Arne Friedrich © Jochen Lübke/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE: Herr Friedrich , was nervt sie am meisten an der Bundesliga – außer schlechter Fußball?

Arne Friedrich: Am meisten nerven mich rassistische Äußerungen und Randale. Fußball ist ein Familiensport. Die Stadionbesucher zahlen Eintritt. Wenn sie wegen ein paar Krawallmachern belästigt werden, haut das nicht hin. Das Spiel Hertha gegen Düsseldorf wurde sicher nicht wegen Randalierern unterbrochen. Aber auch so ein Platzsturm muss nicht sein. Doch im Ganzen ist es schon schwer, überhaupt etwas Negatives an der Bundesliga zu finden. Sie ist zu Recht sehr erfolgreich.

ZEIT ONLINE: Die Bundesliga ist gerade in ihre 50. Saison gestartet. Welche Veränderung wünschen Sie sich fürs nächste halbe Jahrhundert?

Friedrich: Da bin ich relativ konservativ eingestellt. Die Torkamera und andere Veränderungen , die diskutiert werden, müssen nicht sein. Natürlich gibt es Leute, die durch Fehlentscheidungen benachteiligt werden. Wenn es um so viel Geld geht, kann ich deren Veränderungswunsch verstehen. Aber strittige Entscheidungen und die Diskussionen darum – das macht den Reiz des Fußballs aus. Wenn ich etwas ändern müsste, dann würde ich das passive Abseits noch mal überdenken.

ZEIT ONLINE: Haben Sie jemals in Hertha-Bettwäsche geschlafen?

Friedrich: Sehr gute Frage, aber: Nein, wenn man Profi wird, hört das Fandasein auf, dann schläft man nicht in Vereinsbettwäsche.

ZEIT ONLINE: Das gilt aber nicht für alle Profis?

Friedrich: Der einzige, von dem ich das Gegenteil gehört habe, ist Kevin Großkreutz. Ich habe gelesen, er schläft tatsächlich in BVB-Bettwäsche. Als ich Kind war, hatte ich auch einige Dortmund-Trikots, da habe ich auch mal in BVB-Bettwäsche geschlafen. Später als Spieler war das kein Thema mehr. Als Profi hat man eine andere Bindung zum Verein.

ZEIT ONLINE: Für einige Fans geht die Bindung über das Leben hinaus, sie lassen sich etwa auf dem HSV-Friedhof beerdigen .

Friedrich:Auf Schalke soll das inzwischen auch möglich sein. Wenn es den Leuten gefällt, sollen sie es machen. Für mich ginge das zu weit. Ich spiele leidenschaftlich Fußball, aber mein Lebensinhalt ist das nicht. Selbst wenn ich hundert Jahre bei einem Verein gespielt hätte, würde ich mich nicht auf dem Klub-Friedhof beerdigen lassen.

ZEIT ONLINE:Ist die Bundesliga eine Art Religion oder ein Kulturgut?

Friedrich: Mit dem Begriff Religion tue ich mich im Zusammenhang mit Fußball schwer. Natürlich ist Fußball weltweit – außer vielleicht in Nordamerika – die Sportart Nummer eins. Doch ein Religionsersatz ist der Sport nicht. Hier in Chicago sind die Menschen ja noch sportverrückter, wenn man die Zuschauerzahlen aller Ligen misst. Doch das Ganze erscheint manchmal eher als Geldmaschine denn als Glaubensersatz.