Lukas PodolskiEin Torjäger steht auf der Kippe

Lukas Podolski hat eine dürftige EM gespielt und sieht sich starker, junger Konkurrenz ausgesetzt. Kann er der Nationalelf noch etwas geben? Die Zeit wird knapp. von Stefan Hermanns

"Ich weiß selber, dass ich es besser machen kann", sagt Lukas Podolski über seine Leistung bei der EM (im Hintergrund: Holger Badstuber).

"Ich weiß selber, dass ich es besser machen kann", sagt Lukas Podolski über seine Leistung bei der EM (im Hintergrund: Holger Badstuber).  |  © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Das vergangene Wochenende ist für Lukas Podolski alles in allem sehr erfreulich verlaufen. Mit dem FC Arsenal hat er 3:1 in West Ham gewonnen; tags darauf war Podolski Augenzeuge, als der FC Bergheim 2000, der Klub seiner Heimatgemeinde, im Lukas-Podolski-Sportpark durch einen 4:1-Sieg gegen Düren 99 die Tabellenführung in der Bezirksliga festigte. Allein das 1:1 des 1. FC Köln gegen Dynamo Dresden dürfte Podolski am Montagabend als Stadionbesucher nicht ganz zufrieden gestellt haben.

Schön war es trotzdem, die alten Kumpels mal wieder zu sehen. Lukas Podolski befindet sich gerade auf einer Sentimental Journey in die Heimat. Dazu passt auch der Aufenthalt bei der Nationalmannschaft, die morgen in Dublin gegen Irland spielt. "Das ist immer eine besondere Atmosphäre", sagt Podolski. Nur weil er bei Bundestrainer Joachim Löw zuletzt den Status als Stammspieler eingebüßt hat, "heißt das nicht, dass die Stimmung direkt runterfällt".

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Für den Gefühlsmenschen Podolski war die Nationalelf immer ein wichtiges Korrektiv zu den oft beschwerlichen Phasen im Verein. Egal ob er bei Bayern München auf der Bank saß oder mit dem 1. FC Köln gegen den Abstieg spielte – in der Nationalmannschaft hat der Stürmer stets verlässlich seine gute Laune wiedergefunden. Im Moment sieht es ein bisschen so aus, als würde sich die Geschichte in ihr Gegenteil verkehren.

Beim Londoner Spitzenklub Arsenal hat sich Podolksi weit besser eingefunden, als ihm das viele nach seinen bescheidenen Auftritten an der Europameisterschaft zugetraut hätten. "Wir alle sind mit der Entwicklung von Lukas in England sehr zufrieden", sagt Löw. Das Feedback, das der Bundestrainer aus London bekommt, fällt bisher ebenfalls sehr gut aus. Podolskis Leistungsdaten sind es auch. In neun Pflichtspielen erzielte der Neue aus Deutschland vier Tore, zwei weitere bereitete er vor. "Ich habe mich seit dem ersten Tag sehr wohl gefühlt", sagt Podolski. "Das System, das wir spielen, liegt mir, der Trainer ist sehr gut."

In der Nationalmannschaft hingegen, bisher so etwas wie Podolskis persönlicher Wellnessbereich, steht der frühere Kölner inzwischen auf der Kippe. In den jüngsten fünf Länderspielen schaffte er es nur einmal – im verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien – in die Startelf. Und da war seine Leistung so bescheiden, dass er bereits zur Pause ausgewechselt wurde. "Ich weiß selber, dass ich es besser machen kann", sagt er.

Seine dürftigen Auftritte bei der EM, dazu die neue Konkurrenz auf den offensiven Außenpositionen mit den aufstrebenden Jungstars André Schürrle und Marco Reus haben zu der Frage geführt: Was kann Lukas Podolski der Nationalmannschaft eigentlich noch geben?

Leserkommentare
    • TDU
    • 11. Oktober 2012 14:07 Uhr

    Polnische und rheinische Weltäufigkeit, die ihre Grenzen halt beim streng kapitalistischen Bayern München fand. Aber da war er auch noch jünger.

    Sein Spielstil ist halt nicht so up to date wgen seinr Einfüssigkeit, aber wenn er durchkommt, sorgt er immer noch für Gefahr durch seine präzisen Flanken. Er wird aber auch oft nicht angespielt und verteidigt auch besser als früher.

    Schürrle wird ihn dann ersetzen wenn er konstanter spielt. Ein paar Fehlpässe zum ggener hat der sich auch schon geleistet.

    Noch ist Schürrle als Joker besser geeignet. Warum muss aber überhaupt einer das ganze Spiel mitmachen. Beide jeweils eine Halbzeit Höchstleistung und gut is.

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    "Sein Spielstil ist halt nicht so up to date wgen seinr Einfüssigkeit, aber wenn er durchkommt, sorgt er immer noch für Gefahr durch seine präzisen Flanken. Er wird aber auch oft nicht angespielt und verteidigt auch besser als früher."

    Tja, das Problem bei der N11 ist nunmal, dass er sehr selten weder zum Flanken noch zum Torabschluss kommt.
    Spielerisch ist er einfach zu limitiert, um passend eingesetzt zu werden. Und der Grund weswegen er nur noch selten angespielt wird liegt eben daran, dass er den Ball in 90% der Fälle sofort zum Absender zurückgibt.
    Die Zeiten des überfallartigen Umschaltens der N11, was ihm lag, sind eben vorbei. Die Gegner (Ausnahme die einfältigen Niederländer) wissen um die Stärke eben Bescheid.
    Nun muss man sich selbst ums Spiel kümmern und da nützen Poldis Schnelligkeit nur noch wenig, wenn man kein 1:1 kann.
    Für Bälle in die Tiefe, die er früher häufig gut in die Mitte brachte, ist kein Platz mehr.
    Bei Arsenal spielt er auch mehr Hängende Spitze und steht nicht tot auf Aussen. Das scheint ihm viel besser zu liegen, denn dort kommt er häufiger zu Torabschlüssen, bekanntlich seine größte Stärke.
    Diese Position ist aber - tragisch für ihn - in der N11 nicht vorhanden. Ob er sich auch als Sturmspitze eignet müsste man testen. Ich denke aber eher, dass er besser ein Stück dahinter aufgehoben ist.
    Er wird es auch angesichts der enormen Konkurrenz sehr schwer haben. Vor allem, wenn sich Leute wie Reus, Schürrle und Götze erstmal fest eingespielt haben.

  1. 2. .....

    "Sein Spielstil ist halt nicht so up to date wgen seinr Einfüssigkeit, aber wenn er durchkommt, sorgt er immer noch für Gefahr durch seine präzisen Flanken. Er wird aber auch oft nicht angespielt und verteidigt auch besser als früher."

    Tja, das Problem bei der N11 ist nunmal, dass er sehr selten weder zum Flanken noch zum Torabschluss kommt.
    Spielerisch ist er einfach zu limitiert, um passend eingesetzt zu werden. Und der Grund weswegen er nur noch selten angespielt wird liegt eben daran, dass er den Ball in 90% der Fälle sofort zum Absender zurückgibt.
    Die Zeiten des überfallartigen Umschaltens der N11, was ihm lag, sind eben vorbei. Die Gegner (Ausnahme die einfältigen Niederländer) wissen um die Stärke eben Bescheid.
    Nun muss man sich selbst ums Spiel kümmern und da nützen Poldis Schnelligkeit nur noch wenig, wenn man kein 1:1 kann.
    Für Bälle in die Tiefe, die er früher häufig gut in die Mitte brachte, ist kein Platz mehr.
    Bei Arsenal spielt er auch mehr Hängende Spitze und steht nicht tot auf Aussen. Das scheint ihm viel besser zu liegen, denn dort kommt er häufiger zu Torabschlüssen, bekanntlich seine größte Stärke.
    Diese Position ist aber - tragisch für ihn - in der N11 nicht vorhanden. Ob er sich auch als Sturmspitze eignet müsste man testen. Ich denke aber eher, dass er besser ein Stück dahinter aufgehoben ist.
    Er wird es auch angesichts der enormen Konkurrenz sehr schwer haben. Vor allem, wenn sich Leute wie Reus, Schürrle und Götze erstmal fest eingespielt haben.

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    • TDU
    • 12. Oktober 2012 17:21 Uhr

    Hat auch was für sich Ihre Ansicht. In der Tat, die hängende Spitze liegt ihm. Beim FC Köln hatte er keine Unterstützer und in der N11 gibst eben Dribbelstärkere auf dieser Position. Nur Poldi ist halt Poldi.

    Özil scheint der Ferrari bis jetzt nicht gut bekommen zu sein.

  2. L.P. empfindet als einer der letzten deutschen Profifußballer, scheint's, noch so was wie unverstellte Spielfreude. Das geht der übrigen Nationalmannschaft ab, wenn ich so in die freudlos eingeschlafenen Gesichter von Lahm und Neuer sehe. P. hat dem deutschen Sport mehr zu vermitteln, als es den Anschein hat. Meiner Ansicht nach kommt er als Kapitän in betracht, wenn er ca. 30 ist. Er hat seine Jugend nicht geopfert, um zu reifen - im Gegenteil ist er immer MIT ihr gereift und hat sich auch von Schauspielern nicht aufs Glatteis führen lassen. P. steht nicht für die geistlosen DFB-Phrasen von vorvorgestern, wo es um so dubiose Begriffe wie Leistungsmotivation und Eliten geht und nicht einmal Sportsgeist einen Platz zu haben scheint, darüber hinaus völlig unter den Tisch gekehrt wird, dass es sich beim Fußball um einen Mannschafts- und nicht um einen Einzelsport handelt - eine Irrtümlichkeit, die mir bei Joachim Löw fast schon bis zur Perversion auf die Spitze getrieben wurde. Warum wohl sucht man nach 'nem homosexuellen Topstar? - um dem liberalen Anstrich weitere Farbe zu verleihen und nach innen nach wie vor erzkonservative Stagnation zu betreiben. Für mich ist es an der Zeit, dass aus der WM für den DFB 'ne Riesenklatsche wird und endlich mehr Freude und unverstellter, unkünstlicher Optimismus an Stelle von Leistung und Eliten-Geschwätz kommen. Diese "Eliten" kenne ich schon, die im DFB-Pokal gegen die SGD verlieren und jedwede sportliche Bescheidenheit vermissen lassen.

    • TDU
    • 12. Oktober 2012 17:21 Uhr

    Hat auch was für sich Ihre Ansicht. In der Tat, die hängende Spitze liegt ihm. Beim FC Köln hatte er keine Unterstützer und in der N11 gibst eben Dribbelstärkere auf dieser Position. Nur Poldi ist halt Poldi.

    Özil scheint der Ferrari bis jetzt nicht gut bekommen zu sein.

    Antwort auf "....."
  3. Es hätte wohl kaum jemand erwartet, dass Lukas Podolski so gut bei Arsenal einschlägt. Wer die letzten Spiele von Arsenal gesehen hat, der wird bestätigen können, dass LP dort ganz anders und in ganz anderer Rolle spielt, als man es in Köln oder in München gesehen hat.

    Mich freut es ungemein für ihn, auch dass die Arsenal-Fans ihm schon einen eigenen Fangesang gedicht haben ("Lukas Podolski - he scores when he wants to") ist ne schöne Sache. Poldi könnte tatsächlich den letzten Schritt zum absoluten Weltklassespieler bei Arsenal noch machen, das hätten wohl nur die Wenigsten vorhergesagt. Ich drücke ihm fest die Daumen, dass er seine Leistungen im Klub über längere Zeit auf dem jetzigen Niveau stabilisieren kann, dann wird er zwangsläufig auch in der Nationalmannschaft weiter eine wichtige Rolle spielen.

    Als Charakter brauchen wir Spieler wie Lukas Podolski sowieso, denn -man mag von ihm halten was man will- er hebt sich ab aus der Masse der angepassten und beratergeschulten NullAchtFuffzehnkicker.

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