Thomas Hitzlsperger"Auch in der Kabine wird über schwule Fußballer gesprochen"
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"Es wird immer Leute geben, die Homosexualität als Krankheit begreifen"

Hitzlsperger : Das ist denkbar, aber auch der umgekehrte Fall kann eintreten.

ZEIT ONLINE : Und die Fans?

Hitzlsperger : Die Fans sind ja sehr vielschichtig, im Stadion sind fast alle Alters- und Gesellschaftsschichten vertreten. Da kann man keine Reaktion ausschließen. Ich denke aber schon, dass das für die Mehrheit kein großes Problem wäre.

ZEIT ONLINE : Werden Sie oft von Journalisten gefragt, ob Sie schwul sind?

Hitzlsperger : Nein. In der Kabine wird ab und zu über schwule Fußballer gesprochen. Da kursieren verschiedene Namen und die ewige Frage: Wer mit wem? Das ist anscheinend bei Fußballern nicht anders als sonstwo.

ZEIT ONLINE : Gibt man bei Google Hitzlsperger ein, schlägt die Suchmaschine als ersten Treffer "schwul" vor. Bettina Wulff geht juristisch gegen die Autocomplete-Funktion vor, auch Philipp Lahm , dem es ergeht wie Ihnen, stört sich daran. Wie halten Sie das?

Hitzlsperger : Mich juckt das nicht. Das gilt ja ohnehin für mehrere Fußballer, besonders aktuelle oder ehemalige Nationalspieler, weil die Sensation eben größer wäre als bei einem Kreisliga-Kicker. Offenbar gibt es bei den Leuten eine voyeuristische Neugier, bei den meisten listet Google ja auch "Freundin" in den Suchvorschlägen. Das Privatleben von Fußballern und Stars ist eben für Fans interessant.

ZEIT ONLINE : Angesichts der Gerüchte über einige Fußballer, sie seien schwul: Kommt man da auf die Idee, sein Image zu korrigieren und heterosexueller wirken zu wollen?

Hitzlsperger : Sie meinen, dass sie sich ein schnelles Auto zulegen...

ZEIT ONLINE : … mehr Mettbrötchen essen...

Hitzlsperger : … und betont maskulin schauen? Wie gesagt, das erfahren wir erst, wenn sich der oder die Betroffenen dazu äußern.

ZEIT ONLINE : Es gibt noch Konservative, die Homosexualität als Krankheit begreifen...

Hitzlsperger : … und als heilbar beschreiben. Diese Leute wird es immer geben. Aber vielleicht gibt es immer mehr, die diesen Menschen eben kein Gehör mehr schenken. Was ist denn Ihre Prognose? Wann erleben wir das erste Coming-out eines schwulen Fußballers?

ZEIT ONLINE : Ich rate: fünf Jahre. Aber eine gute Begründung fällt mir nicht ein.

Hitzlsperger : Vielleicht aber schon in einem Jahr, wie in dem Fluter -Interview zu lesen war.

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Leserkommentare
  1. Kann sich nicht mal einer outen, nur damit wir dieses langweilige Thema endlich los sind? Bitte?

    • keibe
    • 24. September 2012 16:24 Uhr

    Ich bin mir nicht sicher, ob ein coming out immer und überall angebracht ist. Das soll jetzt bitte nicht missverstanden werden: mich interessiert es genauso wenig, wenn ein Fußballer glaubt über berauschende heterosexuelle Sexparties plaudern zu müssen. Nämlich gar nicht. Ebenso wenig, wie eine Kassiererin, die mir als Kunden etwas darüber erzählen möchte, dass sie lesbisch ist oder der Mitarbeiter einer Kfz-Reparaturwerkstatt mir gegenüber seine Homosexualität offenbaren will.

    Ich würde beide fragen, was das soll. Ich rechne an beiden Orten nicht damit. Und ich glaube, ich habe an diesen Orten auch durchaus eine gewisse Berechtigung, nicht damit rechnen zu müssen. So zählt für mich beim Fußball eben vieles, aber nicht unbedingt, ob die Schwester des Fußballers X eine eingetragene Lebensgemeinschaft mit Freundin y anstrebt, Fußballer Z sich irgendwie mit dem britischen Königshaus verbandeln möchte, oder eben genauso wenig, welches Geschlecht Fußballer A als Partner(in) bevorzugt.

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    Das wird immer verwechselt.

    Schluß mit den Versteckspielchen halt, keine falschen Freundinnen und ständig aufpassen was man sagt.

    Stellen Sie sich vor, sie müßten beruflich in einem öffentlichen Beruf simulieren, Sie würden auf Männer stehen... Sie wären ständig damit beschäftigt und auch schlechter Fußball spielen (oder was auch immer). Selbst heimlich mit einer Frau treffen wäre (fast) unmöglich, wenn über 30% der Leute ihr Gesicht kennen und der nächstbeste das Handy zückt und zur Presse rennt.

    Wohlgemerkt: Mit wem er zusammen ist ist höchstens was für die Regenbogenpresse, wenn er nen Freund hat sitzt der dann im Spiel halt auf der Tribüne zwischen den Spielerfrauen.

    Fußballspieler sind halt keine Kassiererinnen, sie stehen auch mit dem Privatleben in der Öffentlichkeit (Wie Politiker, Manager).

    Und für Jugendliche (die sich auch an Vorbildern orientieren) wäre es auch nicht schlecht (als Idol).

    ...verstehe auch ich nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Kicker XY sein Privatleben so planen (lassen) muss, dass er dem allgemeinen Volksbegehren nach geglättetem Blondchen mit großem Busen und zweifelhafter Schmuckdesigner- Karriere genügt. Keiner, der vermarktet wird, darf uninszeniert agieren. Es wird vorher von Marketing Consultants alles abgewogen und entschieden, ob es zu verkraften ist, das nach dem Outing von Kicker XY zweihundert Hooligans austicken oder 500 Fan-T- Shirts weniger verkauft werden.

  2. Nein Danke, wir brauchen kein weiteres Futter für die Trolle der Boulevardpresse. Sex hat man oder nicht, aber da müssen keine 80 Mio Menschen drüber Bescheid wissen und evtl noch ihren Senf dazugeben. Ich frage meine neuen Arbeitskollegen auch nicht als erstes, ob die homosexuell sind. Sowas ist mir völlig egal!

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    Den Menschen geht es darum, sich nicht mehr verstecken zu müssen und ein Leben auf Lügen aufzubauen. Niemand will sich Ihnen vorstellen a la "Hallo, ich bin Herbert und ich bin schwul".

    Aber Schwule (und entsprechend auch Lesben) möchten auch gerne:

    - ein Bild ihres Partners auf den Schreibtisch stellen
    - den Partner zur Weihnachtsfeier mitbringen (und nicht den ewigen Single spielen)
    - In der Stadt die Hand ihres Partners halten und sich nicht zwanghaft nur wie gute Freunde verhalten

    Alles Dinge, die für einen heterosexuellen Menschen selbstverständlich sind. Und nur die wenigsten Menschen verstehen, dass sich Homosexuelle eben genau diese Selbstverständlichkeiten wünschen, und zwar

    - ohne dumm angeguckt zu werden
    - ohne die Karriere zu riskieren
    - ohne Verbalattacken oder sogar physische Angriffe befürchten zu müssen.

    Das ist wirklich ganz einfach zu verstehen.

    Warum gelingt Ihnen das nicht?

    ......dass es um mehr geht, als das alte rein-raus- Spiel?
    Was ist wenn er/sie mit dem Partner in den Urlaub fliegt, einkauft, zum Lunch oder Dinner geht, auf der Parkbank kuschelt. Darf alles nicht sein, hm? Stimmt, es geht ja nur um das alte rein-raus- Spiel. Und wenn man schon so gut bezahlt wird, kann man doch echt dankbar sein,den Mund halten.

  3. Das wird immer verwechselt.

    Schluß mit den Versteckspielchen halt, keine falschen Freundinnen und ständig aufpassen was man sagt.

    Stellen Sie sich vor, sie müßten beruflich in einem öffentlichen Beruf simulieren, Sie würden auf Männer stehen... Sie wären ständig damit beschäftigt und auch schlechter Fußball spielen (oder was auch immer). Selbst heimlich mit einer Frau treffen wäre (fast) unmöglich, wenn über 30% der Leute ihr Gesicht kennen und der nächstbeste das Handy zückt und zur Presse rennt.

    Wohlgemerkt: Mit wem er zusammen ist ist höchstens was für die Regenbogenpresse, wenn er nen Freund hat sitzt der dann im Spiel halt auf der Tribüne zwischen den Spielerfrauen.

    Fußballspieler sind halt keine Kassiererinnen, sie stehen auch mit dem Privatleben in der Öffentlichkeit (Wie Politiker, Manager).

    Und für Jugendliche (die sich auch an Vorbildern orientieren) wäre es auch nicht schlecht (als Idol).

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    Warum das? Was gibt Ihnen das Recht das zu wissen? Wofür brauchen sie die Information?

    Mich interessiert die Sexualität und die Sexvorlieben von Menschen nicht, die mir 'intim' nichts bedeuten.

    Ich fühle mich sogar bedrängt und peinlich berührt von den Outings der Politiker oder anderen Prominenten. Schwuppdiwupp, und ich gerate ins Schlafzimmer und in das private Leben von Stars, ohne es zu wollen. Und wie steht es mit der Verdauung?

    Das möchte ich alles gar nicht wissen!

    Es spielt auch keine Rolle ob ein Fußballer schwul oder hetero ist, sondern wie er Fußball spielt.

    Mich würde höchstens noch interessieren ob sein soziales Verhalten OK ist und ob er rassistisch ist, denn DAS hat eine gesellschaftliche Relevanz.

    Das schwulsein ist keine Charaktereigenschaft und besagt rein gar nichts über den Menschen.

    • wawerka
    • 24. September 2012 16:37 Uhr

    Fan-tas-tisch! Gott segne Sie, Herr Fritsch!

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    Redaktion

    Das ist eine angemessene Kritik meiner Arbeit, wawerka.

    • wawerka
    • 24. September 2012 16:42 Uhr

    Dies war ein Versehen. Ihr Kommentar wurde wieder hergestellt. Die Redaktion/mk

  4. Auch ich glaube, dass ein Outing für den sich outenden Spieler zumindest anfangs eher Unannehmlichkeiten mit sich bringen dürfte. Dafür gehen zu viele Neandertaler in die Stadien, dafür sitzen zu viele Neandertaler v.a. in Boulevard-Redaktionen ...

    Überfällig ist es trotzdem, damit in dieser SAche endlich Normalität einkehrt. Ich denke, je populärer der erste sich outende Schwule ist, desto glimpflicher dürfte alles Verlaufen. Einen, sagen wir mal: Mesut Özil, würde man nicht so schnell und untergürtellinig mit Schmäh zuschütten, als, sagen wir mal: einen Ersatzspieler von Greuter Fürth ... hm, glaube ich zumindest ...

    warten wir ab: So oder so wird es nicht lange dauern, dafür werden zur Not schnüffelnde Neandertaler sorgen ...

  5. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Beiträgen. Danke, die Redaktion/mk

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