Olympia-Ausstellung : Den Namen Hitler sucht man vergebens

Sie ist schön und teuer, aber eine Berliner Olympia-Ausstellung schlägt keine Brücke zur Gegenwart und unterschlägt die Nazi-Vergangenheit der Archäologie und des Sports.

Der 68-jährige Sportphilosoph Gunter Gebauer hat sich eine kindliche Neugier bewahrt. Als wir die Räume betreten, in denen der Berliner Martin-Gropius-Bau bis Januar eine archäologische Ausstellung über das alte Olympia (776 v. Chr. – 393 n. Chr.) zeigt, sind ihm Vorfreude und Wissensdurst anzumerken; aber auch Skepsis, Gebauer war ursprünglich für die Mitgestaltung eines modernen Olympia-Teils (ab 1896) vorgesehen. Der wurde aber gestrichen , Gebauer vermutet, weil die Vorschläge zu kritisch waren.

Die Skepsis des akademischen Denkers ist also verständlich, Gebauer weiß, dass hier zwei Themen behandelt werden, die in Deutschland gerne verklärt werden: die Antike und der Sport. Von den alten Griechen zeichnen deutsche Geister seit dem 18. Jahrhundert bis heute ein romantisches Bild. Beim Sport spricht man hierzulande meist nur über Sieg und Niederlage, Helden und Versager, weniger über Betrug, Missbrauch durch Politik und Korruption.

Bei dem dreistündigen Museumsbesuch fühlt sich Gebauer bestätigt, etwa dadurch, dass politische Konflikte übergangen werden. Krieg und Olympia hingen bei den alten Griechen zusammen. Zwischen den Stadtstaaten, die sich in Olympia miteinander maßen, herrschte oft Krieg. Die Athleten der Antike waren meist Krieger, Milon von Kroton (555 – 510 v. Chr.) war ein berühmter Ringkämpfer und ein noch berühmterer Heerführer, der Kinder und Frauen zu Tausenden töten ließ. "Olympia war keineswegs ein friedlicher Ort, wie es oft heißt, dort fanden symbolische Kleinkriege statt, die Machthaber präsentierten ihre Waffen", sagt Gebauer.

 
Doch dem messen die Macher der Ausstellung nur eine oberflächliche Bedeutung zu. "Man stößt auf viele alte Helme, Rüstungen, Beinschienen und Schilde", sagt Gebauer. Erklärungen hingegen finde man keine. "Wer den Hintergrund nicht kennt – hier wird er ihn nicht erlernen." Zum Beispiel sieht man auf vielen Exponaten Waffenläufe dargestellt. "Dass das paramilitärische Übungen waren, erfährt der Besucher nicht", sagt Gebauer. Auch, dass bei den Wettkämpfen viele Athleten den Tod fanden, hätte zum Thema gemacht werden müssen.

Die SS-Karriere eines bedeutenden Archäologen wird verschwiegen

Die Glorifizierung des antiken Olympia ist nicht Gebauers einzige Kritik. Auch die nationalsozialistische Vergangenheit der Archäologie und die des modernen Olympia wird ungenügend behandelt. Es war Adolf Hitler , der wie der preußische Kaiser Wilhelm sechzig Jahre zuvor, das historische Olympia freilegen ließ. Beide sahen die Deutschen als Nachfolger der Griechen. Auf einer Zeittafel im Gropius-Bau steht jedoch nur: "1936 fanden weitere deutsche Grabungen statt." Den Namen Hitler sucht man vergebens.

Was durch die Ausstellung nicht zu erfahren ist, sei viel interessanter, sagt Gebauer. Die Spiele der Nazis waren vom Boykott der Amerikaner bedroht, doch durch das Engagement in Olympia konnte sich das Hitler-Regime als Liebhaber des Sports und Gönner der Archäologie darstellen. "Die Archäologie ist nicht so unschuldig, wie sich hier darstellt", sagt Gebauer.

Ein Beispiel ist der Archäologe Hans Schleif, der bei den Grabungen in Olympia ab 1938 eine leitende Position innehatte. Gleichzeitig machte er Karriere bei der SS, heute gilt er als "technokratischer Kriegsverbrecher". Im Gropius-Bau wird sein Name an einem Modell des historischen Olympia erwähnt, seine politische Tätigkeit nicht.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

39 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Nicht jeder kommt nur deshalb nicht zum Zuge

weil er "zu kritisch" ist. Auch wenn die Betroffenen gern so tun.
Was die Vita eine Archäologen jetzt zwingen in einer Olympia-Austellung zu tun hat frag ich mich aber schon.
Müssen wir künftig zu jeder Ausstellung, gleich zu welchem Thema zwingend die eventuellen Querverbindungen zur braunen Zeit präsentieren? Oder darf man auch mal nur "kulinarische Bedürfnisse" befriedigen?

Seh ich auch so

"An dieser Stelle wird besonders schmerzhaft deutlich, dass in der Ausstellung des Gropius-Baus fast jeder Gegenwartsbezug fehlt."

Naja, einleitend wird doch erwähnt, dass die Spiele ab ~1890 nicht berücksichtigt wurden. Wo sollten dann die Nazis in der Ausstellung Platz finden?

Ebenso wie die Vergangenheit des braunen Archäologen vielleicht eine Randerwähnung wert gewesen wäre, aber sicher keine ausführliche Erläuterung. Das Thema der Ausstellung ist "Olympia" und nicht "Hans Schleif".

Herr Gebauer scheint ziemlich kantschig, weil es "sein Fachgebiet" nicht ins Museum geschafft hat. Vielleicht etwas zu sehr aufs dritte Reich fixiert gewesen?

Aufarbeitung

Man muss nun nicht wirklich jede Ausstellung mit dem NS-Kram beflecken.
Wir haben etliche Mahnmäler und Ausstellungen die sich nur mit dem Natinalsozialismus, Holocaust oder Wehrmacht auseinandersetzen.
Welche Ausstellung wid als nächstes die Vergangenheit aufarbeiten müssen? Die Spielwaren-Messe, die Süßwaren-Messe oder gar die Gartenbau-Ausstellung?
Die Nazis haben die Olympiade ausgetragen, die Nazis haben auch Autos gefahren, soll man nun auf der IAA auf die Brune Vergangenheit des KFZ hinweisen?
Irgentwann sollte man mit diesem leidigen Thema abschließen.

Historisch korrekte Darstellung der Olympiaden

Es geht hier nicht um eine "Befleckung mit dem NS-Kram", sondern um eine korrekte historische Präsentation der Geschichte der Olympiaden. Die Nazis haben nicht nur einfach teilgenommen, sondern beispielsweise durch die Einführung des Fackellaufs die moderne Tradition der Olympiade mitgeprägt. Des weiteren war die Olympiade in Nazi-Deutschland ein einschlägiges Ereigniss in der Weltgeschichte. Die fehlende Berücksichtigung dessen bei der Ausstellung ist durchaus kritikfähig. Von den fehlenden Kriegs- und Gewaltaspekten der antiken Olympiade mal ganz zu schweigen.

Abschluss...?

"Irgendwann sollte man mit diesem leidigen Thema abschließen."

Leider denken viele so. Auch der Verfassungschutz. "Ist ja alles nicht so schlimm, da sind wir drüber hinweg. Einzelne Verwirrte." Und nun haben wir den Schlamassel.

Falls Sie keinen Bock auf Mahnmale oder Museen haben, kann ich das verstehen. Wirklich darauf gebracht, dass man das Thema IMMER wachsam betrachten muss, hat mich erst die Lektüre von Büchern wie "LTI" oder der Comic "Maus" von Art Spiegelmann. In diesen tagebuchartigen Werken kann man sehr gut die Vorzeichen einer solchen grausamen Entwicklung studieren. Und da gibt es mittlerweile wieder einige Parallelen...! Beide Werke zeigen übrigens nicht ausschließlich den Schrecken, sondern haben auch eine sehr humorvolle, lebensbejahende Komponente.

Olymp und der Faschismus

"Falls Sie keinen Bock auf Mahnmale oder Museen haben"

Darum geht es nicht, es geht darum das man wirklich, absolut alles mit dem Nationalsozialismus verbindet.
Ich würde mich als ziemlich demokratisch bezeichnen, das erlaubt mir, weiterhin an die Demokratie zu glauben, auch wenn 3-4 Irre das Gegenteil bezwecken wollen.
Der Ku-Klux-Klan hat im übrigen am Wochenende in den USA eine Schwarze Frau lebendig verbrannt, man las es im De Telegraaf, in der Daily Mail, im Le Monde, und wird es deswegen ausschweifende Debatten in Mississippi geben? Wird man schon vom Niedergang der Demokratie reden? Nein, das FBI hat den Verdächtigen gefunden und inhaftiert.
Jede Demokratie hat in ihrer Gesellschaft Kleingeister die andere Menschen als unwürdig betrachten, und da die staatlichen Stellen, Teil der Gesellschaft sind, ist es logisch das man sie auch dort findet.

Täglich werden in Deutschland 50 Menschen aus unterschiedlichsten Motiven ermordet, kein Totschlag, Mord.

Hier laufen Neonazis Amok, und befürchtet gar ein 4. Reich.
Aber damit das alles nicht passieren kann muss man wirkliche jede Ausstellung und Messe mit dem NS-Regime in Verbindung bringen.
Das einzige was die ewige Berieselung mit den NS-Vorhaltungen bewirkt, ist Ignoranz, ich selbst kann schon bald in Guido Knopps Dokus mitspielen, aber deswegen mangelt es mir weder am Demokratieverständnis, noch an der Zivilcourage mich gegen jegliche Form von Faschismus oder Nationalsozialismus entgegen zu stellen.

50 Mordopfer pro Tag???

Zitat "Täglich werden in Deutschland 50 Menschen aus unterschiedlichsten Motiven ermordet, kein Totschlag, Mord."

Wo haben Sie denn diesen Unsinn her? In Deutschland wurden im Jahre 2011 889 Menschen ermordet. Das sind weniger als 3 pro Tag. Nicht 50.
Zahlen zu Mordopfern für die Jahre 1987 bis 2011 finden Sie zum Beispiel hier: http://de.statista.com/st...

Im Übrigen denke ich, dass es einer groß angelegten Ausstellung (anders als einem beliebigen Artikel über Reiseziele) sehr wohl gut ansteht, alle Aspekte ihres Gegenstandes auszuleuchten. Man mag darüber streiten, was "alle Aspekte" im Einzelfall bedeutet. Die Beauftragung von Archäologen durch das Hitler-Regime gehört jedoch aus meiner Sicht ganz sicher dazu. Immerhin hat Archäologie viel mit Interpretation zu tun und diese Interpretationen sind eben anders einzuordnen, wenn man weiß, dass sie von einem Mitglied der SS, die ein ganz spezifisches Interesse an archäologischen Funden hatte, kommen.

"alle Aspekte" wenn man das so weit fassen will

wird man es nie erfüllen und man könnte auch selbst mitdenken. Dann würde man, ohne dass einem das lang und breit erklärt wird, selber merken, dass ein Grabungsleiter für so ein Projekt der 1938 vom deutschen Staat geschickt wurde, vermutlich dem System nahe stand. Für den Rest kann man sich bei Bedarf belesen.

Aber genau das ist der Punkt, es gibt Leute, die glauben, diese Frage immer in den Vordergrund schieben zu müssen. Allerdingsa glaube ich, das geht ohnehin am Alltag vorbei, sonst würden die Ausstellungsbesucher (und nicht nur Insioder und Medien) was vermissen.
Doch genau das tun die Menschen nicht, wenn der im Artikel monierte Hinweis fehlt.

.............

"diese Interpretationen sind eben anders einzuordnen, wenn man weiß, dass sie von einem Mitglied der SS, die ein ganz spezifisches Interesse an archäologischen Funden hatte, kommen."

Die Archäologen waren Mitglieder der SS? Das ist mir jetzt wirklich neu.
Auch das wir die Interpretationen von 1936 noch immer fortführen ist mir neu. Die hat man längst geändert.
Daher ist der Bezug zu den Nazis ein interessantes aber wenig relevantes Informationsschnipsel.

Mir kommt es eher so vor, als geht es hier im wesentlichen um die verletzte Eitelkeit von Herrn Gebauer, der vom Projekt ausgeschlossen wurde.

Was man nicht weiß, kann man nicht monieren

Zitat "Allerdingsa glaube ich, das geht ohnehin am Alltag vorbei, sonst würden die Ausstellungsbesucher (und nicht nur Insioder und Medien) was vermissen.
Doch genau das tun die Menschen nicht, wenn der im Artikel monierte Hinweis fehlt."

Beißt sich diese Argumentation nicht in den eigenen Schwanz? Die Ausstellungsbesucher monieren nichts, eben weil der Hinweis fehlt. Die schiere Information, dass die Ausgrabungen in den dreißiger Jahren stattfanden, sagt wenig: In der Zeit fanden durchaus auch politisch weniger belastete Ausgrabungen statt. Insofern fehlt eine wichtige Information, wenn ich nicht erfahre, dass der Grabungsleiter SS-Angehöriger war. Ohne diese werde ich die Interpretationen dieses Grabungsleiters kaum richtig einordnen können.
Freilich: Was man beleuchtet und was nicht, ist immer eine Sache mehr oder minder subjektiver Auswahl. Gleichwohl: In diesem Fall erscheint mir das Nicht-Informieren als Versäumnis.

Im Übrigen erscheint mir die Aussage, es gebe "Leute, die glauben, diese Frage immer in den Vordergrund schieben zu müssen" arg polemisch: Kein Mensch will das Thema "in den Vordergrund" schieben. Es geht darum, gewisse Aspekte eben nicht systematisch auszublenden.

Grabungsleiter bei der SS

Das steht im Artikel:
"Ein Beispiel ist der Archäologe Hans Schleif, der bei den Grabungen in Olympia ab 1938 eine leitende Position innehatte. Gleichzeitig machte er Karriere bei der SS, heute gilt er als "technokratischer Kriegsverbrecher"."

Es ist bei älteren Grabungen aufgrund der in der Regel eher mangelhaften Dokumentation ausgesprochen schwer, im Nachhinein festzustellen, ob und in welchem Ausmaß Befunde den eigenen Erwartungen und Wünschen (oder den Anweisungen des Geldgebers) angepasst wurden. Insofern ist der Hinweis auf - beispielsweise - eine SS-Mitgliedschaft des Grabungsleiters doch sehr nützlich.

Dauerberieselung und Ignoranz

Zitat "Aber damit das alles nicht passieren kann muss man wirkliche jede Ausstellung und Messe mit dem NS-Regime in Verbindung bringen."
Jede? Wirklich jede? Ständig, dauernd und immer? Echt?

Zitat "Das einzige was die ewige Berieselung mit den NS-Vorhaltungen bewirkt, ist Ignoranz".
Woher nehmen Sie diese Einsicht? Auf was stützen Sie diese Behauptung? Gibt es dazu eine Studie? Und wieso schreiben Sie von "Vorhaltungen"? Wer macht Ihnen denn Vorhaltungen? Und wer "berieselt" Sie? Ist es neuerdings Pflicht, NS-Dokumentationen im Fernsehen anzusehen oder entsprechende Artikel zu lesen?

...........

"Insofern ist der Hinweis auf - beispielsweise - eine SS-Mitgliedschaft des Grabungsleiters doch sehr nützlich."

Danke für den Hinweis das hatte ich überlesen.
Der Hinweis ist nicht wirklich nützlich, da er keine Aussage darüber zulässt was verändert wurde, wie es verändert wurde und was damit im Laufe der Zeit so passiert ist.
Am Ende landen wir wieder bei der Aussage die für die gesamte Archäologie gilt: Wir wissen nicht genau was wirklich passiert ist. Die Lücken zwischen den Steinen müssen wir halt mit Vermutungen und viel Fantasie ausfüllen.

Der Hinweis mag politisch korrekt sein, aber einen Mehrwert bringt er dem Besucher der Ausstellung nicht.

Mehrwert

Zitat "Der Hinweis mag politisch korrekt sein, aber einen Mehrwert bringt er dem Besucher der Ausstellung nicht."

Er bringt *Ihnen* keinen Mehrwert. Mir schon. Denn es ist wesentlicher Bestandteil der Rezeption archäologischer Befunde, diese in den Kontext Ihrer Entstehung zu stellen. Das gilt beispielsweise für Heinrich Schliemanns Grabungen in Troja - die eben auch aus der spezifischen Situation Schliemanns (seiner Person, der Zeit, die ihn prägte etc.) verstanden werden müssen - wie eben auch für die Grabungen eines SS-Funktionärs in Olympia. Auch wenn Sie das nicht interessieren mag (was Ihr gutes Recht ist): Es apodiktisch als falsch und nur politischer Korrektheit verpflichtet hinzustellen, ist doch arg verkürzt gedacht.

..........

"Gleichzeitig machte er Karriere bei der SS, heute gilt er als "technokratischer Kriegsverbrecher"."

Den Ruf hat er alelrdings durch den Kunstraub in OSteuropa an dem er aktiv und führend beteiligt war. Über seine wissenschaftlichen Arbeiten in Olympia sagt das wenig aus.
Auf die schnelle finde ich leider keine online zugängliche Rezension seiner wissenschaftlichen Arbeit, daher kann ich dazu nicht viel sagen.

.................

"Denn es ist wesentlicher Bestandteil der Rezeption archäologischer Befunde, diese in den Kontext Ihrer Entstehung zu stellen."

Wir reden heir aber nicht über die "Rezeption eines archäologischen Befundes", sondern über eine Ausstellung die einen Überblick über die antiken olympischen Spiele geben soll.
Was sagt das also aus wenn da stehen würde: "Die Ausrabungen in Olympia wurden von 1937/38 - 1942 von einem SS-Mitglied geleitet."
Welchen Mehrwert bringt es also?

Der Mehrwert - zum Zweiten

Was anderes als die "Rezeption eines archäologischen Befundes" soll denn eine Ausstellung bitteschön sonst sein? Ausstellungsmacher rezipieren Funde, ordnen sie in einen Kontext ein und präsentieren sie.

Und natürlich geht es nicht nur um einen lapidaren Hinweis auf SS-Mitgliedschaft von Ausgrabungsleitern.

Um es an einem weniger politisch belasteten Beispiel deutlich zu machen: Das Bild, das die meisten Menschen (also Nicht-Archäologen) von den Ausgrabungen in Troja und dem, was sie bedeuten, haben, ist aus heutiger Sicht in erheblichen Teilen falsch. Deswegen wird keine moderne Ausstellung über Troja darauf verzichten, auch die Rezeptionsgeschichte der Befunde darzustellen und diese in ihren historischen Kontext einzuordnen.

Bezogen auf Olympia: Viele Menschen dürften ein Bild vom historischen Olympia und dem Geschehen dort haben, das im Wesentlichen den frühen populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen entstammt. Vieles davon ist falsch. Da ist es doch hilfreich, darüber aufzuklären, an welcher Stelle diese Vorstellungen falsch oder einseitig etc. waren. Und warum das heute so gesehen wird. Und da ist es doch wohl interessant, sich (auch!) damit zu beschäftigen, warum die SS in Olympia graben ließ, welche Interessen und Motive dahinterstanden und inwieweit dies die Vorstellungen noch heute prägt.

Eine Ausstellung ist doch mehr als die möglichst effektvolle Inszenierung möglichst spektakulärer Funde,meinen Sie nicht?

Peinlich

Das krampfhafte Suchen nach irgendwelchen Querverbindungen zum 3.Reich wirkt auf mich manchmal einfach nur peinlich.
Beispielsweise den Einfluß der Olympiade 1936 auf die Entwicklung der neuzeitlichen Spiele mit der Einführung von Fackelläufern begründen zu wollen....
Außerhalb Deutschlands wird die Olympiade 1936 weit weniger wichtig gesehen, als manche inländische Bürger das gerne hätten. Olympiaden der letzten 100 Jahre waren immer auch eine Selbstdarstellung des ausrichtenden Landes und 1936 letztlich eine Marginalie im Laufe der olympischen Geschichte.
Nebenbei:
Der Einfluss der NSDAP auf die Geschichte des 1. Mai ist viel, viel größer. Ich habe noch nie bei einer Veranstaltung des 1. Mai einen Hinweis auf diese Verbindung gehört.
Mit den Maßstäben die einige Mitforisten anlegen, gehört dieser Tag sofort abgeschafft, zumindest aber verlegt und umbenannt!

Dauerberieselung

Ich versteh Sie schon, aber genau von dieser Dauerberieselung sollte man sich nicht blenden lassen, die ist nämlich qualitativ schlecht! Besonders Guido Knopp, Der Untergang und der ganze andere Müll. Das ist nicht wirklich lehrreich und wird uns als eine Art Ablaßhandel für unser Gewissen untergeschoben. Deswegen meine Literatur Tipps: Dort find man die Möglichkeit, die damaligen Geschehnisse in unsere heutige Zeit einzuordnen - ohne erhoben Zeigefinger. Der macht nämlich alles kaputt und ist leider auch in Museen und Ausstellungen zu finden. Dabei ist das Thema so wichtig! Denn wenn wir es wegschieben, dessen überdrüssig werden, haben wir schon verloren...

...deswegen ist das NSU-Debakel ein Warnschuss. Allein wie lange es gebraucht hat den Begriff "Dönermorde" zu ächten, daher lesen Sie mal das "LTI", da geht es um die Sprache der Nazis, der selbst Juden verfallen sind.

Wie viele Jahre eigentlich noch?

Ja, wir haben eine Vergangenheit.
Ja, nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens waren derart durchsetzt.
Ja, man kann, wenn man möchte, überall die "Nazi-Keule" auspacken und darauf hinweisen, dass dies oder jenes fehlt.

Aber warum? Wir haben Schulbücher, Mahnmale, Fernsehsendungen, sonstige Bücher, die ZEIT, Michel Friedman, diverse Organge und Zentralräte usw.

Ich habe Ihnen an anderer Stelle schon einmal diese Frage gestellt: Warum lese ich über den Mordanschlag auf ein Kind gerade einmal einen (inzwischen einen zweiten) Artikel, der nur berichtend aber in keinster Weise wertend ist, was bei diesem abscheulichen Verbrechen (was auch kein Einzelfall ist!) aber nahezu jedenTag etwas bei Ihnen, was mit Rechts, Sarrazin, Nazis, Hitler etc. zu tun hat. Ein wenig mehr dürften Sie schon über den Tellerrand schauen.

Unverständliche Verkürzung

Das nationalsozialistsiche Neuheidentum und dessen Körperkult vertrug sich glänzend mit Olympia, wofür aber nicht die alten Griechen verantwortlich zu machen sind.
Dass sich die neuzeitliche olympische Bewegung glänzend mit den faschistischen Systemen des 20. Jahrhunderts vertrug, dafür sind die Herren Pierre de Coubertin und Nachfolger, allesamt "Olympier", die vor Hitler buckelten, sehr wohl verantwortlich.
Die geschichtslose Glorifizierung von Olympia und dessen Feuerzauber setzt sich ja bis heute nahtlos fort und findet auf deutscher Seite in Thomas Bach (wahrscheinlich nächster IOC-Präsident) ihren penetrantesten Vertreter.
Man kann nur den Kopf schütteln, wenn eine Olympia- Ausstellung auf diesen Bezug verzichtet.