Gauck redet über Inklusion. Es waren ja nicht nur die Gewinner olympischer, sondern auch die Sieger paralympischer Medaillen eingeladen. Er wolle sich ja nicht mit dem IOC anlegen, sagt Gauck. "Aber heißt 'para' nicht 'neben'?", fragt er. Er war auch bei den Paralympics, die Stimmung sei in diesen Wochen noch besser gewesen als während der Olympischen Spiele. "Da war nichts 'para', das war ehrlich gesagt 'supra'", sagt Gauck.

Über den Wert des Leistungssports für die Gesellschaft spricht er auch: "Sport verkörpert unser Idealbild einer Welt, in der beides möglich ist, harter Wettbewerb und eine spielerische Existenz, die den Menschen Freude macht. Der Leistungsmensch und der spielende Mensch, der homo ludens , kommen in der Lebenswelt des Sports zusammen. Das gibt dem Sport eine ganz besondere Bedeutung", sagt er.

Plädoyer für die Leistungsgesellschaft

Gauck preist die Mühen, die die Sportler auf sich genommen haben. "Sie leben in einer Gesellschaft, die denkt, wir sind dazu geboren, uns zu amüsieren. Jeder Mensch amüsiert sich gerne. Aber tiefste Freude und eine tiefere Bejahung unseres eigenen Ichs erleben wir erst dann, wenn wir uns für etwas angestrengt und Mühen in Kauf genommen haben", sagt er und hebt geradezu zu einem Plädoyer für die Leistungsgesellschaft an. "Mein größter Wunsch ist, dass unsere Gesellschaft davon mehr begreift. Wir tun uns nichts Böses, wenn wir uns fordern", sagt Gauck.

Beim Thema Doping hält Gauck sich zurück, hier brauche es einen "weiterhin kraftvollen und sehr bewussten Einsatz". Ein Satz, der nicht so recht passen will, zur Tatsache, dass die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) Jahr für Jahr um ihre Finanzierung kämpfen muss , Dopingforschungsprojekte von Wissenschaft, Politik und Verbänden ausgebremst werden und ein Anti-Doping-Gesetz in diesem Land noch fehlt. Ein Lance Armstrong wäre in Deutschland jedenfalls nicht aufgeflogen.

Gauck klang schon einmal anders. Vor einem Jahr verlieh Gauck Ines Geipel , der Schriftstellerin, ehemaligen DDR-Sprinterin und anerkanntem Doping-Opfer , den Ethikpreis des katholischen Sportverbandes Deutsche Jugendkraft. "Es ist eines, über Doping einer vergangenen Diktatur zu sprechen, so spüren wir, und ein anderes, darüber, was uns aktuell die Freude am Siegen, an Siegern und Siegerinnen nehmen könnte", sagte er damals und fragte: "Will diese spaßwütige Event-Gesellschaft wirklich wissen, warum wer siegt?"

Am Tag der Verleihung des Silbernen Lorbeerblatts schien das auch Gauck egal zu sein.