Sicherheit im FußballDie Fußballclubs rebellieren

Nach den Randalen in Dortmund geht die Sicherheitsdebatte im Fußball weiter. Die DFL hat nun ein Konzept vorgelegt – viele Vereine lehnen es ab. von 

Ausschreitungen in Dortmund am Samstag

Ausschreitungen in Dortmund am Samstag  |  © Stephan Schütze/picture alliance/dpa

Es waren die wohl hässlichsten Szenen anlässlich eines Fußballspiels der jüngeren Vergangenheit. Es flogen Flaschen, Steine, Farbbeutel. Rund um das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke wurden am Wochenende acht Polizisten verletzt, 200 Randalierer festgenommen. Und die Ausschreitungen waren wohl geplant – Ultras, Hooligans, wer auch immer, haben gezielt Gewalt gesucht.

Die Ausschreitungen bestätigen all jene, die ein Gewaltproblem im deutschen Fußball ausgemacht haben. Ging es zuvor in einer medial aufgebauschten Debatte vor allem um versehentliche Platzstürme , bengalische Feuer und die üblichen Scharmützel zwischen sich spinnefeinden Fanlagern, hatten die Randalen von Dortmund eine neue Qualität.

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Es gibt Probleme, die gelöst werden müssen, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Nur wie? Die Politiker wollen hart durchgreifen, die Fans und viele Vereine wollen, dass endlich mit ihnen gesprochen wird. Und mittendrin sitzt der organisierte Fußball in Form der Deutschen Fußball-Liga ( DFL ), der die Lösung gefunden zu haben glaubt.

Am Montagabend tagte die "Kommission Sicherheit" der DFL. Die besteht aus fünf DFL-Vertretern und jeweils einem Abgesandten des FC Bayern München , Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart , VfL Bochum und dem FC St. Pauli . Zusammen haben sie kürzlich ein 32-seitiges Papier ausgearbeitet , das den Kurznamen "Sicheres Stadionerlebnis" trägt.

Darin stehen Vorschläge, mit denen der deutsche Fußball befriedet werden soll. Kaum aber war das Konzept veröffentlicht, ging das Hauen und Stechen los. Bis Montag, so erklärte die DFL, habe die Hälfte der Vereine eine Stellungnahme abgegeben. Das Feedback sei dabei sowohl positiv als auch negativ gewesen. Das klingt harmlos. In Wahrheit ist es ein kleiner Riss, der bei diesem Thema durch das Fußballland zu gehen scheint.

Vereine wie der FC Bayern München und Borussia Dortmund äußerten sich positiv über das Papier, wohl auch weil sie jeweils einen Mann in der Kommission sitzen haben, der den ein oder anderen Passus mitformuliert haben dürfte. Rund ein Drittel der betroffenen clubs lehnt das Papier dagegen ab. Die drei Zweitligisten Union Berlin , Hertha BSC und der FC St. Pauli hatten bereits im Vorfeld angekündigt, ihre Zustimmung zu verweigern. Am Montag zogen der 1. FC Köln , Fortuna Düsseldorf , der FC Augsburg und der VfL Wolfsburg nach.

Leserkommentare
    • pakZ
    • 23. Oktober 2012 17:57 Uhr
    1. .....

    "hatten die Randalen von Dortmund eine neue Qualität."
    Ach, hatte Sie das?

    Vielleicht in einer weichgespülten, deutschen Medienlandschaft, in der Fußball zum Event "verkommen" ist, dessen kommerzieller Nutzen im Vordergrund steht.

    Verabredungen in der Hooliganszene sind jetzt wahrlich nichts neues; die gab es auch schon in den 80ern. Und auch jedes Jahr gab es eine Handvoll Situationen, die eskaliert sind und medienwirksam porträtiert wurden.

    Das Konzept des DFL ist ein Unding und wird auf diese Weise ganz sicher nicht seinen Weg zur Umsetzung finden.

    Getrennt in den Farben, vereint in der Sache.

    In diesem Sinne

    5 Leserempfehlungen
  1. "..., die Fans und viele Vereine wollen, dass endlich mit ihnen gesprochen wird."

    Ich denke, dass auch die Polizei nicht fehlerfrei ist, aber ich kann solche Ausschreitungen nicht verstehen.

    Ein Vergewaltiger kann doch auch nicht sagen (bzw ihm wird kein Gehör geschenkt): "Verurteilt mich nicht, bevor ihr den Grund für die Vergewaltigung gehört habt"

    Deswegen: Warum muss man sich prügeln? Warum muss man Bengalos abfeuern (am besten noch rektal versteckt bei der Stadionkontrolle)?

    Gibt es irgendwelche Argumente, die ich nicht kenne, warum die Polizei nicht alle gewalttätigen Fans einsperren sollte? Was soll man denn da deeskalieren?

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    • lxththf
    • 23. Oktober 2012 18:43 Uhr

    geht es um das Nacktmachen und das kann ja wohl keine Lösung sein.
    Sie vermischen hier wieder etwas, was nicht zusammengehört. 80.000 im Stadion die friedlich sind und 200 die randalieren. Das gibt das Verhältnis gut wieder. Von den Fans sind vielleicht 1-2Prozent gewaltbereit und wenn es nicht der Fußball als Bühne wäre, dann würden sie einen anderen Grund finden. Darum ist es wichtig, Lösungen gemeinsam und das schließt die richigen Fans mit ein, zu finden.
    Was die Pyrotechnik betrifft. Ich erinnere mal kurz an die Saison, in der Kaiserslautern das letzte Mal Meister wurde.Flutlicht, friedliche Fans, Bengalos, die Rote Hölle Betzenberg.
    Es gibt da 2 Möglichkeiten. Man vergibt Lizenzen für Pyrotechnik, die von Professionellen Leuten verantwortungsbewußt in bestimmten abgesperrten Bereichen abgebrannt werden kann, oder man dämonisiert und stellt alles auf eine Stufe.
    Ein anderes Beispiel. Man muss die Vereine in die Pflicht nehmen, sich deutlich und energisch zu distanzieren und häufiger mit Stadionverboten zu agieren. Sollte ein Schaden entstehen, so müssen dies die Täter begleichen. Ich glaub, Berlin hat das auch mal probiert, wenn ich mich recht entsinne.

    • Erstner
    • 25. Oktober 2012 11:40 Uhr

    Der Vergleich mit der Vergewaltigung ist doch nicht Ihr Ernst, oder?! Damit verharmlosen Sie Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe und verhöhnen die Opfer solcher Taten.

    Bei den "Ausschreitungen", über die hier gesprochen wird, sind sich alle Personen, die sich als Fan einer Mannschaft erkennbar bewegen, ggf. in größeren Gruppen, im Klaren darüber, was passieren kann. Einige suchen natürlich auch explizit Gewalt. Und wenn sich Leute irgendwo prügeln möchten, warum sollte man ihnen das verbieten? Solange keine Unbeteiligten gefährdet werden-was die Regel ist- spricht doch nichts dagegen. Die Einrichtung einer Kneipe zu demolieren ist natürlich etwas anderes, aber eben auch nicht Kern des Problems.
    Des Weiteren werden Bengalos nicht "abgefeuert", sondern nur abbgebrannt. Dass das kontrolliert geht, ohne jemanden zu gefährden, wurde doch sogar beim skandalisierten Derby selbst deutlich. Schalke-Fans brannten Bengalos ab, ohne dass jemand oder auch nur etwas zu Schaden kam. Wo also bitte ist das Argument gegen bengalische Feuer? Selbst von Pyrotechnik-Befürwortern abgelehnt werden hingegen Raketen und Böller, und zwar aus guten Gründen. Aber auch darum geht es doch hier gar nicht, Sie versuchen lediglich vom Kern der Thematik abzulenken, indem sie die Horrorszenarien der Medien aufgreifen und reproduzieren, ohne bspw. zu erklären, warum es Menschen nicht gestattet sein sollte, sie gegenseitig "auf's Maul zu hauen". Warum überhaupt Gewalt, ist eine sozialpsychologische Frage.

    • lxththf
    • 23. Oktober 2012 18:43 Uhr

    geht es um das Nacktmachen und das kann ja wohl keine Lösung sein.
    Sie vermischen hier wieder etwas, was nicht zusammengehört. 80.000 im Stadion die friedlich sind und 200 die randalieren. Das gibt das Verhältnis gut wieder. Von den Fans sind vielleicht 1-2Prozent gewaltbereit und wenn es nicht der Fußball als Bühne wäre, dann würden sie einen anderen Grund finden. Darum ist es wichtig, Lösungen gemeinsam und das schließt die richigen Fans mit ein, zu finden.
    Was die Pyrotechnik betrifft. Ich erinnere mal kurz an die Saison, in der Kaiserslautern das letzte Mal Meister wurde.Flutlicht, friedliche Fans, Bengalos, die Rote Hölle Betzenberg.
    Es gibt da 2 Möglichkeiten. Man vergibt Lizenzen für Pyrotechnik, die von Professionellen Leuten verantwortungsbewußt in bestimmten abgesperrten Bereichen abgebrannt werden kann, oder man dämonisiert und stellt alles auf eine Stufe.
    Ein anderes Beispiel. Man muss die Vereine in die Pflicht nehmen, sich deutlich und energisch zu distanzieren und häufiger mit Stadionverboten zu agieren. Sollte ein Schaden entstehen, so müssen dies die Täter begleichen. Ich glaub, Berlin hat das auch mal probiert, wenn ich mich recht entsinne.

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    Antwort auf "unverständlich"
  2. Wenn das nicht krank ist, dann weiß ich´s nicht. Als ob es in der Welt nicht dringendere Probleme gäbe, als beim Fußball Krach machen zu können. Ich glaube ernsthaft, daran werden unsere Demokratien scheitern. Daran, dass wir Privilegien haben wie noch niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Wir haben das Recht auf eine Wohnung darauf ernährt zu werden und auf medizinische Versorgung. Und wir können wählen. Unsere Politiker und auch was wir mit unserem Leben anfangen. Und die Wahl fällt so aus, dass die Menschen ihre Freiheit benutzen wollen um Pyrotechnik abzubrennen und sich am Wochenende die Kante zu geben. Ich bin davon überzeugt, dass es irgendwann eine Zeit geben wird, in der man das nicht mehr verstehen wird. Genau so wir wir es nicht mehr verstehen können, dass es möglich war dass die Leute sich daran ergötzt haben wie im Colosseum die Menschen sich gegenseitig massakriert haben. In der Dimension muss man das betrachten. Einfach lächerlich!

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    • LennyP
    • 23. Oktober 2012 21:49 Uhr

    an dem es nicht mehr üblich ist "sich am Wochende die kante zu geben" wird irgendwann nicht mehr verstanden werden?Colosseum?
    frei nach Kubicki: was haben sie geraucht?

    • Megusta
    • 23. Oktober 2012 18:59 Uhr

    Wie kann es sein, dass überhaupt noch darüber diskutiert wird, ob BL-Vereine die Kosten für Polizeieinsätze zu tragen haben, während ein Lehrling für eine (ausgefallene!!) Facebook-Party angeblich 200.000 € zahlen soll (http://www.spiegel.de/net...)

    Und das wo Krawalle bei Fußball spielen seit Jahrzehnten (!) nichts neues sind.

    Wo leben wir denn bitte?

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    • lxththf
    • 23. Oktober 2012 19:38 Uhr

    und was noch viel wichtiger ist. Selbst innerhalb einer Stadt könnten so Hooligans eines Vereins ihren Hassverein ruinieren.
    Die Welt ist selten so simpel, wie wir sie gerne hätten. Wenn jemand was zahlen soll, dann die geschnappten und identifizierten Gewalttäter.

  3. Sieht man sich die neuen Stadien an, dann darf man sich über diese Randale nicht wundern. Da sitzen in den abgeschotteten Tribünenbereichen die wichtigsten Menschen dieser Republik im feinsten Zwirn des Landes. Auf den Stehplatzrängen werden die sogenannten Fans, die für die nötige Stimmung zu sorgen haben, als Staffage einquartiert. Die Stimmung darf aber nur so weit "eskalieren", wie es den fußball- und staatstragenden Herrschaften in den abgeschotteten Bereichen passt.
    Der Fußball, ein simples und faszinierendes Spiel der Unterschicht früherer Tage, hat sich zu einer Spielwiese für Wichtigtuer gewandelt. Der "Pöbel", der für die nötige Lautsärke zu sorgen hat (die feine, Kaviarbrötchen knabbernde Welt im Zwirn schreit ja nicht), muss nun, da er über die Stränge schlägt, wieder diszipliniert werden - mit Mitteln, die mehr als zweifelhaft sind. In dieser Ganzkörperkontrolle zeigt sich nur die Verachtung des abgeschotteten Tribünenbereichs für die "Proleten", denen dieses Spiel einst gehörte.
    Eigentlich will man sie nicht mehr, kommt aber ohne sie nicht aus. Es könnte eine Art Klassenkampf in Kleinformat sein, der sich da rund um die Stadien abspielt. Das Fußballstadion - ein Abbild der Republik im kleinen.

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  4. "Der Fußball, ein simples und faszinierendes Spiel der Unterschicht früherer Tage..."
    Wie lange ist das denn her? Und was war das für eine Unterschicht? Die hatte ämlich ein Standesbewusstesein, im Gegensatz zu diesen Krawallbrüdern. Denen geht es doch nur um ihre Randale. Um die Illusion, dass da am Wochenende was passiert was Anti ist. Anti Gesellschaft, Anti Ordnungsmacht, Anti Pappi... Und zwar auf Kosten all derer gegen die sich diese billige Aggression richtet.
    Wo soll das simple faszinierende Spiel der Unterschicht denn denn noch stattfinden? In den Stadien der Bundesliga? Und was ist daran noch simpel? Mit Millionären auf dem Platz und Werbebotschaften auf den Trikots? Fußball ist Pop und die Unterschicht Argumente sind vorgeschoben, um das zu rechtfertigen was man sich dem Reste der Gesellschaft gegenüber rausnehmen will. Ohne dabei behelligt zu werden. Diesen so genannten Fans geht es um ihre Freiräume für Krawall und Randale. Ätzend! Ich hoffe, die Öffentlichkeit lässt sich davon nicht beeindrucken!

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    • pakZ
    • 23. Oktober 2012 19:43 Uhr

    Ganz so einfach, wie Sie es sich machen, ist es leider nicht.

    Wo wäre dieser Sport denn ohne Fanszene? Es gibt keinen elementareren Bestandteil im Fußball. Und diese Fanszene sitzt nunmal nicht in den Businesslogen oder in den Büros der Marketingfirmen.

    Vielleicht ist es hilfreich, wenn man einfach ein bißchen weniger hektisch an das Thema rangeht. Fußballfans sind keine Verbrecher.
    Sie nehmen gerade vermutlich Abermillionen Menschen in Sippenhaft, weil Sie nicht in der Lage sind anständig zu differenzieren.

  5. Auch Fußball bzw. moderner Fußball ist lediglich ein Spiegel unserer Gesellschaft. Insofern ist es nicht in erster Linie dem Sport oder den Vereinen anzulasten, wenn Randalen gefühlt zunehmen oder extremer werden. Reagieren müssen die "Verantwortlichen" natürlich trotzdem. In Beitrag #1 ist allerdings schon schön klargestellt worden, dass es aggressive Fans schon immer gab und man ihnen nicht durch grundsätzliche, bevormundende Regeln und Erlasse den Nährboden nimmt.

    Es muss letztlich das geschehen, was kein Politiker hören will, da es viel zu mühsam und aufwändig ist und im Wahlkampf überhaupt nicht vermarktbar: Vereine und Fans müssen ihr Bewusstsein für die Störenfriede unter ihnen schärfen und diejenigen, die sich nicht benehmen können, ausgrenzen. Eine Fankultur wie die des Fußballs, die traditionell äußerst selbstregulierend ist, kann m.E. nicht durch massive, äußere Eingriffe "geheilt" werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | Fußball | Bundesliga | FC Bayern München | FC St. Pauli | Lorenz Caffier
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