Wolfsburg gegen BremenAls Klaus Allofs kurz mit den Armen fuchtelte

Dass Klaus Allofs nach Wolfsburg ging, hat viele Bremer enttäuscht. Beim 1:1 zwischen dem VfL und Werder wird diese Brisanz sichtbar. von Olliver Fritsch

Unmittelbar nach dem Abpfiff in Wolfsburg beklagte sich Thomas Schaaf vehement über eine Entscheidung des Schiedsrichters, die Gelb-Rote Karte für Lukas Schmitz. Die Aufgeregtheit des Bremer Trainers lag sicher auch an den Begleitumständen, die zum Platzverweis für seinen Verteidiger führten. Der Gegner hatte die Karte gefordert. Das ist nicht unüblich, in diesem Fall aber doch, denn der Gegner war Klaus Allofs. Allofs schrie und fuchtelte mit den Armen, bevor er merkte, dass Kameras ihn einfingen.

Auf Allofs waren an diesem Tag alle Augen gerichtet, etwa doppelt so viele Journalisten und Fotografen wie sonst kamen nach Wolfsburg. Es war sein erstes Heimspiel für seinen neuen Arbeitgeber. Vor allem aber war es das Duell gegen den Verein, für den Allofs die vergangenen dreizehn Jahre gearbeitet hatte. Und gegen den Trainer, mit dem er die Mannschaft von Werder während dieser langen Zeit bruderhaft führte, Thomas Schaaf.

Anzeige

Vor dem Spiel versuchte Allofs, die Brisanz herunterzuspielen. Er sprach von neuen Herausforderungen, sagte, er kenne die Situation, gegen Schaaf zu spielen, aus dem Fußballtennis. Alles normal also. Doch es war kein normales Spiel, denn es war kein normaler Wechsel. Allofs ging mitten in der Saison, überraschend, nahezu ohne Warnung, seinen Vertrag hatte er erst in der Vorsaison verlängert. Zudem gerieten seine Dementi, als das Gerücht aufkam, arg spitzfindig.

Und dann war ausgerechnet der VfL Wolfsburg sein Ziel, dem – im Vergleich mit der Werder-Familie – ein künstlicher Ruf anhängt. Der seine Existenz als Profiklub dem Geld des teilstaatlichen Konzerns Volkswagen zu verdanken hat. Die Abneigung einiger Leute gegen diesen Verein dürfte sich durch das jüngste Wolfsburger Headhunting verstärkt haben. "Wann kauft ihr unser Stadion?", rief ein Bremer Fan den Zuschauern auf der Haupttribüne während des Spiels immer wieder zu. "Wann kauft ihr unser Stadion?"

Vorbild an Kontinuität und Harmonie

Auch die Sympathiewerte von Allofs, seit Jahren einem der beliebtesten Manager der Bundesliga, sind durch den Wechsel gesunken. Schaaf sprach offen über seine Enttäuschung. Der Bremer Aufsichtsratschef Willi Lemke spielte in einem TV-Interview, unüberhörbar rügend, auf dessen Vertragsbruch an. Die Konkurrenz meldete sich ungewöhnlich kritisch zu Wort, Christian Heidel aus Mainz sagte: "Da sieht man mal wieder, dass man mit Geld alles hinkriegt!" Max Eberl von Mönchengladbach brachte eine Wechselfrist für Manager ins Spiel, weil diese Know-How über einen Konkurrenten mitbringen – ein offensichtliches Argument an diesem Spieltag. Und viele Bremer Fans sind enttäuscht, das kann man in Foren und auf Twitter nachlesen.

Im Wolfsburger Stadion dagegen vernahm man kaum Reaktionen gegen Allofs. Nur einmal, kurz nach der Halbzeit, schmähten ihn Teile des Blocks laut und derb. Andere Bremer Fans wiederum reagierten darauf mit Pfiffen. Sie wissen eben auch um die Verdienste Allofs'. Er hatte Spieler wie Johan Micoud, Diego, Ailton, Miroslav Klose oder Mesut Özil an die Weser geholt. Bremen wurde Meister, Pokalsieger, Champions-League-Teilnehmer in Serie. Mit dem coolen Schaaf an seiner Seite galt der charmante Allofs in der Bundesliga als Vorbild an Kontinuität und Harmonie.

Leserkommentare
    • Hainuo
    • 25. November 2012 13:19 Uhr
    1. Schaaf

    Ich bin mir nicht sicher, wie gut Allofs "funktioniert", wenn er keinen Schaaf bei sich hat. Spieler wie Diego, Arnautovic, Özil oder Elia waren allesamt in ihren Vereinen aussortiert, da sie ständig durch mangelnde Disziplin aufgefallen sind. Unbestritten sind sie Talente gewesen, aber ohne das Wirken des Herrn Schaaf, der ein begnadeter Pädagoge zu sein scheint, hätte Werder an dem einen oder anderen keine Freude gehabt. Und manch einer der Spieler viel ja nach verlassen Bremens wieder ins alte Schema zurück.

    • Hainuo
    • 25. November 2012 13:19 Uhr
    2. [...]

    Entfernt, da Doppelposting. Die Redaktion/cv

    • mea669
    • 03. Dezember 2012 9:56 Uhr

    Sehr geehrter Herr Fritsch,
    inhaltlich finde Ihren Artikel über die Diskussion zwischen dem Verhältnis von Klaus Allofs und seinem Ex-Verein WERDER bremen in Ordnung. Allerdings hat sich bei Ihnen ein grosser Fehlerteufel (".....Beim 1:1 zwischen dem VfL und Werder wird diese Brisanz sichtbar", siehe Beginn des Artiekels) eingeschlichen.

    Am letzten Wochenende hat der VFL WOLFSBURG 1-1 im Nordderby gegen den HSV gepielt, während Werder bei Hoffenheim mit 1-4 gewann.

    Macht aber nix. Ich freue mich trotzdem weiterhin über Fussballnachrichten auf www.zeit.de.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service