Hitzlsperger : Das ist denkbar, aber auch der umgekehrte Fall kann eintreten.

ZEIT ONLINE : Und die Fans?

Hitzlsperger : Die Fans sind ja sehr vielschichtig, im Stadion sind fast alle Alters- und Gesellschaftsschichten vertreten. Da kann man keine Reaktion ausschließen. Ich denke aber schon, dass das für die Mehrheit kein großes Problem wäre.

ZEIT ONLINE : Werden Sie oft von Journalisten gefragt, ob Sie schwul sind?

Hitzlsperger : Nein. In der Kabine wird ab und zu über schwule Fußballer gesprochen. Da kursieren verschiedene Namen und die ewige Frage: Wer mit wem? Das ist anscheinend bei Fußballern nicht anders als sonstwo.

ZEIT ONLINE : Gibt man bei Google Hitzlsperger ein, schlägt die Suchmaschine als ersten Treffer "schwul" vor. Bettina Wulff geht juristisch gegen die Autocomplete-Funktion vor, auch Philipp Lahm , dem es ergeht wie Ihnen, stört sich daran. Wie halten Sie das?

Hitzlsperger : Mich juckt das nicht. Das gilt ja ohnehin für mehrere Fußballer, besonders aktuelle oder ehemalige Nationalspieler, weil die Sensation eben größer wäre als bei einem Kreisliga-Kicker. Offenbar gibt es bei den Leuten eine voyeuristische Neugier, bei den meisten listet Google ja auch "Freundin" in den Suchvorschlägen. Das Privatleben von Fußballern und Stars ist eben für Fans interessant.

ZEIT ONLINE : Angesichts der Gerüchte über einige Fußballer, sie seien schwul: Kommt man da auf die Idee, sein Image zu korrigieren und heterosexueller wirken zu wollen?

Hitzlsperger : Sie meinen, dass sie sich ein schnelles Auto zulegen...

ZEIT ONLINE : … mehr Mettbrötchen essen...

Hitzlsperger : … und betont maskulin schauen? Wie gesagt, das erfahren wir erst, wenn sich der oder die Betroffenen dazu äußern.

ZEIT ONLINE : Es gibt noch Konservative, die Homosexualität als Krankheit begreifen...

Hitzlsperger : … und als heilbar beschreiben. Diese Leute wird es immer geben. Aber vielleicht gibt es immer mehr, die diesen Menschen eben kein Gehör mehr schenken. Was ist denn Ihre Prognose? Wann erleben wir das erste Coming-out eines schwulen Fußballers?

ZEIT ONLINE : Ich rate: fünf Jahre. Aber eine gute Begründung fällt mir nicht ein.

Hitzlsperger : Vielleicht aber schon in einem Jahr, wie in dem Fluter -Interview zu lesen war.