ExtremsportDer Mann, der vom Himmel fällt

Der Österreicher Felix Baumgartner möchte aus 36,5 Kilometern Höhe aus einem Ballon springen – und als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen. von 

Felix Baumgartner während eines Testsprungs im Juni 2012

Felix Baumgartner während eines Testsprungs im Juni 2012  |  © Red Bull Media House

Wenn der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner heute Nachmittag aus der Kapsel seines Ballons springt, wird er mindestens einen Weltrekord bereits gebrochen haben: So hoch wie er, 36.000 Meter, um genau zu sein, war noch kein Mensch mit einem Ballon unterwegs. Doch eigentlich geht es Baumgartner um etwas anderes: Er will die Schallmauer durchbrechen, will die Geschwindigkeit Mach 1 erreichen – als erster Mensch ohne Flugzeug oder Rakete, nur im freien Fall.

Dafür wird Baumgartner auf über 36.576 Meter Höhe steigen, über die Troposphäre hinaus, bis in die Stratosphäre. Dort wird er abspringen und fünf Minuten lang frei fallen, so lange wie noch kein Mensch zuvor (zum Live-Stream) . Geht alles gut, wird er an einem Fallschirm auf der Erde landen und Joseph Kittinger überflügeln. Der US-Amerikaner wagte vor mehr als einem halben Jahrhundert den Sprung aus immerhin 31.000 Metern Höhe, er erreichte 998 km/h und ist heute, 84-jährig, Berater in Baumgartners Team, das vom österreichischen Hersteller einer Brause mit Kaugummi-Aroma gesponsert wird.

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Die Schallmauer, jene magische Geschwindigkeitsgrenze, beschäftigt Aerodynamiker, Physiker und Mediziner schon seit langem. Als Erster übertraf wohl der deutsche Luftwaffenpilot Lothar Sieber die Schallgeschwindigkeit. Die Rekonstruktion seines unkontrollierten Sturzflugs am 1. März 1945, dessen Aufprall er nicht überlebte, ergab, dass er die Schallmauer durchbrochen hatte. Nachweislich gelang dies erst dem amerikanischen Testpiloten Chuck Yeager zwei Jahre später.

Die Fachleute kannten nun die Erscheinungen, die ein Flugzeug durchschütteln, wenn es die Schallmauer durchbricht. Die zusammengedrückte Luft erhöht den aerodynamischen Widerstand, der Winddruck steigt erheblich an. Ist aber diese Mauer überwunden, sinkt der Luftwiderstand. Als dann am 15. Oktober 1997 der englische Tornado-Pilot Andy Green in der Wüste von Nevada sein Auto stieg und zu Land auf Überschall beschleunigte , konnte niemand voraussagen, was passieren würde. Green schaffte damals 1.227,99 km/h – Mach 1,016. Er spürte kein Rütteln, keinen Schlag. Die Zuschauer hingegen hatten den Überschallknall vernommen – wir hören ihn auch, wenn eine Bombe explodiert oder eine Peitsche knallt. Green erzählte danach von einer beeindruckenden Sinneserfahrung: "Ich konnte die Schallwellen sehen."

Auch jetzt ist die Unsicherheit groß, wenn Baumgartner die nächste Hochgeschwindigkeitsmission ins Unbekannte antritt. Welchen Belastungen wird sein Körper ausgesetzt sein, wenn er mit Mach 1 zur Erde rast? Wie reagieren Herz, Hirn, Nieren? In erdnahen, dichten Luftschichten ist dieses Tempo ohne Antrieb nicht zu erreichen. Um dem Luftwiderstand zu entfliehen, muss Baumgartner einen lebensfeindlichen Ort aufsuchen. Mit Druckkapsel und Heliumballon wird er aufsteigen. Am Montag gefährdeten noch zu starke Winde die Abfahrt des Ballons vom Wüstenboden. Aber für Dienstag gaben die Meteorologen grünes Licht. Der Start des Ballons ist zwischen 14.30 und spätestens 17.00 Uhr MEZ geplant.

In rund drei Stunden wird er bis in die Stratosphäre steigen. Dort oben unter einem schwarzen Himmel (nichts bricht dort Licht) beträgt der Luftdruck noch ein Hundertstel des Atmosphärendrucks am Boden. In diesem Beinahe-Vakuum würde Baumgartners Blut umgehend verdampfen, umhüllte ihn nicht ein Druckanzug der Nasa . "Dieser schafft ein künstliches Innenklima, das den Bedingungen in Erdoberflächennähe entspricht", sagt Andreas Kirklies, Flugmediziner im Luftfahrtbundesamt.

Leserkommentare
    • N7Sarge
    • 09. Oktober 2012 12:59 Uhr

    Ein sehr kleiner Teil eines Extremsportlers ist zwar auch in mir drin, (obwohl man meine sportlichen Aktivitäten kaum noch mit solchen Sprüngen vergleichen kann ;)) aber das ist doch nun wirklich extrem.
    Es gibt doch wahrlich schon genug Möglichkeiten auf dieser Erde zu sterben, wenn natürlich nicht so spektakulär.

    Ich bin gespannt, was er nach solch einem Sprung machen will - das zu toppen wird wirklich schwierig werden. :)

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    • urban-a
    • 09. Oktober 2012 13:28 Uhr

    Er hat in einem Interview gesagt dass er danach mit der Sprungkarriere aufhört und Einsatzpilot (Feuerwehr zur Waldbrandbekämpfung in den USA und Rettung in der DACH-Region) werden will.

    Siehe Interview auf derstandard.at

  1. wo die Wissenschaft als eine Art Aufhänger fungiert, auf Spiegel verfolgt, ist das ganze eine große PR Aktion von Red Bull, mit Live-Übertragung des Sprungs.

    http://spon.de/vfjgo

    Wenn man sich weitere Video-Empfehlungen rechts ansieht fällt auf, dass viele der dort aufgezeigten Videos weiteres PR Material von Red Bull darstellen.

    Bleibt halt irgendwie ein Geschäckle...

    Beste Grüße
    FSonntag

    Eine Leserempfehlung
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    Unfassbar! Ein nicht durch den Staat gefördertes Erkundungs- bzw. Weltraumprogramm muss sich seine Mittel doch tatsächlich über aggressives Sponsoring holen. Shocking! :D

    Im Ernst: der Kaugummibrausenhersteller ist ein ziemlich knallharter Sponsor. Nur die extremsten Athleten werden gesponsort. Und immer mal wieder sterben welche bei Stunts, Sprüngen usw.
    Die Aufnahmen, die man bekommt, sind allerdings unglaublich. Erst vorgestern fand die RB Rampage statt. Hier ein Video vom vermutlich besten Lauf: http://www.youtube.com/wa...

    verpackt wird, und welche Rolle Medien dabei spielen. Wenn es als Werbung und PR Aktion daher kommt, alles fein.

    Mir geht dieses pseudowissenschaftliche dabei auf den Sack. Wenn man das geflossene Geld dieses Projekts mit den "wissenschaftlichen Ergebnissen" in die Waagschale wirft, wird man sich fragen dürfen, ob das Geld tatsächlich für die wissenschaftlichen Ergebnisse geflossen ist, oder für etwas anderes.

    Es geht hierbei um mediale Aufmerksamkeit für eine Marke, auch wenn das vordergründig nicht so ersichtlich ist...

    Aber ansonsten höher, schneller und weiter. Have fun. Und bitte nicht empören.

    Beste Grüße
    FSonntag

    • uwilein
    • 09. Oktober 2012 20:08 Uhr

    aussergewöhnliche, spektakuläre Events sponsort - das ist der allergrößte Teil der Bullschen Marketingstrategie.

    • AntiW
    • 09. Oktober 2012 13:03 Uhr

    Ja dann wünschen wir ihm mal viel Spaß und hoffen das da nichts schief läuft.
    Zu einer Überschallgeschwindigkeit wird es meines Erachtens nicht kommen...

    Gruß

  2. Wozu das ganze Spektakel ? Zeigt dieser grenzenlose Hedonismus irgendwelche Resultate, die uns in unserer Menschwerdung weiter bringen ?
    Aber am Rande bemerkt: Angenommen, der Schirm öffnet sich nicht - was Gott verhindern möge - und der Mann fällt exakt senkrecht zu Boden, wie tief würde er sich in den Boden rammen ? Wäre ihm damit posthum ein Charles Darwin Award sicher ? Fragen über Fragen.

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    Sind die Athleten der Olympischen Spiele etwa Hedonisten? Weil sie an ihre Grenzen gehen, um neue Rekorde zu brechen? Waren Neil Armstrong, Juri Gagarin oder Edmund Hillary Hedonisten? Ich bin froh, dass es solche Pioniere gibt. Denn sie sind es, die neue Grenzen ausloten und Unvorstellbares leisten. Damit inspirieren sie die die Menschheit.
    Linksgrüne Moralapostel (taz) werden dazu niemals imstande sein.

  3. ...ist nicht zu toppen, auch nicht vom Roten Bullen mit seinem Mega-Aufwand, Joseph ist der Freifallheld aller Zeiten.

    Eine Leserempfehlung
  4. und kommt gesund herunter......

    "Ich meine, es lohnt sich nie, bei einem Sprung zu sterben. Aber wenn du beim Sprung von der Jesusstatue in Rio abfuckst, hat das wenigstens eine gewisse Glorie." - Felix Baumgartner (Extremsportler)

    3 Leserempfehlungen
  5. Unfassbar! Ein nicht durch den Staat gefördertes Erkundungs- bzw. Weltraumprogramm muss sich seine Mittel doch tatsächlich über aggressives Sponsoring holen. Shocking! :D

    Im Ernst: der Kaugummibrausenhersteller ist ein ziemlich knallharter Sponsor. Nur die extremsten Athleten werden gesponsort. Und immer mal wieder sterben welche bei Stunts, Sprüngen usw.
    Die Aufnahmen, die man bekommt, sind allerdings unglaublich. Erst vorgestern fand die RB Rampage statt. Hier ein Video vom vermutlich besten Lauf: http://www.youtube.com/wa...

    3 Leserempfehlungen
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    bestehen würde, das kann man über diese schnarchnasen sicher nicht behaupten :)

    • urban-a
    • 09. Oktober 2012 13:28 Uhr

    Er hat in einem Interview gesagt dass er danach mit der Sprungkarriere aufhört und Einsatzpilot (Feuerwehr zur Waldbrandbekämpfung in den USA und Rettung in der DACH-Region) werden will.

    Siehe Interview auf derstandard.at

    Antwort auf "Wirklich Extrem"
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    • tinnef
    • 09. Oktober 2012 15:44 Uhr

    gefährlicher ist, denn da kommen hier drüben jährlich nicht wenige um.

    @Thema
    Hoffe das er hei runter kommt, ein Frenchie hat es vor ein paar Jahren hier in Saksatchewan versucht, dem ist aber zur Erheiterung der Anglos und Allos vorher sein Ballon weggeflogen.

    Trotzdem 5 Minuten freier Fall und bei vollem Bewusstsein müssen schon Wahnsin sein.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Nasa | Schweden | Kuala Lumpur | Rio de Janeiro
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