ZEIT ONLINE: Herr Bosbach , spielen Sie Fußball?

Bosbach: Früher war ich selbst aktiv, allerdings waren meinen fußballerischen Talenten enge Grenzen gesetzt. Ich habe in den Sechzigern noch Hans Schäfer beim 1. FC Köln spielen gesehen, seitdem schlägt mein Herz für die Geißböcke. Ich bin ein echtes Kind der Bundesliga.

ZEIT ONLINE:Köln ? Dann haben Sie es heute nicht leicht.

Bosbach:Nick Hornby hat wohl Recht: Nicht der Fan sucht sich seinen Verein aus, sondern der Verein den Fan. Als FC-Anhänger weiß ich seit Jahrzehnten, was ein Wechselbad der Gefühle ist und schon oft habe ich mich nach dem Schlusspfiff gefragt: Wie oft willst Du Dir das noch antun? Und beim nächsten Spiel war ich dann wieder auf der Tribüne und hab' die Vereinshymne nach Leibeskräften mitgesungen.

ZEIT ONLINE: Fußballinteressierte führen wieder eine Gewaltdebatte. Wie ist Ihre Position?

Bosbach: Ich bin sowohl gegen eine Bagatellisierung der Probleme als auch gegen eine Dramatisierung. Richtig ist, dass wir vor allem in der vorigen Saison wieder eine besorgniserregende Entwicklung hatten, allerdings nicht nur im Profi-Bereich. Ähnliche Probleme gibt es auch bei den Amateuren. Richtig ist aber auch, dass nur ein wirklich kleiner Teil sogenannter Fans gewaltbereit oder gewaltgeneigt ist. Daher sollte man den Dialog mit den Fans offen und ehrlich führen.

ZEIT ONLINE: Statistiken belegen nicht eindeutig, dass Gewalt in der Bundesliga zugenommen hat.

Bosbach: Ja, zwar sind die Zahlen von Straftaten, Festnahmen nicht von Jahr zu Jahr sprunghaft gestiegen, aber in der Saison 2011/2012 hatten wir eine sehr negative Entwicklung, die wir mit Sorge betrachten. Sicher, Gewalt im Fußball gibt es nicht erst seit wenigen Jahren, aber die Belastung für die Polizei nimmt kontinuierlich zu. Die Öffentlichkeit reagiert sehr sensibel auf Gewalt im Fußball.

ZEIT ONLINE: Die Polizeieinsätze rund um den deutschen Profifußball kosten viel Steuergeld. Sollten die Vereine dafür zahlen?

Bosbach: Die Gewährleistung der Sicherheit außerhalb der Stadien ist eine öffentliche Aufgabe. Wie auch bei anderen Großveranstaltungen, bei denen die Polizei zur Gefahrenabwehr oder Strafverfolgung tätig werden muss. Bei der Einlasskontrolle und in den Stadien selber tragen die Vereine nicht nur die Verantwortung, sondern auch die dabei entstehenden Kosten. Die oft geforderte Kostenbeteiligung der Vereine ist rechtlich nur unter ganz, ganz engen Voraussetzungen möglich. Und wir wollen doch wohl kein Sondergebührenrecht für Polizeieinsätze nur bei Fußballspielen schaffen. Hier muss gelten: Gleiches Recht für alle!

ZEIT ONLINE: Wenn in einer Kneipe immer wieder Schlägereien gemeldet werden und die Polizei eingreifen muss, würde man dem Wirt irgendwann die Konzession entziehen.

Bosbach: Noch einmal: Die Vereine tragen ohnehin die Sicherheitskosten im Stadion und beim Stadioneingang, aber die Sicherheit im öffentlichen Raum ist Sache des Staates, nicht der Vereine. Dies gilt auch für die Kostenlast. Anders wäre die Lage, wenn die Vereine ihre Sicherheitspflichten nicht mehr wahrnehmen könnten und Polizeieinsätze notwendig würden. Dann würde sich auch die Kostenfrage stellen. Außerdem sollten wir bei dieser Debatte nicht den Eindruck erwecken, als würden Fußballspiele auf Kosten der Steuerzahler ausgetragen. Die Vereine sind große Wirtschaftsunternehmen und zahlen wesentlich mehr Steuern, als sie Kosten durch Polizeieinsätze verursachen. Dessen ungeachtet ist es wichtig, dass sich die Vereine stärker an den Kosten der Fan-Arbeit beteiligen. Genau das ist auch zwischen den Beteiligten verabredet worden.

ZEIT ONLINE: Befürworten Sie höhere Sicherheitsstandards, etwa Ganzkörperkontrollen?