SportsponsoringWurde der VfL Wolfsburg mit unsauberem Geld Meister?

Der Autobauer VW soll seine Lieferanten zwingen, den VfL Wolfsburg zu sponsern. Es geht um Bestechung und Wettbewerbsverzerrung. Und um den Ruf der Liga. von Matthias Wolf

Das VW-Logo auf der Wolfsburger Spielerbrust

Das VW-Logo auf der Wolfsburger Spielerbrust  |  © AFP/Getty Images

Die Kreditkarte des Volkswagen-Konzerns glühte wieder. Knapp 20 Millionen Euro hat Trainermanager Felix Magath im Sommer noch einmal auf dem Transfermarkt ausgegeben. Deutlich weniger zwar als in der vergangenen Spielezeit, da waren es rund 50 Millionen Euro – aber die Ansage ist klar: Der verstärkte VfL Wolfsburg will nach Europa . Bislang allerdings kommt der VfL kaum über Wolfsburg hinaus, sportlich hat sich die Mannschaft in eine erste Krise manövriert; und Magath steht schon jetzt unter Sieges- und Rechtfertigungszwang.

"Schließlich haben wir einen Etat, der uns befähigen müsste, unter die ersten fünf zu kommen", sagt Wolfgang Hotze, seit April Sprecher der VfL-Geschäftsführung. Der Mann, der den Druck auf Magath erhöht, kam von Volkswagen . Und verkörpert damit die Verquickung von VW und VfL. Dem Konzern gehört die VfL Wolfsburg Fußball GmbH zu hundert Prozent. Francisco Javier Garcia Sanz ist Einkaufs-Vorstand des Volkswagen-Konzerns und auch noch Aufsichtsratschef des VfL. Ungeachtet von fast 40 Spielern unter Vertrag findet er die Behauptung unfair, Magath "würde das Geld von VW rausschmeißen". Es sind eben noch viele andere beteiligt. Das gilt für viele Geschäfte rund um den VfL – oder sollte man sagen: rund um VW?

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Der Name von Sanz taucht schließlich mehrfach in den Akten der Staatsanwaltschaft Stuttgart auf. Die hat Anklage erhoben in einem Fall, der wohl noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt werden dürfte. Es geht um seltsames Sponsoring in Wolfsburg. Um Gelder, die der ohnehin schon großzügige VW-Konzern dem Bundesligisten unrechtmäßig verschafft haben soll. Um mögliche Korruption – zum Vorteil eines Vereins.

Wie eng dürfen Sport und Wirtschaft miteinander verknüpft werden?

Wenn man der These folgt, dass Geld Tore schießt, drängt sich eine Frage auf: Hat der VfL den Klassenerhalt 2011, aber vor allem die Meisterschaft 2009, auch mit unsauberem Geld errungen? Zur Debatte stehen "Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, in einem besonders schweren Fall", wie es die Staatsanwältin Claudia Krauth formuliert. Volkswagen soll Lieferanten des Werks gedrängt haben, beim VfL zu werben. Konkret geht es etwa um T-Systems, einer Tochter der Telekom , die die VW-Computersysteme wartet. Als die Firma ankündigte, ihr Sponsoring beim VfL Wolfsburg einstellen zu wollen (auch mangels Attraktivität des Vereins), soll VW gedroht haben, den üppig dotierten Wartungsvertrag nicht zu verlängern.

Der Deal, über vier Jahre: 16 Millionen für den VfL von T-Systems, 345 Millionen von Volkswagen für T-Systems. Der Telekom, die sich heute mit Verweis auf das schwebende Verfahren nicht mehr äußern will, kam die Sache wohl selbst dubios vor. Der Konzern hat Selbstanzeige erstattet und personelle Konsequenzen gezogen. Nun müssen sich wohl alsbald gleich fünf Manager vor Gericht verantworten: Zwei Führungskräfte aus der Abteilung von Sanz, zudem zwei frühere Manager und ein externer Berater von T-Systems. Denn derartige Koppelgeschäfte wären rechtswidrig. So steht es im Strafgesetzbuch, Paragraf 299: Wer für sich oder einen Dritten Vorteile fordert oder verspricht, die mit dem eigenen Geschäft nichts zu tun haben, handelt kriminell. Von möglicher sportlicher Wettbewerbsverzerrung ganz zu schweigen.

Die Anklage dürfte die ganze Business-Branche Bundesliga bewegen: Wie eng dürfen Sport und Wirtschaft miteinander verknüpft werden? "Es geht hier auch um das Ansehen der Bundesliga", sagt der Sportökonom Markus Kurscheidt von der Universität Bayreuth , der Begriffe wie etwa "Amigo-Seilschaften" und "Kuppelgeschäfte" verwendet: "Keiner weiß genau, inwiefern auch andere Vereine so verfahren."

Dazu passt die Aussage des Anwaltes von einem der angeklagten ehemaligen T-Systems-Manager. Sein Mandant habe in gutem Glauben gehandelt, sagt Björn Gercke. "Selbst wenn Volkswagen den Vertrag mit T-Systems auch wegen des Sponsorings des VfL Wolfsburg abgeschlossen hätte, wäre dies nicht zu beanstanden", meint Gercke. "Es gehört zu den wirtschaftlichen Freiheiten eines Unternehmens, auch aufgrund solcher Motive über Vertragsbeziehungen mit anderen Unternehmen zu entscheiden." Der Anwalt hofft, dass zur Entlastung seines Mandanten deutlich wird, was einige Dokumente in den Ermittlungsakten laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung schon erahnen lassen: dass die fraglichen Geschäfte auch in der Vorstandsetage bekannt waren. Er findet: "Natürlich will der Sponsor für seine Aufwendungen auch eine Gegenleistung haben." Eine Hand wäscht die andere. Auch im Fußball?

Leserkommentare
  1. Der ursprüngliche Gedanke, der wohl VW mal dazu bewogen hat, den VfL nach oben zu pimpen, dürfte doch ein erhoffter positiver Imagegewinn und Sympathiegewinn über den Fußball für die Marke gewesen sein. Das Ziel haben sie so weit verfehlt, dass es selbst mit Fernglas nicht mehr wahrnehmbar ist. In welch unanständiger Weise dort seit Dieter Hoeness' und danach seit Felix Magaths zweiter Amtszeit Geld verbrannt wird, höchstbezahlte Kicker mit dem Schleppnetz eingekauft werden, sich ein aufgeblähter überbezahlter Wasserkopf von einem Kader gebildet hat, löst in Fußballdeutschland doch nur noch Kopfschütteln aus. Das ist krasse Wettbewerbsverzerrung gegenüber Clubs, die mit ihrem Geld haushalten, maßvoll wirtschaften und günstige Talente finden und fördern müssen. Auf diese Art ist Wolfsburg zum wahrscheinlich unbeliebtesten Bundesligisten (neben 1899 Hoppenstedt) avanciert. Die Außenwirkung ist verheerend. Erstaunlich, dass das in der Marketing-/Kommunikationsabteilung noch nicht angekommen ist und vielleicht mal die Reißleine gezogen wird, um weiteren Imageschaden von der Marke VW abzuwenden.

    2 Leserempfehlungen
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    hat wahrscheinlich schon anderen Ziele. Wenn Eintracht Braunschweig weiter in diesem Maße punktet, dürfte schnell umgesattelt werden.

  2. hat wahrscheinlich schon anderen Ziele. Wenn Eintracht Braunschweig weiter in diesem Maße punktet, dürfte schnell umgesattelt werden.

    Antwort auf "Ziel ist eh verfehlt"
  3. Das dürfte leider nicht der Fall sein. Winterkorn hat Magath gerade wieder grünes Licht gegeben auch in der Winterpause 20 Mio. für neue Spieler durch den Kamin zu jagen. Ob die 30, 40 oder 50 Spieler unter Vertrag haben, ist denen völlig egal. Die kaufen so lange bis zufällig wieder 'ne Truppe beieinander ist, die Erfolg hat. Mit tun die Jungs in den VW-Werken am Band leid, die schuften, damit ein Einkaufsjunkie ohne Sinn und Verstand Fußballer zusammenkauft die alle weit jenseits des 2 Mio-Gehalts liegen dürften. Meiner Ansicht nach gehören sowohl der Trainer, als auch Manager in eine geschlossene Anstalt. Meinetwegen können sie sich dort auch das Zimmer teilen.

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  4. Da ist die Liga so stolz auf ihre 50+1-Regel, aber diese ganzen grenzwertigen Vereine wie Bayer, Hoffenheim und Wolfsburg umgehen das eben (mehr oder weniger) geschickt und keiner tut was dagegen.

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  5. Achja, ganz nebenbei zeigt dieser Fall, dass das financial fairplay nur ein schlechter Scherz ist. Bald zahlt dann bei den ganzen Scheichclubs irgendeine Firma eben 20 Mill. für ein Logo auf dem Medizinköfferchen und alles ist geregelt.

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    • zalbar7
    • 05. Oktober 2012 15:11 Uhr

    darum sollte es diesen in der Bundesliega auch nicht geben. Ich generell mag sowas überhaupt nicht …. wer weis denn was da bei Leverkusen so alles für Leichen im Keller liegen ….^^

    • cb81
    • 05. Oktober 2012 23:04 Uhr

    Sanz....sanz...da war doch was? Sorry, Verwechslung: Fühlte mich kurz an Lorenzo Sanz, den ehemaligen Präsidenten von Real Madrid erinnert, der ja auch nicht gerade zu den saubersten im Geschäft gehörte (u.a. Illegaler Schmuggel von Kunstwerken).
    Nein, mal ganz im Ernst: wer hat denn noch ehrlich daran geglaubt, dass unsere ach so vorbildlich wirtschaftenden bl-Clubs alle sauber und ohne Vetternwirtschaft arbeiten. Wir sollten mal die idealistische Brille abnehmen.

  6. wirbt Kuka auch in Augburg - hätte nie gedacht, das Industrieroboterwerbung an Fußballfans gerichtet wird

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