TSG HoffenheimDietmar Hopp scheint schlecht beraten

In Hoffenheim deutet sich erneut an, dass die Beraterfirma Rogon einen Fußballverein zu ihren Gunsten beeinflusst – mit unabsehbaren Folgen für die TSG. von Jens Uthoff

Hoffenheims Fans kritisieren nicht nur die Machtfülle des Mäzens Dietmar Hopp.

Hoffenheims Fans kritisieren nicht nur die Machtfülle des Mäzens Dietmar Hopp.  |  © Thorsten Wagner/Bongarts/Getty Images

In Hoffenheim wird zurzeit viel spekuliert. Die Fans von 1899 spekulieren über lethargische Kicker, über den Trainer Markus Babbel – vor allem spekulieren sie über die Transferpolitik des Vereins. Nach Meinung des Anhangs hat das Hoffenheimer Transferkarussell nicht erst seit gestern eine deutliche Unwucht.

Was Anfang 2011 mit dem Verkauf von Luiz Gustavo begann, setzt sich seitdem mit etlichen unverständlichen Shoppingtouren durch den europäischen Spielersupermarkt fort. Ein Name, der dabei in Hoffenheim oft fällt, ist Rogon, die Spielervermittlerfirma.

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Vermittlerfirmen gelten ohnehin als unseriös. Rogon gibt besonderen Anlass, sich die Praktiken genauer anzuschauen. Der von Roger Wittmann geführten Firma wird seit Jahren nachgesagt, möglichst viele Spieler bei einem Verein zu beschäftigen. Das würde vieles vereinfachen: erhöhte Provisionen, Koppelverträge, Einfluss auf sportliche Belange.

Bei Waldhof Mannheim (1997-2001), beim 1. FC Kaiserslautern (um 2002) und bei Schalke 04 (um 2007) war die Bande zwischen Verein und Rogon sehr stark. Beim FCK war die enge und für beide Seiten lukrative Kooperation mit dem damaligen FCK-Vorstand Jürgen Friedrich offensichtlich, zehn Rogon-Spieler waren damals unter Vertrag. Vor sechs Jahren wurde Friedrich wegen Steuerhinterziehung verurteilt, dabei ging es unter anderem um Rogon-Spieler.

Was wird in den Hinterzimmern der Bundesliga verhandelt?

Als nächstes Hoffenheim? Im Kraichgau sind derzeit sechs Spieler Wittmann-Klienten, zwischenzeitlich waren es sogar sieben. Kevin Conrad, Firmino, Chris Hening, Sejad Salihovic, Tobias Weis und Tim Wiese werden allesamt von Rogon vertreten. "Im Moment ist das das herrschende Thema in der Hoffenheimer Fan-Szene", sagt Thomas Schmitz-Günther vom Fanclub Neckartal, "die Verpflichtung von Andreas Müller hat diese Diskussionen weiter angeheizt."

Müller ist der neue Manager. Zu seinen Schalker Zeiten nahm er etliche Spieler Wittmanns unter Vertrag. Müller selbst war bis zuletzt als Berater bei der Vermittlungsagentur GoalSky – wie die beiden Agenturen zueinander standen, ist unklar. "Zwar sollte man nicht vorschnell Verschwörungstheoretikern Glauben schenken", sagt Schmitz-Günther, "aber ich finde es richtig, dass man auf den Einfluss von Spielerberaterfirmen ein Auge hat."

Die Firma Rogon betreut derzeit 49 Fußballer aus Europa und Brasilien, das Unternehmen gehört neben Sports Total und ProProfil zu den drei Big Playern am Transfermarkt. Spieler wie Kevin-Prince Boateng, Luiz Gustavo und Julian Draxler sind bei ihnen unter Vertrag. Von Seiten Rogons war man bis Freitag zu keiner Stellungnahme bereit.

Was genau in den Hinterzimmern der Bundesligavereine verhandelt wird, ist schwer abzuschätzen. "Der Spielermarkt ist eine so intransparente Branche, dass kaum nachvollziehbar ist, wer und wie viele an einem Spielerwechsel verdienen", sagt Henning Vöpel. Vöpel ist Experte für Sportökonomie am Hamburgischen Welt WirtschaftsInstitut (HWWI). "Gefährlich wird es, wenn Beraterfirmen zu viele Spieler in einem Verein beschäftigen", sagt Vöpel, "dann können die in ihren Geschäften mit den Vereinen viel strategischer agieren."

Leserkommentare
    • grapo
    • 21. September 2012 17:32 Uhr

    Ist doch gut so.
    Hoffenheim ist sowieso ein Retorten"Verein", der mit unsummen von Geld aufgeblaeht wurde .
    Der Verein hatte und hat nichts in der Bundesliga zu suchen.

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    werden Sie feststellen, dass die TSG Hoffenheim - die bei mir ungeachtet dessen auch überhaupt keine Sympathien hat, spätestens seit der Gegnerfan-Beschallung - hier lediglich als Beispiel für eine Entwicklung bei vielen Vereinen herangezogen wird... naja, lesen is nicht jedermanns Sache.

    Die Provisionszahlungen sind wirklich unanständig, aber da müssten dann auch die Vereine von Ihrer Seite aus Druck machen und vielleicht einfach mal auf den einen oder anderen Spieler verzichten.

    Mich würde interessieren, wieso eine Agentur mit ~50 Spielern als Big Player gilt? Gibt es da so viele kleinere Konkurrenten? Denn !eine! Mannschaft hat doch schon einen Kader von 20+ Spielern, dass heisst auf die ganze erste Liga gerchenet kommt og Unternehmen nicht mal auf 15% "Marktanteil".

  1. werden Sie feststellen, dass die TSG Hoffenheim - die bei mir ungeachtet dessen auch überhaupt keine Sympathien hat, spätestens seit der Gegnerfan-Beschallung - hier lediglich als Beispiel für eine Entwicklung bei vielen Vereinen herangezogen wird... naja, lesen is nicht jedermanns Sache.

    Die Provisionszahlungen sind wirklich unanständig, aber da müssten dann auch die Vereine von Ihrer Seite aus Druck machen und vielleicht einfach mal auf den einen oder anderen Spieler verzichten.

    Mich würde interessieren, wieso eine Agentur mit ~50 Spielern als Big Player gilt? Gibt es da so viele kleinere Konkurrenten? Denn !eine! Mannschaft hat doch schon einen Kader von 20+ Spielern, dass heisst auf die ganze erste Liga gerchenet kommt og Unternehmen nicht mal auf 15% "Marktanteil".

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    • grapo
    • 21. September 2012 18:38 Uhr

    kann jeder Verein werden.
    Wenn die Entscheidungen aber nur von EINEN Mann gefaellt werden und das ist in Hoffenheim der Fall, dann ist der Verein doch kein Verein mehr...
    Oder?
    Die Entscheidungen die Herr Hopp trifft, werden ja von einem Kontrollgremium (Aufsichtsrat)untersucht und fuer gut oder schlecht befunden, wie bei jedem anderen Verein...
    Oder?
    Dass Fehlentwicklungen bei "Grossinvestoren" vorprogrammiert sind, da der Geldgeber das erste und letzte Wort hat, zweifelt doch keiner an...

    • E.Wald
    • 21. September 2012 23:13 Uhr

    Ich erinnere mich, ein Porträt des Beraters von Lahm gelesen zu haben, in dem erwähnt wurde, dass der Großteil der Spielerberater nur einen einzigen Spieler unter Vertrag hätten, oft Verwandte, Bekannte oder Freunde des Spielers; Spielerberater könne relativ einfach jeder werden. Lahms Berater berät nach diesem Porträt übrigens eine oder zwei Handvoll Spieler, um die er sich angeblich intensiv kümmert, z.B. mache er mit Lahm eine Nachbesprechung für jedes Spiel, "Verletzungsseelsorge" etc.

    Sollte das stimmen, ist eine Agentur mit 50 Spielern wirklich schon eine große Nummer.

    • wawerka
    • 21. September 2012 17:59 Uhr

    Dass ROGON ausgerechnet bei Hoffenheim mit überhöhten Provisionszahlungen und daraus resultierenden Kick-Backs arbeitet scheint mir doch fragwürdig. An wen sollten die denn innerhalb des Vereins fließen? An Hopp wohl kaum, der bezahlt ja sowieso mehr oder weniger alles aus seiner Privatschatulle.

    Schlecht beraten ist Hopp allerdings zweifelsohne. Sein größter Fehler war der indirekte "Rausschmiss" von Rangnick, offenkundig bietet so ein kleiner Verein nur Raum für EIN Riesen-Ego. (u.a. auch der Grund, warum Manager Schindelmeiser gehen musste)

    Was Hopp offenkundig nicht nachvollziehen kann, ist die extreme Abneigung sämtlicher Fans von anderen Vereinen gegen seinen "Retortenclub". Der einzige Weg, wie man wenigstens neutrale Fußballfreunde zu einem wohlwollenden Blick auf Hoffenheim hätte bringen können, wäre der mit attraktiven Offensivfußball und Nachwuchsspielern aus dem eigenen Fußballinternat gewesen; so, wie er unter Rangnick in der Aufstiegssaison gespielt wurde, als Hoffenheim immerhin Herbstmeister wurde. Dies führte wenigstens zu einer gewissen Akzeptanz bei Zuschauern, die nicht emotional mit einem anderen Club verbunden sind.

    Nach Rangnicks Abgang wurden Leistungsträger verkauft ( L.Gustavo, C.Eduardo) und
    qualitative "Durchschnittsware" (Braafheid, Babel, Wiese) für teuer Geld und ohne Konzept eingekauft. Ryan Babel ist ein gutes Beispiel wie man Geld verbrennt: 2011 für 7 Millionen Euro gekommen, vor dieser Saison ablösefrei an Ajax Amsterdam abgegeben.

    • wawerka
    • 21. September 2012 17:59 Uhr

    Vor allem aber wurde das attraktive Spielkonzept aufgegeben, so dass Hoffenheim inzwischen trägen und erfolglosen Durchschnittsfußball spielt und das als langweiliger Dorfverein, den eh kaum einer leiden kann.

    Der letztjährige Versuch mit Stanislawski zu früherem Erfolg zurückzukommen wurde viel zu schnell aufgegeben, stattdessen wurde Babbel geholt, ein Trainer, der bei keiner seiner bisherigen Stationen durch eine erkennbare Idee von Fußball auffiel. Diesem wurde mangels Sportdirektor dann auch noch die Befugnis zu Spielereinkäufen übertragen, was zur Kapitalvernichtung (Babel) und zu Einkäufen wie Tim Wiese führte, also auf einer Position wo dank Tom Starke wenig Handlungsbedarf bestand.

    Die Verpflichtung von Andreas Müller ist mit Skepsis zu sehen. Zwar war Schalke während Müller dort als Manager tätig war durchaus erfolgreich nur wurde für diesen Erfolg sehr viel Geld ausgegeben, weitaus mehr, als andere Vereine für vergleichbare Erfolge investiert haben.

    Generell ist Hopp für diesen Verein Segen und Fluch zugleich. Ohne sein Geld ist für Hoffenheim maximal die Regionalliga drin. Andererseits scheint er, bestätigt durch seinen immensen Erfolg als Unternehmer, gegen kompetente Beratung immun, wenn diese mit einem vergleichbar großen Ego daherkommt.

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    Hopp war als Software-Entwickler gut, von Sport-Management, auf Bundesliga-Niveau, muss er nicht zwangsläufig etwas verstehen.

    Vorallem durch den Gustavo Verkauf an den FCB hat er sich ja de facto als Erfüllungsgehilfe für den FCB "geoutet".

    Zu den "Kick-Backs":Es gibt dort auch bei Hoffenheim möglichkeiten Gelder wieder an den Verein zurückfließen zu lassen.
    Aber darum sollen sich Buchprüfer und die Finanzverwaltung kümmern.

    • wawerka
    • 21. September 2012 18:00 Uhr

    Für den Verein besteht die Gefahr, dass man mit dieser willkürlich zusammengestellten Söldnertruppe absteigt, Hopp dann die Lust verliert und Hoffenheim wieder in den niederen Fußballregionen verschwindet. Für die meisten Anhänger anderer Fußballclubs wahrscheinlich ein Segen, allerdings sollten diese sich langsam daran gewöhnen, dass künftig mehr und mehr Fußballvereine von Sponsoren in die Bundesliga gekauft werden. Und dies nicht mehr zwingend von Einzelpersonen wie Hopp, die sich das als Privatvergnügen gönnen sondern von Wirtschaftsunternehmen wie z.B. Red Bull.

    Wobei letztere mit Sicherheit stärker versuchen werden das bestehende Regelwerk zu ändern um ihre ganz persönlichen wirtschaftlichen Interessen optimal gewahrt zu wissen. Bei allem, was man Hopp vorwerfen mag, an Regeländerungen, die ihm mehr Kapital einbringen könnten, ist er sicher nicht interessiert.

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    das Geschehen bei der TSG Hoffenheim. Die Buli-Vereine haben alle keine Seele mehr, die echten Fans merken es auch anderswo, wo die Reise hingehen soll. Geld, Geld, Geld. Mal sehen, wie lange es noch so weitergehen wird, wo zwielichtige Spielervermittler Vereine fast abhängig machen können. Im übrigen sind über 50% der Spieler Legionäre aus dem Ausland. Die gehen sofort in ein anderes Land, wenn es dort ein wenig mehrb geben würde. Ade Kommerzfußball!

    • grapo
    • 21. September 2012 18:38 Uhr

    kann jeder Verein werden.
    Wenn die Entscheidungen aber nur von EINEN Mann gefaellt werden und das ist in Hoffenheim der Fall, dann ist der Verein doch kein Verein mehr...
    Oder?
    Die Entscheidungen die Herr Hopp trifft, werden ja von einem Kontrollgremium (Aufsichtsrat)untersucht und fuer gut oder schlecht befunden, wie bei jedem anderen Verein...
    Oder?
    Dass Fehlentwicklungen bei "Grossinvestoren" vorprogrammiert sind, da der Geldgeber das erste und letzte Wort hat, zweifelt doch keiner an...

  2. 7. Hitzig

    "Im Moment ist das das herrschende Thema in der Hoffenheimer Fan-Szene".

    Also zwischen Peter und Michael.

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    Es sheint zumindest drei zu geben, die das interessiert. Wobei sich Sky gar nicht mehr die Mühe macht solche Knaller wie Hoffenheim gegen Wolfsburg zu verschlüsseln.

    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  3. das Geschehen bei der TSG Hoffenheim. Die Buli-Vereine haben alle keine Seele mehr, die echten Fans merken es auch anderswo, wo die Reise hingehen soll. Geld, Geld, Geld. Mal sehen, wie lange es noch so weitergehen wird, wo zwielichtige Spielervermittler Vereine fast abhängig machen können. Im übrigen sind über 50% der Spieler Legionäre aus dem Ausland. Die gehen sofort in ein anderes Land, wenn es dort ein wenig mehrb geben würde. Ade Kommerzfußball!

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