Fußball-Bundesliga : Labbadias Wutausbruch zeugt von der Krise beim VfB

Schimpfe auf die Fans und die Medien: Stuttgarts Trainer Labbadia hat mit einer Wutrede seinem Ärger Luft gemacht. Beobachter fragen nun nach Labbadias Zukunft beim VfB.

Als Bruno Labbadia seinem Ärger Luft gemacht hatte, fragte man sich: Wie lange kann das noch gut gehen mit dem Trainer und seinem Arbeitgeber VfB Stuttgart ?

Nach einem schwachen Saisonstart liegt der Fußball-Bundesligist auch nach dem 2:2 am Sonntag gegen Bayer Leverkusen in der Nähe der Abstiegsplätze. Trainer Labbadia will sich dafür nicht alleine verantwortlich machen lassen.

Nachdem es beim Tabellen-Fünfzehnten schon seit Wochen brodelte, ist das schwäbische Pulverfass nun also explodiert. Nach seiner überraschenden Brandrede am Sonntag, in der er Teile der Fans, das Umfeld, aber vor allem die Berichterstattung heftig kritisierte, scheint alles möglich zu sein. Sogar ein baldiger Rücktritt des ehemaligen Profispielers, der auch bei seinen Ex-Vereinen Leverkusen und Hamburger SV im Unfrieden geschieden war. "Gehe ich einen schweren Weg, wie ihn der VfB Stuttgart gehen muss, mit? Oder sage ich: am Arsch geleckt", polterte der Hesse mit immer lauter werdender und am Ende fast brüchiger Stimme.

"Das gute Recht des Trainers"

"Ich will jetzt nicht über Dinge reden, die in der Zukunft liegen. Ich bin kein Hellseher", sagte der VfB-Sportdirektor Fredi Bobic dazu, der kürzlich sogar von Rufmord gegenüber Labbadia gesprochen hatte. "Es ist das gute Recht des Trainers, sich so zu äußern", sagte Bobic. "Man darf auch mal aufbrausend sein."

Eingezwängt zwischen hohen Ansprüchen (bis hin zur Champions League), einem strikten Sparkurs des VfB-Präsidenten Gerd Mäuser und einem stets überkritischen Publikum hat Labbadia das Gefühl, den Kopf hinhalten zu müssen. Als sich gegen Bayer Leverkusen bei der Auswechslung des stärksten VfB-Spielers Raphael Holzhauser in der 77. Minute unter den Beifall für das 19 Jahre alte Talent auch "Bruno raus"-Rufe mischten, nahm der Trainer dies zum Anlass, mal selbst auszuteilen.

Auslöser des Ausbruchs in der Pressekonferenz war die Frage von VfB-Sprecher Marcus Jung nach dem Grund der Auswechslung von Holzhauser. "Da ist eine totale Grenze erreicht, auch hier in Stuttgart ", schimpfte Labbadia.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

100% Zustimmung für Bruno

Ich bin kein Anhänger von Labbadia als Trainer, aber wenn man sich diese Pressekonferenz anschaut, dann mutet er einem wie ein in die Ecke gedrängtes Tier an, dass wild um sich beisst. Irgendwas läuft doch da total verkehrt, sowohl bei den Medien als auch in der Wahrnehmung der Fußballfans. Mobbing der eigenen Trainer ist ja vollkommen salonfähig geworden und scheint häufig der einzige Schritt zu sein, an den alle Beteiligten denken.

Labbadia hat absolut recht,

vor allem mit seiner Medienkritik. Beispiel. Bayern legt einen Traumstart hin. Über was wird geschrieben? Sammer Heynckes. Permanent wird auf die Trainer Druck aufgebaut, ohne Rücksicht auf Verluste und wenn es dann Extremreaktionen gibt, wie Enke, oder Rafati, dann sind alle tief betroffen.
Die Medien müssten respektvoll mit Trainern und Spielern umgehen, aber das verkauft sich natürlich nicht so gut.

Fußballtrainer kontra Medien

Labbadias Reaktion ist nachvollziehbar. In den Fußballtalk-Shows treten Medienvertreter auf, die Pseudowissen über Fußball, und was noch viel schlimmer ist, Pseudowissen über Entwicklungs- und Verhaltenspsychologie von sich geben. Man wird dabei den Verdacht nicht los, dass die Jagd nach guten Quoten auch hier bestimmt, was gesagt wird und wie mit den Trainern und Spielern umgegangen wird. Vielleicht sind mache Schreiberlinge insgeheim Lobbyisten von Spielern und deren Beratern? Der Trainer Mayer hatte in einer Sendung sinngemäß zu einem Journalisten gesagt, dass er, Mayer, das Traineramt gelernt habe und deshalb mehr davon verstehe als sein Gegenüber, der Journalist. Recht hatte er.