Ich bin überzeugt, dass Fliegen gut für uns ist. Und heute fliege ich mit Lufthansa nach Deutschland, der Fluglinie mit den umwerfendsten Stewardessen.

"Unterstützen Sie unseren Kampf gegen das Management", sagt eine von ihnen. Die Kabinencrews befänden sich immer wieder einmal im Streik, fügt sie hinzu, zudem seien sie im Recht.

Warum streiken sie?

"Lufthansa verdient enorm viel Geld, aber sie geben es nicht an uns weiter."

Wie viel sollten sie Ihnen geben?

"Ich zeig’s Ihnen."

Sie geht weg und kommt kurz darauf mit zwei weiteren umwerfenden Stewardessen zurück. Sie geben mir ein Blatt Papier, auf dem ihre gerechte Sache aufgeschrieben steht, und wiederholen, dass ich sie unterstützen müsse. Ich frage mich, warum sie mir ein Papier vorlegen. Kennen Sie ihre Forderungen nicht auswendig?

Aber anstatt diese Frage zu stellen, kommt mir eine andere über die Lippen: Wie viel verdienen Sie?

Sie sehen mich an, als hätte ich ihnen eine höchst intime Frage in aller Öffentlichkeit gestellt.

Ich wähle einen anderen Ansatz: "Wie viel verdient eine erstklassige Stewardess?"

"Sag ich nicht!", sagt die eine, und die anderen beiden nicken.

Ich liebe Bordpersonal!

Lassen Sie mich direkt und offen sein: Mit Deutschland verbindet mich eine Art Hassliebe. Einerseits bin ich sehr deutsch. In der Sekunde, in der ich in Deutschland lande und die Menschen ansehe, begreife ich, dass sie und ich eins sind. Ich verstehe ihre Logik, auch wenn ich der einzige auf der Welt bin. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Wenn ich bloß den Mund aufmache, sagt mir der durchschnittliche Deutsche sofort, ich solle "nicht generalisieren wie die Amerikaner". Dieser Satz ist absolut paradox, aber mir scheint er absolut sinnvoll.

Sie müssen wissen: In meinem tiefsten Inneren bin ich Deutscher.

Andererseits hasse ich Deutschland – aus einem guten Grund: Das Essen ist unglaublich lecker, und ich kann nicht aufhören zu essen. In weniger als zwei Tagen nehme ich mehr zu, als ich zu zählen wage.

Ich muss diesen Wahnsinn stoppen – aber wie?

Wahrscheinlich sollte ich mich in einem Fitnessstudio anmelden, ehe ich fetter werde als das dickste Lufthansa-Flugzeug und wütende umwerfende Stewardessen auf meinem Bauch herumtanzen. Ein Schreckensszenario!

Aber wie finde ich ein Fitnessstudio? Ich muss googlen, was bedeutet, dass ich mir eine SIM-Karte für mein iPad besorgen muss. Das sollte einfach sein, vermute ich zumindest, nur um dann schnellstens herauszufinden, dass nichts einfach ist. Ich kaufe eine 30-Tage-Karte, die sofort abläuft. Ich bekomme stattdessen Textnachrichten von der Telekom , die mir ihre Liebe erklärt – aber kein Google und kein Sport.

Wahrscheinlich sollte ich bei ein, zwei Demonstrationen mitlaufen – eine beliebte Sportart bei Europäern. Gibt’s in nächster Zeit irgendeine Demonstration?

Ja – Glück gehabt! Juden und Muslime, erklärt man mir, machen gemeinsame Sache, damit Beschneidung in diesem Land legal bleibt.

Ganz ehrlich: Ich traue meinen Ohren kaum. Dass diese beiden Völker an einem Strang ziehen, ist ein Irrtum historischen Ausmaßes.

Ich renne sofort los, um zu sehen, ob diese Geschichte wahr ist. Und jetzt raten Sie mal – sie stimmt!

100 Juden, davon ein paar mit "Bist du Jude? Ja!"-T-Shirts, und zwei Muslime, eine mit Hidschab, demonstrieren gemeinsam. Perfekt. Ich demonstriere für den Frieden und verliere ein paar Pfunde. Wir laufen zusammen durch ganz Berlin , bis jedes Baby der Stadt beschnitten ist, und ich verliere meine "Buletten-Pfunde"!

Das ist natürlich eine grandiose Sache – allerdings bewegen sich diese Leute nicht. Kein Stück. Sie stehen herum und siehe da: Sie kredenzen extrem leckeren Kuchen. Ich stelle mich dazu und – wie könnte es anders sein – nehme weiter zu.

Um mal ein intimes Gefühl in die Öffentlichkeit zu bringen: Mich packt die Schwermut. Kann ich in diesem schönen Land nicht dünn und sexy sein? Gibt es keine Chance?

Wie so oft in Europa kommt mir die Geschichte zu Hilfe.