ProEs lebe der Radsport!

Die Dopingfakten liegen auf dem Tisch. Für den Radsport ist es die letzte Chance, von vorn anzufangen. Denn der Sport ist größer als Lance Armstrong, meint C. Spiller. von 

Das Feld der Tour de France 2012

Das Feld der Tour de France 2012  |  © Joel Saget/AFP/Getty Images

Lance Armstrong muss seine sieben Tour-Titel hergeben, weil er über Jahre hinweg systematisch gedopt hat. Der gestürzte Radsport-Hero darf nie wieder Rennen fahren. Endlich. "Lance Armstrong hat keinen Platz mehr im Radsport. Er verdient es, vergessen zu werden" , sagt der Präsident des Radsport-Weltverbandes (UCI) Pat McQuaid. Und hat damit nur teilweise recht.

Den texanischen Betrüger sollte man gerade nicht vergessen. Vielleicht sollten sich alle Profiradler einen kleinen Armstrong-Sticker aufs Schutzblech kleben, sodass sie immer vor Augen haben, wie schnell eine Sportart den Bach runter gehen kann.

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Der Ruf scheint ruiniert, Medien und Sponsoren springen ab, Kinder wollen lieber slacklinen als strampeln. Wie soll es weitergehen? Die Fahrer könnten jetzt für immer ihre Räder in den Schuppen stellen. Oder sie könnten diesen Tag als Chance begreifen, endlich von vorn anzufangen. Der Fall des Weltstars kann zur Zäsur werden, die Fahrer und Verantwortlichen müssen es nur wollen.

Christian Spiller
Christian Spiller

Christian Spiller ist Redakteur im Ressort Sport bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Im Sommer wird es wieder eine Tour de France geben, die Hundertste. Die Jubiläumstour wäre die perfekte Gelegenheit für eine Radsport-Renaissance. Es werden sowieso wieder Millionen Menschen an den Straßen stehen, in ihren Wohnwagen auf Pyrenäenpässen übernachten und den Fahrern auf den Anstiegen hinterherspurten, bis ihnen die Luft ausgeht. Weil sie Radsport lieben.

Es gibt Anzeichen, die Hoffnung machen. Eine neue Fahrergeneration sitzt im Sattel, eine, die den Mund aufmacht. André Greipel etwa, der Deutsche. Der Kampf "gegen den ergaunerten Erfolg" müsse mit harten Mitteln fortgesetzt werden, schrieb er in einem offenen Brief . Der Amerikaner Taylor Phinney prangerte unlängst sogar den Gebrauch der weitverbreiteten (und erlaubten) Schmerzmittel und Koffeintabletten an . Und das Sky-Team um den Tour- und Olympiasieger Bradley Wiggins ließ seine Fahrer kürzlich unterschreiben, nie etwas mit Doping zu tun gehabt zu haben.

Das kann der kritische Beobachter natürlich als Schauspielerei abtun, was sollen sie auch sonst machen? Aber Ullrich, Armstrong und Co. haben allein schon das Wort Doping gemieden wie sonst nur kratertiefe Schlaglöcher. Heute wird wenigstens darüber geredet.

Dieser Bewusstseinswandel muss vom Weltverband begleitet werden. Das geht nur ohne den Präsidenten Pat McQuaid, der dem Kampf gegen Doping nicht nur nicht gewachsen war, sondern Lance Armstrong auch gedeckt zu haben scheint , womöglich gegen Bares. Er muss zurücktreten.

Dann wären die ersten Schritte auf dem Weg zu einer neuen Glaubwürdigkeit gemacht. Es muss nur weitergehen. Denn der Radsport ist größer als Lance Armstrong.

Lesen Sie hier die Gegenmeinung von Steffen Dobbert: "Contra: Radsport, das Ende einer Sportart"

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Leserkommentare
  1. Für mich nicht. Ich fahre gern und sicherlich nicht weniger.

    Die UCI spielt das Spiel vom schwarzen Schaf, welches die Ausnahme darstellt und damit alle anderen freisprechen soll. Das ist ein Spiel, welches ich schon lang am Ende wähnte, welches mich nicht interessiert und welches auch gar nicht in der Lage ist, mein Hobby zu beeinflussen.

    Was also am Ende sein sollte, wäre diese Art von Sportberichterstattung, diese Art von Leistungssport an sich und diese Art von Scheinheiligkeit.

    Um dort Etwas zu beenden, braucht es aber mehr als guten Willen, denn das System funktioniert ja nur, weil immer noch genug Geld hereinkommt, selbst mit "schwarzen Schafen", die letztendlich auch den Hype begründen, auf den die Presse später aufbaut.

    Spitzenleistung, erste Plätze, Goldmedaillen.. da steht ein großer Spiegel im Raum und er zeigt uns die Gesellschaft, nicht nur den Radsport.

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    "Spitzenleistung, erste Plätze, Goldmedaillen.. da steht ein großer Spiegel im Raum und er zeigt uns die Gesellschaft, nicht nur den Radsport."

    So ist die Gesellschaft, krank !

    Als Außenseiter keine Chance! Erste an der Supermarktkasse, erster am Verkaufstag des iPhone 5, Doktoranden Plagiate, Manipulation bei Fussballspiele, Olympiaden mit gedopte Leistungen u.s.w. und so fort..selbst Milli Vanilli fällt mir hier ein, die nicht selber gesungen hatten sondern nur schön die Lippen bewegten :-0 !

    Tja, die schöne Gesellschaft, in erster Linie ist ihre Moral und Sittenvorstellungen völlig untauglich!

    Darauf mal eine LA OLA ! Es lebe das GELD!

    Darum geht es nur..und nur das zählt.

  2. Es ist eine erschreckende Dymanik wenn agenommen das gesamte Peloton sauber fährt und ein einziger dopt, dieser wahrscheinlich wohl gewinnen würde.

    Man darf aber nicht vergessen, dass Doping einen nicht schnell macht so wie Alkohol betrunken. Es bleibt Sport, weil - Hilfsmittelchen hin oder her - jahrelanges konsequentes Training notwendig und allein die Tour zu bestehen eine besondere athletische Leistung ist.

    Würde die Tour nur aus Einzelzeitfahrten bestehen hätte ich Zweifel, aber Strategie und Teamtaktik ist genauso wichtig und (siehe Olympia2012) es gewinnen dann oft nicht die Kraftwerke, sondern die Strategen.

    Wenn schon der Sargnagel auf den Radsport genagelt wird, gilt selbiges dann nicht für den gesamten ausdauerbetonten Sport? Langlauf, Triathlon, Laufsport alles für die Katz?
    Alles keine Athleten?

    Nichtsdestotrotz muss das Feld endlich sauber werden. Wenn alle auf Dope sind, wer will dann liegenbleiben? Schwer zu lösen, aber machbar da stimme ich zu. Die Aktion des Sky Teams finde ich vielversprechend. Da technische Dopingkontrollen offensichtlich versagen kann soziale Kontrolle diesen schönen Sport retten

  3. lässt nicht erkennen, dass sie den Willen hat, auch bei sich selbst den großen Kehraus einzuleiten und die Garde, die systematisch an der Dopingverschleierung mitgearbeitet hat, aufs Altenteil zu setzen. Und damit ist der Neubeginn schon gescheitert, bevor er überhaupt in Gang gesetzt wurde.

  4. "Spitzenleistung, erste Plätze, Goldmedaillen.. da steht ein großer Spiegel im Raum und er zeigt uns die Gesellschaft, nicht nur den Radsport."

    So ist die Gesellschaft, krank !

    Als Außenseiter keine Chance! Erste an der Supermarktkasse, erster am Verkaufstag des iPhone 5, Doktoranden Plagiate, Manipulation bei Fussballspiele, Olympiaden mit gedopte Leistungen u.s.w. und so fort..selbst Milli Vanilli fällt mir hier ein, die nicht selber gesungen hatten sondern nur schön die Lippen bewegten :-0 !

    Tja, die schöne Gesellschaft, in erster Linie ist ihre Moral und Sittenvorstellungen völlig untauglich!

    Darauf mal eine LA OLA ! Es lebe das GELD!

    Darum geht es nur..und nur das zählt.

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    Freude über die Ausnahmen ist angesagt. Die sieht man aber nicht im Fernsehen und auch selten in der Zeitung.

  5. Veranstalter, Sponsoren, Medien und Zuschauer haben viel zu lange weggesehen.

    Vielleicht erleben wir endlich die Katharsis des Radsports.

    Wikipedia: Katharsis - Die Katharsis (gr. κάθαρσις kátharsis „Reinigung“) bezeichnet nach der Definition der Tragödie in der aristotelischen Poetik die „Reinigung“ von bestimmten Affekten. Durch das Durchleben von Jammer/Rührung und Schrecken/Schauder...

  6. Freude über die Ausnahmen ist angesagt. Die sieht man aber nicht im Fernsehen und auch selten in der Zeitung.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die keine Millionen verdienen, ich verdiene sie bestimmt nicht und Sie :-) ?

    Noch einmal La Ola !

  7. die keine Millionen verdienen, ich verdiene sie bestimmt nicht und Sie :-) ?

    Noch einmal La Ola !

  8. kann die Angelegenheit überleben.

    Nur muss man sich vor Augen halten, dass potentielle Doper stets bestrebt sein werden, den Kontrolleuren ein Schritt voraus zu sein.

    Was also tun?

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    E-Bikes einführen °!° ....

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Lance Armstrong | Radsport | Doping | Präsident | Schmerzmittel | Olympiasieger
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