Dortmunds Spieler Neven Subotic nähert sich Cristiano Ronaldo © Javier Soriano /AFP /Getty Images

Real Madrid – Borussia Dortmund 2:2 (1:2)

Das Lob kam aus berufenem Munde: " Borussia Dortmund wird sich für das Achtelfinale qualifizieren, ich glaube sogar, dass dieses Team die Champions League gewinnen kann." Gesagt hat das José Mourinho, und der muss es wissen, schließlich hat er in der Königsklasse bereits mit dem FC Porto und Inter Mailand triumphiert. Mittlerweile sitzt der streitbare Portugiese bei Real Madrid auf der Bank und spricht mit Hochachtung vom Deutschen Meister, seit die "Königlichen" ihr Gruppenspiel im Ruhrgebiet verloren haben. "Nach dem 2:1 vor zwei Wochen wird der Respekt der Madrilenen vor uns wesentlich größer sein, als noch vor zwei Wochen", mutmaßte Mourinhos Kollege Jürgen Klopp .

Eine Einschätzung, die implizierte, dass Real beim Auftritt im heimischen Estadio Santiago Bernabeu die Dinge auf keinen Fall schleifen lassen würde.

Am mangelnden Willen hat es nicht gelegen, dass der Favorit nicht gewann, er traf schlicht und ergreifend auf einen Gegner, der ein ganz starkes Spiel ablieferte. Der BVB ertrotzte in Madrid ein 2:2 (2:1) und hat damit gute Chancen, die Gruppenphase zu überstehen.

Beim BVB lief Kapitän Sebastian Kehl von Beginn an auf, seine angebrochene Nase wurde von einer Spezialmaske geschützt. Die Requisite sah furchteinflößend aus, auch der Auftritt der Borussia in der ersten Hälfte dürfte Real in Angst und Schrecken versetzt haben. Unglaublich, wie forsch und selbstbewusst der Deutsche Meister auftrat, das "weiße Ballett" kam schwer aus dem Rhythmus.

Die Gastgeber hatten in der Anfangsphase zwar mehr Ballbesitz, doch der befürchtete Sturmlauf blieb aus, weil es die Dortmunder mit großem Geschick verstanden, die Räume eng zu machen und ihren Gegner vom eigenen Tor fern zu halten. Zudem inszenierten die Deutschen immer wieder gefährliche Gegenangriffe, die Schmelzer, Lewandowski und Großkreutz vergaben. Auf der anderen Seite sank Cristiano Ronaldo nach einem Laufduell zu Boden und reklamierte ebenso theatralisch wie vergeblich.

Da hatte der BVB mehr zu bieten. Zum Beispiel die Führung durch Marco Reus in der 28. Minute, dessen trockener Schuss in der Torwartecke einschlug. Die Freude bei den Spielern und rund 5000 mitgereisten Fans währte nur sechs Minuten, dann schlug Real zurück: Die Borussia schaffte es nach einem Eckball nicht, den Ball zu klären, die Flanke von Özil verwertete Manndecker Pepe per Kopf. Es war die erste Dortmunder Unachtsamkeit, sie wurde umgehend bestraft. Der BVB ließ sich von diesem Rückschlag nicht entmutigen und ging noch vor dem Seitenwechsel erneut in Führung. Großkreutz setzte Mario Götze wunderbar in Szene, der sich im Strafraum mit viel Willen und noch mehr Geschick durchsetzte und vollstreckte.

Borussia Dortmund lag zur Pause sensationell in Front, es war klar, dass der neunfache Titelträger das nicht auf sich sitzen lassen wollte. Mourinho wechselte gleich zwei Mal, nach dem Seitenwechsel berannte Real wütend das Tor von Roman Weidenfeller , der Druck war nun enorm, auch weil den Kontern nun die Präzision fehlte, um nachhaltig für Entlastung zu sorgen. Dortmunds Führung wackelte, Weidenfeller musste gegen den brandgefährlichen José Callejón Kopf und Kragen riskieren, um den Ausgleich zu verhindern. Und als Ronaldo mit vollem Tempo auf das Tor zustürmte, holte ihn Mats Hummels unsanft von den Beinen und sah dafür gelb.

Wie lange würde die Dortmunder Abwehr diesem Sturmlauf standhalten können? 20 Minuten vor Spielschluss waren die Madrilenen mit ihrer Geduld am Ende, nachdem Di Maria den Ball aus 20 Metern hoch über das Dortmunder geschossen hatte, reagierten die Zuschauer mit wütenden Pfiffen. Klopp wollte den so wertvollen Vorsprung sichern und brachte eine Viertelstunde vor Schluss Bender für Reus. Die Sicherheitsvariante funktionierte, der BVB wehrte sich mit großer Leidenschaft und wusste mit Weidenfeller einen hervorragenden Fachmann zwischen den Pfosten, der in der 80. Minute gegen Ronaldo überragend hielt. Und als der Keeper geschlagen war, rettete Großkreutz auf der Linie. Fast hätte es der BVB geschafft, doch kurz vor Schluss schaffte Özil den überfälligen Ausgleich. Dabei sah der Torwart Weidenfeller nicht gut aus. Der große Triumph blieb aus, doch auch so hat der BVB in Madrid großen Eindruck hinterlassen.

Real Madrid: Casillas - Sergio Ramos, Varane, Pepe, Arbeloa (77. Kaká) - Modric (46. Essien), Xabi Alonso - Di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo - Higuaín (46. Callejón)

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan (80. Perisic), Kehl - Reus (74. Bender), Götze (90.+1 Leitner), Großkreutz - Lewandowski

Schiedsrichter: Cakir ( Türkei )

Zuschauer: 74.932

Tore: 0:1 Reus (28.), 1:1 Pepe (34.), 1:2 Arbeloa (45./Eigentor), 2:2 Özil (89.)

Gelbe Karten: - / Großkreutz, Hummels

Beste Spieler: Pepe, Xabi Alonso / Kehl, Hummels