Thomas Hitzlsperger"Auch in der Kabine wird über schwule Fußballer gesprochen"

Wer ist schwul? Das fragen sich auch Fußballer, sagt Thomas Hitzlsperger im Alles-außer-Fußball-Gespräch. Ein Profi könnte nach seinem Coming-out zum großen Idol werden. von 

Thomas Hitzlsperger: "Für Fußballer kann ein Coming-out das Karriereende bedeuten."

Thomas Hitzlsperger: "Für Fußballer kann ein Coming-out das Karriereende bedeuten."  |  © Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Update, 08. Januar 2014: Dieses Interview haben wir mit Thomas Hitzlsperger im September 2012 geführt. Seine aktuellen Aussagen über seine Homosexualität finden Sie hier.

ZEIT ONLINE : Herr Hitzlsperger , wo erreiche ich Sie?

Thomas Hitzlsperger : In Liverpool, ich halte mich beim FC Everton fit, mache hier Probetraining.

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ZEIT ONLINE : Jüngst hat ein schwuler Bundesligaprofi ein anonymes Interview gegeben. Haben Sie davon mitbekommen?

Hitzlsperger : Ich habe es gelesen und in den meisten Antworten stand nichts, worüber man nicht schon spekuliert hat: Er hat eine Freundin zum Schein, führt ein Doppelleben und hat Angst vor den Reaktionen der Fans. Überrascht hat mich allerdings, dass er seine Mitspieler eingeweiht hat – ohne negativen Folgen. Wenn es so bleibt, wäre das sehr gut.

ZEIT ONLINE : Der Autor sagt, dass Unbekannte versucht hätten, seinen Computer zu "hacken", um an den Namen des Spielers zu kommen. An der Echtheit des Interviews gab es auch Zweifel , wenn auch leichterdings und ohne Recherche formuliert.

Hitzlsperger : Ist doch verständlich, da der Journalist keinem weiteren Redakteur den Namen des Spielers nannte.

Alles außer Fußball

Alles außer Fußball ist die Kolumne von René Adler, Thomas Hitzlsperger und Arne Friedrich. Einmal im Monat geben wir während der Bundesliga-Saison einem das Wort. Sie sollen und wollen nicht das Tagesgeschäft kommentieren, klassische Fußballerkolumnen gibt es genug. Alles außer Fußball ist der Versuch, Fußballer Fußball als gesellschaftliches Phänomen betrachten zu lassen. Hier finden Sie alle Gespräche.

Alles über Fußball

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ZEIT ONLINE : Ich habe noch nie einen Fußballer gefragt, ob er schwul ist, ich würde mir aufdringlich vorkommen. Ist das ein Versäumnis?

Hitzlsperger : Das Thema kursiert seit vielen Jahren in den Medien. Auf ZEIT ONLINE haben die User viel unter dem letzten Artikel zu diesem Thema kommentiert, einiges wurde gelöscht, interessant ist es also allemal. Aber Sie können das halten, wie Sie wollen.

ZEIT ONLINE : Es gibt von Medienkritikern einerseits den Vorwurf gegenüber Journalisten, sie interessierten sich nicht für das Thema. Andererseits wirft man ihnen vor, sie gingen auf Fahndung nach dem ersten schwulen Nationalspieler.

Hitzlsperger : Es ist doch Privatsache, aber wenn sich sogar die Kanzlerin dazu äußert, scheint es wohl eine größere Tragweite zu haben. Gegenfrage: Wenn ein Spieler mit der Bitte auf Sie zuginge, ihn zu outen, würden Sie ablehnen? Das wäre doch eine Sensation!

ZEIT ONLINE : Ich würde nicht ablehnen. Wäre ein Coming-out für einen Spieler denn tatsächlich gefährlich oder sind die vielen Warnungen Alarmismus?

Hitzlsperger : Ich weiß es nicht, das ist spekulativ. Es kommt vielleicht auch darauf an, wer sich outet und in welcher Form. Jedenfalls wäre der sportliche Worst Case möglich: das Karriereende. Darauf müsste ein offen schwuler Fußballer vorbereitet sein. Er darf sich nicht davon leiten lassen, was andere über ihn denken und reden. Andererseits könnte er auch zum großen Vorbild für schwule Sportler werden, und auch für andere, die sich noch nicht getraut haben, offen mit ihrer Homosexualität umzugehen.

ZEIT ONLINE : Ich glaube, in den Medien und im Großteil der Öffentlichkeit würde es nach einem Coming-out zu einem Toleranzwettbewerb kommen: Wer geht am verständnisvollsten und lockersten mit dem Thema um? Das könnte krampfhaft werden.

Leserkommentare
  1. Ergänzend, haben Sie wirklich so wenig Respekt vor Mark Twains Intellekt, dass Sie ernsthaft denken, er wollte damit ausdrücken, dass die Mehrheit immer Unrecht hat und man nicht nach dem Moment des Innehaltens und Reflektierens zu dem Schluss kommen könnte, bei der von der Mehrheit vertretenen Meinung zu bleiben? Die Mehrheit dürfte auch der Meinung sein, dass Morden nicht okay ist, genausowenig wie Schwangeren in den Bauch zu treten, Kinder zu missbrauchen etc.

    Aber wenn Sie so auf Zitate stehen:

    "Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt."

    Thomas Mann

    Und jetzt wünsche ich Ihnen eine gute Nacht. Fühlen Sie sich gerne weiter als armes, unschuldiges Opfer, das völlig unberechtigt für seine Intoleranz in Kombination mit völliger Abwesenheit von Argumenten kritisiert wird. Meinungsfreiheit bedeutet für Sie offensichtlich die Freiheit vor der Meinungsfreiheit anderer und die Freiheit zur Intoleranz. Tja, sowas gibt es nur in Dikaturen und Gottesstaaten, also werden Sie wohl damit klar kommen müssen. :)

    Antwort auf "Na dann...."
  2. Natürlich sind Homosexuelle unnormal! Was ist daran schlimm? Für die meisten Homosexuellen hat diese Anormalität wohl sogar etwas Erhebendes. Ist doch auch völlig in Ordnung. Jedem dessen gesunder Menschenverstand noch einigermaßen funktioniert muss diese ewige Gleichmacherei-Rhetorik säuerlich aufstoßen. Glaub es oder nicht: Nicht alle Menschen sind gleich. Frauen sind nicht so wie Männer, Schwarze nicht so wie Weiße, Schwule nicht wie Heteros. Dass alle Menschen gleich viel "wert" sind, und man alle Menschen gleichermaßen respektieren sollte versteht sich von selbst.
    [...]

    Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/lv

    Antwort auf "War klar..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn man in einem Loch sitzt, sollte man nicht länger buddeln. Nur ein kleiner Tip am Rande für Sie.

    Sie haben sich nun wirklich als alles geoutet, was nur geht, v.a. als Schwulenhasser und Rassist.

  3. 51. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Thema. Danke, die Redaktion/lv

    Antwort auf "War klar..."
  4. 52. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich. Danke, die Redaktion/lv

  5. ......dass es um mehr geht, als das alte rein-raus- Spiel?
    Was ist wenn er/sie mit dem Partner in den Urlaub fliegt, einkauft, zum Lunch oder Dinner geht, auf der Parkbank kuschelt. Darf alles nicht sein, hm? Stimmt, es geht ja nur um das alte rein-raus- Spiel. Und wenn man schon so gut bezahlt wird, kann man doch echt dankbar sein,den Mund halten.

    2 Leserempfehlungen
  6. ...verstehe auch ich nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Kicker XY sein Privatleben so planen (lassen) muss, dass er dem allgemeinen Volksbegehren nach geglättetem Blondchen mit großem Busen und zweifelhafter Schmuckdesigner- Karriere genügt. Keiner, der vermarktet wird, darf uninszeniert agieren. Es wird vorher von Marketing Consultants alles abgewogen und entschieden, ob es zu verkraften ist, das nach dem Outing von Kicker XY zweihundert Hooligans austicken oder 500 Fan-T- Shirts weniger verkauft werden.

  7. ...schon. Erst seitdem die Wirtschaft entdeckt hat, wieviel sich mit Homosexualität, umsetzen lässt, kann man schon eine gewisse Berieselung verzeichnen. Dummerweise stellt sich Homosexualität dann als laut, schrill, extrem dar. Unvorstellbar, dass diese Berieselung ernsthaft die Sexualität nachhaltig beeinflusst. Ich glaube eher, dass durch verbesserte Kommunikation mehr Menschen sich entscheiden so zu leben, wie sie glücklich sind, und nicht so, wie eine moralisch bigotte Gesellschaft es von Ihnen erwartet. Es gab schon soviele Kulturen in der Geschichte, in denen Homosexualität Bestandteil der Gesellschaft war. Auch ohne die Grünen, RTL 2, oder die US- Pornoindustrie.

    Antwort auf "War klar..."
  8. Ein Coming Out eines schwules Fußballers ist eine aufklärerische Erziehung für die Menschen, die keine Ahnung davon haben, dass es ganz normal ist, dass es schwule Fußballer überhaupt gibt. Homophobe Menschen zur Vernunft zwingen kann man damit vielleicht nicht, aber ihnen zeigen, dass sie mit ihrer Meinung nicht mehrheitsfähig sind. Mit der Verheimlichung dagegen wird es weiter völlig "normal" bleiben, dass Fußballer heterosexuell sind und zu sein haben. Zu schweigen ist kein Zeichen von Toleranz gegenüber Homosexualität, sondern die Leugnung ihrer Existenz.

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