Fett wie ein TurnschuhSyrien ist sicherer als ein Swimming Pool

Unser Kolumnist Tuvia Tenenbom möchte nach Syrien reisen, landet aber in einem Karibik-Luxusressort. Dort will er schwimmen lernen und merkt: Wasser ist sturer als Assad. von Tuvia Tenenbom

Tuvia Tenenbom auf Sint Maarten

Tuvia Tenenbom auf Sint Maarten  |  © Isi Tenenbom

Also, Leute, wie sieht’s aus? Habt ihr Lust auf eine Geschichte, oder keine Zeit? Ich hab' Lust auf eine Geschichte. Kennt jemand eine?

Ich bin in den USA und mir ist unfassbar langweilig. Egal wo ich hinkomme, in keinem der Staaten, die von den sogenannten Liberalen kontrolliert werden, darf ich rauchen. Keine Ahnung wieso. Ich habe gerade in der Zeitung etwas über einen Forscher gelesen, der herausgefunden hat, dass fünf Minuten an einer Bushaltestelle genauso schlimm sind wie fünf Minuten neben 500 Rauchern – aber für das Ozonloch soll ich verantwortlich sein.

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Und als wäre das noch nicht genug, werde ich auch noch bestraft: Eine Schachtel Zigaretten kostet in New York mehr als eine Kiste mit 20 lupenreinen Diamanten.

Ich hab' die Nase voll von den Liberalen. Ich hau' ab.

Aber wohin?

Syrien vielleicht. Ich habe gehört, da gibt's keine Liberalen.

Ich versuche einen Flug zu buchen, aber so ein Pech: Niemand fliegt nach Syrien. Die alphabetisch nächstgelegenen Länder, die angeflogen werden, sind Sudan (Nord und Süd), und Sint Maarten, Königreich der Niederlande. Königreich klingt gut.

"Fett wie ein Turnschuh"

Hantelschwingen und Bodypumpkurse boomen: Allein in Deutschland gibt es knapp 6.000 Fitnessstudios. Im Jahr 2011 trainierten dort erstmals mehr als sieben Millionen Menschen – mehr als der größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Mitglieder zählt. Fast jeder zehnte Deutsche packt demnach seine Sporttasche und schwitzt an schwerem Gerät oder in Gymnastikkursen.

Wieso ist der Fitnesssport so erfolgreich? Was fasziniert die Menschen daran? Und wieso?

Die Fitness-Kolumne

Für unsere Kolumne Fett wie ein Turnschuh schicken wir den (noch) etwas korpulenten New Yorker Autoren Tuvia Tenenbom in die Welt der Fitten und Starken. Er lernt die Fitnessjünger kennen und nimmt ab. Alle zwei Wochen berichtet er auf ZEIT ONLINE von seinen Erlebnissen.

Außerdem sind die Menschen vom Sonesta Resort & Casino so freundlich, mir eines ihrer mehr als 500 Zimmer anzubieten. Perfekt. Ich packe mein Zeug und lande in Sint Maarten, einem Steuerparadies, wo Zigaretten nur unwesentlich teurer sind als Sand.

Ich zünde mir meine indonesische Lieblingszigarette an und gucke, wo was los ist. Im Sonesta All-inclusive-Resort sind alle rund um die Uhr mit Essen und Trinken beschäftigt, niemand hat Lust irgendwas anderes zu machen.

Ich verlasse die Anlage und gehe los. Ich gehe und gehe, aber treffe niemanden. Alle anderen sind vermutlich in Syrien. Ich gebe nicht auf, bis mir Fortuna schließlich doch noch zulächelt. Am Strand entdecke ich einen jungen Mann, einen Teenager. Ich versuche, mich mit ihm zu unterhalten.

Was sagst du zu Syrien?, frage ich ihn.
"Was haben Sie gesagt?"
Syrien, du weißt schon ...
"Noch nie gehört."
Guckst du kein Fernsehen?
"Nein, wir haben kein Kabel."
Und was machst du dann den ganzen Tag?
"Erst schlafen, dann zum Strand."

Ich habe noch nie jemanden – vor allem keinen Teenager – einen so unmissverständlichen, klaren Satz sagen gehört. Der Typ ist klüger als Einstein.

Verständlicherweise wäre ich gerne so wie er. Schlafen. Strand. Das Problem dabei ist – und das ist ein kleines Geheimnis, das ich nur Ihnen verrate –, dass ich zwar schlafen kann, schwimmen kann ich allerdings nicht. Kein bisschen. Ich bräuchte einen Lehrer. Aber wo finde ich den?

Ich laufe zurück zum Sonesta, weil es dort ein paar sehr schöne Pools geben soll, und frage eine Dame vom Service, ob es im Hotel auch Schwimmlehrer gibt.
Ja, sagt sie.

Sofort sind Kevin und sein Assistent Morailey zur Stelle. Sie bringen mich zum Pool und fangen gleich an mir beizubringen wie man schwimmt. Sie seien die besten in der Stadt, heißt es.
"Tritt das Wasser," weist mich Kevin an, "mit Händen und Füßen."
Das Leben ist so einfach, ich wusste es bloß nicht!

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
    • Yasser
    • 10. September 2012 16:05 Uhr
    2. Lustig

    Ich bin im Dezember letzten Jahres, weil mir die Unruhen in Damaskus zu viel geworden sind nach Saint Martin gereist. Nach drei monaten bin ich dann nach dubai.. Der plan war nach nem ort zu suchen wo syrien ein fremdwort ist, wo man nach der ganzen zeit voller Angst und terror mal abschalten konnte. Diesen ort habe ich mit st martin gefunden. Den kontrast den Herr Tuvia hier beschreibt habe ich sehr genossen. Mein kumpel mit dem ich dort hingereist bin ist immernoch da, und geniesst warscheinlich noch immer die Ruhe.

    Eine Leserempfehlung
    • spalter
    • 10. September 2012 16:06 Uhr

    "Syrien ist viel sicherer als das hier!"

    Ha ha. Normalerweise bin ich für derbe Späße gern zu haben, aber das ist weder lustig noch angemessen. Oder soll ich nächstes Mal sagen, das Musikantenstadl sei ein schlimmeres Verbrechen als die ethnischen Säuberungen in Bosnien?

    Irgendwo hörts auf, und manche blöden Gedanken sollte man besser verschweigen. Daumen runter.

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  2. weil die Realität derzeit zu grausam ist....

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  3. Entfernt. Bitte diskutieren Sie respektvoll. Danke, die Redaktion/mk

    Eine Leserempfehlung
  4. ihre unguten Späße völlig devot beklatschen?
    Der Mann macht ziemlich blöde Witze zu Bürgerkrieg und ähnlichen Themen und die Redaktion ruft nach Respekt.
    Das topt die flache Satire im Beitrag leicht.

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  5. Diese Überschrift ist absolut daneben, setzten, 6 ...

    4 Leserempfehlungen
  6. 8. [...]

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  • Schlagworte Syrien | Airline | Casino | Diamant | Flagge | Ozonloch
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