DFB-PokalDer deutsche Fußballklub des Self-Made-Türken

Mit 16 Jahren kam Mehmet Ali Han nach Deutschland. Heute gehört ihm eine Baufirma – und mit dem Berliner AK die DFB-Pokalüberraschung des Jahres. von Sebastian Stier

Christian Miessner (rechts) und Kevin Kruschke vom Berliner AK nach dem Sieg gegen Hoffenheim

Christian Miessner (rechts) und Kevin Kruschke vom Berliner AK nach dem Sieg gegen Hoffenheim  |  © Marc Tirl/picture alliance/dpa

Türkisches Gebäck duftet im Presseraum und Mehmet Ali Han schaut zufrieden. Zeit, ein Stück zu genießen, hat er aber nicht. Hektik prägt die Szenerie, deutsche und türkische Stimmen durchdringen die Räumlichkeiten und vermischen sich zu einem schwer zu entschlüsselnden Sprachgewirr. Kaum hat der Präsident des Berliner Athletik Klubs ein Interview beendet, muss er ein neues beginnen. Gut eine Stunde dauert das Ganze.

"Am liebsten würde ich mich hinter einem Vorhang verstecken und gar nichts sagen", erzählt Han hinterher. Dabei lächelt er. Wahrscheinlich mag er sich selbst nicht so recht glauben. Han scheint die Aufmerksamkeit zu genießen, die ihm und den Fußballern vom BAK dieser Tage zuteil wird. Warum auch nicht? Sie alle haben es sich verdient.

Anzeige

Am Dienstagabend spielt der BAK im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gegen 1860 München (ab 19 Uhr in unserem Live-Ticker) . Es ist die zweite Runde im DFB-Pokal, und dass die Berliner in diesem Wettbewerb noch dabei sind, ist mehr als eine Überraschung. Als Berliner Pokalsieger wurde ihnen in der ersten Runde der Bundesligist TSG Hoffenheim zugelost. Vierte Liga gegen Bundesliga, das ist meist eine klare Angelegenheit. So war es am Ende auch. Nur eben mit vertauschten Rollen. Der BAK gewann 4:0 , nie hatte ein Viertligist eine Bundesligamannschaft im DFB-Pokal höher geschlagen. Oder besser: gedemütigt. Der 18. August 2012 ging in die Geschichte des Wettbewerbs ein.

70.000 Euro Schulden drückten den Verein

Auf einmal waren die Spieler und der Trainer angesagt. Doppeltorschütze Metin Cakmak wurde nach dem Spiel per Hubschrauber ins Aktuelle Sportstudio geflogen , Kevin Kruschke bekam pausenlos Mikrofone vor das Gesicht gehalten, und Trainer Jens Härtel musste erklären, mit welch außergewöhnlichem Training er seine Mannschaft in eine solche Form gebracht hatte.

Mehmet Ali Han, 47 Jahre alt, kleine, schmale Statur, lief unmittelbar nach Spielschluss wie aufgezogen durch die Katakomben des Poststadions, sein Telefon am Ohr, und hyperventilierte mehr, als er sprach. Seine Stimme überschlug sich, was bei ihm schon mal vorkommt, wenn er in Rage ist. Ob aus Freude oder Wut, spielt da keine Rolle.

Han ist die bestimmende Figur beim BAK, er hat die jüngere Vergangenheit geprägt. Der Weddinger Traditionsklub stand in den vergangenen Jahren nicht selten vor der Pleite. Besonders schlimm wurde es nach einer missglückten Kooperation mit dem türkischen Erstligisten Ankaraspor, 70.000 Euro Schulden drückten den Verein. Die Summe ist laut Han inzwischen beglichen. Ein Teil des Geldes kam von ihm, seine Baufirma mit Sitz in Hennigsdorf gehört seit zehn Jahren zu den Sponsoren.

Leserkommentare
  1. <em>„Mit 16 kam er 1981 aus Anatolien nach Deutschland, seine Sprachkenntnisse waren anfangs so schlecht, dass ihm während seiner Lehre der Rausschmiss drohte. [...] Heute beschäftigt sein Unternehmen über 100 Mitarbeiter, der Umsatz liegt im siebenstelligen Bereich.“</em>

    Wie kann das denn sein? Es heißt doch in letzter Zeit immer öfter, wenn Kinder mit Migrationshintergrund nicht schon im Kindergarten, allerspätestens aber in der Grundschule absolut akzentfreies Deutsch sprechen, wären sie für die Gesellschaft für immer verloren...? ;)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • chino1
    • 30. Oktober 2012 12:30 Uhr

    Wenn ein Ausländer 100 Mitarbeiter hat, dann ist das keine Meldung, die Wählerstimmen verspricht. Auch der Boulevard setzt damit keine Zeitung mehr um. Ein Bushkowsky könnte mit solchen Meldungen auch keine Auflage machen.

    Das will keine hören, das schürt keinen Hass und so bleibt dies meist unerwähnt.

    • Hickey
    • 30. Oktober 2012 12:31 Uhr

    Das ist nur Geschwätz, wenn ich meinen Kundenstamm anschaue, 75% Ausländer.

    :)

    • chino1
    • 30. Oktober 2012 12:30 Uhr

    Wenn ein Ausländer 100 Mitarbeiter hat, dann ist das keine Meldung, die Wählerstimmen verspricht. Auch der Boulevard setzt damit keine Zeitung mehr um. Ein Bushkowsky könnte mit solchen Meldungen auch keine Auflage machen.

    Das will keine hören, das schürt keinen Hass und so bleibt dies meist unerwähnt.

    Antwort auf "Wie jetzt?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    <em>„Wenn ein Ausländer 100 Mitarbeiter hat, dann ist das keine Meldung, die Wählerstimmen verspricht.“</em>

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Vor einiger Zeit wurde in diesem Forum z.B. die behauptete Tatsache, dass es in Nordrhein-Westfalen „kein einziges türkisches Unternehmen mit mehr als 800 Beschäftigten“ gebe, als Beleg für einen Mangel an „Integrations“-bereitschaft und/oder -fähigkeit zitiert. Mehmet Ali Han bringt es gerade mal auf ein Achtel! Hätte er nur schon als Kind perfekt Deutsch gelernt, dann wäre er heute besser integriert. ... Dann würde er jetzt auch sicher kein türkisches (!) Gebäck mehr anbieten, sondern ordentliches Schwarzbrot. ;)

    "Das will keine hören, das schürt keinen Hass und so bleibt dies meist unerwähnt."
    Ich kann nur hoffen, daß dies nicht ankommt, bei den Lesern, weil Herr Han etwas geschafft hat, welches äußerste Hochachtung verdient!!!

    • chino1
    • 30. Oktober 2012 13:41 Uhr

    Was ich schrieb, war nicht meine Meinung, sondern der Versuch darzustellen wie mit dem Thema umgegangen wird.

    • Hickey
    • 30. Oktober 2012 12:31 Uhr

    Das ist nur Geschwätz, wenn ich meinen Kundenstamm anschaue, 75% Ausländer.

    :)

    Antwort auf "Wie jetzt?"
  2. Das stimmt, in der direkten Konkurrenz mit den einheimischen verliert immer der "externe". Außer er ist doppelt so gut.

    Hr. Ali Han hat sich selbstständig gemacht, da ist er sein eigener Chef und muss sich nicht nochmal selbst einstellen.

    Er konkurriert mit seinem Produkt im Markt mit einheimischen Anbietern. Gegen die kann er nur durch einen geringeren Preis mit der gleichen Leistung bestehen.

    Außer, der Ausländer ist bekannt für seine viel bessere Qualiät als die einheimischen.

    So sind die Regeln für Fremde überall auf der Welt.

  3. <em>„Wenn ein Ausländer 100 Mitarbeiter hat, dann ist das keine Meldung, die Wählerstimmen verspricht.“</em>

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Vor einiger Zeit wurde in diesem Forum z.B. die behauptete Tatsache, dass es in Nordrhein-Westfalen „kein einziges türkisches Unternehmen mit mehr als 800 Beschäftigten“ gebe, als Beleg für einen Mangel an „Integrations“-bereitschaft und/oder -fähigkeit zitiert. Mehmet Ali Han bringt es gerade mal auf ein Achtel! Hätte er nur schon als Kind perfekt Deutsch gelernt, dann wäre er heute besser integriert. ... Dann würde er jetzt auch sicher kein türkisches (!) Gebäck mehr anbieten, sondern ordentliches Schwarzbrot. ;)

  4. "Das will keine hören, das schürt keinen Hass und so bleibt dies meist unerwähnt."
    Ich kann nur hoffen, daß dies nicht ankommt, bei den Lesern, weil Herr Han etwas geschafft hat, welches äußerste Hochachtung verdient!!!

    • chino1
    • 30. Oktober 2012 13:41 Uhr

    Was ich schrieb, war nicht meine Meinung, sondern der Versuch darzustellen wie mit dem Thema umgegangen wird.

  5. ...über 100 Mitarbeiter, der Umsatz liegt im siebenstelligen Bereich.

    Nicht dass das Unternehmen schlecht darstünde. Aber man sollte auch auf andere Dinge achten. Z.B. waren es in 2010 ein Jahresüberschuss von 156.854 Euro, nach 159 t in 2009, allerdings auch Verbindlichkeiten von 3.663.979 Euro.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte DFB-Pokal | Hertha BSC | Berlin | Hoffenheim | München
Service