Irlands NationalelfTrapattoni hat schon wieder fertig

Viele Jahre lang ließen die Iren ihrem schrulligen Trainer Giovanni Trapattoni ihre ganze Liebe zukommen. Nach der schwachen EM wächst die Kritik. von 

Irlands Trainer Giovanni Trapattoni bei der EM 2012

Irlands Trainer Giovanni Trapattoni bei der EM 2012  |  © Filip Singer/picture alliance/dpa

Der 17. März, der St.-Patricks-Day, ist für die Iren eine große Sache. Es ist schon eine Weile her, aber im Jahr 460 oder 493, so sicher sind sich die Geschichtsschreiber nicht, starb Irlands Nationalheiliger Patrick. Deshalb wird an diesem Tag überall dort, wo Iren sind, also eigentlich auf der ganzen Welt, geschwooft, geschunkelt und noch ein wenig mehr Guiness getrunken als sonst. In Chicago wird der städtische Fluss Grün gefärbt, weil Grün der Iren Farbe ist. Und weil der St.-Patricks-Day stets in die Fastenzeit fällt, dürfen die katholischen Iren mal eine Ausnahme machen.

Seit ein paar Jahren ist unklar, ob die Iren tatsächlich nur auf den Todestag ihres Nationalheiligen anstoßen oder nicht auch auf den Geburtstag eines Mannes, der lange auf bestem Wege war, sich einen ähnlichen Status zu erarbeiten. Giovanni Trapattoni , 73 Jahre alt, einer der erfolgreichsten Fußballtrainer der Welt, kümmert sich seit 2008 um die irische Auswahl – und wurde eben am 17. März geboren, 1939 in Cusano Milano, einem Örtchen in der Nähe von Mailand, also auf den Tag genau 1479 Jahre (oder 1446?) bevor der heilige Patrick für immer sein Kruzifix beiseite legte.

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Ein erfolgreicher Trainer h inter ulkiger Fassade

Die kantigen Iren liebten Trapattoni, weil sie das Schräge und Schrullige lieben. Wenn der Italiener in seinem verqueren Englisch, von der Presse als "Trappish" bezeichnet, Sätze sagt wie "The cat is in the sack", wird daraus schnell Kult. Die T-Shirts mit dem Aufdruck des Kauderwelsch-Spruchs wurden ein Renner. Ein Klassiker ist auch das grammatikalisch mutige "We no lose." Im Sommer schockierte Trapattoni einen Interviewer mit der Aussage, dass er sich nun umdrehen und sich "die Eier kraulen" müsse . In Italien bedeutet die Redensart so viel wie "auf Holz klopfen."

Das ist der Giovanni Trapattoni, wie man ihn auch in Deutschland kannte. In den Neunzigern trainierte er drei Jahre lang den FC Bayern München, damals eine als FC Hollywood verschriene Ego-Truppe um Mario Basler , Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann . Unvergessen noch immer seine Wutrede aus dem Jahr 1998. Die berühmtesten Passagen "Schwach wie eine Flasche leer", "Ich habe fertig" oder "Was erlauben Struuunz" haben längst Eingang in die Deutsch-Wörterbücher gefunden und Trapattoni ein paar Werbeverträge beschert, beispielsweise für ein Sprudel-System ("Nix Flasche leer!").

Hinter der ulkigen Fassade steckte aber vor allem ein erfolgreicher Trainer. Wenn er nicht gerade die Grammatik der Sprachen dieser Welt verhunzt, tritt er als Gentleman auf, sein großväterlich-gütiges Lächeln erweicht selbst den bärbeißigsten irischen Pubwirt. "Maestro", wurde er gerufen. Es gibt kaum einen ehemaligen Spieler, der im Nachhinein Negatives über ihn erzählt hat.

Trapattoni gewann vom Uefa-Cup bis zum Weltpokal alle denkbaren internationalen Vereinstitel, zusätzlich nationale Meisterschaften in Deutschland, Portugal , Österreich, die in Italien gleich im halben Dutzend. Mit dem irischen Nationalteam konnte er sich erstmals seit vierundzwanzig Jahren wieder für eine Europameisterschaft qualifizieren, das Team blieb acht Spiele in Folge ohne Gegentor. Trapattonis Iren hätten sich auch für die WM 2010 qualifiziert, hätte der Franzose Thierry Henry nicht im entscheidenden Moment die Hand im Spiel gehabt.

Leserkommentare
    • deDude
    • 12. Oktober 2012 12:13 Uhr

    "Der Opus-Dei-Jünger trainiert im Nebenjob die Auswahl des Vatikan"

    Der Vatikan hat ein...nunja... "Nationalteam"?
    Ist das nicht unfair den anderen Mannschaften gegenüber, so mit "göttlichem Beistand" aufs Feld zu ziehen? :-)

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    • eltopo
    • 13. Oktober 2012 9:29 Uhr

    "Der Vatikan hat ein...nunja... "Nationalteam"?
    Ist das nicht unfair den anderen Mannschaften gegenüber, so mit "göttlichem Beistand" aufs Feld zu ziehen? :-)"

    @deDude
    Ja ist unfair! Obwohl der Altersdurschnitt(86) des Teams einiges ausgleicht, ist die Mannschaft glücklicherweise von großen Turnieren ausgeschlossen. Man weiß ja das Gott etwas stärker mit der Hand als mit dem Fuss ist und dabei auch gerne mal dem Schiedsrichter vorübergehend das Augenlicht nimmt. :-)

    • Voce
    • 12. Oktober 2012 13:25 Uhr

    Erfolg heiligt die Mittel, wobei Erfolg im irischen Fussball angesichts der Defizite halt relativ zu sehen und nicht leicht zu erreichen ist. Denke, T. weiß die Möglichkeiten seines Teams richtig einzuschätzen und zieht daher aus der Defensive heraus erspielte knappe Ergebnisse dem riskanten Hurra-Stil vor. Mit dieser Taktik ist man in der Qualifikation für die WM 2010 sehr erfolgreich gewesen und nur einer Schiedsrichterfehlentscheidung wegen gegen Frankreich unverdient ausgeschieden.

    Und dieses Mal ? Dem gewieften Trainerfuchs ist m.E. durchaus zuzutrauen, Irland für Brasilien qualifizieren zu können, denn so stark ist unsere Gruppe nun auch wieder nicht.

    Auf alle Fälle ist T. eines der rar gewordenen Trainerorginale, der selbst bei einem Misserfolg in Irland vielen Fußballanhängern , nicht zuletzt auch seiner Unbekümmertheit wegen in aller Öffentlichkeit im mehrsprachigen Kauderwelsch Stellung zu beziehen, in guter Erinnerung bleiben wird. Irgendwie verstanden hat man ihn trotzdem immer und ein erfolgreicher Trainer ist und bleibt er allemal, auch wenn es dieses Mal in Irland wieder nicht klappen sollte.

  1. 3. Oh Dio

    Welche Stellung hätte Trapp heute, wenn Henry nicht diese völlige Unsportlichkeit begangen hätte und Ireland ins Turnier eingezogen wäre? Gott hat nur einmal im Fussballsport Hand gespielt.

    Das "Don Giovanni" nicht für das moderne Kick and Rush stand, dürfte für den dortigen Fussballverband klar gewesen sein. Googeln hätte jedenfalls geholfen.
    Ich wünsche dem "Mister" jedenfalls noch viel Vergnügen auf der grünen Insel, auch nach der Niederlage gleich.

    Das Trappatoni (auch) Opernfan ist, wusste ich gar nicht. Wahrscheinlich Belcanto von Bellini, Verdi oder Puccini. Kein Mozart dann (zum Glück).

  2. Oha, das war mir nicht klar, diese Unsicherheit. Da passte damals natürlich ein ganzes Menschenleben in diesen Zeitraum, und wer weiß, ob da nicht gleich zwei aufeinanderfolgende St. Patricks dafür sorgten, dass die Insel schlangenfrei war?
    Derlei Überlegungen stellte schon der gute alte Flann O'Brien an, der zur Auffassung gelangte, dass Physiker mit Hilfe der Quantenphysik zu zeigen suchten, dass es "two gods and four St Patricks" gebe... Oder wars umgekehrt? Harry Rowohlt wird's hier im Forum klären können.
    Ach ja. Wer war nochmal Trappatoni, und wobei hilft das?

    • TiSch73
    • 13. Oktober 2012 1:24 Uhr

    "bevor der heilige Patrick für immer sein Kruzifix beiseite legte"

    Ich vermute mal dass das "nachdem" bedeuten sollte, andernfalls wäre Trappatoni älter als Methusalem.

    • eltopo
    • 13. Oktober 2012 9:29 Uhr
    6. Echt!

    "Der Vatikan hat ein...nunja... "Nationalteam"?
    Ist das nicht unfair den anderen Mannschaften gegenüber, so mit "göttlichem Beistand" aufs Feld zu ziehen? :-)"

    @deDude
    Ja ist unfair! Obwohl der Altersdurschnitt(86) des Teams einiges ausgleicht, ist die Mannschaft glücklicherweise von großen Turnieren ausgeschlossen. Man weiß ja das Gott etwas stärker mit der Hand als mit dem Fuss ist und dabei auch gerne mal dem Schiedsrichter vorübergehend das Augenlicht nimmt. :-)

    Antwort auf "Echt jetzt?"

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