Roth, Schmidt und Hoeneß"Die Leute werden zu Jubelpersern abgerichtet"

Claudia Roth, Harald Schmidt, Uli Hoeneß und Manni Breuckmann reden über Schaum in VIP-Logen, und was der mit der Euro-Krise zu tun hat. Ein Auszug aus ihrem Buch.

Fußballquartett: Harald Schmidt, Manni Breuckmann, Claudia Roth und Uli Hoeneß

Fußballquartett: Harald Schmidt, Manni Breuckmann, Claudia Roth und Uli Hoeneß  |  © Susanne Grüger-Breuckmann

Manni Breuckmann: Ein wichtiges Thema: Die Kampagne der Bild-Zeitung nach dem Italienspiel bei der EM, dass diese Jungs nicht die Nationalhymne singen. Im Gegensatz zu den laut schmetternden Azzurri.

Uli Hoeneß: Das ist doch ein Schwachsinn.

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Harald Schmidt: Aber trotzdem gefällt mir, wenn ich Buffon sehe, weil es natürlich totales Theater ist …

Breuckmann: Und der singt noch falsch.

Schmidt: ... aber es ist gutes Theater. Diese geschlossenen Augen und dieses Reingeballere, ich finde das toll.

Hoeneß: Aber die Italiener in dieser Phase, das hat natürlich schon eine politische Dimension gehabt, das war der Höhepunkt der Italienkrise. Und dann haben die natürlich gesagt: "Wir zeigen es jetzt den Deutschen!" Und ich muss ehrlich sagen: An dem Tag war ich in einem Punkt nicht ganz so unglücklich, dass die Italiener gewonnen haben. Das darf ich zwar jetzt nicht sagen, aber das hat politisch wunderbar in die europäische Landschaft gepasst.

Breuckmann: Zur völkerverbindenden Kraft des Fußballs fällt mir sofort der Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni ein, der sagte in der Halbzeit dieses Spiels sinngemäß: ...

Hoeneß: Forza Italia.

Fußballgipfel

© Westend Verlag

Im Spätsommer 2012 lud der Radioreporter Manni Breuckmann, "die Stimme des Westens", drei prominente Gäste zum Plausch in sein Düsseldorfer Wohnzimmer ein: Claudia Roth, Harald Schmidt und Uli Hoeneß. Die vier lieferten sich einen stundenlangen Schlagabtausch über die Identität des Fußballs, die Gefahren der Kommerzialisierung und die Frage, welches Verhalten sich in den Vip-Logen geziemt. Den Ausschnitt, den Sie hier lesen, entstammt dem Buch: Fußballgipfel. Manni Breuckmann, Harald Schmidt, Uli Hoeneß und Claudia Roth reden über eine Nebensache, Westend Verlag, Oktober 2012, 14,99 €.

Breuckmann: Ja, auch. Und: "Zwei Herzen schlagen in meiner Brust, möge der Bessere gewinnen." Daraufhin kriegte er waschkörbeweise Beschimpfungen, weil die Deutschen offensichtlich mit einem solchen Satz nicht leben können.

Schmidt: Dazu sind zwei Sachen zu sagen, zum einen das Zitat von Dieter Hildebrandt: "Jedes Land hat einen natürlichen Bodensatz von zehn Prozent an Vollidioten", das gehört einfach mit dazu, und das Zweite: Es war ein klares Beispiel für Medienhysterie. Wurde ja auch entsprechend aufgebauscht ...

Claudia Roth: Total.

Schmidt: Darf er noch moderieren? Das weiß man ja nun, wie so was gehandelt wird.

Roth: Dabei finde ich es toll, dass ein schwarzer Spieler beim WM-Spiel Deutschland – Polen 2006, wie heißt der, der hatte rosarote Schuhe ...

Schmidt: Odonkor.

Breuckmann: Schneller als der Ball ...

Roth: ... ja, der das Wahnsinnstor gemacht hat ...

Breuckmann: Hat er nicht gemacht, hat er eingeleitet. Neuville hat es gemacht, der hat auch einen Migrationshintergrund, der kommt aus der Schweiz.

Roth: Na gut, aber bei mir ist das so hängengeblieben: rosarote Schuhe, und rennt da ...

Breuckmann: Ja, und wenn er nicht so berühmt ist, wird er angemacht, und wenn er Pech hat, lassen sie ihn abends nicht in die Disko rein. Tut mir leid, ich spiele bei diesen sozialromantischen Spielchen nicht mit.

Leserkommentare
  1. das erinnert mich auch ein wenig an den Kommentarbereich in der Zeit.
    EU Politik hochjubeln - Redaktions-Empfehlung garantiert.
    EU Politik (fundiert) kritisieren - ggf. wegen Polemik, fehlenden Quellen - gelöscht/zensiert...

    Beste Grüße!

  2. Da fällt einem ja glatt die Kinnlade runter, wenn man so hört, dass man ja eigentlich dankbar sein soll für nen 7 Euro-Stehplatz und seiner Argumentation, dass sie ja all die VIP-Plätze bräuchten, um sich wunder was leisten zu können. Ich glaub da sieht man ganz klar wo das ganze Thema in die falsche Richtung geht, denn um den Fussball bzw. die Fans geht es dann ganz sicher nicht mehr. Dazu fällt einem echt nichts mehr ein.

  3. ...dass diese Herrschaften in einem eigenen Kosmos leben und keine Ahnung haben, wie der Normalbürger so tickt.

    Herr Breuckmann regt sich über angebliche Fußballanalphabeten auf Fanmeilen auf. Glaubt er denn, dass die Massen, die heutzutage zu jedem(!) Bundesligaspiel strömen, aus lauter Fußballexperten bestehen? Die gehen zu einem event und machen dort "Choreos" (Choreografien).

    Ich bin von Kindesbeinen an Fußballfan, aufgewachsen mit den Hörfunkreportagen von Kurt Brumme und co. Sportschau mit Ernst Huberty.
    Inzwischen hat mein Interesse an der DFL jedoch merklich nachgelassen, weil viel zu kommerzialisiert. Der eigentliche Sport ist dabei zu einer Nebensache geworden. Schade.

  4. Wenn Frau Merkel, in Bundesligastadien hausieren kann, darf eine eingebettete C.Roth nichts nichts nachkommen lassen. Alles Fußballexperten der sonderklasse, Harald mal ausgenommen. Jeder dieser vier ist sicher Euromillionär, lol, und kennt das spiel, wie mitlerweile alle,"the show must go on". Meine anmerkung, sie können wirklich sehr lustig sein, und mal die Karten, so wie Uli, auf den tisch legen, was wirklich im Fußball abgeht, schade ich hätte auch 10 seiten diesmal gelesen.

  5. sind meiner Erfahrung nach, sofern sie nach Plato entstanden, immer völlig belanglos.

    Dieses Buch scheint keine Ausnahme zu bilden. Drei Leute, die keine interessanten Überschneidungsfelder haben, reden über Fußball und tauschen Allgemeinplätze aus. Von Herrn Schmidt ist man doch wirklich besseres gewohnt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Woher kommt eigentlich diese unglaubliche Selbstüberschätzung, zu glauben, Leute würden Geld und Zeit dafür aufwenden, ihnen bei einem unvorbereiteten Alltagsgespräch über Lappalien zu folgen?

    Da sieht man mal, was längere Medienaufmerksamkeit mit Menschen anstellt...

    sind die Dialogues Concerning Natural Religion (Dialog über natürliche Religion) von David Hume.

    Mich hat es auch sehr verwundert, dass es ausgerechnet Harald Schmidt ist, von dem Sie besseres gewohnt sind. Scheinbar haben Sie schon sehr lange keine seiner Sendungen mehr gesehen ;)

  6. 6. P.S.:

    Woher kommt eigentlich diese unglaubliche Selbstüberschätzung, zu glauben, Leute würden Geld und Zeit dafür aufwenden, ihnen bei einem unvorbereiteten Alltagsgespräch über Lappalien zu folgen?

    Da sieht man mal, was längere Medienaufmerksamkeit mit Menschen anstellt...

    • match
    • 19. Oktober 2012 9:43 Uhr

    ansonsten ein Buch von Vorbildern das ich mir auf jeden Fall fileshare. Quasi als Symbol der Käuflichkeit eines jeden....

  7. [...]
    ich glaube ehrlich gesagt, dass der durchschnittliche Deutsche schon einen ganzen Schritt weiter ist als Sie. Der Denkt nämlich einfach nicht mehr über Migrationshintergründe und Hautfarbe etc. nach, sondern freut sich einfach über so technisch starke Spieler, wie wir sie im Moment zum Glück haben.

    Gekürzt. Achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/mak

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