Champions LeagueDortmund versetzt Real Madrid in Angst und Schrecken

Bis zur 89. Minute führte Borussia Dortmund bei Real Madrid und stand kurz vor der Sensation. Dann kam Mesut Özil. Von F. Meininghaus, Madrid von Felix Meininghaus

Dortmunds Spieler Neven Subotic nähert sich Cristiano Ronaldo

Dortmunds Spieler Neven Subotic nähert sich Cristiano Ronaldo  |  © Javier Soriano /AFP /Getty Images

Real Madrid – Borussia Dortmund 2:2 (1:2)

Das Lob kam aus berufenem Munde: " Borussia Dortmund wird sich für das Achtelfinale qualifizieren, ich glaube sogar, dass dieses Team die Champions League gewinnen kann." Gesagt hat das José Mourinho, und der muss es wissen, schließlich hat er in der Königsklasse bereits mit dem FC Porto und Inter Mailand triumphiert. Mittlerweile sitzt der streitbare Portugiese bei Real Madrid auf der Bank und spricht mit Hochachtung vom Deutschen Meister, seit die "Königlichen" ihr Gruppenspiel im Ruhrgebiet verloren haben. "Nach dem 2:1 vor zwei Wochen wird der Respekt der Madrilenen vor uns wesentlich größer sein, als noch vor zwei Wochen", mutmaßte Mourinhos Kollege Jürgen Klopp .

Eine Einschätzung, die implizierte, dass Real beim Auftritt im heimischen Estadio Santiago Bernabeu die Dinge auf keinen Fall schleifen lassen würde.

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Am mangelnden Willen hat es nicht gelegen, dass der Favorit nicht gewann, er traf schlicht und ergreifend auf einen Gegner, der ein ganz starkes Spiel ablieferte. Der BVB ertrotzte in Madrid ein 2:2 (2:1) und hat damit gute Chancen, die Gruppenphase zu überstehen.

Beim BVB lief Kapitän Sebastian Kehl von Beginn an auf, seine angebrochene Nase wurde von einer Spezialmaske geschützt. Die Requisite sah furchteinflößend aus, auch der Auftritt der Borussia in der ersten Hälfte dürfte Real in Angst und Schrecken versetzt haben. Unglaublich, wie forsch und selbstbewusst der Deutsche Meister auftrat, das "weiße Ballett" kam schwer aus dem Rhythmus.

Die Gastgeber hatten in der Anfangsphase zwar mehr Ballbesitz, doch der befürchtete Sturmlauf blieb aus, weil es die Dortmunder mit großem Geschick verstanden, die Räume eng zu machen und ihren Gegner vom eigenen Tor fern zu halten. Zudem inszenierten die Deutschen immer wieder gefährliche Gegenangriffe, die Schmelzer, Lewandowski und Großkreutz vergaben. Auf der anderen Seite sank Cristiano Ronaldo nach einem Laufduell zu Boden und reklamierte ebenso theatralisch wie vergeblich.

Da hatte der BVB mehr zu bieten. Zum Beispiel die Führung durch Marco Reus in der 28. Minute, dessen trockener Schuss in der Torwartecke einschlug. Die Freude bei den Spielern und rund 5000 mitgereisten Fans währte nur sechs Minuten, dann schlug Real zurück: Die Borussia schaffte es nach einem Eckball nicht, den Ball zu klären, die Flanke von Özil verwertete Manndecker Pepe per Kopf. Es war die erste Dortmunder Unachtsamkeit, sie wurde umgehend bestraft. Der BVB ließ sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen und ging noch vor dem Seitenwechsel erneut in Führung. Großkreutz setzte Mario Götze wunderbar in Szene, der sich im Strafraum mit viel Willen und noch mehr Geschick durchsetzte und vollstreckte.

Borussia Dortmund lag zur Pause sensationell in Front, es war klar, dass der neunfache Titelträger das nicht auf sich sitzen lassen wollte. Mourinho wechselte gleich zwei Mal, nach dem Seitenwechsel berannte Real wütend das Tor von Roman Weidenfeller , der Druck war nun enorm, auch weil den Kontern nun die Präzision fehlte, um nachhaltig für Entlastung zu sorgen. Dortmunds Führung wackelte, Weidenfeller musste gegen den brandgefährlichen José Callejón Kopf und Kragen riskieren, um den Ausgleich zu verhindern. Und als Ronaldo mit vollem Tempo auf das Tor zustürmte, holte ihn Mats Hummels unsanft von den Beinen und sah dafür gelb.

Wie lange würde die Dortmunder Abwehr diesem Sturmlauf standhalten können? 20 Minuten vor Spielschluss waren die Madrilenen mit ihrer Geduld am Ende, nachdem Di Maria den Ball aus 20 Metern hoch über das Dortmunder geschossen hatte, reagierten die Zuschauer mit wütenden Pfiffen. Klopp wollte den so wertvollen Vorsprung sichern und brachte eine Viertelstunde vor Schluss Bender für Reus. Die Sicherheitsvariante funktionierte, der BVB wehrte sich mit großer Leidenschaft und wusste mit Weidenfeller einen hervorragenden Fachmann zwischen den Pfosten, der in der 80. Minute gegen Ronaldo überragend hielt. Und als der Keeper geschlagen war, rettete Großkreutz auf der Linie. Fast hätte es der BVB geschafft, doch kurz vor Schluss schaffte Özil den überfälligen Ausgleich. Dabei sah der Torwart Weidenfeller nicht gut aus. Der große Triumph blieb aus, doch auch so hat der BVB in Madrid großen Eindruck hinterlassen.

Real Madrid: Casillas - Sergio Ramos, Varane, Pepe, Arbeloa (77. Kaká) - Modric (46. Essien), Xabi Alonso - Di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo - Higuaín (46. Callejón)

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan (80. Perisic), Kehl - Reus (74. Bender), Götze (90.+1 Leitner), Großkreutz - Lewandowski

Schiedsrichter: Cakir ( Türkei )

Zuschauer: 74.932

Tore: 0:1 Reus (28.), 1:1 Pepe (34.), 1:2 Arbeloa (45./Eigentor), 2:2 Özil (89.)

Gelbe Karten: - / Großkreutz, Hummels

Beste Spieler: Pepe, Xabi Alonso / Kehl, Hummels

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Leserkommentare
  1. dem guten Artikel nach war es sehr spannend mit ordentlich Zitterei in der zweiten Hälfte.

    Mehr als ein glückliches Unentschieden hatte ich auch nicht erwartet. Immerhin trifft Dortmund zweimal. Sehr gut, sieht das aus für die Finalrunde.

    2 Leserempfehlungen
  2. In der ersten Hälfte waren Dortmunder auf jeden Fall besser, verspielter, gefährlicher. Dann aber fiel auf, wie präzise die "Königlichen" sind, wie oft Dortmunder den Ballverlust erleiden mussten, weil sie eben technisch nicht so gewandt sind, wie die Gegner... Aber Dortmunder haben mit Herz gespielt und verdient 2:2 "gewonnen" ;).

    Auf der anderen Seite sank Cristiano Ronaldo nach einem Laufduell zu Boden und reklamierte ebenso theatralisch wie vergeblich.

    Die Szene habe ich gesehen. Auch wenn er noch so hübsch ist und ein sehr gute Fußballer noch hinzu, machen ihn solche unfaire Aktionen zunehmend unsympathischer.

    2 Leserempfehlungen
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    "Auf der anderen Seite sank Cristiano Ronaldo nach einem Laufduell zu Boden und reklamierte ebenso theatralisch wie vergeblich."

    Das hätte als Zitat erscheinen sollte, leider misslungen.

  3. 3. Zitat

    "Auf der anderen Seite sank Cristiano Ronaldo nach einem Laufduell zu Boden und reklamierte ebenso theatralisch wie vergeblich."

    Das hätte als Zitat erscheinen sollte, leider misslungen.

    Antwort auf "Tolles Spiel! "
    • gooder
    • 07. November 2012 0:28 Uhr

    Borussia Dortmund wäre noch wettbewerbsfähiger, wenn auch deutsche Steuergelder in den Verein investiert werden würden, so wie in Spanien,denn wirtschaftlich steckt der spanische Fußball in einer schweren Krise. Mit vier Milliarden Euro stehen die Profiklubs in der Kreide.In Spanien subventioniert der Steuerzahler den Erfolg von Ronaldo,Messi und Co.
    Steuermilliarden für Borussia,Schalke und Bayern,dann klappt´s auch mit dem Titel!

    3 Leserempfehlungen
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    • lxththf
    • 07. November 2012 11:33 Uhr

    bevor man Halbwahrheiten verbreitet. Ja, es gibt viele Klubs in Spanien, die ihre Steuern und vor allem Schulden nicht pünktlich zahlen, aber Real und Barcelona zählen hier nicht dazu (http://www.primera-divisi...)
    Ronaldo, Messi und co spielen also bei einem verschuldeten Verein, der pünktlich zahlt und wer macht das auch? Ja richtig: Schalke und Dortmund ;)

    Und zum Thema: Es ist sehr bitter, dass Dortmund 2 mal schon in der 89. die Führung versemmelt, aber vielleicht hat es ja auch einen Vorteil. Man stelle sich die Erwartungshaltung der Presse vor, wenn Dortmund einfach durchmarschiert wäre. Es ist genial, wie gefestigt diese Truppe wirkt und immernoch diesen erfrischenden Fußball spielt. Ich hoffe, sie lassen es sich nicht nehmen und verwandeln gegen City den Matchball im eigenen Stadion :D

    Ja einige spanische Vereine haben mächtig Steuerschulden auf dem Kerbholz. Dazu gehören aber weder die von Ihnen kritisierten Real Madrid und FC Barcelona, die zwar verschuldet (wie viele dt. Vereine auch) sind, aber ihre Steuern rechtzeitig bezahlen.
    Problematisch sind Clubs wie vor allem Atletico Madrid, die mal eben 40 Mio für Falcao ausgeben, sich das aber nicht ansatzweise leisten können.
    Etwas Differenzierung würde vielen deutschen Fussballfreunden gut tun, die seit langem mit dem Credo leben "die sind nur so stark, weil die Schulden machen dürfen, sonst wären wir längst so gut wie die".
    Man will einfach nicht einsehen, dass die beiden großen spanischen Klubs von Natur aus finanzstärker sind als alle deutschen Vereine abgesehen von Bayern München.
    Was man vllt kritisieren könnte sind die Vorteile der spanischen Profis bzgl der Steuern auf ihre Gehälter, was meines Wissens aber mittlerweile egalisiert wurde (bin mir hier aber nicht sicher).

    • E.Wald
    • 07. November 2012 0:30 Uhr

    das war ein echt starker Auftritt, auch wenn in der zweiten Hälfte eine ordentliche Portion Glück dabei war.
    Ich kann eine Nörgelei nicht lassen: warum wird im Artikel unterschlagen, dass Real ein reguläres Tor von Callejón aberkannt wurde? Die Leistung Dortmunds schmälert das doch eigentlich nicht?

    3 Leserempfehlungen
    • Peterra
    • 07. November 2012 0:34 Uhr

    Der BVB ist international gereift - keine Frage und dazu herzlichen Glückwunsch!

    Schliesslich hat der amtierende Dt. Fußballmeister die Stellung einer auch international bedeutenden Mannschaft eingenommen, was ich sehr begrüsse.

    Das nunmehr wahrscheinliche Überwintern in der CL wird dem Meisterschaftskampf in der BuLi zusätzliche Würze geben, da bin ich mir sicher.

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    "Das nunmehr wahrscheinliche Überwintern in der CL wird dem Meisterschaftskampf in der BuLi zusätzliche Würze geben, da bin ich mir sicher."

    Nach fast einem Drittel der Spielzeit und 11 Punkten Rückstand ist für Dortmund der Zug doch schon abgefahren. Vielleicht kann Schalke nochmal angreifen, aber da hab ich meine Zweifel nach dem letzten Spiel.

    Bayern wird wohl nach diesem exzellenten Start nächster Meister werden. Wäre verdient!

  4. "Das nunmehr wahrscheinliche Überwintern in der CL wird dem Meisterschaftskampf in der BuLi zusätzliche Würze geben, da bin ich mir sicher."

    Nach fast einem Drittel der Spielzeit und 11 Punkten Rückstand ist für Dortmund der Zug doch schon abgefahren. Vielleicht kann Schalke nochmal angreifen, aber da hab ich meine Zweifel nach dem letzten Spiel.

    Bayern wird wohl nach diesem exzellenten Start nächster Meister werden. Wäre verdient!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Reifungsprozess"
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    ...Pils trinken. Die Bayern können sicher momentan nur über sich selbst stolpern. Das Potenzial dazu ist allerdings da, nicht zuletzt aufgrund der Personalie Sammer.

    Auf jeden Fall war das Dortmunder Spiel gestern klasse. Ich habe mich besonders für Subotic und Hummels gefreut, die bärenstark geklärt und gerackert haben.

    seinen Mitspielern wieder im Weg steht, wird der Punktevorsprung schnell abschmelzen....

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Cristiano Ronaldo | Mesut Özil | Roman Weidenfeller | Jürgen Klopp | Bundesliga | Fußball
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