Bundesliga-Spieler Huszti : Schiedsrichter bestraft Torjubel mit Platzverweis

Hannovers Torschütze Huszti hat im Spiel gegen Bremen einen kuriosen Platzverweis kassiert. Er zog sein Trikot aus, kletterte einen Zaun hoch - und sah Gelb-Rot.
Hannovers Szabolcs Huszti spricht nach seiner roten Karte mit Schiedsrichter Deniz Aytekin (r). © Peter Steffen/dpa

Ein Spiel des dritten Bundesliga-Spieltags hat vor allem wegen seiner letzten Momente für Aufmerksamkeit und einige Diskussionen gesorgt: Sprichwörtlich in letzter Sekunde erzielte Szabolcs Huszti für Hannover 96 den entscheidenden Treffer gegen Werder Bremen per Fallrückzieher (3:2) – und sah anschließend die gelb-rote Karte.

Was war geschehen? Im Jubel hatte sich der Doppeltorschütze erst sein Trikot ausgezogen, dann kletterte er in der Fankurve eine Absperrung hinauf, um sich von den Fans feiern zu lassen. Bereits das ausgezogene Trikot wertete Schiedsrichter Deniz Aytekin als Verstoß gegen die Regeln und Grund für Gelb. Als Huszti dann auf dem Zaun weiter jubelte, stellte Aytekin ihn vom Platz.

Der Schiedsrichter rechtfertigte die Entscheidung. "Das tut einem selbst fast schon ein wenig weh. Mir blieb aber gar nichts anderes übrig. Als Exekutive muss ich das durchziehen", so Aytekin nach Spielschluss.  Auch Hannovers Trainer Mirko Slomka erkannte den Platzverweis an: "Die Entscheidung war absolut regelkonform“, sagte er.

Die Regeln des Deutschen Fußball-Bundes legen das Ausmaß für Torjubel genau fest: "Zwar ist es einem Spieler erlaubt, seiner Freude nach einem Treffer Ausdruck zu verleihen, doch darf der Torjubel nicht übertrieben werden." Fans und Experten beschäftigte anschließend unter anderem die Frage: War das Ausziehen des Trikots und das Klettern auf den Zaun nicht ein Handlungsablauf , hätte also eine gelbe Karte genügt?

Huszti muss in der nächsten Bundesliga-Partie aussetzen. Das trifft seinen Verein Hannover 96 schwer, denn der Ungar hatte in den vergangenen Partien schon mit vier Vorlagen beim 4:0 gegen den VfL Wolfsburg gezeigt, wie wertvoll er für die Mannschaft ist.

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Kommentare

29 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

m.E. eine Schwachsinnsregel

Mir persönlich scheint Torjubel eine Tätigkeit, also bestenfalls Gelb. - Kommt mir vor , wie das Konkretisieren von Strafzetteln. -
Warum dann nicht klare Regeln? Ausziehen des Trikots = Rote Karte 2 Spiele Sperre. Ausziehen des Trikots und darunter Bildchen von Mama , Kind oder verstorbenem Kumpel Spiele Sperre-
Küssen eines Ringes 6 Spiele Sperre. Fingerzeig auf Gott und Himmel lebenslange Sperre. Ironie off.

Regelkunde und Vorbild

Gerade Spieler sollten doch ausreichend gut über die eigenen Regeln informiert sein. Aller Freude zum Trotz der Einen sollten Sie auch den Frust der Anderen verstehen, die vielleicht schnell weiter spielen wollen ?
Aber wichtiger ist für mich der Fussballer als Vorbild, der Regeln einhält - oder wie will man den Fans den sonst klar machen können, eben nicht vor Freude oder Ärger auf die Zäune und mehr zu klettern ?
Je vernünftiger der Fussballer ist, desto eher wird man wohl auch vom Fan Vernunft einfordern können. Das hat schon auch einen Zusammenhang. Fauls, ungewollt oder gewollt - sind auch "Vorbild".

Regelkunde bei Spielern

Zum einen geht es doch gar nicht darum, ob die gelb-rote Karte berechtigt, sondern nur darum, ob sie angemessen war.
Zum anderen ziehen Spieler von hier nach da, Herr Huszti war z.B. gerade ein paar Jahre in Russland, und Regeln sind überall etwas anders.
Ich denke, dass jeder Spieler ungefähr weiß, was erlaubt ist und was nicht.
Jeden Pups des Regelbuches auswendig zu lernen, wie bei der Führerscheinprüfung, das ist doch abwegig.
Ist doch ganz normal, dass man nicht alle Regeln aus dem FF kennt. Oder kennen Sie das Steuergesetz auswendig und müssen bei ihrer Steuererklärung nie etwas nachsehen?
(Wenn ja, sind Sie wohl Finanzbeamter oder Steuerberater und dann nehmen Sie gerne das Beispiel Bauantrag und Bauordnung)

Ihr Beispiel ist falsch.

Wieso setzen Sie in Ihrem Beispiel "Fußballspieler und Fußballregeln" mit "Finanzbeamter und Bauordnung" gleich? Dies ist falsch.

Der Mann ist Profifußballer. Dies ist sein Job. Also sollte er wie jeder Arbeitnehmer seine Rechte und Pflichten (in diesem Fall u.a. Fußballregeln) kennen, dafür wird er bezahlt. So wie ein Finanzbeamter eben auch das Steuerrecht kennen sollte, ein Pilot die Luftfahrtregeln, ein Notarzt erste Hilfe, etc.

Daher ist es auch überhaupt nicht abwegig, wenn jemand "jeden Pups" der für seinen Beruf wichtigen Regeln lernt. Und dies für jedes Land in dem er arbeitet. Ein polnischer Bauarbeiter muss auch deutsche Bauvorschriften kennen und beachten, wenn er hier arbeitet. Wieso ein Fußballprofi nicht?

Artikel an der Sache vorbei!

Huszti hat nicht die rote, sondern die GELB-rote Karte bekommen, mit anderen Worten, für die angesprochene Aktion die 2. gelbe Karte, was schon seit Jahren regelkonform ist.
Viel entscheidener ist, dass Bremen ein paar Minuten vorher mindestens ein reguläres Tor vom Schiedsrichter aberkannt worden ist, und nicht zuletzt dadurch noch vorloren hat. Bremen hat allen Grund sich um 3 Punkte betrogen zu fühlen!

Wenn Sie hier schon Ihr Fachwissen zur Schau stellen,

dann hätten Sie sich vorher doch besser einmal informieren sollen.

http://www.kicker.de/news...

Dort können Sie sehen, dass der Spieler in der Tat, gleichzeitig erst die gelbe und direkt anschließend die gelb-rote Karte gezeigt bekommen hat.

Und dies ist - mit Verlaub gesagt - absoluter Schwachsinn. Ein wenig Fingerspitzengefühl kombiniert mit einer kräftigen Portion Denkvermögen bei der Auslegung der Regeln, erwarte ich schon von einem Bundesligaschiedsrichter.

Anders ausgedrückt. Der Spieler hat nicht regelkonform gejubelt. Dies ist ein Regelverstoß für den es eine gelbe Karte gibt. Eine gelbe Karte pro Regelverstoß. Und nicht zwei wie hier geschehen

Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl die Karriere beendet...

Als aktiver Schiedsrichter kann ich Ihnen versichern, dass Herr Aytekin in dieser Situation keinerlei Ermessensspielraum zur Verfügung stand.
Bei beiden Vergehen handelt es sich um so genannte Pflichtverwarnungen. Das bedeutet, dass wenn wir diese als Spielleiter nicht aussprechen, ob es uns nun gefällt oder nicht, wird das von den omnipräsenten Schiedsrichterbeobachtern mit deftigen Punktabzügen bestraft, die u.a. am Ende der Saison eine Herabstufung des Schiedsrichters zur Folge haben können.
Dazu kommt noch, dass für exakt diese, aufgetretene Situation in allen Verbänden eine Anweisung herausgegangen ist, wie sie zu betrafen ist und zwar unbedingt mit Gelb und anschließend Gelb/Rot.

Hätten sie also in dieser Situation mit ein bisschen Fingerspitzengefühl ihre profesionelle Schiedsrichterkarriere aufs Spiel gesetzt? Fraglich.

Das war mir schon soweit klar

Was aber nichts daran ändert, dass diese Regel für derartige Fälle entweder abgeändert gehört, oder es eines intelligenter pfeifenden Schiedsrichters bedurft hätte.

Warum hat der Schiedsrichter das Spiel nach dem Tor nicht einfach abgepfiffen? Die Spielzeit inkl. angezeigter Nachspielzeit war schlielich bereits abgelaufen. Dann hätte er nur die gelbe Karte zeigen brauchen, weil der zweite Regelverstoss erst nach dem Spiel erfolgt wäre

Ein wenig mehr angewandte Intelligenz und es wäre nur eine gelbe Karte nötig gewesen.

Man kann sich drüber streiten...

ob die Aktion nun eine oder zwei gelbe Karten Wert waren. Ich verstehe Ihre Ansicht, dass man da sicher auch mit etwas Fingerspitzengefühl hätte handeln können. Allerdings kann ich an dem Link, den ich selbst bis in die Schlussminuten mitfervolgt habe (neben der ARD-Schlusskonferenz), nicht erkennen, dass die beiden Karten hintereinandern gezogen wurden. Aber, sie haben recht, wenn man richtig nachforscht, findet man in der Tat, das H. vorher keine gelbe Karte bekommen hat, also bitte ich um Entschuldigung.

Trotzdem, Hannover ist insgesamt mit den Schiedsrichterentscheidungen gut bedient, auch mit dem etwas fragwürdigen Platzverweis, der nur einer Ihrer Spiele für EIN Spiel sperren wird, aber Bremen um den SIEG gebracht hat. Das ärgert mich!
(Ich möchte nicht so weit gehen und behaupten, dass der Schiedsrichter mit dem Platzverweis etwas "gut" machen wollte.)

Ganz so einfach ist es dann doch nicht...

Dazu bedarf es allerdings Regeln, die eben intelligentes, situatives oder "menschlicheres" Pfeifen zulassen. Gerade im Bereich der persönlichen Strafen (z.B. bei den Pflichtverwarnungen oder der "Notbremse") ist dies leider ganz und gar nicht der Fall, was auch bei den aktiven Schiedsrichterkollegen zu einigem Unmut sorgt, nicht nur im Profibereich.

Übrigens hätte auch ein Beenden des Spieles vor dem Erklettern des Zaunes leider nichts an der Gelb/Roten-Karte geändert. Die hätte auch nach Spielschluss trotzdem noch gezeigt werden müssen, da der Schiedsrichter zu diesem Zeitpunkt das Feld noch nicht verlassen hatte.

Sie sehen, so einfach ist es eben mit dem Schreien nach ein ein bisschen mehr "Fingerspitzengefühl" oder gar praktischer Intelligenz nicht getan. Schade, eigentlich.