ZEIT ONLINE: Herr Friedrich , Sie leben in den USA . Haben Sie das erste TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney gesehen?

Arne Friedrich: Hätte ich sehr gerne, aber ich war leider mit meiner Mannschaft Chicago Fire unterwegs. Stattdessen hab ich viel darüber in der Zeitung gelesen. Die nächsten beiden Duelle will ich unbedingt sehen, die Wahl interessiert mich sehr.

ZEIT ONLINE: Sind Sie auch überrascht, dass Romney gewonnen hat ? Oder stimmt das gar nicht?

Friedrich: Die erste Runde ging an Romney, das ist der klare Eindruck der Amerikaner. Er war aggressiver, offensiver, angriffslustiger. Das hat viele erstaunt. Zuvor hatte er ja eher schwache Auftritte hingelegt, auch rhetorisch. Diesmal war er sehr gut vorbereitet.

ZEIT ONLINE: Hat Obama seinen Gegner unterschätzt, fehlte ihm die Einstellung, der letzte Wille zum Sieg? Hat der Präsident zu viele Schulterklopfer um sich?

Friedrich: Ich glaube nicht, dass er in einer "Bubble" lebt, wie die Zeitungen schreiben. Doch ich glaube an sein Comeback, bei den nächsten Malen werden wir einen stärkeren Obama erleben. Nach dem TV-Duell ist vor dem TV-Duell.

ZEIT ONLINE: Viele Deutsche erachten das TV-Duell als Beweis für die Oberflächlichkeit der Amerikaner. Wie sehen Sie das?

Friedrich: Ich finde das spannend. Da können sich zwei Kandidaten präsentieren und live miteinander konkurrieren. Ich erinnere mich gut an Merkel gegen Schröder. Das war durchaus aufschlussreich, nicht nur Show.

ZEIT ONLINE: Sollte Obama ausgerechnet gegen Romney verlieren, käme das einer totalen Entzauberung gleich. Drücken Sie Obama die Daumen?

Friedrich: Sagen wir so: Ich würde gerne sehen, dass er auf dem Präsidentenstuhl bleibt. Aber ich will keine großen politischen Statements abgeben, das ist nicht mein Territorium. Natürlich darf ich auch nicht wählen.

ZEIT ONLINE: Wie bewerten Sie seine Arbeit?

Friedrich: Er ist in einer sehr schweren Zeit Präsident geworden, er konnte nur Schritt für Schritt vorangehen. Der Heilserwartung, die vor vier Jahren mit ihm verknüpft war, konnte er nicht gerecht werden. Das gibt er übrigens auch zu, bescheiden wie er ist.

ZEIT ONLINE: Sie leben in Chicago, der Heimat Obamas. Wie erleben Sie dort sein Wirken und seinen Wahlkampf?

Friedrich: Das ist Obama-City. Man merkt, dass die Leute hier viel auf ihn geben. Von Wahlkampf ist allerdings nicht viel zu spüren, Spots und Plakate sind mir kaum aufgefallen. Das kann daran liegen, dass Obama Illinois so gut wie sicher hat. Das ist kein "Swing State".

ZEIT ONLINE: Folgen Sie Obama auf Facebook oder Twitter?

Friedrich: Nein. Facebook ist nichts für mich, Twitter könnte es allenfalls mal werden. Ich weiß natürlich, dass das in den USA wichtige Instrumente sind. Doch mir reicht die New York Times .