Roth, Schmidt und Hoeneß : "Die Leute werden zu Jubelpersern abgerichtet"

Claudia Roth, Harald Schmidt, Uli Hoeneß und Manni Breuckmann reden über Schaum in VIP-Logen, und was der mit der Euro-Krise zu tun hat. Ein Auszug aus ihrem Buch.
Fußballquartett: Harald Schmidt, Manni Breuckmann, Claudia Roth und Uli Hoeneß © Susanne Grüger-Breuckmann

Manni Breuckmann: Ein wichtiges Thema: Die Kampagne der Bild-Zeitung nach dem Italienspiel bei der EM, dass diese Jungs nicht die Nationalhymne singen. Im Gegensatz zu den laut schmetternden Azzurri.

Uli Hoeneß: Das ist doch ein Schwachsinn.

Harald Schmidt: Aber trotzdem gefällt mir, wenn ich Buffon sehe, weil es natürlich totales Theater ist …

Breuckmann: Und der singt noch falsch.

Schmidt: ... aber es ist gutes Theater. Diese geschlossenen Augen und dieses Reingeballere, ich finde das toll.

Hoeneß: Aber die Italiener in dieser Phase, das hat natürlich schon eine politische Dimension gehabt, das war der Höhepunkt der Italienkrise. Und dann haben die natürlich gesagt: "Wir zeigen es jetzt den Deutschen!" Und ich muss ehrlich sagen: An dem Tag war ich in einem Punkt nicht ganz so unglücklich, dass die Italiener gewonnen haben. Das darf ich zwar jetzt nicht sagen, aber das hat politisch wunderbar in die europäische Landschaft gepasst.

Breuckmann: Zur völkerverbindenden Kraft des Fußballs fällt mir sofort der Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni ein, der sagte in der Halbzeit dieses Spiels sinngemäß: ...

Hoeneß: Forza Italia.

Breuckmann: Ja, auch. Und: "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust, möge der Bessere gewinnen." Daraufhin kriegte er waschkörbeweise Beschimpfungen, weil die Deutschen offensichtlich mit einem solchen Satz nicht leben können.

Schmidt: Dazu sind zwei Sachen zu sagen, zum einen das Zitat von Dieter Hildebrandt: "Jedes Land hat einen natürlichen Bodensatz von zehn Prozent an Vollidioten", das gehört einfach mit dazu, und das Zweite: Es war ein klares Beispiel für Medienhysterie. Wurde ja auch entsprechend aufgebauscht ...

Claudia Roth: Total.

Schmidt: Darf er noch moderieren? Das weiß man ja nun, wie so was gehandelt wird.

Roth: Dabei finde ich es toll, dass ein schwarzer Spieler beim WM-Spiel Deutschland – Polen 2006, wie heißt der, der hatte rosarote Schuhe ...

Schmidt: Odonkor.

Breuckmann: Schneller als der Ball ...

Roth: ... ja, der das Wahnsinnstor gemacht hat ...

Breuckmann: Hat er nicht gemacht, hat er eingeleitet. Neuville hat es gemacht, der hat auch einen Migrationshintergrund, der kommt aus der Schweiz.

Roth: Na gut, aber bei mir ist das so hängengeblieben: rosarote Schuhe, und rennt da ...

Breuckmann: Ja, und wenn er nicht so berühmt ist, wird er angemacht, und wenn er Pech hat, lassen sie ihn abends nicht in die Disko rein. Tut mir leid, ich spiele bei diesen sozialromantischen Spielchen nicht mit.

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Also ich finde ja Hoeneß sehr intolerant

Da fällt einem ja glatt die Kinnlade runter, wenn man so hört, dass man ja eigentlich dankbar sein soll für nen 7 Euro-Stehplatz und seiner Argumentation, dass sie ja all die VIP-Plätze bräuchten, um sich wunder was leisten zu können. Ich glaub da sieht man ganz klar wo das ganze Thema in die falsche Richtung geht, denn um den Fussball bzw. die Fans geht es dann ganz sicher nicht mehr. Dazu fällt einem echt nichts mehr ein.

Ich entnehme diesem Gespräch,

...dass diese Herrschaften in einem eigenen Kosmos leben und keine Ahnung haben, wie der Normalbürger so tickt.

Herr Breuckmann regt sich über angebliche Fußballanalphabeten auf Fanmeilen auf. Glaubt er denn, dass die Massen, die heutzutage zu jedem(!) Bundesligaspiel strömen, aus lauter Fußballexperten bestehen? Die gehen zu einem event und machen dort "Choreos" (Choreografien).

Ich bin von Kindesbeinen an Fußballfan, aufgewachsen mit den Hörfunkreportagen von Kurt Brumme und co. Sportschau mit Ernst Huberty.
Inzwischen hat mein Interesse an der DFL jedoch merklich nachgelassen, weil viel zu kommerzialisiert. Der eigentliche Sport ist dabei zu einer Nebensache geworden. Schade.

Sehr interessant, nur zu kurz.

Wenn Frau Merkel, in Bundesligastadien hausieren kann, darf eine eingebettete C.Roth nichts nichts nachkommen lassen. Alles Fußballexperten der sonderklasse, Harald mal ausgenommen. Jeder dieser vier ist sicher Euromillionär, lol, und kennt das spiel, wie mitlerweile alle,"the show must go on". Meine anmerkung, sie können wirklich sehr lustig sein, und mal die Karten, so wie Uli, auf den tisch legen, was wirklich im Fußball abgeht, schade ich hätte auch 10 seiten diesmal gelesen.