Financial FairplaySpitzenclubs müssen die Uefa-Finanzregeln nicht fürchten

Die Uefa stellt überschuldeten Fußballclubs ein Ultimatum: Sie will Prämien nicht auszahlen oder sogar Teams ausschließen. Doch die Großen wird das kaum treffen. von Sebastian Stier

Spieler von Atletico Madrid bejubeln den Gewinn des Uefa-Supercups 2012 nach dem Spiel gegen den FC Chelsea in Monaco.

Spieler von Atletico Madrid bejubeln den Gewinn des Uefa-Supercups 2012 nach dem Spiel gegen den FC Chelsea in Monaco.  |  ©Sebastien Nogier/dpa

Schuld war der Tiger. Radamel Falcao, genannt "El Tigre", wechselte vor gut einem Jahr für eine Ablöse von 40 Millionen Euro vom FC Porto zu Atletico Madrid . Ein hoher, aber – gemessen an internationalen Standards – gerechtfertigter Preis. Dann sicherte der Stürmer Atletico erst den Europa-League-Titel und kürzlich den europäischen Supercup. Auf die finanzielle Belohnung für ihre Titel werden die Spanier aber noch warten müssen.

Atletico gehört zu den 23 Klubs, denen die Europäische Fußball-Union (Uefa) in der vorigen Woche die Prämien versagte, weil sie die Abgabe von Steuern und Sozialbeiträgen nicht allzu ernst nahmen. Unter anderem sind auch Sporting Lissabon , der FC Malaga und Fenerbahce Istanbul davon betroffen. Bis zum 30. September haben die Vereine nun Zeit, ihre Verbindlichkeiten zu bezahlen, sonst behält die Uefa alle Gelder ein, die die Klubs ab der kommenden Woche in den internationalen Wettbewerben erspielen.

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Am Dienstag startet die Champions League , am Donnerstag die Europa League in eine neue Spielzeit. In der Champions League wird Paris Saint-Germain nach vielen Jahren mal wieder dabei sein. Die Franzosen sorgten im Sommer für Aufsehen, als sie für 147 Millionen Euro neue Spieler verpflichteten, darunter Zlatan Ibrahimovic vom AC Mailand . Möglich machte dies eine Investorengruppe aus Katar, die seit 2011 bei Paris das Sagen hat.

Die einbehaltenen Prämien der 23 Klubs sind auch als Reaktion auf die Pariser Investitionswut zu verstehen. Aus Sorge, dass der Abstand zwischen Arm und Reich immer größer wird, erwartet die Uefa in Zukunft von ihren Vereinen "Financial Fairplay". Die finanzielle Balance im europäischen Fußball soll gewahrt werden, Ausgaben und Einnahmen müssen in Einklang stehen. Das war bei Atletico Madrid nicht der Fall. Der Europa-League-Sieger schuldet allein dem Finanzamt 155 Millionen Euro . Das Geld, das in Falcao investiert wurde, hätte eigentlich für die Tilgung der Verbindlichkeiten eingesetzt werden müssen. Auch deshalb wurde Atletico von der Uefa angezählt.

Bilanzprüfung und Ausschlussdrohung

Zur Saison 2014/15 will der Verband eine solche Misswirtschaft noch härter bestrafen. Dann sollen Klubs vom Europacup ausgeschlossen werden, wenn sie sich extrem verschulden. So will es Uefa-Präsident Michel Platini. "Wer sich nicht an die Regeln hält, wird Schwierigkeiten bekommen", sagte der Franzose jüngst. Ab der kommenden Saison werden erstmalig die Bilanzen der Vereine geprüft. In den von da an folgenden drei Spielzeiten sind nur noch Defizite von 45 Millionen Dollar erlaubt. Diese Summe soll anschließend weiter reduziert werden.

Karl-Heinz Rummenigge gehört in dieser Frage zu den größten Unterstützern Platinis. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München erhofft sich dadurch mehr Chancengleichheit unter den europäischen Klubs. Zumindest offiziell. Insgeheim dürfte Rummenigge darauf abzielen, mithilfe des Financial Fairplays den FC Bayern wieder an Europas Spitze zu führen . Sollte die Finanzregelung strikt umgesetzt werden, dürften die Bundesligisten die größten Gewinner sein. In Deutschland wird im Vergleich zu Spanien , Italien oder England seriöser gewirtschaftet.

Sportlichen Erfolg bringt das aber nicht. Seitdem der FC Bayern als letzte deutsche Mannschaft vor elf Jahren einen internationalen Titel holte, wird vor allem die finanzielle Kluft zu den Teams aus den anderen großen Ligen als Grund für den Misserfolg angeführt. Zum Vergleich: Die Bundesliga bekommt pro Saison 628 Millionen Euro Fernsehgeld, die englische Premier League 2,16 Milliarden. Solche Unterschiede würden sich relativieren, wenn die Vereine gezwungen sind, ihre Einnahmen nicht ausschließlich in teures Personal, sondern auch in den Schuldenabbau zu investieren.

Leserkommentare
    • lxththf
    • 16. September 2012 15:46 Uhr

    als Spiegel für unsere gesellschaftlichen Probleme.
    Es gibt aber noch ein paar Kleinigkeiten anzumerken. Real und Barca z.B. sind nicht davon betroffen, weil sie ihre Schulden kontinuierlich abbauen (Real damals auch mit Hilfe des Verkaufs des Trainingsgeländes), ihre Steuern pünklich zahlen und somit die Lizenz nicht in Gefahr ist. Die Einnahmen übersteigen die Ausgaben mittlerweile deutlich.
    Ein anderer Punkt. Der sportliche Großerfolg basiert nicht auf den Ausgaben. Das zeigen die Beispiele Porto und auch Bourdeux/Lyon. Und zum deutschen Erfolgen. Es mag ja sein, dass es in den letzten Jahren kaum Titel geregnet hat, aber gerade in der EuropaLeague waren deutsche Teams traditionell sehr stark und in der CL standen seit 97 immerhin 6mal deutsche Teams im Finale und haben denkbar knapp verloren, bzw. 2mal den Titel geholt. Auch Dortmund hat gezeigt, dass sportlicher Erfolg nicht nur mit dem Etat zu begründen ist.
    Man hätte vielleicht damals überlegen sollen anstatt des financial fairplays es so zu regeln, dass ein privater Mäzen nur einen gewissen Prozentsatz der Gesamteinnahmen ausmachen und der Kosten decken darf. Somit würde man es den Scheich und Ölklubs das Leben deutlich erschweren.

  1. Ich teile die Skepsis des Artikels. Erstens glaube ich nicht, dass die Bestimmungen wirklich hart gegen die ganz großen der Branche durchgesetzt werden. Zweitens werden die Vereine sicherlich Schlupflöcher finden. Dass sich neunstellig verschuldete Vereine noch mit Rekordablösesummen am Transfermarkt bedienen, wird man vielleicht verhindern können (wenn der Wille wirklich vorhanden ist!), nicht aber ehrlich erwirtschaftete Sponsorengelder klar von Zahlungen eines Mäzens trennen können.

    Um eines muss man sich aber keine Sorgen machen:
    "Was würden Zuschauer und Sponsoren sagen, wenn Lionel Messi und Cristiano Ronaldo unter der Woche zuschauen müssten?"
    Antwort: Sie müssten nicht zuschauen, denn wenn die Regelungen wider erwarten greifen, werden die nicht mehr für den Europapokal zugelassenen Vereine Stars wie Messi und Ronaldo schnell verkaufen müssen.

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    • lxththf
    • 16. September 2012 20:32 Uhr

    ist ausgeschlossen, denn gerade diese beiden Vereine (Real und Barca) sind Beispiele für Verschuldung, nur dass sie pünktlich die Raten + Steuern + Gehälter zahlen, ohne vor allem von einem Scheich, oder anderer Privatperson abhängig zu sein.
    Es sind eher die englischen Klubs die es betrifft, wobei sich da immer wieder neue Sponsoren finden, wie erst kürzlich der Vertrag zwischen ManU und GM (http://www.manager-magazi...). Da muss man die Frage stellen, warum GM eine halbe Milliarde in den Fußball pumpt (obwohl sich die Autos dadurch nicht besser verkaufen werden) anstatt vielleicht Opel zu fördern.

    • lxththf
    • 16. September 2012 20:32 Uhr

    ist ausgeschlossen, denn gerade diese beiden Vereine (Real und Barca) sind Beispiele für Verschuldung, nur dass sie pünktlich die Raten + Steuern + Gehälter zahlen, ohne vor allem von einem Scheich, oder anderer Privatperson abhängig zu sein.
    Es sind eher die englischen Klubs die es betrifft, wobei sich da immer wieder neue Sponsoren finden, wie erst kürzlich der Vertrag zwischen ManU und GM (http://www.manager-magazi...). Da muss man die Frage stellen, warum GM eine halbe Milliarde in den Fußball pumpt (obwohl sich die Autos dadurch nicht besser verkaufen werden) anstatt vielleicht Opel zu fördern.

    Antwort auf "Ja, aber "
  2. ...das ist das "Problem" an dieser Regelung. Abramowitsch wird dann eben mit einer seiner Firmen "Sponsor" und das Problem ist gelöst.

    Aber wie wenig man auch in Deutschland gewillt ist, die eigenen Regeln umzusetzen zeigt sich doch am Beispiel Hoffenheim. Wenn man es sich nicht mal hier traut,...

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