Bosbach: Nichts spricht gegen eine Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen, insbesondere zur Verhinderung von Straftaten, etwa durch den Einsatz modernster Videotechnik. Und im Rahmen seines Hausrechtes ist der Verein auch befugt, Taschenkontrollen vorzunehmen um das Hereinschmuggeln gefährlicher Gegenstände zu verhindern. Aber was stellen Sie sich unter einer Ganzkörperkontrolle vor? Auf welcher Rechtsgrundlage will denn ein Verein eine Durchsuchung vornehmen, wie sie beispielsweise bei Flugpassagieren mittels Torsonde oder Handsonde vorgenommen wird? Oder sollen sich die Fußballfans entkleiden?

ZEIT ONLINE: In München wurde das jüngst getestet.

Bosbach: Wichtig ist, dass wir die Störer identifizieren können und dass die Masse der friedlichen Fans Krawallmachern keine Deckung bietet. Über das Strafrecht kann man nicht verhandeln: Wenn Straftaten begangen werden, sind Staatsanwalt und Strafrichter gefragt. Wenn Stadionverbote ausgesprochen werden, sollten sie immer verhältnismäßig sein. Bei leichten Verstößen ist auch ein Stadionverbot auf Bewährung denkbar, sozusagen als Gelbe Karte.

ZEIT ONLINE: Gefällt Ihnen Pyrotechnik?

Bosbach: Silvester ja, bei Fußballspielen nein. Von der Pyrotechnik geht eine Gefahr aus, nicht nur für die Umgebung, sondern auch für Sicherheitskräfte, wenn sie einschreiten müssen.

ZEIT ONLINE: Die Ultras sind eine Subkultur, eines der letzten anarchischen Rückzugsgebiete in unserer marktorientierten Gesellschaft. Kann ein CDU-Politiker diese Ansicht teilen?

Bosbach: Mag sein, dass man das Phänomen Ultra so erklären kann, aber es gibt nicht "die" Ultras, und man darf nicht alle mit Hooligans gleichsetzen. Unter den Ultras gibt es sehr viele, die mit ganzer Leidenschaft und viel Temperament ihren Verein unterstützen wollen, jedoch keine Gewalt suchen. Aber in diesem Milieu sind leider auch gewaltbereite Fans unterwegs. Sie nutzen weder dem Verein noch dem Fußballsport, im Gegenteil.

ZEIT ONLINE: Machen Sie sich eigentlich auch Sorgen um die Nationalmannschaft?

Bosbach: Warum ist was passiert? Auch ich sehe gerne technisch brillanten Fußball und war von den ersten sechzig Minuten des Spiels Deutschland gegen Schweden begeistert. Von den letzten dreißig allerdings weniger. Wir werden dann Erfolg haben, wenn wir auf dem Fußballplatz die "deutschen Tugenden" mit dem richtigen taktischen Verständnis, Spielkultur und Laufbereitschaft kombinieren. So spielerisch leicht, wie wir bei der EM 1972 den Titel gewonnen haben, wird es wohl in den nächsten Jahren nicht mehr werden. Dennoch sollten wir nicht immer in vergangenen Erinnerungen schwelgen, das hört sich so nach "Opa erzählt vom Krieg" an. Begeisternden Fußball können wir Deutschen auch anno 2012 spielen, Borussia Dortmund hat das sowohl bei Manchester City als auch bei Real Madrid gezeigt – da muss ich selbst als alter FC-Fan der Borussia ein großes Kompliment machen.