Thomas Hitzlsperger : "Ich trage einen Monat lang eine Rotzbremse"
Seite 2/2:

Adriano sollte bei Beckmann beichten

Hitzlsperger : Als Fußballprofi bekommt man häufiger Anfragen, etwa ob man sein Trikot oder einfach Geld spenden will. Ich unterstütze seit drei Jahren Ubuntu Africa , das sich HIV-infizierten Kindern im Township Khayelitsha bei Kapstadt angenommen hat. Mit dem Geld wird Essen bezahlt, Bildung, Aufklärung, gemeinsame Ausflüge. Die Zustände sind teilweise erschreckend, jedoch schöpfen die Kinder neuen Mut dank Ubuntu Africa.

ZEIT ONLINE : Kennen Sie die Verantwortlichen persönlich?

Hitzlsperger : Ja, ich habe mir versichern lassen, dass die Spenden ausschließlich Ubuntu Africa zugutekommen. Wir haben einen Dokumentarfilm gedreht, und ich bin einmal nach Südafrika gereist, um mit der Gründerin des Projekts, Whitney Johnson, zu sprechen. Es war ein einschneidendes Erlebnis, aber auch mit Angst verbunden, denn das Leben dort ist geprägt von Armut, Drogen und Gewalt. Und als Weißer in Khayelitsha ist es nicht ungefährlich.

ZEIT ONLINE: Wie ist die Spendenbereitschaft unter Fußballern allgemein verbreitet?

Hitzlsperger : Ich denke, gut. In England ist Charity sehr wichtig, in Deutschland haben einige Fußballer Stiftungen. Grundsätzlich finde ich es wichtig, dass man Bescheid weiß, wofür man sein Geld und seinen Namen hergibt. Promis, die aus Image-Gründen Gutes tun, sind mir suspekt.

ZEIT ONLINE : In der vorigen Woche haben Fußballfans eine andere Moraldebatte geführt. Luiz Adriano aus Donezk hat im Stile eines Schufts ein Tor geschossen.

Hitzlsperger : Das geht gar nicht, er hat gegen ein ungeschriebenes Gesetz verstoßen: Er hätte den Ball dem Gegner überlassen müssen. Man muss bedenken, er hatte Zeit genug, seine Aktion zu unterbrechen. Es war eine bewusste Aktion.

ZEIT ONLINE : Wie hätten Sie als Mitspieler gehandelt?

Hitzlsperger : Das beste Mittel ist, den Gegner ungehindert ein Tor erzielen zu lassen, um die gleiche Ausgangsposition wieder herzustellen.

ZEIT ONLINE : Und als Gegenspieler? Mal ein kleiner Tritt?

Hitzlsperger : Nein, da darf man nicht überreagieren. Man sollte einen Regelverstoß nicht mit einem Regelverstoß ahnden. Am Ende holt man sich noch eine Rote Karte.

ZEIT ONLINE : Welche Strafe sollte Adriano zukommen?

Hitzlsperger : Er sollte bei Beckmann beichten.

ZEIT ONLINE : Ich wusste gar nicht, dass Sie ein Hardliner sind.

Hitzlsperger : Vielleicht tut's auch eine ehrlich gemeinte, hohe Spende für Movember.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

@ grellseher

Also, Herr Fritsch bedarf sicher keiner Verteidigung durch mich (wir haben ja auch öfters Kontoversen, und versprochen Herr Fritsch: das wird auch künftig so sein...).

Das Interview finde ich (wie die gesamte Rubrik) sehr interessant und lerne immer wieder Neues über diese Menschen. Zwar wusste ich bei Th.H. von sozialem Engagement, die Südafrika-Stiftung war mir aber neu. Ebenso die Movember-Idee.

Wenn Ihnen die Rubrik nicht gefällt, brauchen Sie die ja nicht zu lesen. Und wenn Sie das trotzdem tun, können Sie sich den ausgesprochen kindischen Kommentar schlicht schenken.

Ich finde die Rubrik seit Jahren gut und hoffe, dass sie noch lange fortgeführt wird!

Etwas im Kopf und unter der Nase

Schön zu sehen, dass Fußballer auch was im Kopf (und unter der Nase) haben und über den Stadionrand hinauszuschauen vermögen. Die Idee "Adriano beichtet bei Beckmann" ist quotenträchtig und zeigt, dass Hitzlsperger Witz hat. Ein Gegenentwurf zum ewigen, witzlosen Kindskopf "Lodda" Matthäus.