BundesligaHopp will die TSG Hoffenheim umstrukturieren

Der Mäzen der TSG Hoffenheim reagiert auf die Debatte um seine operative Rolle im Verein. Künftig soll nicht mehr sein Golfclub die Muttergesellschaft sein.

Dietmar Hopp

Dietmar Hopp  |  © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Dietmar Hopp, der Mäzen der TSG Hoffenheim, blickt kritisch auf sein finanzielles Engagement bei dem Fußball-Bundesligisten. "Es gab und gibt immer wieder kurze Momente, in denen ich denke: Wahrscheinlich war es ein Fehler, dass ich das mit auf den Weg gebracht habe. Damit meine ich das Profigeschäft – und nicht meine Investitionen in den inzwischen schon vielfach ausgezeichneten Jugendbereich", sagte Hopp im Interview mit der ZEIT.

Hopp sagte, er habe es nicht bereut, den Weg in die Bundesliga gegangen zu sein, aber möglicherweise würde er das nicht noch einmal tun. Über manche Management-Entscheidungen in der Geschichte des Vereins sei Hopp "sogar unglücklich", sagte der Mitgründer des Software-Unternehmens SAP.

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Für ihn, fügte Hopp hinzu, sei es ein Rätsel, weshalb es noch kein Jugendspieler der TSG in die erste Elf des Bundesligateams geschafft habe. "Gerade das wollten wir besser machen als die anderen. Von dem, was hier in den vergangenen zwei Jahren gelaufen ist, bin auch ich enttäuscht. Keiner der Trainer hat es geschafft, eine Durchlässigkeit in Richtung Profikader zu schaffen, ein junges Talent so weit zu fördern, dass es in der Bundesliga gut bestehen kann", sagte Hopp.

Kritik, dass er sich in der Vergangenheit in die operativen Entscheidungen des Trainers oder des Managements des Vereins eingemischt habe, weist Hopp von sich: "Kein Kommentar." Auch auf das Thema 50+1-Regel möchte er nicht mehr eingehen. "Diese Debatte bin ich leid", sagte er. Es sei noch niemandem gelungen, ihm irgendetwas in diesem Punkt nachzuweisen. "Die Kontrollen sind scharf, es wird seitens des DFB und der Liga genauestens geprüft."

Hopp räumt allerdings ein, es sei "in der Tat ungeschickt" gewesen, seinen Golfclub als Betreiber des Fußballvereins zu benennen. Das sei aber eine reine Formalie, hinter der manche zu Unrecht etwas Verdächtiges gesehen hätten. "Diese Umbenennung wird in Kürze erfolgt sein. Es ging definitiv nur darum, Notartermine und Handelsregister-Anmeldungen zu vermeiden", sagte Hopp.

© ZEIT ONLINE

Intransparente Unternehmensstruktur

Die TSG Hoffenheim e.V. hat seinen Spielbetrieb in eine Kapitalgesellschaft ausgelagert – so weit, so üblich. An dieser Spielbetriebsgesellschaft mbH TSG Hoffenheim hält die Golf-Club St. Leon-Rot Besitzgesellschaft mbH Co. KG 66,11 Prozent (rechter Kreis). Die wiederum ist im gegenseitigen Besitz der TSG Hoffenheim Fußballbesitzgesellschaft mbH & Co. KG und der Golf-Club St. Leon-Rot Betriebsgesellschaft mbH Co. KG. Für alle drei Unternehmen ist Hopp Geschäftsführer (oberer Teil der Grafik).

Hopps hoher Kapitalanteil

Am Stammkapital der Spielbetriebsgesellschaft hält Hopp Presseberichten zufolge 96 Prozent (rechter Kreis). Doch selbst wenn diese Zahl nicht stimmen sollte – entscheidender ist eine andere: Der Geschäftsbericht 2011 der Spielbetriebsgesellschaft verzeichnet nämlich Stille Einlagen von über 147 Millionen Euro (linker Kreis). Das entspricht über 98 Prozent des Gesamtvermögens. Von wem diese Einlage stammt, weiß man nicht. Es dürfte aber nicht schwer zu erraten sein. Hopp hält demnach mehr als 99,9 Prozent des gesamten Hoffenheimer Kapitals.

Fazit: Wirtschaftsrechtlich ist das alles legal. Doch mit Sportrecht, der 50+1-Regel, lässt sich das schwer in Einklang bringen. Denn klar ist: Mit einem solchen Gläubiger stellt man sich besser gut.

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Leserkommentare
    • Diplo
    • 27. September 2012 19:40 Uhr

    Anhand der wunderschönen Grafik erkennt man, dass der Verein nichts mehr im deutschen Profifussball zu suchen hätte....HÄTTE...es sei denn die DFL und der DFB ignorieren sowas "gekonnt".

    Eine Leserempfehlung
  1. Vermutlich ist die Schlussfolgerung von Forist Diplo korrekt; auch ich sehe es nicht anders.
    Allerdings sehe ich das umfassende Engagement von Hopp mit Sympathie, denn wenn sich jemand mit soviel Akribie, Entschlossenheit und einer wirklich kühnen Strategie aufmacht, einen Verein von der Größe Hoffenheims zu fördern, z. B. mit dem Bau eines Stadions, namhaften Trainern, Betreuern und dem gesamten Umfeld, dann ist das anerkennenswert. Insbesondere hebe ich auch die Jugendarbeit hervor. Jeder, und das gilt für die gesamte Republik, der von der zweifellos übermäßig strapazierten Spielekonsole und dem Computer für ein paar Stunden aufs Spielfeld "gelockt" werden kann, weil attraktive Sporteinrichtungen geschaffen wurden, ist ein Gewinn für die gesamte Jugend, denn dieses hat nicht wenig mit Gemeinschaftssinn, sozialem Verhalten und letztlich auch Gesundheit zu tun.
    Wer beabsichtigt, Förderern wie Herrn Hopp Knüffel zwischen die Beine zu werfen, sollte das bedenken.

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    • vagabuu
    • 28. September 2012 9:30 Uhr

    Nach Ihrer Lesart darf man also Regeln (Gesetze) brechen, wenn man nur ausreichend viele Kinder vor Fettleibigkeit schützt? (Ironie aus)

    Herr Hopp zeigt mit seinem Engagement eigentlich nur, was wir alle bereits wissen: Mit Geld kann man alles kaufen!
    Und mit einigen Sprechblasen (und Verbandelungen mit dem DFB) kriegt man sogar noch Auszeichnungen für die Jugendarbeit und Verständnis von einigen Fans...

    • vagabuu
    • 28. September 2012 9:25 Uhr
    3. DFB...

    ...und die 50+1-Regel laut Hopp:
    "Die Kontrollen sind scharf, es wird seitens des DFB und der Liga genauestens geprüft."
    Ein Witz!
    Ich erinnere mich auch noch an den Verkauf von Luis Gustavo, da war (laut Zeitungsberichten) Hopp mit am Verhandlungstisch in München - mischte sich aber bestimmt nicht operativ ein...

    Wahrscheinlich hat man damals wegen seiner großen Kompetenz den Zwanziger-Filius in Hoffenheim auf die Gehaltsliste genommen.
    Jetzt die entscheidenden Frage für die Zukunft von Hoffenheim:
    Braucht Niersbach Arbeitsplätze für die Verwandten? Wenn Nein: Spielt Niersbach Golf? Wenn Nein: Hat Niersbach wenigstens gute Kontakte zum passionierten Golfspieler Franz Beckenbauer?

    • vagabuu
    • 28. September 2012 9:30 Uhr

    Nach Ihrer Lesart darf man also Regeln (Gesetze) brechen, wenn man nur ausreichend viele Kinder vor Fettleibigkeit schützt? (Ironie aus)

    Herr Hopp zeigt mit seinem Engagement eigentlich nur, was wir alle bereits wissen: Mit Geld kann man alles kaufen!
    Und mit einigen Sprechblasen (und Verbandelungen mit dem DFB) kriegt man sogar noch Auszeichnungen für die Jugendarbeit und Verständnis von einigen Fans...

    Antwort auf "Dietmar Hopp"
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    • lxththf
    • 28. September 2012 10:29 Uhr

    ca. 300 Mio Euro für soziale Projekte, Sportförderung in verschiedenen Sportarten für verschiedene Vereine aus der Region, Förderung des Fußballs in einer Region, die in diesem Bereich tot war. Man kann es kritisch betrachten, aber ich kann die Hoffenheimfans verstehen, die sich aus der gesamten Region zusammensetzen. Es gibt viele Regionen in Deutschland, in denen der Fußball auf Grund von strukturellen Schwächen ewig brauchen wird, um erfolgreich zu sein. (Beispiel Sachsen, Schleswig etc.). Was man jedoch bei Hoffenheim sehen muss, ist die konzeptionelle Arbeit von Rangnick und Schindelmeiser, die Spieler geholt haben in unteren Ligen, die sich nun bei anderen Klubs durchsetzen. (Gustavo, Ba, Obasi, Ibisevic, C. Eduardo) wurden in Hoffenheim zu Spielern mit internationalen Niveau. Ich frage mich manchmal, ob die Reaktionen auch so negativ wären, wenn Hopp Waldhof Mannheim gefördert hätte?
    Und was die 50+1 betrifft. Natürlich ensteht dem ein oder anderen Traditionsvereine ein Nachteil, aber Leverkusen, Wolfsburg gibt es auch und keiner motzt.
    Und nur zur Ergänzung und zum besseren Verständnis. Einerseits wird mir schlecht, wenn ich ManCity und PSG sehe, auf der anderen Seite bin ich froh, dass es RB Leipzig gibt, weil ich, wie 10.000e froh bin, dass in "meiner" Stadt professionelle Strukturen geschaffen werden, der Nachwuchs gefördert wird und man vielleicht auf absehbare Zeit schönen Fußball gegen attraktivere Gegner als Neustrelitz sehen kann.

    Vereinsarbeit als Ehrenamtlicher ist heute mehr denn je Verantwortung und Herzensangelegenheit, die man z. B. für den Nachwuchs leistet.
    Wir sind froh über jede Zuwendung, über jede kleine Geldspende, über Sachspenden (z. B. Trikots, Tornetze), über jeden Sponsoren, der fördert, in der Vereinszeitschrift inseriert oder sich sogar als Verantwortlicher mit in die Arbeit einbringt.
    Sie argumentieren zu oberflächlich, lieber Forist Vagabuu, denn zehntausende Vereine wäre glücklich, wenn sie nur einen Bruchteil des finanziellen und last but not least tatkräftigen Engagements eines Herrn Hopp zu Verfügung hätten.

    • lxththf
    • 28. September 2012 10:29 Uhr

    ca. 300 Mio Euro für soziale Projekte, Sportförderung in verschiedenen Sportarten für verschiedene Vereine aus der Region, Förderung des Fußballs in einer Region, die in diesem Bereich tot war. Man kann es kritisch betrachten, aber ich kann die Hoffenheimfans verstehen, die sich aus der gesamten Region zusammensetzen. Es gibt viele Regionen in Deutschland, in denen der Fußball auf Grund von strukturellen Schwächen ewig brauchen wird, um erfolgreich zu sein. (Beispiel Sachsen, Schleswig etc.). Was man jedoch bei Hoffenheim sehen muss, ist die konzeptionelle Arbeit von Rangnick und Schindelmeiser, die Spieler geholt haben in unteren Ligen, die sich nun bei anderen Klubs durchsetzen. (Gustavo, Ba, Obasi, Ibisevic, C. Eduardo) wurden in Hoffenheim zu Spielern mit internationalen Niveau. Ich frage mich manchmal, ob die Reaktionen auch so negativ wären, wenn Hopp Waldhof Mannheim gefördert hätte?
    Und was die 50+1 betrifft. Natürlich ensteht dem ein oder anderen Traditionsvereine ein Nachteil, aber Leverkusen, Wolfsburg gibt es auch und keiner motzt.
    Und nur zur Ergänzung und zum besseren Verständnis. Einerseits wird mir schlecht, wenn ich ManCity und PSG sehe, auf der anderen Seite bin ich froh, dass es RB Leipzig gibt, weil ich, wie 10.000e froh bin, dass in "meiner" Stadt professionelle Strukturen geschaffen werden, der Nachwuchs gefördert wird und man vielleicht auf absehbare Zeit schönen Fußball gegen attraktivere Gegner als Neustrelitz sehen kann.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Naja..."
  2. Vereinsarbeit als Ehrenamtlicher ist heute mehr denn je Verantwortung und Herzensangelegenheit, die man z. B. für den Nachwuchs leistet.
    Wir sind froh über jede Zuwendung, über jede kleine Geldspende, über Sachspenden (z. B. Trikots, Tornetze), über jeden Sponsoren, der fördert, in der Vereinszeitschrift inseriert oder sich sogar als Verantwortlicher mit in die Arbeit einbringt.
    Sie argumentieren zu oberflächlich, lieber Forist Vagabuu, denn zehntausende Vereine wäre glücklich, wenn sie nur einen Bruchteil des finanziellen und last but not least tatkräftigen Engagements eines Herrn Hopp zu Verfügung hätten.

    Antwort auf "Naja..."
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    • vagabuu
    • 28. September 2012 11:19 Uhr

    Was hat denn soziales Engagement mit einer "gekauften" Bundesligamannschaft zu tun?
    Und natürlich wären zehntausende Vereine über (mehr) Geld glücklich - wahrscheinlich sogar alle!

    Meines Erachtens geht es hier um zwei paar Schuhe:
    1) Das (lobenswerte) soziale Engagement
    2) Die (Nicht)Beachtung von eigentlich allgemeingültigen Regeln

    • vagabuu
    • 28. September 2012 11:19 Uhr

    Was hat denn soziales Engagement mit einer "gekauften" Bundesligamannschaft zu tun?
    Und natürlich wären zehntausende Vereine über (mehr) Geld glücklich - wahrscheinlich sogar alle!

    Meines Erachtens geht es hier um zwei paar Schuhe:
    1) Das (lobenswerte) soziale Engagement
    2) Die (Nicht)Beachtung von eigentlich allgemeingültigen Regeln

  3. Antwort: Ganz klar, SOZIAL ANERKENNUNG!

    Teil: 2

    Hopp kann vielleicht Punkte in der Region machen, in der er lebt, Republikweit hatte er allerdings mehr „Feinde hinzugewonnen“, als ihm lieb ist. Soviel Naivität, oder gar relative Dummheit hätte man diesem Mann eigentlich gar nicht zugetraut.

    Witzig finde ich auch seine maßlose Selbsteinschätzung bzw. -überschätzung:

    >> Über manche Management-Entscheidungen in der Geschichte des Vereins sei Hopp "sogar unglücklich", sagte der Mitgründer des Software-Unternehmens SAP. <<

    Abschließend betrachtet wäre es doch vielleicht besser gewesen, seinen Golfclub bzw. dessen Inventar zu vergolden.

    Fußballdeutschland braucht keine Leute vom Schlage eines D. Hopp!

    Ich bzw. WIR werden Hopp bzw. seine TSG 1899Hoffenheim, wenn es denn endlich von der Bildfläche verschwindet, sicherlich nicht vermissen!

    Das steht fest!

    Der Rest darf sich gerne kaufen lassen, oder wurde gar bereits erkauft.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Dietmar Hopp | DFB | TSG 1899 Hoffenheim | Bundesliga | Management | Rätsel
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