Türkisches Gebäck duftet im Presseraum und Mehmet Ali Han schaut zufrieden. Zeit, ein Stück zu genießen, hat er aber nicht. Hektik prägt die Szenerie, deutsche und türkische Stimmen durchdringen die Räumlichkeiten und vermischen sich zu einem schwer zu entschlüsselnden Sprachgewirr. Kaum hat der Präsident des Berliner Athletik Klubs ein Interview beendet, muss er ein neues beginnen. Gut eine Stunde dauert das Ganze.

"Am liebsten würde ich mich hinter einem Vorhang verstecken und gar nichts sagen", erzählt Han hinterher. Dabei lächelt er. Wahrscheinlich mag er sich selbst nicht so recht glauben. Han scheint die Aufmerksamkeit zu genießen, die ihm und den Fußballern vom BAK dieser Tage zuteil wird. Warum auch nicht? Sie alle haben es sich verdient.

Am Dienstagabend spielt der BAK im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen 1860 München (ab 19 Uhr in unserem Live-Ticker) . Es ist die zweite Runde im DFB-Pokal, und dass die Berliner in diesem Wettbewerb noch dabei sind, ist mehr als eine Überraschung. Als Berliner Pokalsieger wurde ihnen in der ersten Runde der Bundesligist TSG Hoffenheim zugelost. Vierte Liga gegen Bundesliga, das ist meist eine klare Angelegenheit. So war es am Ende auch. Nur eben mit vertauschten Rollen. Der BAK gewann 4:0 , nie hatte ein Viertligist eine Bundesligamannschaft im DFB-Pokal höher geschlagen. Oder besser: gedemütigt. Der 18. August 2012 ging in die Geschichte des Wettbewerbs ein.

70.000 Euro Schulden drückten den Verein

Auf einmal waren die Spieler und der Trainer angesagt. Doppeltorschütze Metin Cakmak wurde nach dem Spiel per Hubschrauber ins Aktuelle Sportstudio geflogen , Kevin Kruschke bekam pausenlos Mikrofone vor das Gesicht gehalten, und Trainer Jens Härtel musste erklären, mit welch außergewöhnlichem Training er seine Mannschaft in eine solche Form gebracht hatte.

Mehmet Ali Han, 47 Jahre alt, kleine, schmale Statur, lief unmittelbar nach Spielschluss wie aufgezogen durch die Katakomben des Poststadions, sein Telefon am Ohr, und hyperventilierte mehr, als er sprach. Seine Stimme überschlug sich, was bei ihm schon mal vorkommt, wenn er in Rage ist. Ob aus Freude oder Wut, spielt da keine Rolle.

Han ist die bestimmende Figur beim BAK, er hat die jüngere Vergangenheit geprägt. Der Weddinger Traditionsklub stand in den vergangenen Jahren nicht selten vor der Pleite. Besonders schlimm wurde es nach einer missglückten Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor, 70.000 Euro Schulden drückten den Verein. Die Summe ist laut Han inzwischen beglichen. Ein Teil des Geldes kam von ihm, seine Baufirma mit Sitz in Hennigsdorf gehört seit zehn Jahren zu den Sponsoren.