BundesligaDrei Bayern-Verfolger patzen

Frankfurt verliert gegen Mainz, Schalke in Hamburg. Beim BVB sieht es mehr nach Arbeit als nach Lust aus, er holt nur ein Remis gegen Düsseldorf. Die Spielberichte von dpa und dapd

Frankfurt ist geschockt - die Mainzer Nikolce Noveski, Adam Szalai und Eugen Polanski gratulieren sich zu ihrem dritten Tor.

Frankfurt ist geschockt - die Mainzer Nikolce Noveski, Adam Szalai und Eugen Polanski gratulieren sich zu ihrem dritten Tor.  |  ©Fredrik von Erichsen/dpa

Eintracht Frankfurt – FSV Mainz 05 1:3 (0:2)

Der kleine Nachbar Mainz 05 hat Eintracht Frankfurt im Rhein-Main-Derby den bittersten Abend dieser bislang so erfolgreichen Saison beschert. Der Außenseiter beendete gleich zwei stolze Serien: Für die Eintracht war es die erste Heimniederlage seit dem Wiederaufstieg, für die Mainzer der erste Sieg überhaupt am Main. Nach den Toren durch Andreas Ivanschitz (18.), Startelf-Debütant Shawn Parker (42.) und Nikolce Noveski (52.) war der Frankfurter Anschlusstreffer durch das Eigentor des Mainzers Adam Szalai (55.) zu wenig.

"Das war erste Sahne. Für die Fans ist das sicherlich ein besonderer Sieg", lobte der Mainzer Präsident Harald Strutz. "Selbst die Frankfurter haben gesagt: So clever wie wir – das hat hier noch keiner geschafft."

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Der Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler und der Innenverteidiger Carlos Zambrano handelten sich auch noch die jeweils fünfte gelbe Karte ein und fehlen am Freitag in Düsseldorf . Auf Mainzer Seite kassierte Julian Baumgartlinger (88.) die Gelb-Rote Karte. "Eine verdiente Niederlage. Wir haben schlecht gespielt", schimpfte Frankfurts diesmal blasser Torjäger Alexander Meier. Der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen forderte: "Jetzt müssen wir zeigen, dass wir gefestigt sind."

Mit der Brisanz der Frankfurter Nachbarschaftsduelle mit den Offenbacher Kickers oder dem 1. FC Kaiserslautern hatte dieses Derby nur wenig zu tun. Es war eine unterhaltsame Partie ohne spielerische Glanzlichter. Für Eintrachts siebzehn Jahre jungen Marc-Oliver Kempf war die Bundesliga-Premiere trotz der Niederlage ein unvergesslicher Abend. Der Abiturient, der wegen der Schule vormittags gar nicht trainieren kann, musste in der Innenverteidigung ran und machte seine Sache gut.

Frankfurts Trainer Armin Veh hatte Vollgasfußball gefordert, aber der stotterte gewaltig. Mit gewohnt aggressiver Zweikampfführung, hoher Laufbereitschaft und diszipliniertem Defensivverhalten blieben sich die Mainzer auch nach dem kräftezehrenden 1:2 gegen Dortmund treu und setzten den Gastgebern sichtlich zu. Die Eintracht leistete sich dadurch überraschend viele Denk-, Abspiel- und Stellungsfehler.

Vor allem Parker, der bei den Mainzern erstmals in der Startelf stand und erst zum zweiten Mal überhaupt zum Einsatz kam, bewies eine bemerkenswerte Stressresistenz und viel Mut. Seine erster Schuss ging noch knapp vorbei (12.), das 1:0 durch Ivanschitz sechs Minuten später leitete der gebürtige Wiesbadener mit amerikanischem Vater dann mit einer feinen Hereingabe von rechts glänzend vor. Die Eintracht suchte dagegen verzweifelt ihren Rhythmus, Meier hing völlig in der Luft. Ein Fast-Eigentor des Mainzers Bo Svensson (20.) war die einzige Chance der Hessen vor der Pause. Dafür war Parker umso aktiver, der Nobody erhöhte in der 42. Minute frech auf 2:0. Und Parker zauberte weiter.

Nach einem Traumpass von Elkin Soto setzte das Sturmtalent den Ball aus sieben Meter nur an die Latte (47.). Die Eintracht schien völlig von der Rolle. Noveski durfte nach einer Ecke sogar völlig frei das 3:0 (52.) köpfen. Derart unsanft geweckt, erwachten bei den Frankfurtern endlich die Lebensgeister. Ausgerechnet Torjäger Szalai gab der jetzt aufopferungsvoll kämpfenden Veh-Truppe durch sein Eigentor (55.) neue Hoffnung. Nacheinander vergaben Stefan Aigner (62.) und Sebastian Rode (64.) gute Möglichkeiten zum Anschlusstreffer, aber der FSV rettete den zweiten Auswärtssieg dieser Saison über die Zeit und schaffte mit jetzt 20 Punkten den Anschluss an die Europa League-Plätze.

Eintracht Frankfurt: Trapp - Jung, Zambrano, Kempf, Oczipka - Schwegler, Rode - Aigner (71. Kouemaha), Meier, Inui (83. Kittel) - Occean (46. Celozzi)
FSV Mainz 05: Wetklo - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik - Baumgartlinger - Polanski, Soto (63. Caligiuri) - Ivanschitz (46. Nicolai Müller) - Parker (69. Risse), Szalai
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 47.800
Tore: 0:1 Ivanschitz (18.), 0:2 Parker (42.), 0:3 Noveski (52.), 1:3 Szalai (55./Eigentor)
Gelbe Karten: Schwegler, Zambrano / Polanski
Gelb-Rote Karte: Baumgartlinger/Mainz (88./wiederholtes Foulspiel)

Leserkommentare
  1. Der BVB hat sich verzockt, wollte sich schonen für das Spiel in München (O-Ton Subotic)
    Ist das jetzt schon die Arroganz, der Hochmut die man sonst gern den Bayern vorhält?
    Egal was es ist, so geht es nicht in der BL!
    Wenn die Bayern jetzt richtig Ernst machen, könnten es 14 Punkte Abstand werden und Leverkusen könnte mit 4 Punkten vorbei ziehen!
    Schau mer mal, ich freu mich jedenfalls auf Samstag!

    3 Leserempfehlungen
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    • lxththf
    • 28. November 2012 17:17 Uhr

    wenn man als Meister 1:0 gegen einen Aufsteiger zu Hause führt, die Partie dominiert und vier Tage später das Spiel der Spiele hat, dass man mental einen Gang zurückschaltet. Ich als BVB Fan kann sehr gut damit leben. Ich glaube man muss auch mal begreifen, dass da keine Roboter auf dem Platz stehen, sondern eben halt Menschen und das hat mit Arroganz nichts zu tun. Hinzu kommt noch, dass man sich vorzeitig für die KO Runde in der CL qualifiziert hat. Also ich kanns verstehen

    • match
    • 28. November 2012 8:51 Uhr

    18-20 Punkten Vorsprung in die Winterpause gehen.

    • Maori
    • 28. November 2012 9:26 Uhr

    Ist jetzt die halbe Liga Bayern-Verfolger oder was? Wenn ich mir die Mannschaften so ansehe, verfolgen die alles Mögliche, nur nicht die Bayern. Besonders Frankfurt und Schalke sind sicherlich Anwärter auf die internationalen Plätze (ebenso wie auch Leverkusen, Hannover oder Bremen). Aber beide Vereine waren nie Bayern-Verfolger und werden garantiert nicht um die Schale mitspielen. Gerade von Ihnen erwarte ich etwas mehr Sachlichkeit. Dieses Spiegel-Online-Niveau braucht kein Mensch. Danke.

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    Bayern ist auf Platz 1. Dortmund, Schalke, Frankfurt und Leverkusen folgen auf den Plätzen dahinter. Wer Ihrer Meinung nach das Zeug zum Meister hat, Mr. Besserwisser, ist da wenig interessant, de facto SIND diese vier Mannschaften die Bayern-Verfolger.

    • xl
    • 28. November 2012 10:38 Uhr

    Dafür ist das Spielsystem einfach zu laufintensiv und die Zeit für die Regeneration zwischen den Spielen zu kurz. Klopp muss m.E. aufpassen, daß er seine jungen Spieler nicht verheizt.

  2. Der BVB hat gestern den Platz 2 hinter Bayern besiegelt. Das war echt völlig unnötig. Mit einem Sieg gegen Düsseldorf und dann evtl. wieder einem Sieg gegen Bayern am Samstag hätte Dortmund die Aufholjagd vom letzten Jahr wiederholen können.

    Pures Glück war es, dass die anderen auch gepatzt haben.

  3. war vor allem die Fortuna. Eine Mannschaft wie Dortmund muss gegen einen vermeintlichen Absteiger Ausfälle wegstecken können. Besonders dann, wenn der Gegner fast keine Abwehrspieler mehr hat.

    Und wenn Klopp sagt, seine Spieler seien Mentalitätsmonster, hat er wohl nicht bedacht, was die Stärke der Fortuna ist. Die liegt sicherlich nicht im filigranen Umgang mit dem Spielgerät...

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    Es gingen nur eine von vielen Chancen rein. Warten wir es ab was die Bayern machen

  4. Da hat man sich als HSV Fan nach dem blutleeren Auftritt gegen die Düsseldorfer Schwalbenkönige darauf eingestellt, dass es bis zur Winterpause nur aufs Brett gibt und dann schlagen wir Schalke mit der besten Saisonleistung. Irgendwie ist diese Saison wie ein Schachtel Pralinen - jedesmal wenn man reigreift wird man überrascht :)

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  5. Es gingen nur eine von vielen Chancen rein. Warten wir es ab was die Bayern machen

    Antwort auf "Ersatzgeschwächt..."

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