Die Basketball-Bundesliga hat es schwerer. Als Geschwindner jüngst in der Fachzeitschrift BIG zur Generalkritik ausholte, klagte, dass die Liga Geld und Hype über Spielerentwicklung stelle und Defizite in der Nachwuchsförderung habe, reagierte der Geschäftsführer Jan Pommer: Man kann sich die benötigten 100 zusätzlichen Nachwuchstrainer "nicht mal eben an der Werkbank schnitzen. Auch Herr Geschwindner vermag das, nehme ich an, nicht." Pommer sagt aber auch: "Sein kraftvolles Widersprechen ist hilfreich."

Er polarisiere nicht bewusst, beteuert Geschwindner. Der Gedanke "Viel Feind, viel Ehr'" sei ihm zu billig, sagt er. Zu quantitativ gedacht, selbst für den Mathematik-Narr. Allerdings vermisse er in Deutschland eine Streitkultur, wie sie in den USA aus schulischen Debattierklubs erwachsen sei. "Man braucht doch Reibungsfläche, ohne sich deswegen gleich böse zu sein!" Der Würzburger Journalist Wolfgang Jung, der Geschwindner schon eine Weile begleitet, sagte: "Geschwindner streitet sich mit Lust, als intellektuelle Übung."

Geschwindner lieferte Steilvorlagen, stilisiert aber haben ihn Journalisten. Zum kauzigen Genie die einen – meist in den USA –, zum kauzigen Spinner die anderen. Nach einem Doppel-Interview stöhnte die Spiegel -Redaktion über die Auswirkungen von Geschwindners umfassendem Beschützerinstinkt . Dass Nowitzki nicht aufgrund, sondern eher trotz Geschwindners Training ein Athlet von Weltrang geworden sei, schreibt niemand, aber auch diese Auffassung existiert.

Geschwindner ficht das nicht an, mangelndes Selbstbewusstsein ist nicht sein Problem. Er sagte einmal: "Die Summe meiner Unfähigkeiten hat es nicht geschafft, Dirks Talent zu ruinieren." Und überhaupt sei er ja gar nicht alleiniger Entdecker und Förderer Nowitzkis. Ein Satz, von dem Kritiker behaupten, er würde ihn nie über die Lippen bringen.

Die fast zwei Handvoll Erzähler, die sich in Geschwindners Buch abwechseln, darunter "der gütige Lehrer Lempl" und der "emsige Doc vom Lande" sollen eben nicht als Inkarnation des Autors interpretiert werden, und damit als Beleg für seinen Größenwahn. Nein, beteuert Geschwindner, sie sind diese ganzen anderen Menschen, die dabei waren und die nur namenlos bleiben, weil sie es so gewollt haben.

Geschwindner könnte in Würzburg und Umgebung der König an Nowitzkis Seite sein. Er ist es nicht, weil er den Umbau eines Fabrikgeländes zum Basketballzentrum auf halber Strecke im Streit verließ – er selbst sagt, Tricksereien der Baufirmen hätten ihn abgeschreckt. Und weil die Sache mit den Mainfranken Baskets schiefging, als Geschwindner nach der Insolvenz eines Vorgängerteams die Würzburger 2005/06 mit blutjungen Spielern aus der zweiten Liga in die erste führen wollte. Der Angriff stockte und die Verteidigung noch mehr. Am Ende standen eine Differenz von knapp 30 Punkten pro Spiel und nur ein einziger Sieg aus 30 Partien. Geschwindner beklagte die Ungeduld der anderen Verantwortlichen.

Abgelenkt war er zu dieser Zeit auch durch einen Prozess wegen Steuerhinterziehung , den er am Ende verlor . Der Mann, dessen Protegé 160 Millionen US-Dollar allein an Gehalt verdient hat, hatte seine Buchhaltung offenbar in Schuhkartons organisiert .

Vielleicht fasst der Journalist Jung Geschwindners Wesen am Besten zusammen: "Ein Krawallmacher ist er nicht. Er erscheint uns nur so, weil er auf einem völlig anderen Planeten unterwegs ist als wir. Und das meine ich alles andere als abwertend."

Vielleicht wird Holger Geschwindner nie komplett auf unserem Planeten ankommen. Vielleicht bleibt sein Programm zur Berechnung des perfekten Wurfs das Einzige von ihm, das für jeden nachvollziehbar ist. Man kann alles über Holger Geschwindner wissen und hat doch keine Ahnung, wie es ist, Holger Geschwindner zu sein.