Uli Hoeneß hatte anstrengende Stunden hinter sich. Am Dienstagabend blamierten sich seine Fußballer in der Champions League gegen den weißrussischen Meister BATE Borissow und mussten die erste Niederlage der Spielzeit hinnehmen. Dann zankten sich auch noch Trainer und Sportchef. Etwas abschalten bei seinen Basketballern, das war der Plan des Bayern-Präsidenten. Doch das ging schief. Die ernüchternd-klare 61:80-Niederlage gleich zum Bundesliga-Auftakt gegen Oldenburg wird Hoeneß' Blutdruck nur noch mehr steigen lassen haben. Die Basketballer wollten eigentlich um die Meisterschaft mitspielen.

Zwei Jahre ist es her, dass Hoeneß sich entschloss, aus den in der zweiten Liga dahindümpelnden Basketballern seines Vereins eine Spitzenmannschaft zu formen. Er öffnete die Geldschatulle, kaufte Nationalspieler und ausländische Stars, den Job an der Seitenlinie übernahm Dirk Bauermann, Bundestrainer und der bekannteste Basketballcoach des Landes. Der direkte Aufstieg in die Basketball-Bundesliga (BBL) war ein Selbstläufer, die deutsche Basketball-Elite konnte sich auf einen Wandel gefasst machen.

Mittlerweile stellt der FC Bayern den mit Abstand höchsten Etat der Liga. Mit den vermuteten rund neun Millionen Euro können weder der Ligaprimus aus Bamberg, noch der finanzstarke ehemalige Serienmeister aus Berlin mithalten. Wirtschaftlich setzten die Bayern neue Maßstäbe. Von seiner Strahlkraft profitiert der gesamte deutsche Basketballsport.

Kabel 1 zeigt vor allem Spiele des FC Bayern

Die Marke Bayern München polarisiert hierzulande wie keine zweite. Nur allzu gerne übernahmen die Anhänger der Konkurrenz das aus dem Fußball so bekannte Feindbild und füllten die Hallen, wenn es gegen "die Bayern" ging. In der Folge stiegen die Zuschauerzahlen der Basketball-Bundesliga innerhalb eines Jahres um neun Prozent. Fast 1,5 Millionen Menschen sahen den Profis in den Arenen beim Körbewerfen zu, so viele wie noch nie. Die Münchner belegten dabei ligaweit mit durchschnittlich 6.177 Zuschauern auf Anhieb den dritten Platz, hinter Alba Berlin (10.920 Zuschauer) und den Baskets aus Bamberg (6.797 Zuschauer).

Mit dem großen Namen kamen auch die Medienvertreter: Der sonst nur stiefmütterlich behandelte deutsche Basketball fand sich plötzlich in den großen überregionalen Tageszeitungen wieder. Im Fernsehen werden mittlerweile deutlich mehr Partien der Basketball-Bundesliga übertragen. Für die aktuelle Spielzeit sendet neben dem Spartensender Sport1 (mindestens 40 Live-Spiele) auch Kabel 1 bis zu zehn Begegnungen, vor allem Spiele des FC Bayern.

Der Aufschwung bringt auch sportliche Qualität mit sich. Während die lange überlegenen Ligen in Südeuropa wegen der Finanzkrise mit Problemen kämpfen, konnten die deutschen Vereine Spieler ins Land locken, die noch vor ein paar Jahren bei der Erwähnung "BBL" gelacht hätten. Für Bamberg spielt der langjährige slowenische NBA-Profi Bostjan Nachbar. Der FC Bayern sicherte sich die Dienste des israelischen Nationalelf-Kapitäns Yotam Halperin.