Im Länderspiel gegen Holland stellte der Bundestrainer Mario Götze in den Sturm, obwohl der Mittelfeldspieler ist. Auch in der Abwehr, vor allem auf den Außenpositionen, sieht sich Joachim Löw häufig dazu gezwungen, zu improvisieren.

Wie kommt das? Ist das ein Spleen? Oder erhält er zu wenige Stürmer und Außenverteidiger aus der Bundesliga?

Wir haben das überprüft und die ersten elf Spieltage der aktuellen Bundesliga-Saison quantitativ ausgewertet. Die Kernfrage lautet: Wie deutsch ist die Bundesliga? Oder andersherum: Wie international ist sie?

Die 18 Bundesliga-Vereine haben insgesamt 523 Spieler unter Vertrag, davon sind 277 deutsch (53%). Die anderen 246 stammen aus 64 Nationen, der Nachbar Österreich stellt mit Brasilien die meisten (je 18). Die Spielzeit wird nahezu brüderlich geteilt, internationale Spieler erhalten etwas mehr als deutsche (52:48). Bei den Toren ergibt sich schon ein Vorsprung für die internationalen Spieler (57:43), deutsche treffen seltener:

Die Tordaten variieren von Verein zu Verein sehr stark. Der FC Augsburg hat nur deutsche Torschützen, allerdings auch nur 6-mal getroffen. Von Leverkusens 19 Toren gehen 18 auf deutsche Urheberschaft zurück. Beim HSV hingegen wurde nur 1 Tor (von 11) durch einen Deutschen verursacht ( Heiko Westermann ). Der VfL Wolfsburg hat gar keinen deutschen Torschützen.

Blickt man sich die einzelnen Positionen an, entdeckt man auffällige Abweichungen. Die meist einzige Sturmposition besetzten die Trainer bedeutend öfter mit internationalen Spielern als mit deutschen (69:31). Das kann nicht nur damit zu erklären sein, dass die beiden deutschen Nationalstürmer in der Statistik fehlen: Mario Gomez ist seit Saisonbeginn verletzt, Miroslav Klose greift in Italien an. Für die meisten Top-Vereine stürmt ein internationaler Spieler: für Bayern Mario Mandzukic oder Claudio Pizarro, für Dortmund Robert Lewandowski , für Schalke der Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar. Eine Ausnahme ist Leverkusens Stefan Kießling , aber er passt offenbar nicht in Löws Konzept.

Die Überzahl gilt auch, wenn auch nicht ganz so deutlich, für Abwehrspieler (61:39). Das überrascht ein wenig, weil man mit dem deutschen Fußball das Verteidigen verbindet. Der Tormann allerdings, das belegen die Zahlen eindrücklich, bleibt eine deutsche Spezialität (92:8). Einzige Ausnahme unter den 18 Stammkeepern ist der Schweizer Diego Benaglio ( Wolfsburg ). Dazu gesellt sich der Belgier Koen Casteels, der den damals verletzten Tim Wiese in Hoffenheim 4-mal ersetzte.

Dass Wolfsburg nicht mal einen Deutschen als Nummer 1 hat, ist bezeichnend. Denn beim VfL kommen mit großem Abstand am wenigsten deutsche Spieler zum Einsatz (11% der Spielminuten). Das ist das Erbe Felix Magaths, der gerne auf der ganzen Welt shoppen ging. Bayer Leverkusen setzt am ehesten auf heimische Spieler (74), auch der Meister Dortmund schneidet überdurchschnittlich ab (67). Das ist die beste Nachricht für Joachim Löw und alle Freunde der Nationalmannschaft: Erfolg und deutsch sind in der Bundesliga keine Gegensätze, wie das noch vor zehn Jahren mehrheitlich galt.

Alle Daten finden Sie in unserem Google Doc.

Quelle: bundesliga.de