Bundesliga-RückschauVon der Absurdität, Jubel zu bestrafen

Deutsche Schiedsrichter setzen Regeln wie Roboter um. Der Solarium-Freund Tim Wiese hat Probleme mit echter Sonne. Die Bundesliga-Rückschau von 

Nach Auffassung deutscher Schiedsrichter begeht Szabolcs Huszti hier zwei Vergehen: Trikot aus und Zaunjubel.

Nach Auffassung deutscher Schiedsrichter begeht Szabolcs Huszti hier zwei Vergehen: Trikot aus und Zaunjubel.  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Wer spielte wie gegen wen?

FC Augsburg – VfL Wolfsburg 0:0
Borussia Dortmund – Bayer Leverkusen 3:0
VfB Stuttgart – Fortuna Düsseldorf 0:0
Hannover 96 – Werder Bremen 3:2
FC Bayern München – FSV Mainz 05 3:1
Borussia Mönchengladbach – 1. FC Nürnberg 2:3
Greuther Fürth – FC Schalke 04 0:2
SC Freiburg – 1899 Hoffenheim 5:3
Eintracht Frankfurt – Hamburger SV 3:2

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Die Partie Freiburg gegen Hoffenheim ist auf den ersten Blick keine Ansetzung, für die man unbedingt einen Sonntagnachmittag opfern muss. Vor allem, wenn die Sonne so vom Himmel strahlt wie an diesem Sonntag im Breisgau. Doch die beiden Mannschaften aus dem wenig sonnenverwöhnten Tabellenkeller boten die mitreißendste Partie der bisherigen Spielzeit. Es ging hin und her, es gab acht Tore und genug Chancen für zwei weitere Bundesligaspiele. Das lag in erster Linie an den beiden Abwehrreihen, in deren Verteidigerei eine gewisse sommerliche Leichtigkeit auszumachen war. Vor allem Hoffenheims Tim Wiese tat sich hervor, als er innerhalb von fünfzehn Minuten zwei Eckbälle unterlief, die die Freiburger nur noch ins leere Tor stupsen mussten, wahrscheinlich hat der Solarium-Fan Probleme mit echter Sonne. Am Ende gewannen die Freiburger 5:3. Ihr Trainer Christian Streich hat, wie schon im Vorjahr, eine Mannschaft geschaffen, die ein höllisches Tempo anschlägt und sich in jeden Zweikampf wirft, als wäre es ihr letzter. Fast könnte man den Fußball im Breisgau "englisch" nennen. Wenn nur das Wetter dort nicht immer so gut wäre.

Welches Spiel konnten Sie mit guten Gewissen verpassen?

Heimspiele von Borussia Dortmund und dem FC Bayern München sind vorhersehbar. Die beiden Vereine verlieren einfach nicht mehr. Auch nicht an diesem Spieltag, die Bayern schickten ihren früheren Angstgegner aus Mainz mit 3:1 nach Hause und konnten es sich dabei sogar leisten, den 40-Millionen-Martinez wieder einmal den größten Teil des Spiel auf der Ersatzbank zu lassen. Die Dortmunder haben nach den wackeligen ersten beiden Spielen ihre Souveränität aus der Vorsaison wieder erlangt. Der Gegner aus Leverkusen hatte keine Chance. Zuletzt verlor der BVB vor mehr als einem Jahr ein Heimspiel, am 10. September 2011 gegen – kaum zu glauben – Hertha BSC. Auch der FC Bayern kann auf seine Heimserie stolz sein. Für ihn gab es die letzte Niederlage am 19. November 2011 gegen: Borussia Dortmund.

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Wer stand im Blickpunkt?

Die neuen Kagawas. Sie heißen Hiroshi Kiyotake, Takashi Inui und Takashi Usami – zusammen erzielten die drei auffälligsten Japaner der Liga allein an diesem Wochenende drei Tore und bereiteten vier weitere vor, waren jeweils beste Spieler ihres Teams. Die Liga wird immer asiatischer. Seit Shinji Kagawa Borussia Dortmund zu zwei Meisterschaften schoss und mit seinem Wechsel zu Manchester United zudem ein hübsches Transferüberschüsschen erwirtschaftete, sind die Bundesligaverantwortlichen verrückt nach den Männern aus Fernost. Sie sind flink, technisch geschult, damit die idealen Spieler, um sich in den im modernen Fußball immer wichtiger, aber auch knapper werdenden Räumen zwischen den Angriffs-, Mittelfeld- und Abwehrlinien zu bewegen. Zudem gelten die Japaner als pflegeleichter als so mancher heimwehkranke, fröstelnde Brasilianer. Und sie sind nicht nur ein sportlicher Gewinn, sondern versprechen auch Zugang zum lukrativen asiatischen Fernseh- und Merchandisingmarkt. Nicht unwahrscheinlich, dass in Tokios Szenevierteln bald viele, viele Nürnberg-, Frankfurt- oder gar Hoffenheim-Trikots aufgetragen werden.

Leserkommentare
    • Marobod
    • 17. September 2012 10:59 Uhr

    hatman diese regel erfunden, es nervt tierisch wenn sie sich wieder hinstellen und eine Kuer aufstellen , die einfach nur herabwuerdigend ist. Es ist nichts dagegen sich zu freuen fuer einen wichtigen Treffer, aber man sollte es in einem maße tun, daß es den Gegner nicht provoziert, oder dessen Fans (wenn man mit Freunden spiele aller Art spielt , ist es auch nich toll wenn man von einem besiegt wird und er anfaengt sich so ueberschwenglich zu freuen das die anderen sich irgendwann mies oder wuetend fuehlen), ich rege mich immer wieder darueber auf, wenn sich Spieler nach einem Tor so dermaßen aufplustern, und freue mich wenn sie spaeter wegen Gelb-Rot vom Platz muessen. Das ist ein Spiel keine Gala wo man sich selbst inszenieren muß.

    Und er hat voellig regelkonform gelb-rot bekommen , Diskussion hinfaellig, wenn selbst offensichtliche Tor-Fehlentscheidungen so kzeptiert werden muessen oder anderes

    10 Leserempfehlungen
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    was sind sie denn für ein Langweiler?

    Schauen sie sich z.b. mal die Freude der Deutschen Tischtennisspieler bei Olympia an... warum gabs da keine Rüge?

    Fußball sind emotionen Pur!
    Wie sehr freut man sich sogar daheim vor dem Fernseher über ein gefallenes Tor!

    Lassen sie den Leuten doch den Spaß für eine einmalige Stadionatmosphäre.

    • Panic
    • 17. September 2012 11:21 Uhr

    was Sie da schreiben. Und bei Rock am Ring steht Marilyn Manson mit seiner Band stocksteif nebeneinander und bewegt sich keinen Millimeter. Die Champusflasche, die in der Formel 1 am Ende des Rennens geöffnet wird, bleibt zu. Schließlich will man sich ja nur gegenseitig provozieren. Überhaupt sollte auch kein Tennisspieler seine Eltern nach dem Sieg umarmen. Reine Provokation. Und dann gibt es ja noch die Fußballspieler, die es sogar wagen ihre Kinder nach einem Sieg mit aufs Spielfeld zu nehmen.

    Ja, das Leben ist es schon beschissen genug, warum sollte man da noch Emotionen und Freude vorgaukeln. Denken Sie daran, wenn jemand bei Ihrem nächsten Monopolyabend auf Ihre Schloßallee latscht, auf der Sie gerade 4 Hotels gebaut haben.

    cheers

    Anmerkung: Bitte bleiben Sie sachlich und bewahren Sie sich einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/ds

    Einaml abgesehen davon das es eine absurde Doppelbestrafung ist - man könnte und sollte unkluge Regeln einfach ändern oder sie zumindest mit gesundem Menschenverstand umsetzen.

    Das ist wieder einmal so typisch deutsch. Die Freude des Einen wird sofort als Provokation eines Anderen ausgelegt. Das stellt wieder einmal diese typische Neidkultur dar, die uns international oftmals vorgeworfen wird.
    Man stelle sich mal Fußball ohne Jubel vor, ganz ehrlich, ich hab mir selten etwas abstrakteres vorstellen müssen, um mich in Ideologien und Bedürfnisse einiger Personen hinein zu versetzen. Fußball ohne Emotionen ist tot. Kein Mensch guckt Fußball ohne Emotionen. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Anfeindungen. Danke, die Redaktion/ds

    ...diese Regeln seien erfunden worden, um die Würde des Besiegten zu wahren. Hier geht es der FIFA und den anderen "We-care-about-money-in-football"-Vereinen schlicht und ergreifend darum ihre sittenwächterischen Geldgeber aus gewissen ölreichen Staaten nicht zu verschrecken. In Dubai oder in Bahrain werden entblößte Oberkörper nun mal nicht geduldet, und da will der liebe Scheich die Aktion bestraft sehen, wenn ein Ungläubiger da die Augen seiner Gemahlin(nen) entehrt. Schlimmer noch wenn einer gar irgendwelche christlichen Sprüche oder Symbole auf dem Unterhemd hat. Regt mich als überzeugten Atheo auch nicht auf - verstehe also auch nicht, warum dann ein Moslem, Buddhist oder Mormone sich da in seinen Gefühlen verletzt fühlen sollte. Und das mit dem auf den Zaun springen, das ist ja so verboten rebellisch, das erinnert an unterdrückte Untertanen oder Minderheiten, die auf die Barrikaden gehen. Sieht man in China (da sind auch so ein paar von Seppis mit-Geld-um-sich-Schmeißer) auch alles andere als gern.

    Deswegen Leutchen, macht euch nichts vor - ihr wollt halbwegs ursprünglichen und aufrichtigen Fußball erleben? Dann werdet ihr letzten Endes auf Vereine wie AFC Wimbledon oder FC United of Manchester umsteigen müssen. Denn 'ze Rest cares about money, and not about Fußball!

    • lxththf
    • 19. September 2012 19:35 Uhr

    wer selbst noch nie so richtig emotional Sport betrieben hat. Wer dieses Gefühl, diese atemberaubende Explosion fern jeder Rationalität noch nie erlebt hat. Wer noch nie in einem entscheidenden Moment auf dem Platz etwas aussergewöhnliches gemacht hat, was dann auch noch von Erfolg gekrönt wurde.
    Ich rede hier nicht von einstudierten Choreographien, denn die nerven auch mich. Ein berechneter Jubel um Publicity zu bekommen. Nein, ich rede von einem Jubel, wie dem von Huszti, der sich einfach mit "seinen" Fans gefreut hat. Wer das nicht versteht, wer sich da freut, dass er Gelb Rot bekommt ist entweder ein Fan des Teams, welches als nächstes gegen Hannover spielt, oder aber jemand, für den Fußball einfach nur ein Sport wie jeder andere ist. Ein nettes Event zum Zeitvertreib eben, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das ist an sich ja kein Problem, nur lassen Sie bitte den anderen ihre Emotionen.

  1. Natürlich sind diese Regelungen lächerlich. Aber das heißt nicht dass die Schiedsrichter plötzlich alles mögliche in die Regelungen hineininterpretieren, nur weil sie ihnen nicht gefallen und sie bescheuert finden. Regeln sind nun mal Regeln und die Schiedsrichter werden dafür bezahlt für deren strikte Einhaltung zu sorgen. Nicht umsonst wird über die Torkamera diskutiert. Damit dort kein Spielraum für willkürliche Interpretation herrscht.
    Es wäre vielmehr angebracht dass sich die FIFA, oder wer sich das auch immer ausgedacht hat, ab und zu das Regelwerk anschaut und dann überholte Regeln ändert oder abschafft.

    6 Leserempfehlungen
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    Hierzu möchte ich gerne Roy Präger zitieren:

    Regeln sind im Endeffekt dafür da, um gebrochen zu werden.

  2. 3. ......

    was sind sie denn für ein Langweiler?

    Schauen sie sich z.b. mal die Freude der Deutschen Tischtennisspieler bei Olympia an... warum gabs da keine Rüge?

    Fußball sind emotionen Pur!
    Wie sehr freut man sich sogar daheim vor dem Fernseher über ein gefallenes Tor!

    Lassen sie den Leuten doch den Spaß für eine einmalige Stadionatmosphäre.

    5 Leserempfehlungen
    • wawerka
    • 17. September 2012 11:16 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Suggerieren von Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ds

  3. Man mag diese Regeln gut oder schlecht finden. Letztlich sind sie aber ein Fakt und von den Spielern zu beachten! Die Bremer kommen ja auch nicht auf die Idee die Abseitsregel in Frage zu stellen nur weil sie das 3:2 deshalb zurückgepfiffen bekommen haben.

    8 Leserempfehlungen
  4. Also gleich vorweg: Ich bin Werderfan. Ich kann den Ärger über die gelb-rote Karte ja total nachvollziehen. Und ob diese Regel so sinnvoll ist, ist sicherlich diskussionswürdig.
    Aber dass der Spieler (ein Spieler der 1. Bundesliga) vorgibt, FIFA-Regeln, die eine Verwarnung nach sich ziehen können, nicht zu kennen, halte ich für unglaubwürdig.

    Es stimmt sicher, dass mehr Unabhängigkeit von der FIFA wünschenswert wäre; aber das sollen Schiedsrichter im Regelbetrieb der Bundesliga leisten; komplett eigenverantworlich im Sekundenbruchteil entscheiden "Ach nein, der jubelt so schön, und is ja auch nachvollziehbar, also belass ich es bei einer mündlichen Verwarnung"?
    Besonders lustig wird das 5 Spieltage vor Saisonende, wenn ein Schiedsrichter sich aussucht, gelb zu zeigen, und ein anderer im parallelen Spiel dem Meisterschafts- /Abstiegskonkurrenten nicht.

    Wenn schon unsinnige und doofe Regeln, dann bitte die selben für alle ;-)

    4 Leserempfehlungen
    • Punkt.
    • 17. September 2012 11:20 Uhr

    Ich bezweifle, dass sich irgendein Bremer Spieler oder Fan dadurch provoziert gefühlt hat. Feiern mit den eigenen Fans ist doch was anderes als sich vor dem gegnerischen Block hinzustellen und die zu verspotten. Die Fifa sollte das mal überdenken und zu dem sinnvollen Schluss kommen, dass da nur das zweite gelbwürdig ist und das erste nichts Negatives hat.

    Eine Leserempfehlung
    • Panic
    • 17. September 2012 11:21 Uhr

    was Sie da schreiben. Und bei Rock am Ring steht Marilyn Manson mit seiner Band stocksteif nebeneinander und bewegt sich keinen Millimeter. Die Champusflasche, die in der Formel 1 am Ende des Rennens geöffnet wird, bleibt zu. Schließlich will man sich ja nur gegenseitig provozieren. Überhaupt sollte auch kein Tennisspieler seine Eltern nach dem Sieg umarmen. Reine Provokation. Und dann gibt es ja noch die Fußballspieler, die es sogar wagen ihre Kinder nach einem Sieg mit aufs Spielfeld zu nehmen.

    Ja, das Leben ist es schon beschissen genug, warum sollte man da noch Emotionen und Freude vorgaukeln. Denken Sie daran, wenn jemand bei Ihrem nächsten Monopolyabend auf Ihre Schloßallee latscht, auf der Sie gerade 4 Hotels gebaut haben.

    cheers

    Anmerkung: Bitte bleiben Sie sachlich und bewahren Sie sich einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/ds

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