FußballfansWie ein Podolski-Autogramm zum Tattoo wurde

Was machen deutsche Arsenal-Fans in London? Bier trinken, Fußball gucken und sich von Poldi ein ewiges Autogramm auf den Oberarm kritzeln lassen. von Lorenz Maroldt

Lukas Podolski freut sich über sein Tor gegen Olympiakos Piräus

Lukas Podolski freut sich über sein Tor gegen Olympiakos Piräus  |  © Mike Hewitt/Getty Images

Nein, das hat er doch nicht wirklich gemacht!, ruft Moni, die erst mal ins Cannons gegangen ist, weil der Gunners Pub schräg gegenüber gerade zu platzen droht. Es sieht fast so aus, als drückten die Bouncer die Türen von außen zu, rein kommt jedenfalls keiner mehr. Vor einer guten Stunde war Abpfiff im Emirates Stadium, jetzt stehen im Gunners die Away Boyz auf der Bühne und spielen ein paar ihrer Arsenal-Songs, hundert Arme fliegen hoch, Lager und Ale schwappen aus den Gläsern auf rote Köpfe, rote Trikots, rote Schals, und von den eingerahmten Fotos an den Wänden sehen zufrieden die Helden von damals zu, Tony Adams, David Seaman, Dennis Bergkamp, Thierry Henry… Sebastian muss gleich hier sein, dann werden wir ja sehen.

Moni und Sebastian gehören zum Fanklub Arsenal Germany, gegründet vor zehn Jahren, und gemeinsam mit fast vierzig anderen deutschen Anhängern des Traditionsvereins haben sie sich an diesem Wochenende in London getroffen, um den Jahrestag zu feiern, rund um das Premier-League-Spiel gegen die Queens Park Rangers.

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Der Tag hatte, nach Bohnen, Spiegeleiern und Speck zum Frühstück und einem Spaziergang die Upper Street hoch durchs rot-weiß-geschmückte Islington Richtung Stadion, schließlich im Rocket in der Holloway Road begonnen – während der Woche ein Veranstaltungssaal der Uni, an Spieltagen Treffpunkt von "Red Action", so eine Art Ultras von Arsenal. Das Bier wird hier nicht in Gläser gezapft, sondern in Pitcher, Eimer für jeweils knapp zwei Liter. Auf dem Screen fallen Tore im Sekundentakt, Dutzende, Hunderte, alle aus der reichen Geschichte des Vereins, dem Nick Hornby mit Fever Pitch eine Hymne schrieb.

Zwei Stunden unter einer belgischen Eisenbahnbrücke

Die meisten der German Gooners stehen an den runden Tischen und warten auf Uwe mit seiner dunkelbraunen Ledermappe. Arsenal-Tickets im Wert von locker mal 5000 Euro hat er da drin, bestellt bei Gil, einer sehr netten älteren Dame, die für Arsenal die auswärtigen Fanklubs betreut. Hinten in der Ecke baut sich das Team von Arsenal TV auf, Jens gibt ein Interview, klasse Sache, der Kameramann braucht noch ein paar Bilder, also wird ein bisschen gesungen, We’re Arsenal Germany!, alle sind zufrieden. Uwe hat die Tickets, Ralf die Liste, und los geht’s: Turnstile M, Upper Tier, Kurve Oberrang, 52 Pfund für ein Spiel gegen den Tabellenletzten. Was soll’s?

Karten für Spiele der Premier League zu bekommen, zumal bei Vereinen wie Arsenal, gehört nicht zu den einfachsten Dingen des Lebens. Die Mitgliedschaft in einem anerkannten Fanklub erleichtert die Sache. Das stand allerdings am 30. Oktober 2002 nicht im Mittelpunkt jener kleinen Versammlung im Bochumer Haus Rietkötter, die den "Arsenal Supporters Club – German Gooners" gründete. Zum Kassenprüfer wurde der englische Berliner Trevor Wilson gewählt, bekannt durch sein Fanzine Ich und mein Staubsauger sowie seine Radiosendung bei Fritz . Trevor hatte sich für den Job qualifiziert, indem er einen störenden Liverpool-Freund akkurat zum Schweigen brachte.

Lange her. Kersten war damals schon dabei, jetzt, beim Spiel gegen die Queens Park Rangers, kommentiert er ein bisschen missgelaunt die in englischen Stadien übliche Gängelung des Publikums, Hinstellen zum Beispiel wird nicht geduldet. Gleich nach dem entscheidenden 1:0 für die Gunners durch Mikel Arteta kurz vor Schluss – bei einem Tor zweimal im Abseits, auch eine Kunst – bricht Kersten auf, er muss zum Zug, am nächsten Tag will er am Millerntor sein, er hat eine Karte für den Dynamo-Block. Dass er eine Odyssee vor sich hat, wieder einmal, dass sein Zug in einem Tunnel stehen bleiben wird, dass er zwei Stunden unter einer belgischen Eisenbahnbrücke verbringt und das Spiel verpasst, das weiß er da noch nicht.

Aber zwei der Berliner Freunde wissen da ja auch noch nicht, dass sie am nächsten Abend in Stansted einem freundlichen Ryanair-Mitarbeiter einen unfassbar hohen Betrag zahlen müssen, um überhaupt nach Hause zu kommen, während zugleich ihr eigentlicher Flieger von Easyjet in Gatwick von der Startbahn abhebt, so wie es auch auf ihren Bordkarten steht. Von Easyjet kommt dann ein paar Tage danach eine Mail: "… würden wir gerne erfahren, wie sie unsere Leistung beurteilen." Tja…

Leserkommentare
    • niquita
    • 03. November 2012 9:48 Uhr
    1. Preise

    Grad in England ein teures Hobby. Und wenn man an das langweilige Emirates und das Sitzplatzverbot denkt, ist es eigentlich schade um diese scheinbar illustre Fan-Gruppe..Aber bekanntlich sucht der Verein ja dich aus, und nicht umgekehrt. Schöner, kurzweiliger Artikel.

    Eine Leserempfehlung
  1. Sehr interessantes Thema. Schöner Artikel, aber ich finde teils schwach geschrieben. Verschachtelte Sätze, die die Stimmung und Atmosphäre nicht ganz vermitteln, schade.

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