Champions League : Die neue deutsche Fußballstärke

Nach der Debatte um schlappe DFB-Kicker feiern Dortmund und Schalke große Siege. Der deutsche Vereinsfußball könnte bald der beste Europas sein, kommentiert C. Spiller.
Marcel Schmelzer wird nach seinem Tor gegen Real Madrid von Kevin Großkreutz eingefangen. © Patrick Stollarz/AFP/Getty Images

"In zehn Jahren", sagte Uli Hoeneß kürzlich in einem Gespräch mit 11 Freunde , "wird die Bundesliga Europa beherrschen." Nach einem spektakulären Champions-League-Abend, nach Siegen von Dortmund gegen Real Madrid und Schalke 04 beim FC Arsenal , beschleicht einen das Gefühl, der Präsident des FC Bayern München könnte irren. So lange braucht vielleicht niemand mehr zu warten.

Der FC Arsenal hat noch nie ein Heimspiel in der Gruppenphase der Champions-League verloren. Er hat überhaupt keines seiner vergangenen 14 Champions-League-Heimspiele verloren, eine Serie die zurückreicht bis in den Mai 2009. Bis Schalke 04 kam.

Real Madrid hat unter José Mourinho auch noch kein Gruppenspiel verloren. Es hat unter Mourinho überhaupt erst zwei Spiele verloren, jeweils ein Halbfinale gegen den FC Barcelona und eines gegen den FC Bayern. Bis Borussia Dortmund kam.

 Nun werden in der Gruppenphase noch keine Titel vergeben. Und obwohl Dortmund und Schalke ihre Gruppen anführen, könnten sie theoretisch noch das Achtelfinale verpassen. Wie die Dortmunder im vergangenen Jahr, die für ihre naiven Vorstellungen mit Spott überzogen wurden. Trotzdem sind diese Siege in gewisser Weise historisch. Sie stehen für die neue deutsche Fußballstärke. In den vergangenen Jahren wurde im deutschen Vereinsfußball viel richtig gemacht.

Neue Zeiten

Die Engländer und Spanier führen zwar immer noch die Fünf-Jahres-Tabelle des Europäischen Fußballverbandes (Uefa) an. Vorbei aber sind die Zeiten, in denen die beiden Nationen uneinholbar waren und nur der FC Bayern ab und zu mitreden durfte. Mittlerweile sind auch die Nummer zwei und drei der Bundesliga fähig, auf einem Niveau mit europäischen Topvereinen zu kicken. Und sie an guten Tagen sogar zu schlagen.

Bemerkenswert ist das besonders nach einem Blick auf die Rahmenbedingungen, unter denen deutsche Vereine wirtschaften. Die 50+1-Regel untersagt das Mäzenatentum, ohne das Klubs wie der FC Chelsea oder der englische Meister Manchester City höchstens in der minderklassigen Europa League rumdümpeln würden. Das strenge deutsche Lizenzierungsverfahren schreitet bei zu starker Überschuldung ein. Real Madrid oder der FC Barcelona würden mit ihren Verbindlichkeiten wohl kaum in der Bundesliga mitspielen dürfen. Durch die neuen Financial-Fairplay-Regeln der Uefa , die gerade Schritt für Schritt implementiert werden und solche englischen und spanischen Geschäftsgebaren nicht mehr zulassen, könnte der deutsche Vereinsfußball bald zum besten Europas werden.

Fußballinnovationen

Die Klubs der Bundesliga überzeugen durch Fußball- statt Finanzinnovationen. Der FC Bayern hat dem reaktionären Ergebnisfußball abgeschworen und profitiert noch immer vom van-Gaal-System, das von Jupp Heynckes nur verfeinert und mit anständiger Menschenführung angereichert wurde. Jürgen Klopp hat mit Borussia Dortmund eine völlig neue Art des Fußballspielens, einen High-Speed-Kick mit elf Leichtathleten entwickelt, der vor allem in England bewundert und in der Liga von Klubs wie Gladbach, Hannover oder Frankfurt mehr oder weniger direkt kopiert wird.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Da kann man nur mit Ironie und Sarkamus den Kaiser zitieren:

"Auf Jahre hinaus wird unsere Nationalmannschaft unschlagbar sein."

Mal ehrlich, jetzt wurden mal zwei Spiele gewonnen und hier wird gleich von der Weltherrschaft gesprochen (sozusagen).

Achja, das Financial-Fairplay ist der größte Witz seit Jahren und wird so gut wie nichts ändern.

Im Grunde haben Sie recht,

jedoch muss man es mal realistisch zusammenfassen.
Bayern ist einer der finanzstärksten Vereine und das ohne Verschuldung. Dortmund und Schalke haben eine gute Perspektive. Auch die restlichen Europapokalmannschaften haben einen guten Ruf in Europa.
Junge Spieler aus Deutschland sind auch in Europa gefragt (zeigt Sahin, Özil, Kedhira, Marin, Merkel, Podolski etc) und spielen bei absoluten Topclubs. Die Nationalmannschaft spielt seit Jahren auf einem konstant hohen Niveau und Bundesligavereine schaffen es regelmäßig ins Halbfinale/Final von europäischen Wettbewerben.
Sportlich ist die Bundesliga mindestens auf Augenhöhe mit den großen 3. und das vor allem finanziell solide, so dass man nicht mehr jeden Spieler verkaufen muss, sobald eine italienische, englische, oder spanische Mannschaft anklopft.
Die Stärke der Bundesliga besteht nur eben schon seit Jahren und wurde leider immer wieder niedergeschrieben, weil die ganz großen Titel ausgeblieben sind, aber Erfolg ist meiner Meinung nach mehr als nur Titel.

Statistiken

"[Real Madrid] hat unter Mourinho überhaupt erst zwei Spiele verloren" dieser Satz stimmt natürlich nicht, vielleicht auf die Champions-League bezogen mag es stimmen, denn diese Saison haben sie in der Liga schon zwei oder drei Niederlagen kassiert. Man könnte auch sagen: Dortmund hat den Viertplazierten Spaniens mit einem Ergebnis geschlagen, das auch der aktuell 11te Spaniens geschafft hat. Klingt das noch so intergalaktisch?

Oh ja: Schalke hat den 9ten Englands geschlagen, Bayern den 11ten Frankreichs... jede Münze hat zwei Seiten und auch Statistiken kann man interpretieren, wie man will. Sie schreiben, Arsenal hat seit 2009 "keines seiner vergangenen 14 Champions-League-Heimspiele verloren", klingt gut, aber den Titel hat es ihnen nicht gebracht.