets befinden sich sechs bis sieben Angreifer vor dem ballführenden Spieler, speziell die Außenverteidiger postieren sich weit vorne.
Dadurch, dass die Frankfurter derart risikoreich aufrücken, können sie schneller und gefährlicher in die Tiefe spielen als vorsichtiger agierende Teams. In guten Momenten erinnert Vehs Team mit seinem schnellen Kurzpassspiel an Arsenal unter Arsène Wenger. Diese Strategie hat aber auch den enormen Nachteil, dass die Frankfurter anfällig sind für Konter, sobald einer ihrer Pässe im Fuß des Gegners landet. Sie erspielen sich damit zwar viele Chancen, lassen aber auch überdurchschnittlich viele zu.






Arsène Wenger hat dann doch nichts mit "Arsen" zu tun :).
Die Kürzung des Kommentars war ein Irrtum, wir haben ihn wiederhergestellt. Die Redaktion/sh
Huch, da hat offenbar die Auto-Korrektur zugeschlagen. Vielen Dank für den Hinweis, ich habe es geändert.
Huch, da hat offenbar die Auto-Korrektur zugeschlagen. Vielen Dank für den Hinweis, ich habe es geändert.
Huch, da hat offenbar die Auto-Korrektur zugeschlagen. Vielen Dank für den Hinweis, ich habe es geändert.
Kompliment, Herr Escher!
Kleine Korinthenkackerei am Rande: es muss heißen "DAS Verdienst von Veh...". Der Verdienst bezieht sich auf sein Gehalt.
Sportliche Grüße!
5 Spieltage und ein vermeintlicher Abstiegskandidat steht an der Spitze; wie oft war das schon der Fall. zzz Und dann kämpfen sie wieder am Ende der Saison um den Abstieg. Aber dann will keiner was geschrieben haben.
Der Autor schreibt doch sogar, dass die Eintracht höchstwahrscheinlich nicht ewig weiter gewinnen wird. Dass jedoch die Frankfurter bislang sehr attraktiven Fußball spielen ist einfach lobenswert und lässt hoffen, dass das Ziel Klassenerhalt am Ende erreicht wird.
Der Autor schreibt doch sogar, dass die Eintracht höchstwahrscheinlich nicht ewig weiter gewinnen wird. Dass jedoch die Frankfurter bislang sehr attraktiven Fußball spielen ist einfach lobenswert und lässt hoffen, dass das Ziel Klassenerhalt am Ende erreicht wird.
Der Autor schreibt doch sogar, dass die Eintracht höchstwahrscheinlich nicht ewig weiter gewinnen wird. Dass jedoch die Frankfurter bislang sehr attraktiven Fußball spielen ist einfach lobenswert und lässt hoffen, dass das Ziel Klassenerhalt am Ende erreicht wird.
Mich störte es einfach, dass das überhaupt erwähnenswert ist in einer Zeitung wie der Zeit, das ein Verein 5 Spieltage lang gut spielt. Dieser Sensationsjournalismus, der nicht gerade von Professionalität zeugt, nervt einfach.
Mich störte es einfach, dass das überhaupt erwähnenswert ist in einer Zeitung wie der Zeit, das ein Verein 5 Spieltage lang gut spielt. Dieser Sensationsjournalismus, der nicht gerade von Professionalität zeugt, nervt einfach.
sehr viele Bundesligisten spielen stark und risikoreich nach vorn. Die Zeit des Angsthasenfußballs und "die 0 muss stehen" ist vorbei, weil die Qualität der Kader sehr groß ist. Das Bayern und Dortmund sehr starke Teams haben, ist klar, aber auch Schalke, Bremen, Stuttgart, Leverkusen, Hannover, (an guten Tagen) Wolfsburg, sie alle Spielen offensiv und recht risikoreich nach vorn, so dass der Spielstil der Eintracht sich schlicht gut in die Bundesliga einfügt und ich seh sie auch nicht als Abstiegskandidaten.
Es wird immer gern von der PremierLeague als Referenz geschrieben, weil dort die Spiele so offen sind, mit vielen Torchancen. Der Grund dafür ist, dass die Kluft zwischen Arm und Reich, Mittelmäßigkeit und Cl Niveau eklatant groß ist, während sich in der Bundesliga die Teams größtenteils auf Augenhöhe begegnen. Das ist eine tolle Entwicklung.
Und was Armin Veh betrifft. Er hat es bei den meisten Trainerposten, die er inne hatte bewiesen, welchen Fußball er spielen lassen möchte und das dies von Erfolg gekrönt sein kann zeigte vor allem der VFB Stuttgart unter ihm.
@lxththf: Ja, das stimmt, offensiv spielen einige. Der Hauptunterschied liegt meiner Meinung nach daran, dass die Eintracht mehr Spieler vor den Ball bringt als viele andere Teams. Bei Ballbesitz haben die Frankfurter praktisch in jeder Situation mehr Spieler vor als hinter dem Ball, was keine Selbstverständlichkeit ist. Zudem besetzen sie das Feld über die gesamte Breite und Tiefe, wodurch es wiederum länger dauert, bei Ballverlusten in die eigene Grundordnung zurückzukehren. Es ist aus meiner Sicht kein Zufall, dass sie damit mehr Chancen kreieren als die meisten anderen Teams - aber auch mehr zulassen.
Pnin05: Danke für das Lob und den sachdienlichen Hinweis. Ich habe es geändert.
...wäre dann auch noch auf die Leistung von Kevin Trapp hinzuweisen, der von den vielen Chancen, die seine Vorderleute (vllt. notgedrungen) zulassen, eine ganze Reihe erstklassig entschärft. (Ohne ihn wäre das HSV-Spiel sicherlich andersherum ausgegangen.)
Noch so eine Entdeckung von Veh, Bruchhagen und Co., die man vorher nicht unbedingt auf der Rechnung hatte.
Ansonsten danke für die gute Analyse von einem gerade ziemlich glücklichen Frankfurt-Sympathisanten.
...wäre dann auch noch auf die Leistung von Kevin Trapp hinzuweisen, der von den vielen Chancen, die seine Vorderleute (vllt. notgedrungen) zulassen, eine ganze Reihe erstklassig entschärft. (Ohne ihn wäre das HSV-Spiel sicherlich andersherum ausgegangen.)
Noch so eine Entdeckung von Veh, Bruchhagen und Co., die man vorher nicht unbedingt auf der Rechnung hatte.
Ansonsten danke für die gute Analyse von einem gerade ziemlich glücklichen Frankfurt-Sympathisanten.
...wäre dann auch noch auf die Leistung von Kevin Trapp hinzuweisen, der von den vielen Chancen, die seine Vorderleute (vllt. notgedrungen) zulassen, eine ganze Reihe erstklassig entschärft. (Ohne ihn wäre das HSV-Spiel sicherlich andersherum ausgegangen.)
Noch so eine Entdeckung von Veh, Bruchhagen und Co., die man vorher nicht unbedingt auf der Rechnung hatte.
Ansonsten danke für die gute Analyse von einem gerade ziemlich glücklichen Frankfurt-Sympathisanten.
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