Markus Kavka"Jürgen Klopp geht mir langsam auf den Sack"

Nur zwei Sachen bringen mich zum Heulen, sagt der Moderator Markus Kavka im Interview: Wenn ihn eine Frau verlässt und Bayern München ein wichtiges Spiel verliert. von 

Markus Kavka mit dem Bayerischen Fernsehpreis 2011

Markus Kavka mit dem Bayerischen Fernsehpreis 2011  |  © Tobias Hase/picture alliance/dpa

ZEIT ONLINE:  Herr Kavka , Deutschland schenkte gerade eine 4:0-Führung gegen Schweden her . Haben Sie solch ein Spiel schon mal gesehen?

MarkusKavka: Nein, noch nie. Ich habe die letzten zehn Minuten nur noch gestanden. Wenn Spiele so aufregend werden, kann ich nicht mehr sitzen. Nach dem 4:4 habe ich dann Teile meiner Wohnungseinrichtung durch den Raum getreten. Ich dachte: Das kann doch nicht wahr sein! Und ich bin mir sicher, dass die Deutschen noch verloren hätten, wenn das Spiel nur drei Minuten länger gedauert hätte.

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ZEIT ONLINE: Es wird derzeit viel debattiert. Eine frühere deutsche Mannschaft hätte keine vier Gegentore bekommen, hätte aber die vier Tore auch nicht geschossen. Was ist besser?

Kavka: Mir ist das so wie am Dienstag tausend Mal lieber. Ich habe mich früher oft für die vielen unschönen deutschen Siege geschämt. Dieses Panzer-Image kam ja nicht von ungefähr. Auch im Auftreten. Zurückhaltung und Weltoffenheit waren Werte, die in den achtziger und neunziger Jahren in der Nationalelf nicht so vertreten waren. Mittlerweile bin ich stolz darauf, dass diese Mannschaft im Ausland so geachtet und unser Fußball so verehrt wird. Ich schätze Joachim Löw und seine Spielphilosophie. Und ich bin mir ganz sicher, dass die Mannschaft bis zur WM 2014 genau den Schritt weiter ist, der es ihr ermöglicht, endlich den Titel zu holen.

ZEIT ONLINE: Sagt der neue deutsche Fußball auch etwas über unser Land, unsere Gesellschaft aus?

Kavka: Absolut. So kitschig wie dieser Integrationsspot mit den ganzen Nationalspielereltern ist – es war höchste Zeit, dass in der deutschen Mannschaft mal andere Typen spielen als Carsten Ramelow und Stefan Effenberg . Weil auch das Land sich in den letzten zehn, fünfzehn Jahren verändert hat. In den Jugendmannschaften gibt es viele Migranten, die eine ganz neue Spielkultur hereinbringen. Ich finde das super! Ich wohne in Berlin-Kreuzberg und jeden Tag, wenn ich vor die Tür gehe, sehe ich die deutsche Nationalelf in allen Farben und Facetten.

Markus Kavka

Markus Kavka wurde als Moderator des Musiksenders MTV bekannt. Der 45-Jährige veröffentlichte mehrere Bücher, wurde mit dem Grimme Online Award und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichent und versucht sich auch als DJ. In seiner Jugend war Kavka als Fußballer für den ESV Ingolstadt aktiv.

ZEIT ONLINE: Über Fußball redet das ganze Land. Warum?

Kavka: Es ist zum einen diese Unvorhersehbarkeit. Niemand weiß, ob ein Spiel 4:0 ausgeht oder 4:4 . Zum anderen ist die Fußballtradition in diesem Land ansteckend. Als ich sechs war, nahm mich mein Vater das erste Mal mit ins Stadion. Mit fünf habe ich angefangen, Fußball zu spielen. Und solch ein Zusammengehörigkeitsgefühl wie in meinen Fußballmannschaften habe ich nirgendwo anders erlebt. Fußball ist mittlerweile zum Feuilleton-Thema geworden, zum gesamtgesellschaftlichen Phänomen. Und ich weiß auch, warum: Weil Fußball das schönste Spiel der Welt ist.

ZEIT ONLINE: Sie haben selbst gespielt. Man erzählt sich, gar nicht so übel.

Kavka: Es ging. Ich habe in der Jugend beim ESV Ingolstadt gespielt und habe darauf hingearbeitet, in die erste Mannschaft zu kommen. Die hat damals immerhin in der zweiten Bundesliga gespielt.

ZEIT ONLINE: Stärken? Schwächen?

Kavka: Ich war schnell, wendig, mit einem ganz guten Auge und auch nicht komplett torungefährlich. Schwächen hatte ich beim Kopfballspiel, klar mit 1,69 Metern, und im robusten Zweikampfverhalten. Mir kam dann eine Verletzung dazwischen, ein offener Schien- und Wadenbeinbruch, da hatte mich jemand umgetreten. Zudem war ich immer etwas verletzungsanfällig. So bin ich eben der glühendste Passivfußballer geworden, den man sich vorstellen kann.

ZEIT ONLINE: Keine Freizeitkicks mehr?

Kavka: Manchmal kann ich es nicht lassen. Dann spiele ich eine Viertelstunde und am nächsten Tag kann ich mich nur auf allen Vieren fortbewegen.

ZEIT ONLINE: Was würden Sie dafür geben, einmal vor 80.000 Zuschauern das entscheidende Tor zu schießen?

Kavka: Ich kann mich erinnern, dass ich damals bei der oberbayerischen Meisterschaft eine Minute vor Schluss das entscheidende 2:1 geschossen haben. Da waren es lausige 300 oder 400 Leute, die zuschauten. Aber einige sind auf den Platz gelaufen, haben mich umarmt und alle Spieler lagen auf mir drauf. Das ist gefühlsmäßig wahrscheinlich gar nicht so weit weg von 80.000 Zuschauern.

ZEIT ONLINE: Schon mal geweint beim Fußball?

Kavka: Klar. Es gibt nur zwei Sachen, die mich zum Heulen bringen: wenn mich eine Frau verlässt und wenn mein Verein Bayern München wichtige Spiele verliert. Ich habe sogar das Gefühl, es gibt immer mehr Momente im Fußball, die mich zu Tränen rühren.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Kavka: Ich habe nach dem gewonnen Champions-League-Halbfinale in Madrid geweint. Da baute sich eine so große Anspannung auf durch das Elfmeterschießen, da muss das einfach raus. Und dann war ich dummerweise auch beim Finale in München. Da habe ich wieder geheult.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Danke, die Redaktion/ds

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich. Die Redaktion/ls

  3. die in allen wo "multikulti" draufgeschrieben werden kann immer noch einen Wert an sich sehen.
    "In den Jugendmannschaften gibt es viele Migranten, die eine ganz neue Spielkultur hereinbringen."
    Die alte Bereicherungsgeschichte, die im Grunde völlig inakzeptabel ist, da sie doch nur Nützlichkeitserwägungen (bereichert unser Leben = ist gut) folgt.
    Was ist (um im Bilde zu bleiben) mit jungen Spielern, egal von wo, die einen "alten" Stil spielen? Schmeißen wir die aus der "bunten Truppe"?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Slater
    • 23. Oktober 2012 15:32 Uhr

    >>"In den Jugendmannschaften gibt es viele Migranten, die eine ganz neue Spielkultur hereinbringen."
    [..]
    Was ist (um im Bilde zu bleiben) mit jungen Spielern, egal von wo, die einen "alten" Stil spielen? Schmeißen wir die aus der "bunten Truppe"?<<

    man macht zwei Mannschaften auf,
    nicht alle kommen in die 1. Liga, aber wenn es nur danach geht..

    • Chris79
    • 23. Oktober 2012 16:52 Uhr

    ...ist eigentlich nur die Masse an Trollen, die mittlerweile bei Zeit Online wirklich jeden Anlass nutzen, um ihre nur mäßig verhüllte Fremdenfeindlichkeit kund zu tun. Migranten bereichern unser Leben, unsere Kultur und ja: Das ist gut so.

    Übrigens ist der einzige, der zur Zeit in der NM den "alten Stil" pflegt, ein gewisser Sami Khedira.

    • Marobod
    • 23. Oktober 2012 12:44 Uhr

    hat mich mal ueber den Haufen gerannt und mit seinem Bier beschuettet, war ein Moment, wo ich ihn erst nicht erkannte, man kam freundlich fuer 2-3 Minuten ins Gespraech, haett ich gewußt , daß der Bayern-Fan ist, ich glaub wir haetten nen langen Abend mit Gespaechen ueber eben diese gehabt :)

    Nettes Interview .

  4. Der Kavka hat Mut sich als Bayern-Fan zu outen. Macht er aber wieder gut, mit dem Hinweis auf die besonderen Qualitäten von Spielern mit migrantischen Hintergrund. Das will ZEIT ONLINE hören. In der Tat: Früher über erkämpfte deutsche Siege geschämt, heute mit erspielten Unentschieden
    zufrieden. Ich denke die Wahrheit liegt in der Mitte.

  5. 6. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Die Redaktion/mak

  6. als Fussballfan ist mir der Name nicht bewußt... habe ich damit ein wesentliches Defizit?

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    • lxththf
    • 23. Oktober 2012 14:58 Uhr

    wohl eher nicht zur MTV Generation. Bis 30 sollte man ihn kennen.

    Bin überrascht dass der Herr? immer noch hier "rumgeistert", womit hat er dies verdient?

  7. 8. [...]

    Entfernt. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "[...]"

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