"Die Geschichten, Titelseiten und Magazine. Alle würden gerne rausfinden, was ich wohl Schlimmes mit meinem Partner unter der Bettdecke anstelle", sagt der Fußballer jetzt im Interview. Seine größte Angst besteht darin, öffentlich bloßgestellt zu werden. Während es für Politiker, Köche, Musiker, Juristen, Frisöre, Kapitäne, Journalisten, Schauspieler, Manager oft kein Problem ist in Deutschland offen schwul zu leben, sind die Bedenken des Fußballers leider berechtigt.

Aber womöglich ist das Outing für einen Fußballer mittlerweile gar nicht mehr so unmöglich.

Die Umstände für eine Enttabuisierung haben sich im Vergleich zur zehn oder zwanzig Jahre zurückliegenden Vergangenheit verbessert, wenn auch nur marginal und nicht mit einem Knall. 19 Profivereine haben in dieser Saison einen schwul-lesbischen Fanclub . Das gesamte Publikum eines Bundesligaspiels ist immer noch in etwa der Querschnitt der Gesellschaft. Doch inzwischen ist es liberaler als im vergangenen Jahrzehnt. Das stimmt auch für jene Journalisten, die über den Fußball und seine Spieler berichten. Das Gespräch mit dem anonymen Bundesligaprofi und vor allem die Reaktionen darauf sind dafür ein guter Beleg.

"Es ist wichtig, den ersten Schritt zu tun", sagt der Spieler. Er wünscht sich, dass andere Profis ihm folgen und er merkt ausdrücklich an, vielleicht in einem oder mehreren Jahren seine Anonymität zu lüften. Das klingt ein wenig nach einem Testballon.

Der Mutige und viele andere unglückliche Fußballer möchten nun sehen, wie die Reaktionen auf seine Offenheit ausfallen. Möglicherweise ist schon jetzt ein Teil seiner Angst gewichen. Die Leserkommentare sind durchweg positiv. Einen Aufschrei haben seine Worte glücklicherweise gar nicht mehr ausgelöst. Noch nicht einmal die Bild -Zeitung hat das Thema auf die Titelseite gepackt. Das ist ein Anfang.