Manni Breuckmann: Ein wichtiges Thema: Die Kampagne der Bild-Zeitung nach dem Italienspiel bei der EM, dass diese Jungs nicht die Nationalhymne singen. Im Gegensatz zu den laut schmetternden Azzurri.

Uli Hoeneß: Das ist doch ein Schwachsinn.

Harald Schmidt: Aber trotzdem gefällt mir, wenn ich Buffon sehe, weil es natürlich totales Theater ist …

Breuckmann: Und der singt noch falsch.

Schmidt: ... aber es ist gutes Theater. Diese geschlossenen Augen und dieses Reingeballere, ich finde das toll.

Hoeneß: Aber die Italiener in dieser Phase, das hat natürlich schon eine politische Dimension gehabt, das war der Höhepunkt der Italienkrise. Und dann haben die natürlich gesagt: "Wir zeigen es jetzt den Deutschen!" Und ich muss ehrlich sagen: An dem Tag war ich in einem Punkt nicht ganz so unglücklich, dass die Italiener gewonnen haben. Das darf ich zwar jetzt nicht sagen, aber das hat politisch wunderbar in die europäische Landschaft gepasst.

Breuckmann: Zur völkerverbindenden Kraft des Fußballs fällt mir sofort der Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni ein, der sagte in der Halbzeit dieses Spiels sinngemäß: ...

Hoeneß: Forza Italia.

Breuckmann: Ja, auch. Und: "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust, möge der Bessere gewinnen." Daraufhin kriegte er waschkörbeweise Beschimpfungen, weil die Deutschen offensichtlich mit einem solchen Satz nicht leben können.

Schmidt: Dazu sind zwei Sachen zu sagen, zum einen das Zitat von Dieter Hildebrandt: "Jedes Land hat einen natürlichen Bodensatz von zehn Prozent an Vollidioten", das gehört einfach mit dazu, und das Zweite: Es war ein klares Beispiel für Medienhysterie. Wurde ja auch entsprechend aufgebauscht ...

Claudia Roth: Total.

Schmidt: Darf er noch moderieren? Das weiß man ja nun, wie so was gehandelt wird.

Roth: Dabei finde ich es toll, dass ein schwarzer Spieler beim WM-Spiel Deutschland – Polen 2006, wie heißt der, der hatte rosarote Schuhe ...

Schmidt: Odonkor.

Breuckmann: Schneller als der Ball ...

Roth: ... ja, der das Wahnsinnstor gemacht hat ...

Breuckmann: Hat er nicht gemacht, hat er eingeleitet. Neuville hat es gemacht, der hat auch einen Migrationshintergrund, der kommt aus der Schweiz.

Roth: Na gut, aber bei mir ist das so hängengeblieben: rosarote Schuhe, und rennt da ...

Breuckmann: Ja, und wenn er nicht so berühmt ist, wird er angemacht, und wenn er Pech hat, lassen sie ihn abends nicht in die Disko rein. Tut mir leid, ich spiele bei diesen sozialromantischen Spielchen nicht mit.