Joachim Gauck"Wir tun uns nichts Böses, wenn wir uns fordern"
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"Tiefere Bejahung des eigenen Ichs"

Gauck redet über Inklusion. Es waren ja nicht nur die Gewinner olympischer, sondern auch die Sieger paralympischer Medaillen eingeladen. Er wolle sich ja nicht mit dem IOC anlegen, sagt Gauck. "Aber heißt 'para' nicht 'neben'?", fragt er. Er war auch bei den Paralympics, die Stimmung sei in diesen Wochen noch besser gewesen als während der Olympischen Spiele. "Da war nichts 'para', das war ehrlich gesagt 'supra'", sagt Gauck.

Über den Wert des Leistungssports für die Gesellschaft spricht er auch: "Sport verkörpert unser Idealbild einer Welt, in der beides möglich ist, harter Wettbewerb und eine spielerische Existenz, die den Menschen Freude macht. Der Leistungsmensch und der spielende Mensch, der homo ludens , kommen in der Lebenswelt des Sports zusammen. Das gibt dem Sport eine ganz besondere Bedeutung", sagt er.

Plädoyer für die Leistungsgesellschaft

Gauck preist die Mühen, die die Sportler auf sich genommen haben. "Sie leben in einer Gesellschaft, die denkt, wir sind dazu geboren, uns zu amüsieren. Jeder Mensch amüsiert sich gerne. Aber tiefste Freude und eine tiefere Bejahung unseres eigenen Ichs erleben wir erst dann, wenn wir uns für etwas angestrengt und Mühen in Kauf genommen haben", sagt er und hebt geradezu zu einem Plädoyer für die Leistungsgesellschaft an. "Mein größter Wunsch ist, dass unsere Gesellschaft davon mehr begreift. Wir tun uns nichts Böses, wenn wir uns fordern", sagt Gauck.

Beim Thema Doping hält Gauck sich zurück, hier brauche es einen "weiterhin kraftvollen und sehr bewussten Einsatz". Ein Satz, der nicht so recht passen will, zur Tatsache, dass die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) Jahr für Jahr um ihre Finanzierung kämpfen muss , Dopingforschungsprojekte von Wissenschaft, Politik und Verbänden ausgebremst werden und ein Anti-Doping-Gesetz in diesem Land noch fehlt. Ein Lance Armstrong wäre in Deutschland jedenfalls nicht aufgeflogen.

Gauck klang schon einmal anders. Vor einem Jahr verlieh Gauck Ines Geipel , der Schriftstellerin, ehemaligen DDR-Sprinterin und anerkanntem Doping-Opfer , den Ethikpreis des katholischen Sportverbandes Deutsche Jugendkraft. "Es ist eines, über Doping einer vergangenen Diktatur zu sprechen, so spüren wir, und ein anderes, darüber, was uns aktuell die Freude am Siegen, an Siegern und Siegerinnen nehmen könnte", sagte er damals und fragte: "Will diese spaßwütige Event-Gesellschaft wirklich wissen, warum wer siegt?"

Am Tag der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts schien das auch Gauck egal zu sein.

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Leserkommentare
  1. "Sie leben in einer Gesellschaft, die denkt, wir sind dazu geboren, uns zu amüsieren. Jeder Mensch amüsiert sich gerne. Aber tiefste Freude und eine tiefere Bejahung unseres eigenen Ichs erleben wir erst dann, wenn wir uns für etwas angestrengt und Mühen in Kauf genommen haben", sagt er und hebt geradezu zu einem Plädoyer für die Leistungsgesellschaft an. "Mein größter Wunsch ist, dass unsere Gesellschaft davon mehr begreift. Wir tun uns nichts Böses, wenn wir uns fordern", sagt Gauck.“

    das halte ich übrigens nicht für ein Plädoyer für die Leistungsgesellschaft, sondern für den Versuch, klarzustellen, dass kurzweilige Bedürfnisbefriedigung nicht das Ende der Fahnenstange sein kann, dass Leistung nicht alles ist, aber notwendig, um sich und anderen anständig dienen zu können – auch mit Befriedigung, ja -, dass immer nur die Extreme herrschen, entweder vollkommen gegen oder vollkommen für Leistung zu sein und dass es das nicht sein kann. Respekt für diese Aussage, Herr Gauck!

    2 Leserempfehlungen
  2. "Aber tiefste Freude und eine tiefere Bejahung unseres eigenen Ichs erleben wir erst dann, wenn wir uns für etwas angestrengt und Mühen in Kauf genommen haben..."

    ja und? warum macht es herr gauck nicht? wo waren seine anstrengungen und mühen 1989? kann es sein, daß herr gauck nur schwadroniert?

    "Vielleicht liegt es an seiner neuen Rolle, als Präsident muss man sich auch mal auf die Zunge beißen."

    kann es sein, daß es die aufgabe des bundespräsidenten ist, genau dieses nicht zu tun?

  3. Ich wollte Gauck nicht und ich will ihn immer noch nicht. Aber, er macht das, was ein Bundespräsident machen soll. Und das ist gut so. Gewählt ist gewählt.

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    Tja ist heute wohl nicht mehr aktuell deine Aussage :D

    Gekürzt. Bitte unterlassen Sie Beleidigungen. Danke, die Redaktion/dd

  4. 4. [...]

    Tja ist heute wohl nicht mehr aktuell deine Aussage :D

    Gekürzt. Bitte unterlassen Sie Beleidigungen. Danke, die Redaktion/dd

    Antwort auf "besser als gedacht"

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