Der Triathlet Manfred Kraft war früher faul, heute sagt er: "Ich bin zum Bewegungsjunkie geworden."

Leiden und Leidenschaft liegen beieinander. Nirgendwo wird das deutlicher als in Kailua-Kona, einem kleinen, idyllischen Örtchen mit üppigem Palmenbewuchs auf den hawaiischen Inseln. Eigentlich gibt es keinen Grund, sich dort übermäßig zu schinden. Und doch werden sich am kommenden Wochenende 1.869 Athleten wieder mit aller Hingabe quälen. Denn der Saisonhöhepunkt der Triathleten findet hier statt: der Ironman Hawaii.

Am Samstagmorgen, um 6.30 Uhr Ortszeit, erlebt der berühmteste Triathlonwettkampf der Welt seine sechsunddreißigste Auflage. Insgesamt 226 Kilometer legen die Athleten zu Lande und zu Wasser zurück: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen. Um den Titel des Eisernen Mannes und der Eisernen Lady werden im Profirennen 54 Männer und 31 Frauen kämpfen.

Einst galt der Ironman Hawaii als der härteste Wettkampf der Welt. Heute ist Kona für Triathleten zwar immer noch das Nonplusultra, im Rennen um die kräftezehrendsten sportlichen Wettbewerbe der Welt aber ist er nur noch einer unter vielen.

Ein Ironman, ein Ultramarathon – die Grenzen des physiologisch Möglichen werden auch bei Freizeitsportlern immer weiter nach oben verschoben. "Von der Couch aus kann man dieses Phänomen sicher nicht verstehen", sagt der Sportmediziner und ehemalige Olympia-Arzt Karlheinz Zeilberger.

Der Dreikampf aus Schwimmen, Radfahren und Laufen ist dabei ungebremst die Boomsportart unter den Extremsportarten. In nur vier Jahren stieg die Mitgliederzahl der Deutschen Triathlon Union (DTU) um 15.000 Mitglieder (von 27.000 im Jahr 2007 auf 42.000 im vergangenen Jahr). In keiner anderen Sportart gab es einen solchen Zuwachs. Insgesamt gibt es laut DTU  etwa 200.000 aktive Triathleten in Deutschland. "Was früher der Marathon war, ist heute der Triathlon", sagt Zeilberger, "und der Ironman ist für die meisten das Ziel. Dieser Trend wird sich fortsetzen, davon bin ich überzeugt."

Immer zur nächsten Schmerzstufe

Auch Manfred Kraft kam über den Marathon zum Triathlon. Der Fünfzigjährige ist einer von 162 deutschen Startern auf der Insel. Kraft hat eine für Extremsportler recht typische Karriere hinter sich. Mit dem Unterschied vielleicht, dass er vor fünfzehn Jahren noch keinerlei Sport ausübte. Er war übergewichtig, Ärzte rieten ihm dringend zum Sporttreiben. Dem kam Kraft mustergültig nach, fünf Jahre später war aus ihm ein guter Marathonläufer geworden. "Ich bin schnell zum Bewegungsjunkie geworden", sagt Kraft.

Das blieb er so lange, bis er nach mehr Stoff lechzte – den er dann in der Langdistanz im Triathlon fand. Im Jahr 2008 hat Kraft bereits den Ironman Hawaii "gefinisht", nun hat er sich zum zweiten Mal qualifiziert. Dafür legt er im Training pro Woche 10 Kilometer im Wasser, 70 zu Fuß und 350 auf dem Rennrad zurück. "Während des Rennens geht es darum, die nächste Schmerzstufe zu ertragen, sie auszublenden", sagt er.  Er kenne Triathleten, so Kraft, die nach dem Ironman auf die Triple-Ironman-Distanz wechselten. Auf die nächste Schmerzstufe.