Champions LeagueFC Bayern demontiert den OSC Lille

Nach dem holprigen Sieg im Hinspiel machen die Münchner zu Hause alles klar: Gegen Lille gewann der FC Bayern mit dem dritthöchsten Champions-League-Sieg überhaupt. von dpa

Bayern München - OSC Lille 6:1 (5:0)

Nach dem glanzlosen Arbeitssieg im Hinspiel hat der FC Bayern München OSC Lille im eigenen Stadion deklassiert. Angeführt vom dreifachen Torschützen Claudio Pizarro überrollten die Münchner einen hoffnungslos unterlegenen OSC Lille. Nach ihrem dritthöchsten Sieg in der Champions League reisen die Münchner in zwei Wochen gestärkt zum Spitzenspiel beim FC Valencia, der ebenfalls neun Punkte auf dem Konto hat.

Mann des Abends beim Torfestival in der mit 68.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Arena war der Mittelstürmer Claudio Pizarro (18./28./33. Minute) mit seinem ersten Dreierpack im wichtigsten europäischen Wettbewerb. Außerdem trafen Bastian Schweinsteiger (5.), Arjen Robben (23.) und Toni Kroos (66.) für den Vize-Meister. Salomon Kalou (57.) sorgte mit dem 1:5 für den einzigen Lichtblick für Lille neben einem Lattenschuss von Marvin Martin (80.).

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Zwei Wochen nach dem mühevollen 1:0 in Lille war der zweite Vergleich mit dem derzeitigen Tabellenachten der französischen Liga für die Bayern eine bessere Trainingseinheit. Pizarro, der für den erkälteten Mario Mandzukic als Spitze agierte, war nicht zu bremsen. Auf den Flügeln wirbelten Robben in seinem 100. Pflichtspiel für die Münchner und Franck Ribéry , der das Duell gegen seinen französischen Nationalmannschaftskollegen Mathieu Debuchy um Längen gewann und als Vorbereiter glänzte.

Die Münchner waren von Beginn an stark. Mit seiner Fußabwehr verhinderte OSC-Keeper Mickael Landreau schon in der 4. Minute das 1:0 durch Thomas Müller, der von Robben steil geschickt worden war. 60 Sekunden später verursachte Schweinsteiger mit einem Freistoßtor genau in die Ecke die erhoffte frühe Bayern-Führung. Seinen Anteil daran hatte auch Jerome Boateng, der im richtigen Moment eine Lücke in Lilles Abwehrmauer freisperrte. Auch bei der nächsten Münchner Chance ging es wieder zu schnell für die Hintermannschaft der Gäste, doch Müller verzog aus fünf Metern (7.).

Mit zwei Toren binnen fünf Minuten machte dann das Team von Trainer Jupp Heynckes gegen überforderte Franzosen frühzeitig alles klar. Nach einer Kombination auf engstem Raum mit Ribéry gelang Pizarro mit dem 500. Europacup-Tor für die Bayern das 2:0, dem Robben mit dem zweiten Freistoßtreffer des Tages das dritte Tor folgen ließ. Florent Balmont hatte den Ball unhaltbar für seinen Tormann abgefälscht.

Damit gab sich der Gastgeber aber nicht zufrieden und stürmte weiter. Während sich beim Gegner erste Auflösungserscheinungen zeigten, schlug Pizarro noch zweimal zu. Zu beiden Toren des Peruaners leistete jeweils Kapitän Philipp Lahm mit präzisen Hereingaben die Vorarbeit. Damit war ein Rekord perfekt: Nie zuvor führte ein Team in der Champions League schon so früh mit 5:0. Robben (38.) und David Alaba (43.) hätten das Resultat vor der Pause sogar noch weiter in die Höhe schrauben können.

Die Münchner wollten nach Wiederbeginn ihren Fans eine Fortsetzung des Spektakels bieten, doch fehlte ihren Aktionen nun die Entschlossenheit. Die Franzosen nutzten dagegen gleich ihre erste Chance zum 1:5, als Kalou den bis dahin nicht beschäftigten Manuel Neuer mit einem Schuss unter die Latte überraschte. Mit einem Flachschuss aus vierzehn Metern stellte der gerade eingewechselte Kroos wiederum auf Zuspiel von Lahm dann den alten Abstand wieder her.

Mit tollen Paraden (76./88.) vereitelte Landreau einen weiteren Treffer des Holländers Robben. Da war Ribéry schon nicht mehr mit von der Partie. Der Franzose wurde ausgewechselt (71.) und sah zum Unmut der Fans Gelb, weil er nach Ansicht des rumänischen Referees Ovidiu Hategan nicht schnell genug den Platz verließ.

Bayern München: Neuer - Lahm, Boateng, Dante, Alaba - Schweinsteiger (67. Timoschtschuk), Javi Martínez - Robben, Müller (61. Kroos), Ribéry (72. Shaqiri) - Pizarro

OSC Lille: Landreau - Debuchy, Basa, Chedjou, Béria - Balmont, Rozehnal (46. Mavuba), Pedretti - Kalou (72. Martin), Roux, Payet (46. de Melo)

Schiedsrichter: Hartegan (Rumänien)

Zuschauer: 68 000 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Schweinsteiger (5.), 2:0 Pizarro (18.), 3:0 Robben (23.), 4:0 Pizarro (28.), 5:0 Pizarro (33.), 5:1 Kalou (57.), 6:1 Kroos (66.)

Gelbe Karten: Ribéry, Schweinsteiger, Timoschtschuk / Balmont, Debuchy, Mavuba

Beste Spieler: Lahm, Ribéry, Pizarro / Landreau

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Leserkommentare
  1. Kann ich nicht verstehen, dass die Junx in der 2. Halbzeit praktisch erstmal den Spielbetrieb eingestellt hatten und dann nach diesem lästigen Gegentor und Manuels Wutattacke auch nicht mehr so wirlich aus der Hüfte kammen!
    Ich meine, schauen die sich die Tabellensituation nicht an?
    Mit 2 Toren mehr wäre man Tabellenführer und könnte sich in Valencia ein Unentschieden leisten.
    Aber vielleicht ist das genau der Plan?
    Jetzt können sie sich keine Nachlässigkeit leisten und sollten besser beide noch kommende Spiele gewinnen.-)

    Aber die 1. Halbzeit hat richtig Spass gemacht!!

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    • E.Wald
    • 08. November 2012 7:57 Uhr

    Denn nicht die Tordifferenz zählt, sondern der direkte Vergleich; haben drei Mannschaften gleich viele Punkte (wie vor diesem Spiel) zählen nur die Punkte und Tore gegeneinander (also für die Bayern hier nur die Punkte und Tore gegen Valencia und Borisov). Erst wenn auch diese verkürzte Tabelle keine eindeutige Reihenfolge zulässt, kommen die Spiele und Tore gegen Lille in die Wertung - das ist meines Wissens noch nie vorgekommen.

    • Joi-Fan
    • 08. November 2012 12:05 Uhr

    Ich gebe Ihnen völlig Recht, mich hat es auch gestört, dass nicht weiter auf Tore gespielt wurde. Wie schon ab einem gewissen Zeitpunkt in der BL gegen Stuttgart. Als Zuschauer will man natürlich immer Tore sehen, von Vereinsseite wird dann mit Kräftsparen oder in solchen extremen Fällen mit Ehre argumentiert, es gezieme sich nicht den Gegner zu demütigen.

    Und auch aus statistischer Sicht, freilich sähe es schöner aus schon jetzt Tabellenerster zu sein. Praktisch zählt aber was am Ende der Gruppenphase rauskommt und da ist es tatsächlich äußerst unwahrscheinlich, dass die Tore gegen Lille Gewicht bekommen.

    Mein Vorgänger hier, E.Wald, zitiert den Modus richtig, wie zuletzt von der EM-Gruppenphase bekannt. In der CL ist dieser aber (Hin- und Rückspiele) komplexer. Es zählt zunächst - klar - die bessere Punkteausbeute aus den Duellen, dann folgt die Tordifferenz und danach die Zahl der Auswärtstore. Erst dann kommt die globale Tordifferenz ins Spiel, es folgt die Gesamtzahl der erzielten Tore und am Ende der Klub-Koeffizient.

    Nur wenn Bayern wieder gegen Valencia siegt, gegen Bate verliert und Lille weiter nicht punktet stehen am Ende drei Teams mit 12 Punkten oben. Kurios: Jede Mannschaft hätte eine der anderen zweimal beiegt und wäre gegen die andere zweimal unterlegen. Es käme auf die Differenz und Auswärtstore an, erst wenn auch diese dreimal gleich wären kämen die Lille-Tore zum tragen. Spannend wärs, auf dem Weg dahin müssten wir wirkliche absurde Ergebnisse sehen ;-)

    • Joi-Fan
    • 08. November 2012 12:25 Uhr

    Zu diskutieren wäre übrigens, ob Bayern nicht ohnehin aktueller Tabellenführer ist. Nach den offiziellen Statuten sind sie im direkten Duell mit Valencia vorne und damit bei Punktgleichheit auch Tabellenführer. Die Statuten sagen aber auch, dass das Verfahren (welches ich in meinem ersten Kommentar aufgearbeitet habe) bei Punktgleichheit nach dem Ende der Gruppenphase angewendet wird.

    In der klassischen Tabelle nach Punkte-Torverhältnis würde Valencia führen, wie wir auch hier bei Zeit-Online sehen.

    Eine wohl belastbare Interpretation dazu kommt von der UEFA selbst: Bayern ist Tabellenführer!
    http://de.uefa.com/uefach...

    • E.Wald
    • 08. November 2012 7:57 Uhr

    Denn nicht die Tordifferenz zählt, sondern der direkte Vergleich; haben drei Mannschaften gleich viele Punkte (wie vor diesem Spiel) zählen nur die Punkte und Tore gegeneinander (also für die Bayern hier nur die Punkte und Tore gegen Valencia und Borisov). Erst wenn auch diese verkürzte Tabelle keine eindeutige Reihenfolge zulässt, kommen die Spiele und Tore gegen Lille in die Wertung - das ist meines Wissens noch nie vorgekommen.

  2. Bis sie wieder das Finale verstolpern... ;-)

    Es wäre eine Ironie, wenn Bayern diese Saison endlich wieder die deutsche Meisterschaft gewinnen würde, aber dafür eine andere deutsche Mannschaft die CL gewänne (jaja das ist ferne Zukunftsmusik, noch hat keine deutsche Mannschaft überhaupt den Einzug in die nächste Runde sicher)

  3. Im dritten Absatz steht "...mit dem Tabellenletzten der französischen Liga..." - da wurden wohl zwei Informationen zusammengeworfen. Lille spielt in der französischen Liga, ist dort aber auf dem 8. Platz (von 20) und Letzter in der CL-Gruppe.

    • lxththf
    • 08. November 2012 11:01 Uhr

    ich kritisier selten den Kommentator von den öffentlich rechtlichen Sendern,aber was gestern geboten wurde, war an Langeweile nicht zu überbieten. Es war ein CL Kick der moderiert wurde, als wäre es irgendein Kreisklassespiel, frei von jeder emotionalen Regung, tieferen Erklärungen etc. Meine Vermutung. Um da zu arbeiten reicht es, wenn man Oliver heißt (Welke, Kahn, Schmidt).
    Auch muss sich das ZDF die Frage gefallen lassen, ob das wirklich so toll ist, die Spielpause mit dem Heutejournal zu füllen.
    Manchmal wünsche ich mir RTL zurück als CL Sender ...

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    Aber wer ist den Oliver Schmidt?

    Ne, ganz im Ernst, das is nich wahr... der Kommentator hat so ziemlich alles rausgeholt, was ging - was dazu geführt hat, dass es sich angefühlt hat wie ein Kreisklassespiel, waren vor allem zwei Dinge: 1. Dass eine der beiden Mannschaften quasi nicht auf dem Platz war. 2. Dass ein Stadion mit einem Fassungsvermögen von, keine Ahnung, jedenfalls mehr als 50.000 Leuten nicht mehr Stimmung reingebracht hat als in einem besseren 2.- oder gar 3.Liga-Spiel. Der Kommentator hat's auch noch gesagt, dass ein paar 100 (!) Fans fehlen wegen Protest und so - und ja, Südkurve, die machen i.d.R. am meisten Stimmung, aber das?!
    Da is mehr Stimmung in nem Dortmunder Auswärtsspiel für Dortmund als in nem Bayern-Heimspiel für Bayern. Wie gesagt, es war auch nich sonderlich spannend und so, davon kann man sich schon mal anstecken lassen. Wenn die Fans, dann aber auch der Kommentator - und der war für meine Begriffe fast schon überbegeistert angesichts dessen, was da eigentlich passiert ist.

  4. Aber wer ist den Oliver Schmidt?

    Antwort auf "Kurze Anmerkung"
    • Joi-Fan
    • 08. November 2012 12:05 Uhr

    Ich gebe Ihnen völlig Recht, mich hat es auch gestört, dass nicht weiter auf Tore gespielt wurde. Wie schon ab einem gewissen Zeitpunkt in der BL gegen Stuttgart. Als Zuschauer will man natürlich immer Tore sehen, von Vereinsseite wird dann mit Kräftsparen oder in solchen extremen Fällen mit Ehre argumentiert, es gezieme sich nicht den Gegner zu demütigen.

    Und auch aus statistischer Sicht, freilich sähe es schöner aus schon jetzt Tabellenerster zu sein. Praktisch zählt aber was am Ende der Gruppenphase rauskommt und da ist es tatsächlich äußerst unwahrscheinlich, dass die Tore gegen Lille Gewicht bekommen.

    Mein Vorgänger hier, E.Wald, zitiert den Modus richtig, wie zuletzt von der EM-Gruppenphase bekannt. In der CL ist dieser aber (Hin- und Rückspiele) komplexer. Es zählt zunächst - klar - die bessere Punkteausbeute aus den Duellen, dann folgt die Tordifferenz und danach die Zahl der Auswärtstore. Erst dann kommt die globale Tordifferenz ins Spiel, es folgt die Gesamtzahl der erzielten Tore und am Ende der Klub-Koeffizient.

    Nur wenn Bayern wieder gegen Valencia siegt, gegen Bate verliert und Lille weiter nicht punktet stehen am Ende drei Teams mit 12 Punkten oben. Kurios: Jede Mannschaft hätte eine der anderen zweimal beiegt und wäre gegen die andere zweimal unterlegen. Es käme auf die Differenz und Auswärtstore an, erst wenn auch diese dreimal gleich wären kämen die Lille-Tore zum tragen. Spannend wärs, auf dem Weg dahin müssten wir wirkliche absurde Ergebnisse sehen ;-)

    • Voce
    • 08. November 2012 12:19 Uhr

    das sie insbesondere in der ersten Hälfte zielstrebig angingen und mit Glück sowie mit dem in einigen Szenen vermissten Können, das Ergebnis in der ersten Hälfte fast zweistellig hätten gestalten können.
    Aber solche Spiele gibt es immer wieder und dürfen nicht überbewertet werden, denn der Gegner war zumindest in der ersten Halbzeit eigentlich nicht auf dem Platz und lud den FCB somit quasi zum nahezu zweikampflosen Trainingsspiel ein, das dieser mit schnellen Ballpassagen und druckvollem Spiel gegen einen an diesem Tag überforderten Gegner gestalten konnte wie er wollte.

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