Die Nationalspieler Marco Reus und Jérôme Boateng jubeln über das 1:0 durch Reus. © Alex Livesey/Getty Images

Das Dudelsackspielen, das wird oft vergessen, ist keine rein schottische Angelegenheit. In Polen heißt das Instrument Dudy, in Armenien Parkapzuk und die Schweden sprechen von der Säckpipa. Auch die Iren dudeln gerne, was die Luft hergibt, und weil das kaum jemand weiß, haben sie vor dem Länderspiel gegen Deutschland ein paar Männer mit Kilts und großen Blasebälgen auf den Rasen geschickt, die die Nationalhymnen intonierten. Der Plan ging auf: Einigkeit und Recht und Freiheit hörte sich gedudelt so schräg an, dass einige deutsche Nationalspieler sich irritiert umdrehten, um die ungewöhnliche Kapelle zu mustern.

Es blieb der einzige Augenblick dieses kühlen Dubliner Fußballabends, an dem die deutsche Nationalelf nicht so recht wusste, wie ihr geschieht. Sobald die Musikanten das Feld verließen, hatte die Mannschaft von Joachim Löw alles im Griff. Gegen Iren, bei denen von Anfang an irgendwie die Luft raus war, gewann sie 6:1 , ein Ergebnis, das aufregender klingt, als das Spiel am Ende war. Ein Ergebnis, das aber auch erst einmal dringend benötigte Ruhe in die derzeit sehr aufgeregte Gemengelage rund um die deutsche Fußballauswahl bringt.

Es war einiges los in den vergangenen Tagen. Von außen wurde gestänkert, von innen teilweise ungeschickt kommuniziert. Es begann mit Bastian Schweinsteiger , der behauptete, mit dem Teamgeist sei es bei der EM nicht so weit hergewesen . Zu Wochenbeginn hatte Uli Hoeneß gewohnt polemisch gewettert, Löw verhätschele seine Spieler und fliege für sie Tischtennisplatten auf den Mont Blanc . Zuletzt sorgte Joachim Löw selbst für Unruhe, als er am Donnerstag vor versammelter Presse gegen seinen Linksverteidiger Marcel Schmelzer schnödete . Löw wählte so drastische Worte, dass sich der DFB genötigt sah, ein paar Stunden später eine Pressemitteilung hinterherzuschicken, die des Cheftrainers Aussagen relativierte.

Zäh wie ein Gärprozess

Marcel Schmelzer, ein ordentlich begabter Außenverteidiger, nicht mehr und nicht weniger, machte seine Sache gegen Irland gut. Er gewann die meisten seiner Zweikämpfe, verursachte keine gegnerischen Großchancen und stiftete mit einer mangelhaften Ballverarbeitung im irischen Strafraum genau die Verwirrung, die Marco Reus Sekunden später mit dem Führungstor bestrafte. "Marcel hat gut gespielt", sagte Löw nach dem Spiel und überhaupt sei er falsch verstanden worden. Nach echter Zuneigung zum Dortmunder Blonden klang das nicht, eher diplomatisch, aber wenigstens ersparte Löw der DFB-Pressestelle dieses Mal nächtliche Mehrarbeit.

Was den Debattenpunkt Teamgeist anging, war dieses Spiel dagegen wenig aufschlussreich. Es fielen so viele Tore, dass keiner erwartete, die komplette DFB-Bank würde jedes Mal aufspringen, um sich gegenseitig ausdauernd um den Hals zu fallen. Dafür war das Spiel über weite Strecken einfach zu langweilig – es war teilweise nicht aufregender, als irischem Whiskey beim Gären zuzusehen.

Iren bleiben harmlos

Wahrscheinlich ist der Sieg der Deutschen ein wenig zu hoch ausgefallen. Ein 6:1 aus 8:4 Torschüssen bedeutete, dass fast alle ernsthaften Versuche irgendwie auch im Tor landeten. Die meisten Treffer sahen zudem recht unspektakulär aus. Ein Elfmeter von Mesut Özil war dabei, ein Kullertor von Miro Klose, zwei stramme Hiebe aus der Halbdistanz vom eingewechselten Toni Kroos . Nur das 2:0, ebenfalls von Marco Reus, entsprang einer zauberhaften Tempogegenstoß-Ballstaffette, die an den WM-2010-Fußball erinnerte.

Die elf Dudelsäcke aus Irland dagegen waren so hoffnungslos unterlegen, dass sie einem schon fast leidtaten. Dass die Männer in Grün keine barcelonesken Ballzirkeleien auf den Rasen zaubern würden, war klar. Dass sie aber nicht einmal rannten und grätschten und ab und zu mal die Schienbeinschoner von Özil, Khedira und Müller einer Qualitätsprüfung unterzogen, überraschte dann doch. Die Iren waren so unterlegen, dass sogar ihre Fans irgendwann die Gesänge einstellten. Und wenn irische Fans nicht mehr singen, muss etwas faul sein.