Omid Nouripour: Eintracht-Fan und sicherheitspolitischer Sprecher der Grünen © Privat

ZEIT ONLINE: Herr Nouripour , was verstehen Sie vom Fußball?

Omid Nouripour: Vom Fußball verstehe ich nicht so viel, aber ich hoffe es geht nicht um Fußball, sondern um die Eintracht, die steht da drüber.

ZEIT ONLINE: Bitte?

Nouripour: Naja, es gibt den gewöhnlichen Fußball, FC Bayern, FC Barcelona und so. Die Eintracht ist was anderes, die steht da drüber. Selbstverständlich.

ZEIT ONLINE: Spielen Sie selbst Fußball?

Nouripour: Nur noch auf der Playstation. Aber das regelmäßig bis ins Champions-League-Finale – mit der Eintracht.

ZEIT ONLINE: Haben Sie mal selbst Fußball gespielt?

Nouripour: Ja klar, sowohl in Iran , als auch in Frankfurt im Verein, nachdem ich im Alter von 13 Jahren nach Deutschland kam. Aber für die Eintracht hat's nie gereicht.

ZEIT ONLINE: Wo haben Sie mehr gelernt? In Iran oder in Frankfurt?

Nouripour: Kann man nicht vergleichen. In Iran haben wir auch mit dem Verein auf der Straße trainiert. Wie man jemanden tunnelt und in der Telefonzelle drei mal ausspielt – solche Tricks habe ich da ausprobiert. Ernsthafte Technik – Ballannahme und schnelles Passen – habe ich in Deutschland gelernt.

ZEIT ONLINE: Wie oft können Sie heute noch einen Ball hochhalten?

Nouripour: 25 Mal.

ZEIT ONLINE: Sie übertreiben?

Nouripour: Nee, wenn ich einen guten Tag habe, wenn es gut läuft. Wieso sind Sie beeindruckt? 25 Mal ist doch ein Witz! Wenn Sie einen Ball nicht 25 Mal hochhalten können, kann ich Ihnen nicht helfen.

ZEIT ONLINE: Sie schreiben ein Blog über die Eintracht, nach dem Spiel gegen den BVB twitterten Sie vor Freude sogar einen Kuss.

Nouripour: Der Kuss war für einen Landtagskollegen von mir, den ich sehr schätze, mit dem ich oft im Stadion war. Am Morgen vor dem Spiel hatte ich noch etwas sehr Pessimistisches getwittert, er wollte mich aufbauen, das Spiel gab ihm Recht.

ZEIT ONLINE: Sie gehen ins Stadion, verfassen Texte fürs Bundes-Adler-Blog , twittern über Eintracht, spielen auf der Playstation mit Eintracht Frankfurt ...

Nouripour : ... und ich bin Vorsitzender des Eintracht-Fanklubs Bundesadler , dem einzigen Fanklub im Bundestag.

ZEIT ONLINE: Wie machen Sie das alles eigentlich? Ich dachte, wer da im Bundestag sitzt, arbeitet Tag und Nacht, rettet den Euro, Syrien und den Rest der Welt und hat gar keine Zeit für so viel Hobby?

Nouripour: Für die Eintracht gibt es immer zu wenig Zeit. Als Beispiel: Den letzten Blogeintrag habe ich vor dem BVB-Spiel zwischen zwei Anträgen schnell runtergeschrieben. Die Stadionbesuche sind meist am Wochenende, unter der Woche versuche ich in eine Kneipe zu gehen.

ZEIT ONLINE: Wie oft haben Sie schon im Bundestag gesessen und heimlich mit dem Handy auf der Eintracht-Homepage gesurft?