Champions League : Dortmund kennt eine Abkürzung zum Tor

Der BVB ist gereift und hat seinen eigenen Stil radikalisiert: Wenig Ballbesitz, schnelle Pässe. Deswegen ist er ein Mitfavorit.
Die drei Dortmunder Torschützen von Amsterdam: Mario Götze, Marco Reus und Robert Lewandowski (von rechts nach links) © Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images

Es ist eine der spannendsten Fragen dieser Saison: Wie schlägt sich Borussia Dortmund international? In der Bundesliga dominierte der Deutsche Meister die vergangenen beiden Spielzeiten, doch in Europa schied er jeweils in der Vorrunde aus – und erntete ein paar Sticheleien aus München und die Häme einiger Fans.

Nach den starken Leistungen in der Bundesliga war es nur eine Frage der Zeit, bis das Team von Jürgen Klopp auch in der Champions League siegt. Dass es die schwierige Gruppe mit den Meistern aus Spanien , England und Holland aber schon am vorletzten Spieltag als Gruppensieger abschließt , übertrifft selbst die Hoffnungen der Optimisten.

Dortmund hat nicht nur die nötigen Punkte geholt, sondern auch stilistisch geglänzt. Zwei Beispiele: Der Führungstreffer in Manchester , bei dem Marco Reus wie ein Pfeil in den Strafraum schoss, belegt, wie automatisiert der BVB das rasante Umschalten beherrscht. Der Konter zum 1:0 in Amsterdam , vorgetragen über mehrere Stationen und vollendet durch Reus, sah so leicht aus und war doch große Fußballkunst.

Grundlage des BVB bleibt aber seine Defensive: Die Mannschaft verteidigt als straff organisierte Einheit, läuft mehr als die Konkurrenz ( in Amsterdam über 127 Kilometer , ein Spitzenwert), kann mittlerweile auch großen europäischen Gegnern durch ihr Pressing zusetzen. Zum Beispiel verbaute Mario Götze dem Welt- und Europameister Xabi Alonso die Passwege.

Die Taktik passt Klopp radikal der Champions League an, die Statistik rückt Dortmund in die Nähe der Außenseiter Cluj und Glasgow , das macht sonst keiner der Gruppensieger. Die Elf besitzt deutlich weniger den Ball als in der Bundesliga (39 Prozent im Schnitt gegenüber 55 Prozent) und legt noch mehr Wert auf steileres, härteres, riskanteres Passen. Darunter leidet zwar die Genauigkeit, denn nur 63 Prozent der Pässe kommen an (zum Vergleich: Amsterdam 75, Bayern 78, Barcelona 87). Aber nicht die Torgefahr, denn die Borussen spielen schneller, der Weg zum gegnerischen Tor ist für sie kürzer als für andere. Als kennten sie eine Abkürzung.

Nun nennen Alex Ferguson und José Mourinho Dortmund als Mitfavoriten auf den Titel. Doch sollte das Expertenlob den Blick der Dortmunder Verantwortlichen nicht verklären. Noch ist nicht viel erreicht, und in der K.o.-Runde kann eine schlechte Halbzeit zum Ausscheiden gereichen. Denn was in der Vorrunde auch zu sehen war: Der Mannschaft fehlt ab und an die Stabilität, sie kann stark unter Druck geraten. Im Hinspiel gegen Ajax und in Manchester verhinderte der Tormann Roman Weidenfeller mehrfach den Rückstand. In der zweiten Halbzeit in Madrid griff nur noch der Gegner an.

Das sind natürlich Feinheiten, Zeit zur Reifung muss man diesem Team ohnehin geben. Beim 4:1 in Amsterdam standen sieben junge Deutsche in der Startelf. In Dortmund wächst etwas heran, auf das sich deutsche Fußballfans noch lange freuen können. Vorausgesetzt, man kann den Trainer und die Spieler halten.

Nicht erst seit gestern stehen Mario Götze und andere auf den Wunschzetteln reicher englischer Klubs. Jedem ist klar, dass man dort mehr Geld verdienen kann als in Dortmund. Nicht mehr klar ist, dass man dort auch mehr Erfolg hat.

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Kommentare

51 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Sehr gute Analyse.

Die Defensivarbeit wird gerne mal übersehen, wenn es um die Erfolgsformel des BVB geht. Dabei ist sie seit Klopps Antritt in Dortmund vor viereinhalb Jahren die Basis aller System- und Taktik-Überlegungen. Läuft es trotzdem mal nicht richtig rund, wie an den ersten Bundesliga-Spieltagen dieser Saison, so liegt es meist daran, dass man diese Basis zwischenzeitlich wieder ein wenig vernachlässigt hat. Klopp justiert dann neu, und auch die Spieler korrigieren sich bereitwillig selbst, da sie wissen, dass Klopp und Buvac keine Folklore-Schwätzer sind.

Dass man in der CL inzwischen nach Balleroberung extrem vertikal spielt - noch extremer als in den letzten beiden Jahren - ist tatsächlich sehr auffällig. Vielleicht ist dieses auch eine "automatische" Anpassung an eine leicht veränderte Aufstellung in der Offensive (Reus für Kagawa), da ein Spielertyp wie Reus noch stärker als der Japaner, dessen Stärken in anderen Bereichen lagen, den direkten Weg zum Tor sucht.

Auf Dauer wird man sie nicht halten können

Aber:

"Nicht mehr klar ist, dass man dort auch mehr Erfolg hat."

Und das sollte der BVB beweisen. Wenn der Verein es schafft sich international zu etablieren, könnte er einen Reus, einen Götze und auch einen Lewandowski vielleicht noch zwei oder drei Jahren halten. Die Gehälter würden natürlich steigen, aber mit den Einnahmen aus den internationalen Wettberwerben dürfte es bis zu einem gewissen Punkt machbar sein.

Götze 2016

Der Junge hat einen Vertrag bis 2016, wie auch die meisten anderen Leistungsträger. Der BVB hat bewiesen, dass er nicht bereit ist, Spieler vorzeitig gehen zu lassen.

Außerdem ist der BVB gerade dabei, den Spielern etwas zu liefern, dass andere Vereine nicht bieten können. Die Spieler, die sich für den BVB entscheiden und entschieden haben, können in Dortmund unsterblich werden, als die Gruppe in Erinnerung bleiben, die den BVB nicht nur aus dem Elend gerettet hat, sondern auch wieder dauerhaft oben etabliert hat. Und die Löhne werden bei solcher Konstanz auch schon noch angepasst werden.

Verträge sind so eine Sache :-)

Wenn der richtige Betrag für Spieler und Verein genannt wird, wird auch ein Götze wechseln. Hoffen wir, das dies nicht so schnell passiert.

Aber ansonsten gebe ich Ihnen vollkommen recht. Wenn der BVB es längerfristig schafft den Spielern das besondere Etwas zu liefern, werden die Spieler bleiben. Die Spieler müssten das Gefühl haben, gerade beim BVB besonderes leisten zu können, was bei anderen so nicht ginge.

Dann könnten die anderen Verein ruhig irgendwelche Beträge nennen. Aber nebenbei muss auch der Erfolg stimmen. Einen Lewandowski kann man wohl nur halten, wenn man CL spielt.

Selbsteinbildung.

Bei Götze und Reus mögen Sie recht haben. Entscheidend wird sein über Jahre konstant (erfolgreich) CL zu spielen.
Sie haben eine hohe Identifikation mit dem Verein, was sicherlich ein dicker Pluspunkt bei beiden ist.
Wenn sich Götze aber in den nächsten 2 Jahren so weiterentwickelt wie es alle erwarten und dann der FC Barcelona anklopft könnte es eng werden. Zu groß ist der Klub und fussballerisch passt Götze da einfach perfekt rein.
Bei Lewandowski würde ich das ganz anders sehen. Vielleicht verlängert er seinen Vertrag sogar, aber dann nur um noch ein Jahr bis 2014 zu bleiben. Er weiß zwar was er dem BVB zu verdanken hat, seine Identifikation ist allerdings im Gegensatz zu Reus und Götze ungemein kleiner. Wenn z.B. ManU ihn haben will, wird es enorm schwer ihn zum bleiben zu bewegen. Ich sehe Lewandowski eher in der Kategorie Kagawa. Auch Subotic (nicht unersetzlich mMn) und eventuell Piszczek sehe ich nicht auf Dauer beim BVB. Es ist zwar extrem schade, aber Dortmund wird immer mal wieder Leistungsträger ersetzen müssen.

Piszczek

Der hat seinen Vertrag bis 2017 verlängert, warum sollte er sowas tun, wenn er weg wollte? Kuba hat bis 2016 verlängert. Solche Verträge schließt man nicht ab, wenn man noch mal wechseln möchte. Vor allem nicht in ihrem Alter. Was Lewa und Subotic angeht, so bin ich mir auch nicht sicher, wie lange sie noch bleiben. Aber an Sahin und Kagawa hat man gesehen, dass man es schaffen kann, Leistungsträger zu ersetzen. Es dürfen halt nur nicht alle auf einmal gehen. Und meines Erachtens ist beim BVB vor allem der Verbleib von Götze, Gündogan, Bender, Hummels, Klopp, Piszczek usw. wichtig... Lewa ist grandios und auch wichtig, aber nicht das Herz des Spiels.

Wechselgerüchte/Angebote

Wenn einen Mannschaft so Spieler wie Götze, Hummels oder Reus in Ihren Reihen hat um nur einige zu nennen, weckt das nach solchen Auftritten wie gegen Real oder jetzt gegen Ajax immer Begehrlichkeiten von europäischen Spitzenclubs, die mit Geldbündeln wedeln...

Andereseits hat Dortmund gerade durch die bisherige CL-Saison seine Position um Spieler halten zu können in doppelter Hinsicht gefestigt.

1. Haben Sie jetzt schon reichlich zusätzlice Millionen eingespielt, kommen Sie z.B. mindestens ins Halbfinale stehen Sie finanziell super gestärkt da, Zuschauerkrösus sind Sie eh in Deutschland und auch international auf höchstem Niveau.

2. Die Vereinsperspektive ist zur Zeit weit besser als noch letztes Jahr, da Sie nun auch international Spitzenkönnern in Ihren Reihen excellente Perspektiven bieten können, sich zu entwicklen und bei den besten der Welt anzutreten.

3. Die Abgänge von Sahin und auch Kagawa habe Sie bestens kompensiert bisher und wirklich glücklich geworden ist ein Sahin bei Real mitnichten, ganz im Gegenteil er ist nur Ersatz und Statist, sportliche Perspektive zur Zeit sehr schlecht und selbst Kagawa hat längst nicht die Position in England erreicht, die er in Dortmund innehatte.

Faziz: Gerade die besten in Dortmund werden es sich gut überlegen, ob Sie realtiv kurzfristig wechseln wollen und spätestens 2015 werden die Karten eh neu gemischt....aber bis dahin kann Dortmund auch finanziell excellent dastehen.

Es...

...geht gar nicht zwingend darum, ob ein Spieler jetzt sofort wechseln will/wird. Die meisten sind ja noch jung. Aber wie sieht das ganze in 2-3 Jahren aus? Da wird es mMn schwierig einen Götze und Hummels bei ansprechenden Angeboten zu halten. Lewandowski wird voraussichtlich in absehbarer Zeit wechseln. Bei Piszczek muss man auch sehen, ob Real wirklich Ernst macht, dann könnte auch das - trotz Vverlängerung - eng werden. Jetzt kann man natürlich sagen das ist spekulativ und eh noch lange hin. Aber der Zeitpunkt wird kommen und einige Spieler werden nicht adäquat zu ersetzen sein. Noch sind fast alle aufgrund ihres Alters und des sportlichen Erfolges mehr als zufrieden. Wenn aber irgendwann die großen Klubs rufen werden einige schwach werden. Bei Barcelona, Real, ManU oder vllt auch Bayern zu spielen ist nunmal doch was anderes als beim "Provinzverein" aus Dortmund. Vor allem wenn die jugendliche Unbekümmertheit abnimmt und man dann die ganz große Bühne entdeckt.

Nachtrag.

Wenn die Angebote der Spitzenprädatoren des Weltfussballs einflattern kann fast niemand widerstehen.
In diese 1a Riege vorzustoßen ist aufgrund der historisch gefestigten Plätze kaum bis gar nicht möglich. Ich könnte mir vorstellen, dass Dortmund eine Art Arsenal der 2010er Jahre wird. Ein Topclub mit super Fussball, aber eben nur 1b. Man ist nicht ganz "oben". Deswegen werden immer wieder Spieler gehen, die man dann gleichwertig ersetzen muss. Auch Spieler aus dem Fundament wie Götze und Hummels werden nicht ewig beim BVB bleiben. Als einen aus der Gattung Gerrard oder Totti sehe ich bei Dortmund keinen.

Ja...

... wenn die Spieler bleiben wollen ist das kein großes Problem Angebote abzulehnen. Und das wollen die meisten ja auch (noch).
Wenn sie aber wechseln wollen ist das ein großer Unterschied.
Spieler zum bleiben zu zwingen funktioniert leider nur selten. Wie dem auch sei, vllt irre ich mich ja auch und die Mannschaft wird uns über Jahre in ähnlicher Zusammenstellung erfreuen. Leider bin ich das pessimistisch.

Wenn Sie diese Truppe bis 2015 halten können

dann wäre das schon ein Super Erfolg.

Fakt ist auch, wer einen der Leistungsträger früher haben will, muss tief in die Tasche greifen, da Sie fast alle einen Vertrag bis 2016 haben. Und Sie haben ja schon ein Angebot für Götze in Höhe von ca. 50 Millionen abgelehnt ! Und Götze hat sogar vorzeitig von 2014 auf 2016 verlängert, auch Reus hat sich gegen Bayern und für Dortmund entschieden.

Ich denke Sie werden es nicht bereut haben.

Vieles wird auch davon abhängen, ob sich Dortmund bis 2016 ununterbrochen für die CL_ League qualifizieren kann.
Wenn sie das schaffen würden, hätten Sie sowhl finanziell als auch perspektivisch hervoragende Möglichkeiten, zumindest in die Nähe der ganz großen aufzusteigen und auch für Spitzenspieler attraktiv zu bleiben.
Wir werden es sehen, ich als einer aus dem Revier würde das natürlich begrüßen.

Jedes Jahr einen Leistungsträger

hat der BVB teuer in den letzten 3 Jahren abgegeben. Das sollte auch so sein, einmal der Wertschöpfung wegen, aber auch um für den weiteren talentierten Nachwuchs (intern und Externe) freie Plätze zu eröffnen.
Ein "Aderlass" auf hohem Niveau führt zu weiteren Entwicklungen. Es wird dadurch bei den Talenten der große Wunsch entstehen:"Ich will beim BVB spielen (Beispiel Reus und Götze), da macht die weitere Entwicklung Spass.....".
.... und den Fans un den übrigen Zuschauern auch....
Weiter so! Glück Auf!

Gewusel als Waffe

"Die Elf besitzt deutlich weniger den Ball als in der Bundesliga (39 Prozent im Schnitt gegenüber 55 Prozent) und legt noch mehr Wert auf steileres, härteres, riskanteres Passen. Darunter leidet zwar die Genauigkeit, denn nur 63 Prozent der Pässe kommen an (zum Vergleich: Amsterdam 75, Bayern 78, Barcelona 87)."

Das ist sehr aufschlussreich. Meinem laienhaften Auge kam es schon in den beiden letzen Spielzeiten so vor, als gehörte Risikobereitschaft zu den wichtigsten Stilemrkmalen des BVB. Ihnen scheint es oft auf die Genauigkeit der Pässe nicht so anzukommen. Oft diskutiert in diesem Zusammenhang die langen Pässevon Hummels, die Löw in der NM nicht sehen will, die aber auch dann für Gefahr sorgen, wenn sie vorn beim Gegner landen. Dazu passt auch, dass die Jungs im Mittelfeld sehr gern Kopfball spielen; das sieht, weil es mit viel Ungenauigkeit verbunden ist, manchmal ungeschickt oder nach Notlösung aus. Es bewirkt ein schwer durchschau- und kontrollierbares Gewusel. Aber eben auch für den Gegner! Mir scheint, dahinter steckt Kalkül: Man setzt auf die Fähigkeit der eigenen Spieler, daraus schneller etwas Gefährliches zu machen als der Gegner. Und wenn man über die reaktionsschnelleren Spieler verfügt, dann wird ein gewisses Maß an Unordnung zur Waffe...

Gewusel^^

Stimmt. Sie beschreiben das sehr treffend.
Ich erinnere mich an Klopps TV-Experten zeit während der WM. Mir ist damals aufgefallen, dass er bei seinen taktischen Einschätzungen einmal(vielleicht auch öfter) betont hat wie wichtig die Eroberung des zweiten Balls ist.

Der BVB spielt einen tollen Fußball.
Ich wünsche mir, dass der Wusel-BVB gegen die Ballflachhalter aus Barcelona antreten muss. Das ist ein Spiel, dass ich gerne sehen würde.

Wuseltore

Genau...ich nenne diese Tore nur noch "Wuseltore".
Damit kommen die meisten Mannschaften nicht klar. So schnell wir Götze, Reuss und Lewandovski den Ball hin und her passen kommen die meisten Abwehrspieler nicht mehr mit. Der Zuschauer sowieso nicht. Die meisten Dortmund Tore sehe ich erst in der Wiederholung so schnell geht das.

Zu der Gefahr der Abwanderung möchte ich anmerken:
Dortmund kann in der Bundesliga bei den Gehältern mithalten. Zweimal Meister und und eine gute CL bisher spülen Geld in die Kasse. Zudem hat der BVB ein Händchen dafür, die Spieler an den Club zu binden. Wer will schon nach Real Madrid, wenn dem ein gutes Gehalt und ein Zuhause gegenüber steht.

etwas mehr Göück..

Oh je...

Im Erfolgsfall ist alles richtig, und im Misserfolgsfall alles falsch. So ähnlich könnte man die meisten Fußballanalysen abhaken Oliver Fritsch macht da auch kaum eine Ausnahme.

Zitat: Der Führungstreffer in Manchester, bei dem Marco Reus wie ein Pfeil in den Strafraum schoss, belegt, wie automatisiert der BVB das rasante Umschalten beherrscht.

Was soll man zu solch einer Analyse sagen? City spielte einen eklatanten Fehlpass. Der Weg zum Tor war frei. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Umschaltspiel zu tun.

Dann der Konter bei Ajax: Das war gut gespielt. Ja, natürlich, aber das war keine große Fußballkunst. Das war bread-and-butter. Sowas sieht man in jedem Bezirksligaspiel 10 mal... Der Abschluss war glücklich durch die Beine des Torhüters. Auch Lewandowskis Tor war sehr schön, aber extrem schwierig, und geht so oft rein wie ein Fallrückzieher von Mexes.
Dennoch spielt Dortmund guten Fußball, ohne Frage. Die Basis ist da. Die Abstimmung in der Defensive stimmt, das Mittelfeld funktioniert. Aber man trifft im Normalfall nicht mit jedem Torschuss.
Dortmund spielte in der letzten Saison auch schon nicht schlecht. Sie hatten nur weniger Glück. So einfach ist das manchmal halt auch, da muss man nicht nach absonderlichen Ursachen forschen.

Zufall?

Zu Ihrem Beitrag wäre viel zu sagen. Ich möchte nur eins erwähnen: Ich habe im Vorjahr, als der BVB ausschied, nicht alles für falsch erklärt. Aber sowas lässt sich natürlich leicht unterstellen.

http://www.zeit.de/sport/...

Ach, doch noch eins: Ich sehe sehr viele Bezirksliga- und ähnliche Spiele. In diesem Punkt will ich mal vehement widersprechen.

Und dann hätte ich noch eine Frage: Wenn im Fußball alles Glück und Zufall ist - worüber diskutieren wir dann hier? (das frage ich als Steuerungsskeptiker)

Zufall als Freund

"City spielte einen eklatanten Fehlpass. Der Weg zum Tor war frei. Das hat nichts, aber auch gar nichts mit Umschaltspiel zu tun."

Aber warum spielte City einen solchen Fehlpass? Soll man das einfach nur für Zufall halten? Ich denke nicht. Denn sie wurden ja permanent unter Druck gehalten, Touré war ausgeschaltet, alle paar Minuten kam Dortmund zu gefährlichen Torschüssen. Die Jungs haben damit sozusagen das "Klima" geschaffen, in dem Fehler gut gedeihen. :-) Und sie hatten mit Reus den Mann, der sowas sofort bestraft, hellwach und eiskalt.

"Dortmund spielte in der letzten Saison auch schon nicht schlecht. Sie hatten nur weniger Glück. So einfach ist das manchmal halt auch..."

Klar sollte man Zufall, Glück nicht unterschätzen. Das ist gerade im Fußbal ein ganz wichtiger Faktor (anders als im Tennis z.B.). Aber wie geht mal mit diesem Faktor um? Versucht man, ihn möglichst klein zu halten durch Ballkontrolle, Kurzpässe, sicheren Spielaufbau? Wenn man so sehr auf Kontrolle bedacht ist, dann macht man sich sozusagen den Zufall, die Unordnung, das Gewusel zum Feind. Sie sind das, was man verhindern will. Aber das geht halt nicht im Fußball.
Ein ganz anderer Ansatz wäre: Sich mit dem Zufall anfreunden, ihn sozusagen auf die eigene Seite ziehen, ihn ins eigene Spiel zu integrieren. Gerade Mannschaften, die auf sehr Kontrolle aus sind, geraten dadurch aus dem Konzept. Das haben, denke ich, die Spiele Bayern-BVB gezeigt; besonders das desaströse Pokalfinale.

Genau, Glück ist ein wichtiger Faktor im Fussball

Ich kann 'Autopoietiker' nur zustimmen: der Faktor Glück bzw. Zufall wird in den meisten tiefschürfenden Analysen fast immer vergessen. So Spiele wie die Niederlage von Barcelona in Glasgow, oder der CL-Sieg von Chelsea sind einfach nur ungaublicher Dusel. Und so bitter es für den unterlegenen, aber besseren ist - genau diese unerwarteten Ausgänge machen den Reiz beim Fussball mit aus.

Nichtsdestoweniger spielt Dortmund einen faszinierenden Fussball, der natürlich auch genau auf die vorhandenen Leute zugeschnitten ist; und so wie sie in den letzten beiden Jahren das nötige Glück in der BL hatten, in der CL dagegen gar nicht, scheint's in diesem Jahr anders herum zu sein.

Aber: Kollege Zufall hätte gestern statt des 1:0 den Ball vom Schienbein des Torwarts abprallen lassen können, beim 2:0 genügt ein schiefer Schnürsenkel, dass der Ball an den Pfosten geht, und das 3:0 ist ein klarer Torwartfehler - der kann den Schuss fangen oder nach außen abklatschen, dann passiert gar nix. Alles Zentimeter-Sachen, die den Unterschied zwischen klarem Sieg und Unentschieden machen können - und eben oft genug NICHT rein gehen.

Und schon müsste man hier wohl - wie gestern der FC Bayern - lesen, schwach gespielt zu haben. Denn so tiefgründig Herr Fritsch und die meisten seiner Kollegen auch gerne erscheinen wollen - am Ende ist die Analyse doch zu 90% vom Ergebnis beeinflusst.

Zufall?

Bei dem Tor von Reus gestern muss ich mich doch etwas korrigieren. Ich hatte nicht die gesamte Spielsituation vor Augen sondern nur den finalen Pass von Götze auf Reus. Der gesamte Angriff jedoch stützt ihre These aufs Vortrefflichste, und das sieht man in unteren Klassen doch eher selten. Von daher, mein Fehler!

Zu ihrer Frage: Zufall ist im Fußball ein wichtiger Faktor, aber halt nicht der einzige Faktor. Wenn man Fußball mit einem Brettspiel vergleichen mag, dann ist Fußball kein Schach sondern Backgammon. Beim Backgammon kann man immer die richtigen Züge machen, und verliert dennoch, das kann auch )in abgemilderter Form) beim Fußball passieren. Es geht also bei einer fundierten Analyse auch darum, den stochastischen Einfluss rauszurechnen, und da bleibt noch eine ganze Menge an Taktik und Strategie, aber auch Psychologie übrig. So ist sicher eine der wichtigsten mentalen Erfolgsstratgien, dass man sich von (zufälligen) Misserfolgsumständen nicht beeinflussen lässt, sondern an den Dingen festhält die man beeinflussen kann, und von denen man überzeugt ist.
Darin sehe ich übrigens einen wesentlichen Erfolgsfaktor des Systems Klopp.

Zufälle

Das kann ich so nicht stehen lassen. Das Thema Zufall im Fußball ist ein sehr interessantes Thema, und ich habe mich hier schon mehrfach damit auseinandergesetzt:

http://www.zeit.de/sport/...
http://www.zeit.de/sport/...
http://www.zeit.de/sport/...

So simpel, wie Sie unterstellen, denke ich nicht. Ein Spiel wie Celtics Sieg gegen Barca ist natürlich auf viel Glück und Zufall zurückzuführen. Der Gruppensieg des BVB aber auf deutlich weniger, auch wenn gestern der Tormann des Gegners mitgeholfen hat:

https://twitter.com/zeito...

Herr Blaubär: Wahre Worte

Erstmal zum Thema Glück. Es ist doch höchst wahrscheinlich, dass wenn man zwei Jahre die Liga dominiert und die Bayern vorführt, Glück der wichtigste Faktor sein muss!!! Diese Jahr haben sie halt eine leichte Gruppe in der CL erwischt...wieder Glück.
Auch bei dem anderen Punkt gehen wir konform. Anstatt die Bayern schlecht zu schreiben hätte man evtl. mal positiv über die Weltklasse eines, im Sommer für nen Apel und n Ei verpflichteten, Spaniers berichten können. Oder über die Sicherheit und Souveränität des besten Tormannes der Welt. Auch der beste Secher der Welt mit seiner überagenden Präsenz wird nicht erwähnt. Und das die Mannschaft, welche in Unterzahl gerät immer die bessere ist erwähnt der Autor nicht mit einem Wort.

Zufall.

Zufall ist der Motor der Evultion. Unser Universum ist ein Produkt des Zufalls, wohl auch die Naturgesetze. Der Zufall ist damit ein grundlegendes Element des Seins.
Bedeutet dies nun, dass alles "zufällig" ist? Mitnichten. Der Zufall ist nur der Kettschuss im Gewebe des Lebens. Das Muster ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Zufall und Notwendigkeit, von Zufall und Kausalität. In einem sich entwickelnden Spiel sind beide nicht zu trennen. Der Zufall greift nicht nur bei "Unterkante Latte" ein, er greift bei jedem Pass bei jedem Schritt ein. Das macht aber genau die Faszination von Fußball aus, diese Anfälligkeit für Fehler, und die Kunst den Zufall scheinbar zu zähmen. Jedes Spiel hat entsprechend der Regeln eine "Anfälligkeit" für den Zufall. Dies unterscheidet z.B. Fußball und American Football, und je nach kultureller Prägung wird dies auch unterschiedlich wahrgenommen.
In der Komplexitätstheorie nennt man diesen Ort "Chaosrand". Dort besteht das günstigste Verhältnis zwischen Zufall und Determinismus, und dort befindet sich der Ort, an dem Neues entstehen kann. Kreativität.
Dieses kreative Chaos, das im Fußball herrscht, und das manche Spiele so unberechnbar macht, ist wohl eines der Geheimnisse des Erfolges diees Sports.
Man sollte den "zufall" also nicht verdammen, sondern ihn als unverzichtbar erkennen für den Zauber des Spiels!

Gut pariert

Schön zu sehen, dass man mit provokanten Thesen doch ein paar nette Antworten auslösen kann :-)

@Oliver Fritsch: Danke für die Klarstellung und Asche auf mein Haupt ... ich wollte Ihnen keinesfalls simples Denken unterstellen. Ich muss auch zugeben, dass das in Rede stehende Spiel ein eher schlechtes Beispiel für den Einfluss des Zufalls ist. Der hätte da schon massiv zuschlagen müssen. Und in der Tat bringt eine ganze Gruppenhase, oder noch mehr eine ganze BL-Saison schon eine ganz gute Mittelung über positive und negative Zufälle. Sonst würden ja auch nicht immer im wesentlichen die gleichen oben stehen.

@match: danke für die schöne Retourkutsche - da ich selbst ein Anhänger des Sarkasmus bin, hat mir Ihre Antwort wirklich Spass beim Lesen gemacht.

Ich habe eben nur gelegentlich das Gefühl, dass es heutzutage mit der Analyse von Fussball, vor allem von Einzelspielen, übertrieben wird. Und oft (Herr Fritsch hiermit ausdrücklich ausgenommen ;-) wird der wichtige Faktor Zufall ignoriert und ein Glücksschuss schon als strategische Überlegenheit erkannt.

Interessant finde ich den Ansatz, Klopp hätte den Zufall bewusst in sein Spielsystem integriert, um mit Blitz-Kontern davon zu profitieren, anstatt den berühmten "geordneten Spielaufbau" zu versuchen.
Den Fussball mit dem Zufall versöhnen - das ist ganz nach meinem Geschmack!

Jetzt fehlt nur noch das System wie man Schiedsrichterentscheidungen zu seinen Gunsten beeinflussen kann ...