Adolf Hitler ist immer noch da. Auf gewisse Weise. Und er hat hier in Berlin immer noch Bewunderer, die viele andere am liebsten um die Ecke bringen würden. Was super ist, weil die Möchtegern-Killer eine richtige Demo planen, einen Marsch. Sport in Perfektion!

Ich bin begeistert! Ich renne der Menge hinterher.

Wir marschieren zwei Stunden lang durch die Berliner Straßen, unterwegs nach irgendwohin. Aber wen interessiert das schon? Sie jagen einen Nazi ins Nirgendwo und ich bete zu Allah, dass er sehr, sehr, sehr weit entfernt wohnt.

Zwei Stunden vergehen, ich verliere Gewicht, und dann ist es vorbei.

Wenn ich mich nur zu einer Demonstration pro Tag durchringen könnte, sähe es mit meinem Gewicht besser aus. Aber leider gibt es am nächsten Tag keine Demo – zumindest weiß ich von keiner.

Was soll ich also tun? Soll ich meine eigene Ein-Mann-Sport-Demo veranstalten?

Versuchen wir's, sage ich mir, ganz wie der Erfinder von Google.

Und für die nächste Woche oder zwei versuche ich es, aber es ist nicht einfach. Alle paar Minuten muss ich Dank der Launen der Berliner Ampelmännchen stehenbleiben und warten. Ich will bei Rot gehen, wie jeder normale Mensch in New York , aber hier funktioniert das nicht.

Wenn du in Berlin über rot gehst – außer natürlich in fortschrittlichen Stadtteilen wie Kreuzberg – werden die Autofahrer nicht langsamer, wenn sie dich sehen, wie in New York, sondern sie treten ordentlich aufs Gas, als wollten sie dich umfahren.

"Wer das Gesetz bricht", erklärt mir eine Dame, "verdient den Tod." Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Dame ist reizend, klug und friedfertig. Sie hasst Krieg, jedweden Krieg und sie verachtet Armeen, jedwede Armee. Und deshalb trägt sie Che Guevara- und Sowjetstern-T-Shirts und an kalten Tagen Tarnklamotten. Niemand auf dieser Welt kann diese Widersprüche begreifen – außer mir, dem wahrhaftigsten Deutschen, den es gibt.

Aber ich weiß, dass ich aufgrund meiner Berliner Gewichtsprobleme das Land für eine Weile verlassen muss.

Ich nehme ein Taxi zum Flughafen.

"Ich bin froh, Deutscher zu sein, sehr froh", sagt mir der Taxifahrer.

Warum?

"Weil wir das beste Bier der Welt haben."

Welches Bier trinken Sie am Liebsten?

"Carlsberg."

Carlsberg kommt aus Deutschland?

"Nein. Aus Dänemark ."

Mir ist egal, was die ganze Welt sagt, aber ich finde das völlig plausibel. Ich fliege nach Österreich , um abzunehmen, aber ich komme bald wieder zurück. Das verspreche ich!

Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas Pletzinger