Fall PezzoniNur weil Fußballer viel Geld verdienen, sind sie kein Freiwild

Die jüngsten Aussagen des 1. FC Köln erschrecken. Der Verein verfehlt seine soziale Verantwortung. Ein fatales Zeichen im Kampf gegen Fan-Gewalt, kommentiert O. Fritsch. von 

Am letzten Spieltag der Vorsaison mussten die Spieler von Köln und Bayern vor aggressiven Kölner Fans flüchten, sie rannten vom Rasen . Gewalt ist ein Problem im deutschen Fußball, um es zu lösen, sind viele gefordert: Medien, Fans, Verbände, Vereine. Der 1. FC Köln hat im Kampf gegen Gewalt nun ein fatales Zeichen gesendet.

Sein inzwischen ehemaliger Spieler Kevin Pezzoni wurde von sogenannten Fans bedroht , im Internet auch vor seiner Haustür. Doch statt den Tätern eine Grenze zu ziehen und um seinen Spieler zu kämpfen, hat sich der Verein leichterdings von dem Opfer getrennt.

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Über die Umstände der Trennung, auch über einen früheren Vorfall, bei dem Pezzoni die Nase gebrochen wurde, gibt es unterschiedliche Darstellungen. Da steht Aussage gegen Aussage . Doch was bleibt, ist der jüngste Einwurf Claus Horstmanns, des Geschäftsführers des FC: "Die für Pezzoni schlechtere Alternative wäre gewesen, ihn aus dem Kader zu streichen. Deswegen haben wir uns auf die Vertragsauflösung geeinigt."

Wieso bitte soll die Arbeitslosigkeit für Pezzoni die bessere Wahl sein als eine kurze Pause? Horstmanns Aussage erhärtet den Verdacht, dass der Verein die Drohungen gegen Pezzoni als Gelegenheit genutzt hat, sich von einem Mitarbeiter zu trennen, der unwichtig geworden war.

Offenbar versteht dieser Bundesligaverein seine soziale Verantwortung als Arbeitgeber nicht – und muss von seinem Sponsor daran erinnert werden. Nur weil sie viel Geld verdienen, sind Fußballprofis kein Freiwild. Vor drei Jahren, nach dem Tod Robert Enkes , war das Allgemeingut, offenbar nur rhetorisches.

In dieses Bild passt, dass der Verein nun Pezzonis Glaubwürdigkeit infrage zu stellen versucht, mit Vorwürfen, mit Andeutungen, mit Indiskretionen über Vorfälle, die mit der aktuellen Sache nichts zu tun haben. Das ist so durchschaubar wie kleingeistig.

Wenn in diesem Fall von jemandem Glaubwürdigkeit einzufordern ist, dann weniger von einem 23-Jährigen, sondern von einem mittelständischen Unternehmen, als das sich deutsche Profivereine gerne bezeichnen. Doch der FC hat im Fall Pezzoni (mit Ausnahme des Trainers) taktiert, verschleiert und sich in Widersprüche verstrickt – zuletzt am Montag bei der Ankündigung einer Klage gegen die Pezzoni-Seite, von der der Verein dann kurz später wieder Abstand genommen hat. Nun pocht der FC auf die "Wohlverhaltensklausel". Das heißt: Abfindung einstecken und Klappe halten!

Doch über das Versagen des Vereins muss geredet werden. Leider, denn das wichtigere Thema wäre Gewalt und die Selbstgerechtigkeit , mit der "Fans" dazu auffordern und sie vollziehen. Sie haben ihr Ziel erreicht, Pezzoni ist weg, sie dürfen sich als Sieger fühlen. Leider.

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Leserkommentare
    • lukeisi
    • 11. September 2012 13:16 Uhr

    eines Vereins, sich auf Druck von außen von einem Mitarbeiter zu trennen. Und um nichts anderes handelt es sich hier.
    Wie wäre so ein Fall wohl in einem anderen Unternehmen gelöst worden? Welcher Firmenchef lässt sich in dieser Weise vorführen?
    Extrem schwache Leistung.

    4 Leserempfehlungen
  1. Ich wünsche dem 1.FCK einen langen Aufenthalt in der zweiten Liga.
    Gerne auch tiefer.

    8 Leserempfehlungen
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    .. Zustimmung..

  2. .. Zustimmung..

    Eine Leserempfehlung
    • TDU
    • 11. September 2012 13:57 Uhr

    Doch über das Versagen des Vereins muss geredet werden. Leider, denn das wichtigere Thema wäre Gewalt und die Selbstgerechtigkeit, mit der "Fans" dazu auffordern und sie vollziehen. Sie haben ihr Ziel erreicht, Pezzoni ist weg, sie dürfen sich als Sieger fühlen. Leider."

    • Infamia
    • 11. September 2012 14:01 Uhr

    Vereine und Spieler sollten sich nicht zu Sklaven von Vollidioten machen. Es gehört ja inzwischen schon fast zum guten Ton, dass sich Mannschaften nach Spielende bei ihren Fans in der Kurve verabschieden und denen für ihren "tolle" Unterstütung danken. Diese "tolle" Unterstützung sieht ja i.d.R. so aus, dass Ausländer beschimpft, Feuerwerkskörper gezündet und Spieler der gegenerischen Mannschaft verunglimpft werden. Im Zweifel sogar noch die eigene Mannschaft oder einzelne Spieler bei nicht oder nur teilweise erbrachter Leistung.

    Warum eigentlich? Wenn sog. Fans sich pflegelhaft benehmen, kann man als Mannschaft doch einfach nach Spielende in die Kabine gehen, statt ihnen das Gefühl zu geben, sie hätten auch noch recht in der Art und Weise, wie sie sich benehmen.

  3. Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

  4. Der 1. FC Köln sollte sich ein Beispiel an Bayern München nehmen. Dieser Verein hält sogar zu Mitarbeitern, die mutmaßlich straffällig wurden. Ich bin kein Bayern München Fan, aber hier muß man den Hut ziehen.

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    Redaktion

    Ja, vodralbra, das Beispiel Uli Hoeneß und Manuel Neuer fiel mir auch ein. Ich wollte es zunächst als Gegenstück im Text unterbringen. Dann kam mir aber wieder der Fall Breno in den Sinn. Da sind, glaube ich, noch ein paar Fragen an den Verein offen.

    Der Fall Breno war wohl eher PR und das man der Justiz auch zeigen wollte, dass der "FCB" über allem stehe.
    Auch über deutschen Strafgerichten.

    Da würde ich mal "den Ball flach halten".

  5. Redaktion

    Ja, vodralbra, das Beispiel Uli Hoeneß und Manuel Neuer fiel mir auch ein. Ich wollte es zunächst als Gegenstück im Text unterbringen. Dann kam mir aber wieder der Fall Breno in den Sinn. Da sind, glaube ich, noch ein paar Fragen an den Verein offen.

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    Was meinen Sie mit Manuel Neuer? Ich kann keinen Zusammenhang herstellen.

    Mag sein, dass im Fall Breno noch Fragen offen sind, aber ich meine, mich zu erinnern, dass Uli Hoeneß immer voll hinter "seinem" "Personal" stand und steht. Ähnlich wie der Vorzeigeunternehmer Grupp aus Burladingen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Geld | 1. FC Köln | FC Köln | Medien | Abfindung | Gewalt
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